Peitz, , ist eine Stadt im Landkreis Spree-Neiße in Brandenburg. Sie ist Sitz des seit 1992 bestehenden Amtes Peitz und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Städte mit historischen Stadtkernen des Landes Brandenburg. Die Stadt führt den Namenszusatz Fischer- und Festungsstadt (niedersorbisch Rybakarske a twardnicowe mĕsto).
Geografie mini|links|Stadtansicht vom Festungsturm mini|links|Zweisprachiges Ortsschild mit Namenszusatz Peitz liegt in der Niederlausitz am östlichen Rand des Spreewalds, auch Vorspreewald genannt, in einer wasserreichen Landschaft des Baruther Urstromtals, mit dem Fluss Malxe und dem Hammergraben, einem künstlich angelegten Nebenarm der Spree, sowie einem großen Teichgebiet südlich der Stadt. Am westlichen Stadtrand befindet sich die Garkoschke, ein künstlich angelegter Badesee. Das Stadtzentrum von Cottbus ist etwa zwölf Kilometer entfernt.
Die Stadt grenzt im Westen und im Norden an die Gemeinde Turnow-Preilack, im Nordosten an Tauer, im Osten an Jänschwalde, im Süden an die Gemeinde Teichland und im Südwesten an Cottbus. Peitz liegt im angestammten und amtlichen Siedlungsgebiet der Sorben/Wenden.
Stadtgliederung Zur Stadt gehören die Wohnplätze Blüchers Vorwerk (Blücherowy Wudwór), Cottbuser Vorstadt (Chóśebuske Pśedměsto), Drehnower Vorstadt (Drjenojske Pśedměsto), Elster Ausbau (Srokowe Wutwarki), Gubener Vorstadt (Gubinske Pśedměsto), Luisenruh (Luizyny Wudwór), Malxebogen (Małksowy Wokłon), Ottendorf (Otašojce), Präsidentenmühle (Prezidentowy Młyn), Stadtmitte (Srjejź Města) und Wiesenvorwerk (Łukowy Wudwór).Stadt Peitz. Serviceportal der Landesverwaltung Brandenburg, abgerufen am 14. Dezember 2024.
Geschichte mini|Plan der Festung Peitz aus dem 17. Jahrhundert Die erste urkundliche Erwähnung einer Burg an diesem Ort unter dem Namen Pitzne erfolgte im Jahr 1301. Sie war Sitz verschiedener Lehnsherren. Im Jahr 1371 wurde Peitz bereits als „stetl“ (Kleinstadt) und 1444 als „Städtchen“ bezeichnet.Rudolf Lehmann (Hrsg.): Historisches Ortslexikon für die Niederlausitz. Band 2: Die Kreise Cottbus, Guben, Spremberg und Sorau. Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-90-7, S. 85–89. Infolge der kriegerischen Auseinandersetzungen in der Lausitz im 15. Jahrhundert wechselte die Herrschaft über den Ort mehrmals zwischen Brandenburg und Böhmen. Im Frieden von Guben wurde Peitz zusammen mit Cottbus 1462 unter Friedrich II., Kurfürst von Brandenburg, endgültig eine brandenburgische Exklave. Zum Schutz der Stadt wurde unter Johann V., Markgraf der Neumark, Mitte des 16. Jahrhunderts mit dem Bau einer Festung begonnen. Als Schutzgürtel wurden bereits 1556 vor der Stadt 5000 Morgen große Teiche sowie zu deren Flutung der Hammergraben angelegt.
mini|Festungsturm Zwischen 1559 und 1562 wurde die Zitadelle, die obere Festung, gebaut und von 1590 bis 1595 die Festungsanlage um die Stadt, die untere Festung. Der Bau wurde vom Festungsbaumeister Graf Rochus zu Lynar geleitet, der auch als Erbauer der Zitadelle Spandau gilt. Im Jahr 1574 ging aus der Herrschaft Peitz das kurfürstlich-brandenburgische Amt Peitz hervor. Während des Dreißigjährigen Krieges suchten viele adlige und kirchliche Würdenträger Schutz in Peitz. In den Jahren 1636 und 1637 war Peitz zeitweilig Residenz des brandenburgischen Kurfürsten Georg Wilhelm bei seiner Flucht vor den schwedischen Truppen. Die Festung wurde auch als Haftanstalt genutzt. Bedeutendster Festungsgefangener war der kurfürstliche Staatsminister Eberhard von Danckelmann, der hier von 1698 bis 1708 inhaftiert wurde. Im Siebenjährigen Krieg eroberten österreichische Truppen 1758 und 1759 die Festung. Auf Befehl des preußischen Königs Friedrich II. wurde 1767 die Festung weitgehend abgerissen.
