Das Hochschulradio (auch Uniradio oder Campusradio genannt) zählt zum nichtkommerziellen Rundfunk und wird an einer Hochschule von Studenten betrieben. In Deutschland ist es nur in einigen Bundesländern als eigene Lizenzklasse vorhanden. In den Bundesländern, in denen Uniradio auf eigener Frequenz nicht zulässig ist, senden Hochschulgruppen nur stundenweise, vereinzelt auch nur vorproduziert auf Frequenzen anderer Anbieter, oder müssen sich auf eine Verbreitung per Internet beschränken.
Das erste aktive Uniradio Hochschulfunk (heute: radio hsf) entstand 1950 in der DDR an der Ingenieurschule Ilmenau, der heutigen Technischen Universität Ilmenau. In Westdeutschland unternahmen mehrere studentische Vereinigungen parallel den Versuch, einen studentischen Radiosender zu etablieren. Erste Sendungen auf Amateurfunkfrequenzen strahlte die ags bereits 1953 an der TU Braunschweig aus. Aufgrund der Gesetzgebung in Westdeutschland (Rundfunkstaatsverträge) war es bis zu deren Liberalisierung in den 1980er-Jahren rechtlich keiner studentischen Vereinigung möglich, einen Radiosender zu betreiben. Das erste Hochschulradio in der Bundesrepublik Deutschland begann 1988 an der Eberhard Karls Universität Tübingen unter der Leitung der Journalistin Sigi Lehmann mit dem Sendebetrieb (Uniradio, später Uniwelle genannt).Ältestes Universitätsradio Deutschlands feiert 10. Geburtstag, auf idw-online.de Es sendete bis 2015 bzw. 2017.https://www.radiowoche.de/uniwelle-tuebingen-stellt-ukw-sendebetrieb-ein/; Sigi Lehmann: Fakultätsübergreifend, journalistisch. Das Uniradio Tübingen. In: Claudia Fischer (Hrsg.): Hochschul-Radios. Initiativen, Praxis, Perspektiven (= Praktischer Journalismus, Bd. 26). UVK-Medien, Konstanz 1996, S. 143–147, ISBN 3-89669-027-2.
Nachfolgend eine Übersicht über die Situation in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Deutschland
Baden-Württemberg In Baden-Württemberg gibt es eigenständige Hochschulradios im Rahmen der Lizenzklasse der nichtkommerziellen Lokalradios, die sich alle ihre Frequenz mit einem Freien Radio teilen:
Radioaktiv (Mannheim, Heidelberg) Campusradio Karlsruhe (Karlsruhe) Uniradio Konstanz (Konstanz)
Als reines Internetradio gibt es: Welle20 (Friedrichshafen) FuFunk (Furtwangen) Künzelsound (Künzelsau)
Studentisches Radio gibt es in Baden-Württemberg allerdings auch im Rahmen der sogenannten Lernradios: LernRadio (Karlsruhe) HoRadS (Stuttgart) Uniradio Freiburg/echo-fm 88,4 (Freiburg im Breisgau)
Bayern Hochschulradio findet in Bayern über drei Ausspielwege statt.
In Bayern gibt es zwei „Aus- und Fortbildungskanäle“, in denen Uniradio ein wesentlicher Bestandteil ist, aber auch andere Gruppen und Institutionen senden. Die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM) ist Hauptgesellschafterin der MEDIA SCHOOL Bayern die die Plattform für folgende Ausstrahlungsformate ist: max neo (Nürnberg) (früher afk max) afk M94.5 (München) Für einige bayerische Lokal- und Ausbildungsradios gestalten Studierende Fenstersendungen: Kanal C (Augsburg) auf Radio Fantasy Netradio (Kulmbach) auf Radio Galaxy Oberfranken Radio Pegasus (Eichstätt) auf Radio Galaxy Ingolstadt Radio Leporello (Rosenheim) auf (Radio Regenbogen) Rabbit Radio (Ansbach) auf max neo FriedaFM (Bamberg) auf max neo
Die folgenden zehn selbstfinanzierten Internetradiosender werden von Studierenden der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, Universität Bayreuth, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Hochschule für angewandte Wissenschaften München, Universität Passau, Universität Regensburg, Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt, Technischen Hochschule Deggendorf und der Hochschule für angewandte Wissenschaften Ansbach betrieben: Uni-Vox.de (Bamberg, bis 2024) schalltwerk.org (Bayreuth) Funklust (Erlangen) Radio Microwelle (München) Campuscrew (Passau) Studentenfunk Regensburg (Regensburg) UR Würzburg (Würzburg, bis 2018) MainBeat (Würzburg) Radio WebWelle (Deggendorf) Rabbit Radio (Ansbach)
Im Rahmen der Tests für den neuen digitalen Hörfunkstandard Digital Radio Mondiale (DRM) gingen über Kurzwelle drei eigenständige Hochschulsender auf Sendung. Einige der Projekte wurden inzwischen wieder eingestellt.
