mini|Luftbild von Wermsdorf und Umgebung Wermsdorf ist eine Gemeinde im Landkreis Nordsachsen am Wermsdorfer Forst. Der Gemeindeteil Wermsdorf (Hauptort) ist staatlich anerkannter Erholungsort. mini|Wermsdorf und seine Ortsteile 2011

Überblick Gemeindegliederung Zur Gemeinde Wermsdorf gehören die Orte

Nachbargemeinden

Die drei Nachbarorte und -gemeinden im Westen gehören zum Landkreis Leipzig.

Geschichte mini|Wermsdorf mit Horstsee

Wermsdorf war eine deutsche Gründung, als die hochmittelalterliche Ostsiedlung bereits abgeschlossen war. Die nahen Burgen Mutzschen und Nennewitz waren leicht erreichbar. Über die Gründung des 638 ha großen Waldhufendorfs als Herrensitz des 1206 erwähnten Henricus de Weenboldisdorf ist nichts bekannt. Es liegt die Vermutung nahe, dass hier entgegen der in der nahen Umgebung sehr zahlreichen slawischen Bodenfunde und Ortsnamen, die bei der Besiedlung durch die Belehnungsurkunden bis heute überliefert sind, im Ort selbst keine wendische Siedlung bestanden hat. Urkundliche Erwähnungen sind 1241 mit Burchardus de Werenboldestorp 1282 mit Wermoldesdorf 1403 mit Wermelsdorf 1440 mit Wermesdorff 1350 wurde der Ort das erste Mal als oppidum bezeichnet. Mit den Verwüstungen durch die Hussiteneinfälle und ringsum grassierenden Pestepidemien entwickelte sich auch das vorher unbedeutende Wermsdorf.

mini|Jagdschloss Wermsdorf und ev.-luth. Kirche 1445 erwarb Heinrich von Starschedel die Burg Mutzschen und Wermsdorf. Die von Starschedel ließen die umliegenden Teiche und ein Renaissanceschloss den Vorgänger des heutigen Alten Jagdschlosses errichten. 1500 wird Wermsdorf Pfarrkirche. 1565 erwarb Kurfürst August die Starschedelschen Güter und damit Wermsdorf, 1577 kaufte er auch die Teiche. Ab 1590 gehörte Wermsdorf zum Amt Mutzschen.

Der Dreißigjährige Krieg und Pestepidemien löschten Wermsdorf fast völlig aus. Nach Mutzschens großem Stadtbrand 1681 musste das Mutzschener Amt nach Wermsdorf verlegt werden. Mit dem Bau des Alten Jagdschlosses durch Kurfürst Friedrich August I. („August der Starke“) und später seinen Sohn Friedrich August II. begann in Wermsdorf eine neue Zeit. 1698 richtete Fürst Egon von Fürstenberg für August den Starken im Wermsdorfer Forst eine Parforcejagd ein. Nach dem Tode Fürstenbergs kaufte der Kurfürst die gesamte Jagdausrüstung und begann 1721 den Neubau eines großen Jagdpalais, der heutigen Hubertusburg.

Die Geschichte der Hubertusburg prägte ab da die Geschichte der Gemeinde. Mit den Umbauten von 1743 durch seinen Sohn Friedrich August II. wurde Hubertusburg zu einem der größten barocken Jagdschlösser Europas. 1722 wurde in Wermsdorf die sächsische Poststation errichtet. 1756 war die sächsische Glanzzeit vorbei, als der Siebenjährige Krieg begann. 1761 wurde Hubertusburg von den Preußen geplündert, von der Plünderung hat es sich nie wieder erholt. 1763 wurde im Schloss Dahlen der Hubertusburger Frieden unterzeichnet. 1770 wurde in den leeren Räumen eine Fayencemanufaktur errichtet, die 1848 Konkurs anmelden musste. Mit dem Gesetz über die Ablösung und Gemeinheitsteilung vom 17. März 1832 begann auch in Wermsdorf die Ablösung der feudalen Fron, in dessen Folge die Wermsdorfer Bauern wirtschaftlich frei wurden. Da im Königreich Sachsen Geldzahlungen erforderlich waren, zog sich der Prozess bis 1859 hin. 1816 wurde die Poststation aufgehoben und nach Luppa verlegt.

