Mölln ist eine Kleinstadt im Kreis Herzogtum Lauenburg im Südosten Schleswig-Holsteins. Sie ist auch als Eulenspiegelstadt bekannt.
Geographie Mölln, die nach Einwohnern zweitgrößte Stadt im Kreis Herzogtum Lauenburg, liegt an der B 207 (Alte Salzstraße) etwa 30 Kilometer südlich von Lübeck, im Gebiet des Naturparks Lauenburgische Seen. Der Stadthügel ist eine vom Schmelzwasser der letzten Eiszeit geprägte Endmoränenzunge. Die Stadt ist von der vom Hellbach bzw. der Pinnau durchflossenen Möllner Seenplatte umgeben, bestehend – im Gegenuhrzeigersinn – aus den Seen Drüsensee, Lütauer See, Schmalsee, Hegesee, Schulsee, Stadtsee und Ziegelsee. Der Ziegelsee wird vom Elbe-Lübeck-Kanal durchquert, der westlich an Mölln vorbeiführt.
mini|Mölln um 1895 mini|Blick auf die Altstadt vom Stadtsee aus mini|hochkant|Blick von der Marktstraße auf das Rathaus und die St.-Nicolai-Kirche mini|St.-Nicolai-Kirche (Innenansicht)
Stadtteile Die Stadtteile von Mölln werden im lokal üblichen Sprachgebrauch wie folgt bezeichnet: Altstadt/Zentrum Mölln-Süd Mölln-Nord Waldstadt Hansaviertel
Geschichte Zwischen 1165 und 1180 gründete der Ritter Konrad Wackerbarth als Lokator Mölln (Mulne) durch Umsiedlung von neun slawischen Bauern von der Mündung der Delvenau in das heutige Alt-Mölln und die nachfolgende Ansiedlung von zwölf sächsischen Hufen (Höfe) an der Stelle des „Ohlendorp“. Die Feldmark lag südlich davon auf dem Steinfeld. Gegen 1210 wurde der Siedlungskern auf den Werder zwischen Möllner See und Schulsee verlegt und ummauert. Die erstmalige urkundliche Erwähnung des Ortes erfolgte 1188 im Zusammenhang mit dem Möllner See („stagnum mulne“) im Barbarossa-Privileg für Lübeck. Nachdem Mölln 1201 an Dänemark gefallen war, erhielt es 1202 durch König Waldemar II. das Lübische Stadtrecht. Nach 25 Jahren dänischer Herrschaft fiel die Stadt 1227 nach der Schlacht von Bornhöved an den Herzog von Sachsen-Lauenburg. Auch die Entstehung eines eigenen Kirchspiels liegt in dänischer Zeit. So fand bereits 1217 eine erste Kirchensynode statt, und 1230 wurde Mölln als jüngstes Kirchspiel im Ratzeburger Zehntregister erwähnt. Das wohl um diese Zeit errichtete Gotteshaus wurde unter das Patrozinium des Heiligen Nikolaus gestellt. In den folgenden Jahrhunderten waren es die Herzöge von Sachsen-Lauenburg einerseits und die Stadt Lübeck andererseits, die sich um den Besitz Möllns stritten.
Lübische Herrschaft Lübeck besaß seit dem Barbarossa-Privileg des Jahres 1188 die Schifffahrtsrechte an der Stecknitz zwischen deren Mündung in die Trave und Mölln. Es war weiter auf die Alte Salzstraße nach Lüneburg angewiesen. Dies erklärt die strategisch wichtige Lage Möllns an der Wasserscheide zwischen Nord- und Ostsee, die später im 14. Jahrhundert durch Verbindung mit der Delvenau zum Stecknitzkanal eingelöst wurde.
Im Jahr 1359 kam die Stadt Mölln unter die Herrschaft der Stadt Lübeck. Der durch Mölln führende älteste Wasserscheidenkanal Europas, der 1398 fertiggestellte Stecknitzkanal, leitete den Salzhandel von Lüneburg nach Norden. Gemeinsam mit der Alten Salzstraße von Lüneburg nach Lübeck steigerten diese Verkehrsverbindungen die wirtschaftliche Bedeutung der Stadt. Dieser Reichtum aus Lübecker Zeit spiegelt sich noch heute im alten Stadtkern wider. 1401 befand sich Lübeck in einer finanziellen Notlage, und so konnte der Herzog von Ratzeburg-Lauenburg Mölln erobern. 1420 fiel Mölln jedoch wieder an Lübeck. Zur Sicherung der Handelswege erwarb Lübeck entlang des Stecknitzkanals und der Alten Salzstraße außer Mölln noch eine Vielzahl weiterer Exklaven.
Erst 1683 entschied das Reichskammergericht letztlich zugunsten des lauenburgischen Herzogshauses. Für die Stadt Lübeck führten Anton Winkler und Hieronymus von Dorne die Rückgabe an Herzog Julius Franz von Sachsen-Lauenburg durch. Der Streit um die Möllner Pertinenzien kam erst Mitte des 18. Jahrhunderts zu einem Ende.
