Zeulenroda-Triebes ist eine Kleinstadt im Osten des Freistaats Thüringen im Vogtland mit 15.890 Einwohnern (31. Dezember 2023). Sie entstand am 1. Februar 2006 durch Umbenennung Zeulenrodas nach dem Zusammenschluss der Städte Zeulenroda und Triebes, wobei die Stadt Triebes aufgelöst und nach Zeulenroda eingegliedert wurde. Zeulenroda-Triebes ist die zweitgrößte Stadt im Landkreis Greiz und hat den Status eines Mittelzentrums.
Geographie miniatur|hochkant=1.7|Talsperre Zeulenroda: Blick von der Talsperrenbrücke auf den Stausee mit Staudamm, Wasserentnahmeturm und Seehotel
Geographische Lage Zeulenroda-Triebes liegt im Südosten Thüringens direkt an der Landesgrenze zum Freistaat Sachsen. Der Hauptort Zeulenroda liegt an der Bundesstraße 94. Naturräumlich gehört das Gebiet zu den Ostthüringisch-Vogtländischen Hochflächen. Das Zentrum von Zeulenroda liegt auf einer Höhe von 415 m ü. NN (Marktplatz). Zeulenroda wird deshalb auch als Stadt auf der Höhe bezeichnet. Triebes liegt dagegen im Tal des gleichnamigen Flusses. Höchster Punkt in der Umgebung ist die Schöne Höhe (485 m). Im Zeulenrodaer Gebiet gibt es Diabas-Gestein, Phyllit, Quarzit und Tonschiefer (Alaunschiefer). Die Böden im Thüringer Schiefergebirge besitzen einen hohen Feinerdeanteil und einen hohen Humusgehalt. Sie sind unter den klimatischen Bedingungen ertragsstabil.Manfred Graf: Organisation der kooperativen Pflanzenproduktion bei hohem Grünlandanteil im Südostthüringer Schiefergebirge, dargestellt an der KOG Lobenstein. Dissertation an der UNI Jena, 1970, S. 1–144 Vor den Toren von Zeulenroda befindet sich die Talsperre Zeulenroda an der Weida. Um den südöstlichen Ortsteil Pöllwitz erstreckt sich der Pöllwitzer Wald.
Nachbargemeinden An das Stadtgebiet grenzen im Landkreis Greiz die Gemeinde Langenwetzendorf, die Städte Greiz, Auma-Weidatal und Hohenleuben sowie die vollständig umschlossenen Orte Langenwolschendorf und Weißendorf. Außerdem grenzt Zeulenroda-Triebes an den Nachbarlandkreis Saale-Orla und den sächsischen Vogtlandkreis.
Stadtgliederung
Ortsteil zugehörige Orte Bemerkungen Arnsgrün-Bernsgrün-Pöllwitz* Arnsgrün, Büna, Bernsgrün, Dobia, Frotschau, Pöllwitz, Schönbrunn, Wolfshain Eingliederung am 1. Juli 1999 in Vogtländisches Oberland, Umgliederung am 31. Dezember 2012Dörtendorf*Dörtendorf1. April 1999 zu TriebesFörthenFörthen1. Mai 1994 zu ZeulenrodaKleinwolschendorfKleinwolschendorf1. April 1992 zu ZeulenrodaLäwitzLäwitz1. Mai 1994 zu ZeulenrodaLeitlitzLeitlitz14. Juli 1993 zu ZeulenrodaMehla*Mehla6. April 1994 zu TriebesMerkendorf*Merkendorf, Piesigitz1. Dezember 2011 zu Zeulenroda-TriebesNiederböhmersdorfNiederböhmersdorf1. Juli 1992 zu ZeulenrodaPahrenPahren1. Mai 1994 zu ZeulenrodaSilberfeld*Quingenberg, Silberfeld1. Dezember 2011 zu Zeulenroda-TriebesStelzendorfStelzendorf1. Januar 1974 zu PahrenTriebes*Triebes1. Februar 2006Weckersdorf*Weckersdorf1. Mai 1994 zu ZeulenrodaZadelsdorf*Zadelsdorf1. Dezember 2011 zu Zeulenroda-Triebes *Ortsteile besitzen Ortsteilbürgermeister und Ortsteilräte
Neben diesen in der Hauptsatzung der Stadt Zeulenroda-Triebes genannten Ortsteilen existieren u. a. die Ortslagen Märien, Meinersdorf, Grüna, Rötlein und Kranich.