bit eXpress (Erlangen, inzwischen parallel digital auf Mittelwelle, Testweise auch auf UKW und DAB+ in Erlangen in Kooperation mit und unter Flagge Funklust) Campus Radio Nürnberg (Nürnberg)/(Georg-Simon-Ohm-Hochschule, Projekt beendet) radio fine tune (München)/(TUM)
Berlin/Brandenburg Das uniRadio Berlin-Brandenburg wurde 1995 gegründet und sendete bis Februar 2005 als eigenständiger Anbieter in Berlin jeden Abend zwei Stunden über UKW auf der Frequenz von Star FM. Dem Sender wurde jedoch keine eigene Sendezeit mehr zugewiesen und sendete er täglich von 17 bis 18 Uhr eine Stunde Programm bei Alex Offener Kanal Berlin (ALEX Berlin) auf 97,2 MHz und per Livestream im Internet. Mittlerweile gibt es diesen Sender jedoch nicht mehr.
Im Sommersemester 2005 wurde an der TU Berlin ein Campusradio gegründet. Mitwirkende sind Studierende der Berliner Universitäten und der Uni Potsdam, die ihre Sendungen per Internetradio verbreiten. Das Studio befindet sich im Broadcast-Studio der TU Berlin und ist mit digitaler Hörfunktechnik ausgestattet. Im Januar 2006 ging das Programm erstmals auf Sendung, wird aber nicht regelmäßig betrieben.„TU-Studierende auf Sendung“, TU Berlin, Medieninformation Nr. 8, 5. Januar 2006
Seit dem Sommersemester 2009 gibt es in Potsdam das Campusradio funkUP. Das Programm besteht aus einem Podcast, der zweimal pro Woche erscheint und verschiedene Sendungsformate – von Musik-, Themen- und Magazinsendungen bis hin zu Hörspielen und Features – umfasst. Zusätzlich hört man das studentische Team seit Mai 2011 auch alle zwei Wochen in Berlin und Potsdam für eine Stunde bei 88vier. (Stand Januar 2012)
Im Wintersemester 2010/11 entstand an der Humboldt-Universität Berlin im Rahmen einer Lehrveranstaltung am Institut für Medienwissenschaften unter der Leitung von Wolfgang Mühl-Benninghaus das Konzept für couchFM, das Berliner Campusradio, das als Ausbildungsradio konzipiert ist und den Studierenden aller Berliner Universitäten zur Mitarbeit offensteht. Seit dem Oktober 2012 sendet couchFM zunächst einmal wöchentlich, seit 2013 zweimal wöchentlich montags und freitags jeweils von 17 bis 18 Uhr bei 88vier. Montags laufen die Musiksendung Klangkompott und der Wissenschaftstalk Studentenfutter, freitags läuft die Magazinsendung mit Musik sowie mit studentischen und berlinbezogenen Themen.Entstehungsgeschichte von couchFM
Seit 2016 sendet couchFM täglich 17 bis 18 Uhr auf der neuen Frequenz des offenen Kanals ALEX Berlin. Dieser wechselte 2016 von der 88vier auf die 91,0 MHz. Im selben Jahr, am 13. Oktober, feierte couchFM mit einer 5-stündigen Livesendung sein 5-jähriges Bestehen.
Bremen Im Land Bremen gibt es keine eigene Hochschulradiofrequenz. In den 1990er Jahren sendete Radio Bremen 2 in Kooperation mit der Universität Bremen und der Universität Oldenburg ein Programm „Campusradio“. Dieses wurde eingestellt. Nun gibt es seit dem Wintersemester 2004/2005 ein von Studierenden organisiertes Projekt Campus Radio Bremen. Die regelmäßigen Magazin-Sendungen sind in Bremen, Bremerhaven und Umgebung über den Bürgerrundfunk Bremen zu hören. Beiträge sind zudem jederzeit via Internet abrufbar. Das Projekt Campus Radio wird seit 2012 nicht mehr von der Universität angeboten.