Bereits 1554 wurde das Eisenhüttenwerk Peitz gegründet,Dehio-Handbuch: Brandenburg. Deutscher Kunstverlag, München und Berlin, 2. Aufl. 2012, ISBN 978-3-422-03123-4, S. 796–797. deren Hammerwerke mit Wasserkraft angetrieben wurden.Christopher Clark: Preußen. Aufstieg und Niedergang, 1600–1947. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2007, ISBN 978-3-421-05392-3, S. 22. Es verarbeitete Raseneisenstein aus der Region zu Guss- und Schmiedeeisen, aus denen neben Haushalts- und Ackergeräten auch Kanonenkugeln für die brandenburgisch-preußische Armee hergestellt wurden. Allerdings war das dort hergestellte Eisen von minderer Qualität, denn es war bei Frost nicht bruchfest.
1658 wurde in Peitz der erste Hochofen der Mark Brandenburg errichtet, der von 1809 bis 1810 durch den heute unter Denkmalschutz stehenden Hochofen ersetzt wurde. Damit gehört der Ofen zu den wenigen erhaltenen historischen Hochöfen im Gebiet Ostdeutschlands. Vergleichbare Anlagen sind nur noch an den Standorten Schmalzgrube (erhaltener Hochofen von 1659), Brausenstein (erhaltener Hochofen von 1693), Morgenröthe-Rautenkranz (erhaltener Hochofen von 1820/1822) und Schmalkalden (Neue Hütte) (erhaltener Hochofen von 1835) vorhanden. Seit Ende des 16. Jahrhunderts wird in den Teichen Fischzucht betrieben, die unter dem Namen „Peitzer Karpfen“ überregional bekannt wurde.
mini|Die zwischen 1854 und 1860 erbaute Stüler-Kirche in Peitz Durch den Tilsiter Frieden kam die Stadt Peitz im Jahr 1807 kurzzeitig zum Königreich Sachsen. Nach der auf dem Wiener Kongress beschlossenen Teilung Sachsens wurde Peitz im Jahr 1815 wieder preußisch, bei der Gebietsreform im folgenden Jahr wurde die Stadt dem Kreis Cottbus in der Provinz Brandenburg zugeordnet. Im Jahr 1818 lebten 1131 Einwohner in Peitz. Das Amt Peitz wurde 1832 mit dem Amt Cottbus vereinigt. Während des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Tuchindustrie zum wichtigsten Erwerbszweig der Stadtbevölkerung, Mitte des 19. Jahrhunderts gab es in Peitz 169 Webstühle. Zwischen 1854 und 1860 wurde die Peitzer Stadtkirche nach Plänen des Architekten Friedrich August Stüler neu gebaut und die Vorgängerkirche danach abgerissen. Die Peitzer Fischer wurden 1867 zum preußischen Hoflieferanten erklärt. Bei der Volkszählung am 1. Dezember 1871 ermittelte man in Peitz 3994 Einwohner in 897 Haushalten. Von den Einwohnern waren 1946 Männer und 2048 Frauen; 994 Einwohner waren jünger als zehn Jahre. Der überwiegende Anteil der Einwohner war evangelisch-lutherischer Konfession.Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke des Preußischen Staats und ihre Bevölkerung. Teil II: Provinz Brandenburg, Berlin 1873, S. 218f. (Online) Am 29. Mai 1874 wurde die Freiwillige Feuerwehr Peitz gegründet,Sonderausgabe 25 Jahre Amt Peitz. Amt Peitz, Juli 2017, S. 12. Abgerufen am 7. Juli 2023. im Jahr 1876 erfolgte mit den Bahnhöfen Peitz und Peitz Ost der Anschluss der Stadt an die Bahnstrecken Cottbus–Frankfurt (Oder) und Cottbus–Guben.
Den Zweiten Weltkrieg überstand die Stadt vergleichsweise unbeschädigt. Gegen Kriegsende hissten die Peitzer Einwohner Hans Rabe und Hans Messner weiße Fahnen vom Festungsturm, um die gewaltlose Übergabe der Stadt an die Rote Armee zu ermöglichen. Dabei fand Hans Rabe, der durch eine SS-Streife erschossen wurde, am 24. April 1945 den Tod.Ursula Höntsch, Hannes Hüttner: Mord in letzter Minute. In: Ursula Höntsch (Hrsg.): Die Stunde Null. Tatsachenberichte über Erlebnisse aus den letzten Tagen des 2. Weltkrieges. Verlag der Nation, Berlin 1966, S. 84. Nach dem Ende des Krieges lag Peitz zunächst in der Sowjetischen Besatzungszone und ab 1949 in der DDR. Bei der Kreisreform am 25. Juli 1952 wurde die Stadt dem Kreis Cottbus (ab 1954 Kreis Cottbus-Land) im Bezirk Cottbus zugeordnet. Ende der 1960er Jahre wurde in Peitz die katholische Pfarrkirche St. Josef gebaut.Stadt Peitz. Amt Peitz, abgerufen am 7. Juli 2023. Im Jahr 1976 ging das östlich von Peitz gelegene Braunkohlekraftwerk Jänschwalde in Betrieb. Für die Arbeiter entstand nördlich der Cottbuser Vorstadt im Osten von Peitz die Wohnsiedlung „Malxebogen“ in Plattenbauweise, die Einwohnerzahl stieg im Zuge dessen um fast ein Drittel an.
