mini|hochkant=1.3|Luftbild des Zentrums von Zschopau
Die MotorradstadtBekanntmachung des Sächsischen Staatsministeriums des Innern zur Verleihung der sonstigen Bezeichnung „Motorradstadt“ an die Stadt Zschopau vom 5. Juli 2021 SächsABl. S. 960 Zschopau (Aussprache: ) ist eine Große Kreisstadt im sächsischen Erzgebirgskreis.Einladung der Stadt Zschopau zur Verleihung des Namenszusatzes „Motorradstadt“
Die Stadt entstand rings um die Burg, die Mitte des 12. Jahrhunderts zum Schutz der hier den Fluss Zschopau querenden Salzstraße errichtet worden war. Ab dem 14. Jahrhundert wurde auch Bergbau betrieben, woraufhin Zschopau 1493 Privilegien einer „Freien Bergstadt“ erteilt wurden. Die Bedeutung blieb jedoch immer hinter den großen Bergstädten im Erzgebirge zurück.
Die Entwicklung von Handwerk und Gewerbe ist durch den Handelsweg begünstigt worden, im Jahr 1451 wurde Zschopau das Marktrecht und 1466 das Braurecht verliehen. Erste Innungen der Weber und Kattundrucker wurden bereits 1529 gegründet. Später entwickelten sich Textilmanufakturen und Spinnereien, die den frühen Wandel Zschopaus zur Industriestadt am Beginn des 19. Jahrhunderts begünstigten.
In Zschopau wurden seit 1922 Motorräder gebaut. Hier stand seit 1926 das erste Motorrad-Fließband der Welt und die Zschopauer Motorenwerke mit ihrer Marke DKW waren mit einer Produktion von rund 60.000 Stück im Jahr 1928 erstmals die weltweit größte Motorradfabrik. Auch zu DDR-Zeiten gehörte das Motorradwerk nach Stückzahlen zu den weltweit größten Motorradproduzenten.
Name Die Wurzeln des Fluss- und Ortsnamens Zschopau stammen vom Slawischen skapp mit der Bedeutung Fels, Klippe bzw. spalten, graben bzw. vom Sorbischen. Šučici; die Rauschende, Tosende.
Geographie Geographische Lage Die Stadt Zschopau liegt südöstlich der Stadt Chemnitz im Tal des gleichnamigen Flusses. Sie befindet sich am Übergang von den unteren Lagen zu den mittleren Lagen des Erzgebirges im Naturraum Unteres Mittelerzgebirge. Vor allem der südöstliche Prallhang des Zschopauflusses ist aufgrund des steilen Reliefs kaum besiedelt. Der tiefste Punkt im Stadtgebiet befindet sich am Zschopaufluss an der Stadtgrenze zu Grünhainichen in rund , die höchste Erhebung ist der 598 m hohe Pilzhübel südwestlich des Stadtteils Krumhermersdorf.
Nachbargemeinden
Stadtgliederung Ortsteile: Zschopau Wilischthal (Eingemeindung der Scharfensteiner Straße im Jahr 1905) Krumhermersdorf (Eingemeindung am 1. Januar 1999) Ganshäuser (1988 zu Krumhermersdorf und 1. Januar 1999 mit diesem zu Zschopau) Wohnplätze, Feldgüter und Wüstungen: Bornwaldhäuser, seit 1914 Wüstung (1. Januar 1999 mit Krumhermersdorf zu Zschopau) „Rotes Vorwerk“, in Zschopauer Feldmark zu Amtsberg OT Schlößchen, früher Vorwerk zu Schloss Wildeck, jetzt Golfhotel „Feldschlösschen“, in Zschopauer Feldmark zu Amtsberg OT Schlößchen, früher Gut und bekanntes Ausflugslokal mit großem Tanzsaal Feldgut und Häuser auf Chemnitzer Straße 110/111, früher Wegsteuereinnehmerstelle Böhmischer Steig, dann Gaststätte „Bergschlößchen“ Häuser in der Thumer Straße vor Ortseingang Amtsberg OT Schlößchen
Geschichte mini|Zschopau samt Handelsweg auf einer Karte der ersten kursächsischen Landesaufnahme im 16. Jahrhundert. (Süden ist in dieser Ansicht rechts.) mini|Ansicht der Stadt von Südost mit Darstellung des Handelsweges nach Matthäus Merian (um 1650) mini|Stadtgrundriss von 1789 in den Meilenblättern von Sachsen mini|Ansicht von Südwest (um 1830) mini|Gedenktafel an der 1813 erbauten Brücke über die Zschopau. Es erinnert an den sich den Händlern auf ihrer Durchreise in der Stadt bietenden Schutz. mini|hochkant|Rekonstruierte Kursächsische Postmeilensäule von 1727 mini|Altes Rathaus (2009) mini|Ein Gebäude des ehemaligen Motorradwerks, heute Gewerbepark. Vorn eine MZ 125 SM, Bj. 2008 und eine MZ ETZ 150, Bj. 1989.
