Rommerskirchen ist eine Gemeinde im Rhein-Kreis Neuss im Landesteil Rheinland, im Westen Nordrhein-Westfalens. Das Unterzentrum grenzt im Westen an die Stadt Grevenbroich, im Osten an die Stadt Dormagen, im Südwesten an die Stadt Bergheim und im Süden an die Stadt Pulheim, beide im Rhein-Erft-Kreis. Mit 14.100 Einwohnern ist sie die kleinste Gemeinde im Rhein-Kreis Neuss und die einzige, die nicht die Bezeichnung „Stadt“ führt.
Geographie Geographische Lage mini|links|hochkant=1.5|Rommerskirchen im Jahr 2007 mini|Gillbach bei Rommerskirchen (2008)
Rommerskirchen ist die südlichste Gemeinde im Rhein-Kreis Neuss und im Regierungsbezirk Düsseldorf in Nordrhein-Westfalen. Durch Rommerskirchen fließt der Gillbach. Er gibt den fruchtbaren Ländereien im Gemeindegebiet auch den Namen „Die Gilbach“. Innerhalb des Kreises hat Rommerskirchen von allen Kommunen die geringste Bevölkerungsdichte. Zugleich besitzt Rommerskirchen die geringste Arbeitslosigkeit und den höchsten Lebensstandard im gesamten Agenturbezirk Mönchengladbach/Rhein-Kreis Neuss.
Folgende Gemeinden grenzen an Rommerskirchen (Abstand von Ortsmitte zu Ortsmitte):
Ortsteile Anstel Butzheim Deelen Dötzdorf Eckum Evinghoven Frixheim Gill Hoeningen Ikoven Nettesheim Oekoven Ramrath Sinsteden Ueckinghoven Vanikum Villau Widdeshoven
Geschichte Urgeschichte bis Mittelalter Die ältesten Funde im Ort stammen aus der Grabung in der Kirche; die Scherben zeugen von einer Siedlung der Bandkeramiker (ca. 5300–4900 v. Chr.).Margarete Dohrn-Ihmig: Bandkeramik an Mittel- und Niederrhein. Rheinische Ausgrabungen 19. Köln 1971, S. 352 Nr. 124
In Rommerskirchen existieren noch viele Überreste der römischen Kultur. Dazu zählen zahlreiche römische Landgüter (Villae Rusticae) und zwei Steinsockel, die von einer oder mehreren Jupitersäulen stammen und die neben der Kirche St. Peter in Rommerskirchen gefunden wurden.Peter Noelke: Die Jupitersäulen und -pfeiler in der römischen Provinz Germania inferior. Beihefte der Bonner Jahrbücher 41. Bonn 1981, S. 475 f., Nr. 175. Online mini|Halskette als Beigabe eines Frauengrabes (Grab 136) vom Anfang des 8. Jahrhunderts Auch aus fränkischer Zeit (6.–7. Jahrhundert) liegen Siedlungsreste und Gräber vor. Bemerkenswert sind die Gräber, die bei Ausgrabungen durch Peter Josef Tholen 1950 unter der Pfarrkirche St. Peter zu Tage kamen. Sie datieren in die Zeit 700–740 n. Chr., darunter ein ausnehmend reiches Frauengrab.Kurt Böhner, in: Bonner Jahrbücher 155/156, 1955/56, 509-512. – Frank Siegmund: Merowingerzeit am Niederrhein. Rheinische Ausgrabungen 34. Rheinland-Verlag, Köln 1989, 391–400. Die Anordnung dieser Gräber lässt erschließen, dass sie in einer damals bereits bestehenden, 3-schiffigen Holzkirche von mindestens 7,5 × 15 m Größe niedergelegt wurden. Aus dieser Kirche entwickelte sich in vielen Zwischenstufen die 1945 zerstörte Kirche.
Schriftlich erwähnt wird Rommerskirchen im Jahre 1106 als Rumeschirche. Verschiedene Ortschaften der Gemeinde Rommerskirchen weisen in ihrem Kern noch mittelalterliche Züge mit romanischen und gotischen Kirchen auf, wie z. B. die Lambertuskapelle im Ortsteil Ramrath mit einer etwa 1100-jährigen Geschichte und einer Burg.
Rommerskirchen wurde im 15. Jahrhundert mit einem Wall und einem Graben umgeben und erhielt im Jahre 1437 die Marktrechte. Politisch bildete Rommerskirchen einen gleichnamigen Dingstuhl (Sitz eines unteren Gerichts) im Amt Hülchrath im Kurfürstentum Köln.
In der Nähe von Rommerskirchen befand sich die Ortschaft Gorchheim. Im Jahre 1260 wurde sie Goegheim und 1321 Goyrcheim genannt. Die genaue Lage des Ortes ist nicht bekannt.