Geschichte ab dem 17. Jahrhundert mini|Trinkbecher des Möllner Senatskollegiums, Möllner Museum
1689, nach dem Aussterben des lauenburgischen Herzogsgeschlechtes, begann eine wechselvolle Phase in der Geschichte der Stadt Mölln, die nun den unterschiedlichsten Herren unterstand: 1689–1705 dem Herzog von Lüneburg-Celle, 1705–1803 dem Kurfürsten von Hannover (der auch König von Großbritannien war), 1803–1813 dem französischen Kaiser Napoleon, so dass ab 1810 statt eines Bürgermeisters ein Maire in Mölln regierte. Nach den Befreiungskriegen gehörte die Stadt 1813–1815 wieder zu Hannover, danach 14 Monate lang erstmals zu Preußen, da Hannover das Herzogtum Lauenburg vertraglich im Tausch gegen Ostfriesland an Preußen abgetreten hatte. Doch auch diese Herrschaft war nur eine Übergangsregelung. Durch einen groß angelegten Tauschhandel, bei dem Preußen Schwedisch-Vorpommern und Rügen erhielt, fiel Mölln dann 1816 über Schweden an den dänischen König, der Holstein und Lauenburg in Form einer Personalunion regierte. Der von den Dänen zugelassene Bau und Anschluss an die Lübeck-Büchener Eisenbahn gab der Stadt 1851 neue Entwicklungsmöglichkeiten. 1864 kam die Stadt durch den preußisch-österreichischen Sieg über Dänemark unter deren Doppelherrschaft. Im August 1865 verzichtete Österreich in der Gasteiner Konvention zugunsten des Königs von Preußen gegen eine Entschädigung von 1.875.000 Talern auf das Herzogtum, das 1867 in der preußischen Provinz Schleswig-Holstein aufging. Der Stecknitzkanal wurde Ende des 19. Jahrhunderts zum Elbe-Lübeck-Kanal ausgebaut. Seit 1949 gehört Mölln zum Bundesland Schleswig-Holstein.
Geschichte ab dem 20. Jahrhundert Von 1929 bis 1931 diente die ehemalige Möllner Unteroffiziervorschule als Aufnahmelager für insgesamt 5650 deutschstämmige Mennoniten aus der Sowjetunion, von denen die meisten weiter in die USA und nach Brasilien auswanderten. NS-Zeit Mölln war Hochburg der NSDAP im Kreis Herzogtum Lauenburg.Florian Grombein und Reiner Richter: Historiker: "Mölln war Hochburg der NSDAP im Kreis Herzogtum Lauenburg", Lübecker Nachrichten, 6. Mai 2015.Hansjörg Zimmermann: Zur Geschichte der NSDAP in Mölln, Lauenburgische Heimat, Heft 124, 1989 Schon 1924 erzielte die NSDAP in Mölln mit 24,6 % beinah ein Viertel der Wählerstimmen für die Reichstagswahl am 4. Mai 1924. Die Arbeitslosigkeit war nicht erheblich höher als in anderen Städten des Kreises Herzogtum Lauenburg wie Ratzeburg oder Lauenburg/Elbe. Vor allem der verarmte Mittelstand, d. h. frustrierte Händler, Handwerker und Gewerbetreibende, die unter den Folgen des Ersten Weltkrieges litten, schlossen sich angeblich den „Braunen“ an. Aber auch Einzelpersonen hatten großen Einfluss auf den Erfolg der NSDAP. Unter den Kleinstädten in Schleswig-Holstein nahm die 'Eulenspiegelstadt' damit eine herausragende Stellung ein. Nur in Kappeln erreichte die NSDAP mit 27,5 % schon so früh noch mehr Stimmen. Später wurde Mölln Sitz der NSDAP-Kreisleitung. Nach dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise 1929 gewann die NSDAP weitere Wählergruppen. Im Kreisgebiet stieg ihr Stimmenanteil bei den Reichstagswahlen 1930 auf 25,4 % und schließlich 48,9 % (1932).
Nach der Machtergreifung Adolf Hitlers 1933 kam es zur Gleichschaltung. Der frühere Möllner SPD-Vorsitzende und Stadtrat Johann Michel wurde verhaftet. Politische Gegner blieben meist einige Tage bis Monate in Konzentrationslagern. Dies war eine deutliche Warnung an alle, sich nicht außerhalb der NSDAP zu betätigen. Im gleichen Atemzug wurde aufgerüstet.
Auch im Lauenburgischen wurden Juden deportiert. Etwa zehn Familien aus dem Kreisgebiet verschleppte das NS-Regime 1941 nach Riga. Sie überlebten die Massenerschießungen und die Konzentrationslager nicht.Florian Grombein und Reiner Richter: Historiker: "Mölln war Hochburg der NSDAP im Kreis Herzogtum Lauenburg", Lübecker Nachrichten, 6. Mai 2015.