Entstehung der Stadt Die Burg wurde Mitte des 12. Jahrhunderts errichtet und diente zum Schutz der Furt der Salzstraße durch die Zschopau. Diese Straße überquerte von Halle und Leipzig kommend hier den Fluss, um dann weiter über die damals dicht bewaldeten Höhen des Erzgebirges nach Böhmen und Prag zu führen. Im Jahre 1174 wird die Straße als antiqua semita Bohemorum genannt. In diese Zeit dürfte auch die Entstehung der Stadt fallen. 1286 erfolgte die erste urkundliche Erwähnung als „Schapa“, 1292 die Bezeichnung Zschopaus als civitas.
1300 gelangte die Stadt in den Besitz der Reichsministerialien von Waldenburg. Ab 1349 war sie mark-meißnisches Lehen und kam 1456 ganz in den Besitz des sächsischen Kurfürsten. Mit der Leipziger Landesteilung 1485 wechselte die Zuständigkeit vom Amt Wolkenstein zur „Pflege Schellenberg“ bzw. ab 1590 zum Amt Augustusburg. Ab Mitte des 14. Jahrhunderts wurde auch in Zschopau Bergbau (insbesondere Silberbergbau) betrieben. 1454 wurde außerhalb der Stadt jenseits der Zschopau die Kapelle „beate mariae virginis“ errichtet (1812–1813 abgerissen). 1494 wurde eine neue spätgotische Stadtkirche „St. Martin“ errichtet, zur gleichen Zeit wurden Stadtmauer und Rathaus erneuert. 1506 richtete Kurfürst Georg auf dem Schloss eine Forst- und Wildmeisterei ein, die mehr als 400 Jahre lang Bestand hatte. 1516 wurde in Zusammenhang mit der Verpachtung des Brückenzolls erstmals eine Brücke über die Zschopau erwähnt.
Zschopau nach der Reformation Mit der Reformation 1539 wurde Zschopau eine eigenständige Parochie. Eine Stadtschule wurde 1543 erstmals erwähnt. Von 1545 bis 1547 erfolgte der Ausbau der Burganlage durch den sächsischen Herzog und späteren Kurfürsten Moritz zu einem Jagdschloss, das die Bezeichnung „Wildeck“ erhielt. Mit diesem Schritt wurde man auch der zunehmenden Bedeutung von Zschopau als Stadt im Erzgebirge gerecht. Das Schloss diente von 1506 bis 1911 als Sitz einer Oberforst- und Wildmeisterei (später Oberforstamt). Zur Versorgung gab es in umliegenden Orten Vorwerke. Einer der bekanntesten Landjägermeister war Cornelius von Rüxleben (1525–1590), ein Vertrauter des sächsischen Kurfürsten August. Er war seit 1554 Jägermeister in Zschopau und ließ 1561 das Edelhaus (jetzt Neues Rathaus) am Altmarkt errichten. 1576 fiel er beim Kurfürsten in Ungnade und blieb bis zu seinem Tod 1590 in Haft.
Zwischen 1567 und 1588 wirkte der Philosoph und Theologe Valentin Weigel als Pfarrer in Zschopau. Im Jahr 1609 geriet die Zschopauerin Margarethe Lößnert in einen Hexenprozess und wurde enthauptet.Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen. Köln / Weimar / Wien 2003, S. 459. 1612 wurde Zschopau schwer von der Pest getroffen, die über 450 Menschenleben forderte. 1632 mussten die Bewohner im Dreißigjährigen Krieg vor den Kroaten in die Wälder fliehen. 1634 wurde die Stadt erneut geplündert und am 21. November zu großen Teilen niedergebrannt. Bis zum Ende des Krieges 1648 quartierten sich immer wieder Soldaten in der Stadt ein.
In den nachfolgenden Jahren blühte die Stadt wieder auf. Handel, Gewerbe und der Bergbau brachten Reichtum und Anerkennung. In dieser Zeit wirkte u. a. der Komponist Christian Liebe als Rektor der Lateinschule.
Dieser Zeitabschnitt wurde durch den großen Stadtbrand von 1748 beendet. Bei dem Feuer am 8. Oktober, das von einem Haus unmittelbar neben der Kirche ausging, wurde innerhalb dreier Stunden nahezu die gesamte Innenstadt zerstört. Nur das Schloss und die Häuser jenseits der Zschopau blieben unbeschadet. Zwei Jahre später wurde mit dem Wiederaufbau der Kirche im Barockstil begonnen, 1751 wurde sie eingeweiht (siehe Abschnitt „Sakrale Bauten“). Auch die anderen Gebäude um den Markt wurden im barocken Stil wieder errichtet.
Ältere Bausubstanz findet sich heute, abgesehen vom Schloss und den Resten der Stadtmauer, nur außerhalb des Verlaufs der alten Stadtbefestigung.
Die Nachbildung einer Kursächsischen Postmeilensäule von 1727 steht seit 2009 in der Chemnitzer Gasse (Abzweig Chemnitzer Straße) vor den ältesten Häusern der Stadt (siehe Abschnitt „Weltliche Bauten“).