Neuzeit 1794 besetzten französische Revolutionstruppen Rommerskirchen. 1796 wurde die Mairie Rommerskirchen gebildet. Sie gehörte zum Kanton Dormagen im Arrondissement Cologne im Département de la Roer. Sehr viele Bauten stammen aus der frühen Neuzeit sowie der Zeit der napoleonischen Besatzung. Aus der Mairie Rommerskirchen wurde 1815 die preußische Bürgermeisterei bzw. Landgemeinde Rommerskirchen. Sie bestand aus den Ortschaften Rommerskirchen, Eckum, Vanikum, Sinsteden und Gill und gehörte zum Kreis Neuß. 1929 kam Rommerskirchen an den Landkreis Grevenbroich-Neuß. 1966 entstand das Amt Rommerskirchen-Nettesheim. Zu diesem Amt gehörten die Gemeinde Rommerskirchen sowie die beiden Gemeinden des ehemaligen Amtes Nettesheim, Nettesheim-Butzheim und Frixheim-Anstel.
Eingemeindungen Am 1. Januar 1975 wurde das Amt Rommerskirchen-Nettesheim aufgelöst. Die Gemeinden Nettesheim-Butzheim und Frixheim-Anstel wurden in die neue Gemeinde Rommerskirchen eingemeindet. Ebenfalls eingemeindet wurden die Gemeinden des Amtes Evinghoven. Dies waren Hoeningen mit den Ortschaften Hoeningen, Widdeshoven, Ramrath und Villau sowie Oekoven mit den Ortschaften Oekoven, Deelen, Ueckinghoven und Evinghoven.
Einwohnerentwicklung 31. Dezember 1975: 11.095 31. Dezember 1980: 11.170 (+75) 31. Dezember 1985: 11.069 (−101) 31. Dezember 1990: 11.414 (+345) 31. Dezember 1995: 12.151 (+737) 31. Dezember 2000: 12.382 (+231) 31. Dezember 2005: 12.611 (+229) 18. März 2010: 13.000 (+389) 9. Mai 2011 (Zensus): 12.475 31. Dezember 2012: 12.510 31. Dezember 2013: 12.546 31. Dezember 2017: 13.856 30. April 2021: 13.920
Politik
Gemeinderat Verteilung der 32 Sitze im Gemeinderat nach den Kommunalwahlen seit 2009:
SPD CDU GRÜNE UWG FDP AfD Gesamt202513113 -14322020 16 9 3 1 21322014Landeswahlleiterin NRW: Kommunalwahlen 2014, Endgültiges Ergebnis für Rommerskirchen1512221 –3220091312232 –32
Bürgermeister seit 1975 Bei der Kommunalwahl 2020 erreichte der Sozialdemokrat Mertens 88,6 Prozent der Stimmen, das höchste Wahlergebnis eines SPD-Bürgermeisters in Nordrhein-Westfalen. Stephan Kunz von der FDP erreichte 7,8 Prozent, Stefan Hrdy von der AfD 3,6 Prozent.
Bei der Kommunalwahl 2025 erreichte Martin Mertens wieder die absolute Mehrheit – diesmal 57,5 Prozent. Sein Konkurrent Holger Hambloch (CDU) erhielt 31,7 Prozent, während Norbert Wrobel (Grüne) 2,9 Prozent, Stefan Hrdy (AfD) 6,7 Prozent und Jaqueline Graef (Die Partei) 1,2 Prozent erreichten.
1975–1979: Helmut Dunkel (CDU) 1979–1989: Heinz Faller (CDU) 1989–1991: Peter Emunds (CDU) 1991–1999: Peter Josef Wolter (CDU) 1999–2014: Albert Glöckner (SPD) 2014–: Martin Mertens (SPD)
Gemeindedirektoren 1975–1999 1975–1991: Alfred Brinkmann (CDU) 1991–1999: Peter Emunds (CDU)
Wappen Das Gemeindewappen zeigt in Grün drei (2:1) goldene Adler unter einem fünflätzigen goldenen Turnierkragen. Dieses Wappen wurde nach der kommunalen Neugliederung im Jahre 1975 geschaffen und am 4. Oktober 1979 vom Regierungspräsident Düsseldorf genehmigt. Es geht auf ein altes Schöffensiegel der Herren von Anstel zurück, das nachweislich im Jahre 1355 von diesen geführt wurde. Der ursprünglich dreilätzige Turnierkragen des Siegels wurde auf fünf Lätze erweitert; diese symbolisieren die fünf ehemaligen Gemeinden Hoeningen, Frixheim-Anstel, Nettesheim-Butzheim, Oekoven und Rommerskirchen, aus denen die Gemeinde bei der Neugliederung hervorging. Die Tingierung symbolisiert die Naturlandschaft am Gillbach (grün) und die Landwirtschaft – insbesondere den Getreideanbau – in der Gemeinde (gold).