Die Nutzung der Hubertusburg als Heil- und Pflegeanstalt war der Entwicklung der Gemeinde förderlich, so stieg die Einwohnerzahl von 1834 in nur einer Generation um über 60 % an. 1908 wurde das erste Elektrizitätswerk errichtet. Die seit 1888 errichtete Bahn brachte den mit der Poststation verlorengegangenen Anschluss an den Puls der Zeit zurück. Der Erste Weltkrieg brachte Not und Hunger für die Wermsdorfer, 70 Einheimische fielen. Bereits 1934 wurde die Zufahrt zur heutigen A14, der damaligen Reichsautobahn geplant. 1941 wurde in der Hubertusburg die Unteroffizierschule I der Luftwaffe eingerichtet. Wermsdorf blieb das Bombenschicksal der deutschen Städte erspart.

Am 25. April 1945 zogen die Amerikaner in Hubertusburg ein. Am 5. Mai 1945 übernahmen die Sowjets die Macht in Wermsdorf. Die Sowjetsoldaten plünderten und vergewaltigten. Es herrschte Kriegsrecht, die Radioempfänger wurden eingezogen und alle Uhren mussten auf Moskauer Zeit umgestellt werden. Dann kamen 672 Vertriebene und mussten bei knapp 2000 hungrigen Einwohnern menschenwürdig untergebracht werden. 1947 wurden nach dem großen Waldbrand auf der Brandstelle acht Neubauernstellen eingerichtet. Damals begann in Wermsdorf die Zeit der Parteisitzungen und Volkswirtschaftspläne. Es ging um Krisenbewältigung, Überleben und Ideologie.

Am 1. Juli 1950 wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Reckwitz eingegliedert.

1961 begann in Wermsdorf mit dem Ende der Ära Stalins das weitere dreißig Jahre andauernde politische Tauwetter und die Gemeindevertreter mussten sich mit der Aufhebung des Personenkultes in der UdSSR auseinandersetzen. Der dringend benötigte Arbeiterwohnungsbau schuf für den viel zu hohen Wohnbedarf durch die Vertriebenen etwas Erleichterung und leichtere Lebensbedingungen. Doch die Versorgung blieb bis zur Wende mangelhaft, unzureichend und krisenanfällig. Die Teichwirtschaft war durch die Wermsdorfer Abwasser organisch hoch belastet. Das Freibad Horstsee musste aus diesem Grund geschlossen werden.

In einer am 9. Dezember 1981 im Fernsehen der DDR unter dem Titel „Ein Dorf in Sachsen“ ausgestrahlten Sendung porträtierte Karl-Eduard von Schnitzler den Ort.Tilo Prase, Judith Kretzschmar: Propagandist und Heimatfilmer. Die Dokumentarfilme des Karl-Eduard von Schnitzler (= Materialien – Analysen – Zusammenhänge. 10). Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2003, ISBN 3-937209-28-X, S. 226.

Am 8. Februar 1986 gründeten Studenten aus Leipzig in Wermsdorf die erste katholische Studentenverbindung der DDR, die seit 1991 dem Cartellverband angehörende Germania Leipzig.25 Jahre Germania Leipzig In: Academia, Zeitschrift des Cartellverbands der katholischen deutschen Studentenverbindungen (CV), 3/2011, S. 28.

Mit den ersten freien Wahlen nach der Wende im Jahr 1990 wurden die Liberalen in Wermsdorf mit 33 % der Stimmen stärkste Partei und ihr Kandidat Peter Rose erster Bürgermeister der Nachwendezeit. Doch bereits am 31. Dezember 1993 trat Peter Rose aus persönlichen Gründen vom Amt zurück und Walter Haufe musste bis zum 31. Juli 1994 die Amtsgeschäfte führen. Ihm folgte Bernd Dieter Lehmann nach. 2004 wurde der Gemeindeteil Wermsdorf (Hauptort) „staatlich anerkannter Erholungsort“. Bis 2005 wurden neue Wohngebiete erschlossen. Seitdem hat die Gemeinde Wermsdorf die benachbarten ehemaligen Amtssitze Mügeln und Mutzschen eingeholt. Nach dem Zusammenschluss der Gemeinde Sornzig-Ablaß mit der Stadt Mügeln am 1. Januar 2011 wurde auch in Wermsdorf über einen Zusammenschluss mit Mutzschen und Dahlen nachgedacht.

Eingemeindungen Reckwitz wurde am 1. Juli 1950 eingemeindet. Mahlis ist zusammen mit dem am 20. Juni 1957 eingemeindeten Wadewitz und dem am 1. Juli 1973 eingemeindeten Gröppendorf seit dem 1. März 1994 ein Ortsteil von Wermsdorf. Schließlich kam am 1. Januar 1999 Luppa mit den am 1. Januar 1974 eingegliederten Ortschaften Calbitz und Malkwitz hinzu.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1999 Liptitz wurde am 1. April, Collm am 1. Oktober 1995 ein Ortsteil von Wermsdorf.