Während des Siebenjährigen Krieges von 1756 bis 1763 mussten die Einwohner wiederholt einquartierte Truppen versorgen, Kontributionen zahlen und die zwangsweise Rekrutierung von Einwohnern erdulden.E. F. W. Simon: Zschopau-Chronik. 1821, S. 311–338.
Durch die große, durch Missernten ausgelöste Hungersnot im Jahre 1772 kamen etwa 300 Einwohner ums Leben.E.F.W. Simon: Zschopau-Chronik. 1821, S. 177, 346–347.
Industrialisierung Die Vorstufen der Industrialisierung begannen in Zschopau sehr zeitig. Die frühe wirtschaftliche Bedeutung der Stadt äußerte sich im mehrmaligen Besuch von Zar Peter I. in Zschopau. Er besichtigte 1699 die Strumpfwirkereien der Stadt und weilte mehrere Tage im Hotel „Weißes Rößgen“. 1711 und 1713 wiederholte er seinen Besuch. Zwischen 1715 und 1812 entstanden insgesamt vier Bleichen und 1787 wurde die Woll-Krempelmaschine durch Johann Gottlieb Pfaff in Zschopau entwickelt. Mit der Ansiedlung mehrerer Bleichen und Manufakturen begann die Industrialisierung schon um 1800. In den Jahren 1812 bis 1815 wurde die steinerne Brücke über die Zschopau erbaut. 1813 zogen 80.000 Soldaten mit 13.000 Gespannen des vereinigten österreichisch-russischen Heeres über die noch im Bau befindliche Brücke zur Völkerschlacht nach Leipzig. Zar Alexander logierte im Hotel „Stadt Wien“.
In diesem Zeitraum entstanden in Zschopau mehrere größere Textilunternehmen. Die bedeutendste Fabrik war die der Familie Bodemer. Durch den ursprünglich aus dem Schwäbischen stammenden Kaufmann Johann Jacob Bodemer und seinen Bevollmächtigten Immanuel Gottlob Heßler (1778–1830) wurden ab 1802 eine Bleiche sowie weitere Fabrikgebäude am Zschopauufer errichtet. Ab 1819 ließ Bodemer Spinnmaschinen in seiner Fabrik aufstellen. In der Folgezeit entwickelte sich sein Unternehmen zu einem der größten Baumwollspinnereien Sachsens. Sein Sohn Jacob Georg Bodemer übernahm 1830 die Leitung und 1836 den Besitz des elterlichen Betriebes. 1845 wurde in der Bodemer-Fabrik eine Fabrikschule eingerichtet. Es folgten eine Betriebskranken- sowie eine Fabriksparkasse. Das Unternehmen war somit seiner Zeit weit voraus. Auch in anderen Zweigen der Textilindustrie erlebte Zschopau einen starken Aufschwung, der sich auch in einem raschen Bevölkerungswachstum niederschlug.
Nach einer Rede des Pfarrers Ludwig Würkert rückten am 5. Mai 1849 94 Freiwillige nach Dresden aus, um die dortige Provisorische Regierung im Dresdner Maiaufstand zu unterstützen. Am 7. Mai 1849 folgte ein weiterer Zug unter Leitung von Kantor Carl Geißler. Am 14. Mai 1849 wurden Würkert und Geißler sowie der Schneidermeister Wilhelm Conrad und der Barbier Heinrich Reichelt vom Militär verhaftet und auf die Augustusburg gebracht. Würkert und Conrad wurden zu acht Jahren Haft verurteilt, Geißler und Reichelt zu zehn Jahren. Nachdem sie einen Teil der Strafe verbüßt hatten, wurden sie vom sächsischen König begnadigt.Wochenblatt für Zschopau und Umgegend, Jubiläumsausgabe vom 3. November 1932, S. 21–28.
1865 wurde in der Spinnerei der Gebrüder Gensel die erste Dampfmaschine des Ortes in Betrieb genommen. 1866 erhielt die Stadt mit dem Bau der Zschopautalbahn einen Bahnanschluss. Der Einfluss des Großunternehmers Bodemer führte dazu, dass der Bahnhof unmittelbar neben seiner Fabrik angelegt wurde. Im Jahr 1868 übernahm Bodemers Sohn Johann Georg Bodemer zusammen mit seinem Schwager Wilhelm Dürfeld die Leitung und 1872 den Besitz der elterlichen Fabrik. Am 17. März 1869 wurde die Freiwillige Feuerwehr Zschopau gegründet. Sie kam beim großen Brand vom 29. September 1869 im Scheunenviertel am Schweineteich (An den Anlagen), dem 41 Wohnhäuser und 31 Scheunen zum Opfer fielen, erstmals in größerem Maßstab zum Einsatz. Im selben Jahr erfolgte die Gründung eines Lehrerseminars an einem sonnigen Südhang der Zschopau, erster Direktor wurde August Israel (siehe Abschnitt „Bildung“). 1888 wurde die Bürgerschule, heute Oberschule „Martin Andersen Nexö“, fertiggestellt.