Gemeindepartnerschaften Karstädt (Brandenburg) Mouilleron-le-Captif (Frankreich)
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Museen Kulturzentrum Sinsteden mit dem Landwirtschaftsmuseum und den Skulpturen-Hallen Ulrich Rückriem Gillbachbahn, Feld- und Werksbahnmuseum Oekoven Virtuelles GemeindemuseumVirtuelles Gemeindemuseum Rommerskirchen Siehe auch: Liste der Museen im Rhein-Kreis Neuss
Bauwerke Kirche St. Peter in Rommerskirchen St.-Martinus-Kirche in Rommerskirchen-Nettesheim St.-Lambertus-Kapelle in Rommerskirchen-Ramrath Romanische Pfeilerbasilika St. Briktius in Rommerskirchen-Oekoven Kirche St. Antonius Eremit in Rommerskirchen-Evinghoven St. Stephanus in Rommerskirchen-Hoeningen siehe auch Liste der Baudenkmäler in Rommerskirchen und Liste der Stolpersteine in Rommerskirchen
Persönlichkeiten Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim (1486–1535), spätmittelalterlicher deutscher Universalgelehrter, Arzt, Theologe, Jurist, Philosoph und Magier. Entstammt der Adelsfamilie von Nettesheim (†) aus Nettesheim Hermann Spies (1865–1950), Salzburger Domchordirektor, Komponist, Musikforscher und Priester Ernst Herz (1892–1944), deutscher Kaufmann jüdischer Herkunft und Opfer des Holocaust, geboren in Butzheim Hans Georg Kirchhoff (1930–2021), Historiker und Hochschullehrer Norbert Prangenberg (1949–2012), Maler, Bildhauer und Hochschullehrer Wolfgang Niersbach (* 1950), ehemaliger Präsident des Deutschen Fußball-Bundes aus Widdeshoven Karin Korte (* 1960), Politikerin (SPD) Horst Lichter (* 1962), deutscher Fernsehkoch aus Gill Seymour Fünger (* 2002), deutscher Fußballspieler
Medien Stattblatt, kostenloses, regionales Monatsmagazin, welches auch in den benachbarten Städten Grevenbroich und Bedburg erscheint. Neuss-Grevenbroicher Zeitung – regionale Tageszeitung, Neusser Zeitungsverlag GmbH Rheinischer Anzeiger, Amtsblatt der Gemeinde Rommerskirchen Rommerskirchen-Portal – regionale werbefreie Nachrichten mit unabhängiger Diskussionsplattform (www.rommerskirchen-portal.de)
Wirtschaft und Infrastruktur Nach Rommerskirchen wurde eine große 380-kV-Umspannanlage des RWE benannt. Zwischen dem Umspannwerk Rommerskirchen und dem Umspannwerk Ludwigsburg-Hoheneck ging am 5. Oktober 1957 die erste 380-kV-Leitung in Deutschland in Betrieb.
Die Umspannanlage (Amprion) liegt allerdings auf dem Gebiet der Stadt Bergheim im Ortsteil Rheidt-Hüchelhoven.
Verkehr mini|Bahnhof Rommerskirchen noch mit dem 2007 abgerissenen Stellwerk
Der Rommerskirchener Bahnhof liegt an der Hauptstrecke Köln–Grevenbroich–Mönchengladbach. Hier zweigt auch eine Güterzugstrecke nach Niederaußem zum dortigen Grubenbahnhof ab. Bis 2007 hatte der Bahnhof ein T-förmiges Stellwerk, ferner beginnt hier der Strategische Bahndamm.
Linie Verlauf Takt
An das Fernstraßennetz ist Rommerskirchen durch die sich hier kreuzenden Bundesstraßen 59 und 477 angeschlossen. Die B 59 ist südlich von Rommerskirchen bis zur Bundesautobahn 1 in Köln-Bocklemünd kreuzungsfrei ausgebaut worden (Inbetriebnahme Dezember 2006). Der Ausbau der B 59 in nördliche Richtung ist als Ortsumgehung bis zum Ortsteil Sinsteden angelegt (Verkehrsfreigabe am 18. Mai 2009). Nördlich von Rommerskirchen ist sie als Autobahn 540 ausgebaut.
Öffentliche Einrichtungen, Forschungseinrichtungen Gemeindejugendring Rommerskirchen Wissenschaftlicher Geflügelhof des Bundes Deutscher Rassegeflügelzüchter (BDRG)
Literatur Gottfried Neuen: Pulheim im Wandel der Zeiten; Pulheim 1966 Heinz Ohletz: 1929–1974 Jahre Menschen Initiativen im Großkreis Grevenbroich; o. O. 1975 Rhein-Kreis Neuss, Archiv im Rhein-Kreis Neuss (Hrsg.): "Heute schon ist man ein Kriegsmensch geworden". Dormagen und Rommerskirchen in der Ära des Ersten Weltkriegs. Forster Media, Bonn 2015 (Mit Personen- und Ortsregister).
Weblinks
Gemeinde Rommerskirchen GenWiki: Geschichtskreis Rommerskirchen Denkmale in der Gemeinde Rommerskirchen
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Rhein-Kreis Neuss
Kategorie:Ersterwähnung 1106