Bevölkerung Jahr Einwohner 2005 5.964 2010 5.555 2015 5.309 2020 5.218 Jahr Einwohner 2021 5.162 2022 5.239 2023 5.210 2024 5.148 2025 5.074

Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Politik

Gemeinderat Seit der Gemeinderatswahl am 9. Juni 2024 verteilen sich die 18 Sitze des Gemeinderates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen: CDU: 6 Sitze AfD: 6 Sitze SPD: 3 Sitze Wählervereinigung Luppa, Calbitz, Malkwitz (WV): 2 Sitze Grüne: 1 Sitz +letzte GemeinderatswahlenListe202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %CDU635,0735,2944,7AfD630,3319,6––SPD317,2420,6317,0Wählervereinigung Luppa, Calbitz, Malkwitz213,5319,2316,4Grüne14,115,4–4,5Linke––––314,9FDP–––––2,6Wahlbeteiligung69,1 %63,7 %51,7 %

Bürgermeister Seit 2008 ist Matthias Müller Bürgermeister und wurde zuletzt am 12. Juni 2022 mit 81,1 % im Amt bestätigt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 12. Juni 2022 in Wermsdorf +Letzte Bürgermeisterwahlen:WahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2022Matthias MüllerMüller81,12015CDU71,0200852,32001Bernd-Dieter Lehmann56,4

Gemeindepartnerschaften Die Gemeinde Wermsdorf pflegt Partnerschaften mit Ljutomer (Slowenien) Gronau (Leine) Stockach am Bodensee Presse Die Gemeinde veröffentlicht ihre Nachrichten im monatlich erscheinenden Der Collm-Bote. Dieser wird in Herzberg gedruckt und kostenlos an alle erreichbaren Haushalte der Gemeinde verteilt.

Wirtschaft Eskildsen Jens Eskildsen gründete bereits vor 1959 eine erste Gänsefarm in Gudendorf. Eskildsen züchtete Gänse in Freilandhaltung und führte die Trockenschlachtung ein. Die Geflügelzucht Mutzschen war zur DDR-Wende eine der größten Gössellieferbetriebe Europas und stand vor dem wirtschaftlichen Aus. Die Gösselproduktion war zu DDR-Zeiten der Binnenfischerei Wermsdorf angeschlossen. Dank Lorenz Eskildsen konnte der drohende Untergang aufgehalten werden. Seit 1990 wirbt die erfolgreiche Firma mit ihrem Geschäftsführer Lorenz Eskildsen mit Gänsezucht Wermsdorf, der Sitz der Firma ist aber im benachbarten Mutzschen. Die Firma wurde mit mehreren Qualitätssiegeln ausgezeichnet. Am 6. April 2006 wurde auf dem Hof Fälle von Vogelgrippe des H5 N1-Virus, Typ Rügen, hochpathogen festgestellt und die Entscheidung gefällt, alle 16.000 Nutzvögel zu töten (siehe auch: Verbreitung von H5N1). Die aus Sicht der verantwortlichen Geflügeltierärztin Rosemarie Heiß katastrophale Arbeitsweise der Gesundheitsbehörden, die völlige Verweigerung nach einer umfassenden diagnostischen Aufklärung, der Unterlassung gründlicher pathologischer Untersuchungen, völlig unterlassene Futter-, Wasser- und Einstreuuntersuchungen sind bis heute irritierend. Die Tiere wurden mit Gas, elektrisch und mit Kastrierzangen getötet. Erstmals wurde eine Maschine eingesetzt, aus welcher die Tiere ohne Beine und noch lebend hinten wieder herauskamen. Die Erlebnisse waren derart traumatisch, dass sich die Menschen für ihr Tun entschuldigten. Seit dem Fall Eskildsen wird die von der „Modernen Tierseuchenbekämpfung“ geforderte uneingeschränkte Stallpflicht diskutiert. Da diese nach Meinung der Fachleute ursächlich für die Krankheitsförderung und Immunschwächung von eingestallten Tieren führt und somit eigentlich erst schwach pathogene Viren zu hochpathogenen Viren mutieren lässt. Der Unternehmer Lorenz Eskildsen hat nach der furchtbaren Katastrophe wieder einen Neuanfang mit Gänsen gewagt.

Deutscher Philatelie Service GmbH