Außerdem hat Zeulenroda-Triebes für Langenwolschendorf und Weißendorf den Status einer erfüllenden Gemeinde.
Geschichte
miniatur|hochkant|Kreuzkirche Etwa im 9. Jahrhundert begannen die Sorben, das Gebiet um die heutige Stadt zu besiedeln. Zuvor war die Region lediglich Durchzugsgebiet. 1209 wurde Triebes – eine sorbische Ortsgründung – erstmals als Tributz erwähnt. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts gründeten die Vögte von Weida den Ort Zeulenroda. Am 14. August 1325 wurde Zeulenroda erstmals als Zulenrode urkundlich erwähnt. In einer Urkunde des Saalburger Nonnenkloster zum Heiligen Kreuz werden alle Dörfer und Bauern namentlich genannt, die dem Kloster mit Grundbesitz zinspflichtig sind. Darin heißt es: In Zulenrode unus mansus, quem colit... dictus Dressel. Durch die verkehrsgünstige Lage an der Kreuzung der Straßen Weida–Hof und Auma–Elsterberg entwickelte sich die Siedlung zu einem lebhaften Marktort. Am 26. September 1438 wurde Zeulenroda das Stadtrecht verliehen. 1500 wurde Zeulenroda an die Herren Reuß (Plauener Linie) verpfändet. Durch den Verlust des Hinterlands verarmten die Bürger der Stadt. 1564 wurde das reußische Gebiet in eine jüngere, mittlere und die ältere Linie, zu der Zeulenroda gehörte, geteilt. Triebes gehörte hingegen bis 1848 zu Reuß-Schleiz, danach bis 1918 zum Fürstentum Reuß jüngerer Linie.
Um 1750 entwickelte sich Zeulenroda zu einer Hochburg der Strumpfwirkerei und erlangte bis ins 19. Jahrhundert hinein Weltruhm. Außerdem gewannen im Laufe der Zeit das Tischlerhandwerk sowie die Gummiwirk- und Strickwarenfabrikation an Bedeutung. Nach den Entwürfen des Fabrikanten Christian Heinrich Schopper wurde von 1825 bis 1827 im klassizistischen Stil das heutige Rathaus errichtet, in die 1880 auch die 1851 gegründete Sparkasse Zeulenroda einzog. Der Deutsche Krieg brachte 1866 das Fürstentum Reuß ältere Linie, welches auf Österreichs Seite stand, an den Rand der Auflösung. Nach dem Krieg trat Reuß ältere Linie dem Norddeutschen Bund bei und wurde 1871 Teil des Deutschen Reiches. 1883 wurde die durch Zeulenroda und Triebes führende Bahnstrecke der Mehltheuer-Weidaer Eisenbahn-Gesellschaft eingeweiht. Einen direkten Anschluss erhielt die Stadt aber erst mit der 1914 eröffneten Bahnstrecke Zeulenroda unt Bf – Zeulenroda ob Bf.
1919 bildeten die beiden reußischen Staaten den Volksstaat Reuß, der bereits 1920 im neu gebildeten Land Thüringen aufging. 1919 erhielt Triebes das Stadtrecht.