1933 wurde mit dem Bau der Heeresmunitionsanstalt (Muna) begonnen, die ein Gebiet von 213 ha in der heutigen Waldstadt umfasste und in der zeitweilig über 2000 Menschen, darunter während des Zweiten Weltkrieges viele Ostarbeiter, zu Zwangsarbeit herangezogen wurden. Überall im Kreisgebiet wurden über 10 000 Kriegsgefangene als Zwangsarbeiter beschäftigt, z. B. im Luftwaffen-Tanklager in Büchen, in der Landwirtschaft und in Fabriken.
Zum Ende des Zweiten Weltkrieges wuchs die Einwohnerzahl erheblich durch Flüchtlinge und Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten. So erreichte am 3. Februar 1945 ein erster großer Flüchtlingszug aus 600 Frauen und Kindern die Stadt Mölln. In den folgenden Tagen und Wochen trafen weitere Flüchtlingstransporte in Mölln ein. Die Flüchtlinge wurden zunächst auf Privatquartiere verteilt. Als diese nicht mehr ausreichten, wurden Massenquartiere eingerichtet. Die Muna wurde zum Wohngebiet „Waldstadt“. Hatte die Stadt 1939 nur 6300 Einwohner, so waren es 1944 schon 8900 und 1945 schließlich über 13.000.
Kurz vor der Besetzung Möllns überfiel eine bewaffnete Bürgerwehr das achtköpfige Wachkommando der Kanalbrücke zwischen Mölln und Alt-Mölln und entfernte die Sprengladungen, mit denen die anrückenden britischen Truppen aufgehalten werden sollten. Im Anschluss soll die Bürgerwehr die britischen Einheiten darüber informiert haben, dass der Weg nun frei sei.http://www.richard-doerr.de/LN-April-1970 Generalmajor Heino Oetken (1894–1987), Kommandant des Elbe-Abschnittes Geesthacht-Dömitz, behauptete Jahre nach dem Krieg, dass er es gewesen sei, der seine Vaterstadt aus den Kämpfen der letzten Kriegstage herausgehalten habe. Am 2. Mai 1945, als die Briten Mölln letztlich kampflos besetzten, sollen an verschiedenen Gebäuden große weiße Flaggen zu sehen gewesen sein. Noch am selben Tag flüchtete die Geschäftsführende Reichsregierung aus dem 50 Kilometer weiter nördlich gelegenen Raum Eutin/Plön über die Rattenlinie Nord in den Sonderbereich Mürwik. Am 4. Mai 1945 erfolgte die Teilkapitulation der Wehrmacht für Nordwestdeutschland, Dänemark und die Niederlande.
mini|hochkant|Gedenktafel George Bernard Shaw
Nachkriegszeit Der Hauptausschuss hatte 1949 über den Vorschlag zu beraten, den Dramatiker und Satiriker George Bernard Shaw zum Ehrenbürger der Stadt Mölln zu ernennen. Die Satzung der Stadt Mölln sah wegen des im nationalsozialistischen Deutschland getriebenen Missbrauchs dieses Titels aber keine Ehrenbürgerschaft mehr vor. Daher sollte er als „Ehren-Eulenspiegel“ geehrt werden. Shaw teilte 1950 auf einer handgeschriebenen Postkarte mit, nicht die Würde des Ehren-Eulenspiegels anzunehmen, sondern die eines Ehrenbürgers („honorary citizen“).
Im Jahr 1960 wurde der preisgekrönte Film Frage 7 in Mölln (alias Osterstadt) gedreht.
Im Jahr 1970 wurde Mölln als Kneippkurort anerkannt.
Am 23. November 1992 starben bei einem von zwei Neonazis verübten Brandanschlag auf zwei Wohnhäuser zwei türkische Kinder und deren Großmutter. Infolgedessen wurde der „Verein miteinander leben e. V.“ gegründet, der in der Möllner Altstadt die Internationale Begegnungsstätte Lohgerberei betreibt.
Am 25. Mai 2009 erhielt Mölln den von der Bundesregierung verliehenen Titel „Ort der Vielfalt“.
Konfessionsstatistik Gemäß des Zensus 2022 waren 42,3 % der Einwohner evangelisch, 6,2 % römisch-katholisch und 51,5 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Religion, Zensus 2022.
Partnerstädte Hagenow, Mecklenburg-Vorpommern Maszewo, Polen Goleniów, Polen
Politik
Seit dem 1. Januar 2007 bildet Mölln eine Verwaltungsgemeinschaft mit dem Amt Breitenfelde, für das die Stadt die Verwaltungsgeschäfte mit durchführt.
Stadtvertretung
Die Stadtvertretung ist die kommunale Volksvertretung der Stadt Mölln. Über die Zusammensetzung entscheiden die Bürger alle fünf Jahre. Die letzte Kommunalwahl fand am 14. Mai 2023 statt. Diese führte bei einer Wahlbeteiligung von 39,5 % zu nebenstehender Zusammensetzung der Gemeindevertretung.
Bürgervorsteherin ist Katharina Hess (CDU).Katharina Hess neue Bürgervorsteherin von Mölln abgerufen am 23. Juli 2024
Bürgermeister