Nach der Wiedervereinigung gehörte die Stadt Peitz zunächst zum Landkreis Cottbus in Brandenburg. 1992 schloss sie sich dem Amt Peitz an. Bei der Kreisreform am 6. Dezember 1993 ging Peitz im neu gebildeten Landkreis Spree-Neiße auf. Im folgenden Jahr wurde die Stadt Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Städte mit historischen Stadtkernen des Landes Brandenburg. Mitte der 1990er Jahre sowie von 2014 bis 2016 wurden mehrere Wohnblöcke der Siedlung Malxebogen zurückgebaut.
Eingemeindungen Am 1. Juli 1950 wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Ottendorf eingegliedert.
Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1875 3 047 1890 3 630 1910 4 207 1925 3 058 1933 3 165 1939 3 528 Jahr Einwohner 1946 5 045 1950 5 077 1964 4 473 1971 4 395 1981 6 384 1985 6 073 Jahr Einwohner 1990 5 582 1995 6 377 2000 5 478 2005 5 033 2010 4 597 2015 4 445 Jahr Einwohner 2020 4 372 2021 4 333 2022 4 301 2023 4 325 2024 4 301 2025 4 327 Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Spree-Neiße. S. 22–25Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2017 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Politik Stadtverordnetenversammlung Die Stadtverordnetenversammlung von Peitz besteht regulär aus 16 Stadtverordneten und dem ehrenamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 67,7 % zu folgendem Ergebnis:
Partei / Wählergruppe Ergebnis2024Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 Sitze2024 Ergebnis2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Ergebnis2014Kommunalwahlen am 25. Mai 2014 im Land Brandenburg. Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, Potsdam 2014, S. 98. Abgerufen am 11. April 2025. Sitze2014 Mittelstandsinitiative Brandenburg 29,1 % 5 – – – – AfD 23,2 % 3 – – – – CDU 16,7 % 3 30,0 % 5 41,0 % 7 FDP 11,0 % 2 28,4 % 5 3,5 % 1 Wir für Peitz 9,5 % 1 13,6 % 2 9,3 % 1 Unabhängige Wählergemeinschaft Peitz 5,0 % 1 – – – – Einzelbewerber Reinhard Hirthe 3,2 % – 8,2 % 1 – – Einzelbewerberin Brenda Hirthe 2,4 % – – – – – SPD – – 17,0 % 3 33,8 % 5 Bündnis 90/Die Grünen – – 2,8 % – – – Die Linke – – – – 9,6 % 2 Einzelbewerber Jürgen Nattke – – – – 2,8 % – Insgesamt 100 % 15 100 % 16 100 % 16
Bei der Wahl 2024 entfielen auf die AfD vier Sitze. Da sie nur drei Kandidaten aufgestellt hatte, bleibt ein Sitz unbesetzt.
Bürgermeister 1990–1992: Hans Gahler 1992–2003: Heinrich Gellner (CDU)Heinrich Gellner zum Ehrenbürger der Stadt Peitz ernannt. Peitzer Landecho, Nr. 9/2020, September 2020, S. 24. Abgerufen am 26. November 2023 (PDF; 2,9 MB). 2003–2014: Bernd Schulze (FDP)Kommunalwahlen 26.10.2003. Bürgermeisterwahlen, S. 33 seit 2014: Jörg Krakow (parteilos; bis 2018 SPD)
Krakow wurde in der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024 mit 65,5 % der gültigen Stimmen gegen drei weitere Kandidaten für eine weitere Amtszeit von fünf JahrenBrandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 73 (1) gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024
Wappen Das Wappen wurde am 2. November 1992 genehmigt und im Jahr 1998 überarbeitet.
Städtepartnerschaften Bedum (Niederlande) (mit dem Amt Peitz), 2019 beendet Kostrzyn nad Odrą (Polen) (seit 3. August 2001) Zbąszynek (Polen) (mit dem Amt Peitz)
Sehenswürdigkeiten und Kultur → Siehe auch: Liste der Baudenkmale in Peitz und Liste der Bodendenkmale in Peitz mit den in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Denkmälern.
mini|Rathaus mini|Eisenhammer- und Hüttenwerk