Bei den Zeulenrodaer Stadtratswahlen vom 4. Dezember 1932 erreichte die erstmals angetretene NSDAP 9 von 25 Sitzen. Während und nach dem Zweiten Weltkrieg kamen zahlreiche Umsiedler in die Stadt. Das Hochfrequenzlabor der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt unter seinem Leiter Adolf Scheibe war mit Einsetzen der Flächenbombardements auf Berlin nach Zeulenroda verlegt worden. Bei einem Angriff der US-Luftwaffe auf Zeulenroda gab es am 17. März 1945 acht Tote. Insgesamt blieb Zeulenroda weitestgehend vom Krieg verschont. Die 3. US-Armee besetzte die Stadt am 16. April 1945 ohne Kampfhandlungen. Ab 1. Juli 1945 stand die Stadt dann unter sowjetischer Verwaltung. Bei ihrem Abzug aus Thüringen evakuierten die Amerikaner das Hochfrequenzlabor samt Mitarbeitern und deren Familien nach Heidelberg. Die Maschinenfabriken Kneusel und Lang wurden als Reparationsleistungen an die Sowjetunion demontiert.
Nach Gründung der DDR wurde Zeulenroda 1952 im Zuge der Kreisreformen in der DDR Kreisstadt des Kreises Zeulenroda im Bezirk Gera.
Am 13. August 1973 kam es zum Einsturz des vorderen Teils der im Bau befindlichen Talsperrenbrücke nach Auma. Vier Tote und fünf Schwerverletzte waren zu beklagen. Die Arbeiten (erstmals eine Brücke im freien Vorbau) fanden unter Termindruck und bei Zwang zur Stahleinsparung statt. Da sich das Unglück am Jahrestag des Mauerbaus ereignete, wurde zunächst Sabotage vermutet. Der Chefingenieur und zwei Mitarbeiter wurden im Mai 1974 vom Bezirksgericht Gera zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt, dann jedoch vom Obersten Gericht der DDR freigesprochen.Jan Eik und Klaus Behling: Verschlusssache. Die größten Geheimnisse der DDR. Verlag Das Neue Berlin, Berlin 2008, ISBN 978-3-360-01944-8. S. 140–141 Im Zuge der Ermittlungen wurde letztendlich festgestellt, dass veraltete Konstruktionsvorgaben die Ursache waren. Am 20. Juni 1975 wurde die neue Trinkwassertalsperre an der Weida offiziell übergeben.
Am 19. Oktober 1989 fand in Zeulenroda erstmals eine politische Demonstration gegen die SED-Diktatur statt. An ihr nahmen etwa 3.000 Menschen teil. Am 13. November trat die SED-Kreisleitung zurück. Bei den ersten freien Kommunalwahlen nach der Wende am 6. Mai 1990 wurden Frank Steinwachs (CDU) Zeulenrodaer Bürgermeister und Martina Schweinsburg (CDU) Landrätin des Kreises Zeulenroda. In Triebes wurde Gerhard Helmert (CDU) zum Bürgermeister gewählt und blieb es bis zur Fusion mit Zeulenroda. Die Volkseigenen Betriebe wurden privatisiert, die Arbeitslosigkeit stieg dramatisch an. Die zu DDR-Zeiten ansässigen VEB WEMA (Werkzeugmaschinenbau), Möbelkombinat, Rotpunkt (Gummiwaren) sowie Elastic Mieder (Dessous) wurden infolge der Wende nach und nach aufgelöst; neue Unternehmen, darunter die Bauerfeind AG, siedelten sich auf neuen Gewerbeflächen an.
Durch die Thüringer Kreisreform verlor Zeulenroda 1994 den Kreisstadt-Status. Eine rückläufige Bevölkerungszahl und der mögliche Verlust des Zeulenrodaer Status als Mittelzentrum ließen Triebes und Zeulenroda die seit längerem praktizierte Zusammenarbeit intensivieren. 2005 fassten beide Stadträte Beschlüsse zur Fusion. Der Thüringer Landtag beschloss am 26. Januar 2006 mit einem Neugliederungsgesetz die Auflösung der Stadt Triebes und die Eingliederung nach Zeulenroda zum 1. Februar 2006 sowie die Änderung des Stadtnamens in Zeulenroda-Triebes.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2006 Der Freistaat Thüringen unterstützte diese freiwillige Fusion mit einer einmaligen Zuwendung von 1 Million Euro.
2008 bewarb sich Zeulenroda-Triebes erfolglos um die Ausrichtung der Landesgartenschau 2013. Am 1. Dezember 2011 wurden die Gemeinden Merkendorf, Silberfeld und Zadelsdorf nach Zeulenroda-Triebes eingemeindet. 2012 wurde die benachbarte Gemeinde Vogtländisches Oberland aufgelöst und deren Ortsteile Arnsgrün (mit Büna), Bernsgrün (mit Frotschau und Schönbrunn) sowie Pöllwitz (mit Dobia und Wolfshain) in die Stadt Zeulenroda-Triebes eingegliedert. Diese wurden zum Ortsteil Arnsgrün-Bernsgrün-Pöllwitz zusammengeschlossen.
Einwohnerentwicklung von Zeulenroda 1908 überschritt die Einwohnerzahl Zeulenrodas die 10.000er-Marke. 1946 war die Stadt durch viele Umsiedler, die infolge der Kriegswirren ihre Heimat verloren hatten und nach Zeulenroda gekommen waren, auf über 14.000 Einwohner angewachsen. Zu Beginn der Neunzigerjahre wohnten in Zeulenroda über 15.000 Menschen. In den letzten Jahren ist wegen der demografischen Entwicklung und aufgrund von Wegzügen die Zahl der Einwohner leicht rückläufig.
miniatur|hochkant=1.3|Einwohnerentwicklung
Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1960 31. Dezember): 1830 bis 1950 1830: 8.449 1905: 9.776 1910: 10.389 1925: 11.047 1933: 12.247 1939: 12.688 1946: 14.039 1 1950: 13.694 21960 bis 1998 1960: 13.684 1981: 14.709 1984: 14.659 1994: 15.044 1995: 15.021 1996: 15.026 1997: 14.959 1998: 14.9061999 bis 2005 1999: 14.826 2000: 14.600 2001: 14.358 2002: 14.158 2003: 13.961 2004: 13.750 2005: 13.434 Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik 1 29. Oktober 2 31. August
Einwohnerentwicklung von Triebes Die Einwohnerzahl von Triebes ist nach der Wende relativ konstant geblieben, was jedoch auf die Eingemeindungen von Mehla und Dörtendorf zurückzuführen ist. Sie schwankte zwischen 4.000 und 4.300 Einwohner.
Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1994 31. Dezember): 1842: 1254 1933: 4814 1939: 4816 1994: 4174 1995: 4146 1996: 4128 1997: 4120 1998: 4083 1999: 4261 2000: 4230 2001: 4192 2002: 4144 2003: 4113 2004: 4099 2005: 4040 Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik
Einwohnerentwicklung von Zeulenroda-Triebes Entwicklung der Einwohnerzahl (31. Dezember):
mini|400px|Einwohnerentwicklung bis 2017
2005: 17.4741 2006: 17.211 2007: 16.924 2008: 16.606 2009: 16.344 2010: 16.139 2011: 16.445 2012: 17.347 2013: 17.098 2014: 16.948 2015: 16.901 2016: 16.115 2017: 16.594 2018: 16.4879 2019: 16.350 2020: 16.194 2021: 15.986 2022: 15.920 2023: 15.785 2024: 15.677 Datenquelle: Thüringer Landesamt für Statistik 1 vor dem Zusammenschluss der beiden Städte
Politik Stadtrat
miniatur|Rathaus der Stadt
Folgende Parteien sind nach der Kommunalwahl am 26. Mai 2024 im Stadtrat vertreten (mit Vergleich zu früheren Wahlen):