Hamburg In Hamburg fungiert das Hochschulradio nicht als eigenständiger Sender. Das studentische Uni-Radio sendete einige Jahre auf der Frequenz von TIDE 96,0, dem Hamburger Ausbildungs- und Bürgerkanal.
Dort lief jeden zweiten, vierten und fünften Samstag im Monat „UNIversal – das Campusjournal“ live von 14 bis 15 Uhr. Die Sendung beinhaltete Comedy, Nachrichten, Interviews und Studiogäste zu Hochschulthemen. Musikalisch gestaltete das Resoullouser-DJ-Team das Programm mit einem Live-Set, klassisch und direkt vom Plattenteller. Moderiert wurde die Sendung in der Regel von Fabian Pickel, Kristin Kolodzei und Julia Holzapfel.
Hessen Hochschulradio gibt es in Hessen nur im Rahmen von Sendungen in den nichtkommerziellen Lokalradios: „Running Radio“ (Hochschule Darmstadt), unregelmäßig auf Radio Darmstadt, im Rahmen von Veranstaltungsradios und zuweilen auf SWR2. Das Radioprojekt, das am Fachbereich Media der Hochschule Darmstadt angesiedelt ist, verfolgt insbesondere die Idee eines „jungen“ Kulturradio-Programms Campusradio Mainz auf Radio RheinWelle 92,5 (Wiesbaden) Unihört (Marburg) auf Radio Unerhört Marburg 90,1 oder als Podcast Radio DauerWelle (Frankfurt am Main)
Mecklenburg-Vorpommern RadioHIRN – Das Studentenradio der Hochschule Neubrandenburg
Niedersachsen Hochschulradio in Niedersachsen findet unter anderem in Form von Redaktionen und Sendungen in den Bürgerrundfunk-Sendern statt. 141.41.19.7 – experimentelles Radio der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig RadioXYZ – Radioprojekt an der TU-Braunschweig OHR – Ostfalia Hochschulradio (Salzgitter) CAMPUSlife – Das Hochschulradio für Wilhelmshaven auf Radio Jade (Wilhelmshaven) Katerfrühstück – Das Uniradio für Lüneburg auf Radio ZuSa (Lüneburg) UFO – Das Magazin. Unifunk Osnabrück auf osradio (Osnabrück) GöHört – Das Campusradio der Universität Göttingen auf Stadtradio Göttingen 107,1 Campusradio des AStAs der Universität Hildesheim auf Radio Tonkuhle (Hildesheim) Campus Radio Lingen auf der Ems-Vechte-Welle (Lingen)
Nordrhein-Westfalen Die Landesmedienanstalt des Landes Nordrhein-Westfalen vergibt 24-Stundenlizenzen an Hochschulradios in einem vereinfachten Vergabeverfahren. So besteht für Hochschulradios die Möglichkeit, den Studenten und kooperierenden Vereinen parallel zu öffentlich-rechtlichen Sendern und dem Privatfunk vereinfachten Zugang zu Sendemöglichkeiten zu schaffen.
Als im Jahr 1996 in Nordrhein-Westfalen mit einer Änderung des Landesmediengesetzes Uniradios ermöglicht wurden, erhielt „Radio c.t.“, heute CT das radio, als erstes Campusradio des Landes eine reguläre Sendelizenz und eine eigene Frequenz in Bochum. Fünf weitere folgten in Dortmund, Münster, Düsseldorf, Bielefeld und Köln. Inzwischen kamen auch Ostwestfalen und Bonn/Rhein-Sieg, Duisburg/Essen, Aachen und Siegen hinzu. In Bonn teilten sich bis ins Jahr 2013 mehrere Gruppen die Sendefrequenz.
Die Organisation dieser Sender beruht auf eingetragenen Vereinen; die Mitarbeiter sind ehrenamtlich tätig. Die Hochschulradios finanzieren sich aus Mitteln der Hochschulen, Beiträgen der Vereinsmitglieder und durch Sponsoring. Werbung ist nicht gestattet. Sie senden zwischen zwei und zehn Stunden täglich live. Während der restlichen Zeit werden zum Teil andere Sender übernommen oder ein automatisiertes Musikprogramm ausgestrahlt.
In Nordrhein-Westfalen senden derzeit folgende Hochschulradios: BonnFM CampusFM (Duisburg/Essen) CT das radio (Bochum) eldoradio (Dortmund) Hertz 87.9 (Bielefeld) Hochschulradio Aachen Hochschulradio düsseldorf Kölncampus (Köln) L’UniCo (Paderborn) Radio Q (Münster) Radio Triquency (Hochschule Ostwestfalen-Lippe) radioFH! (Fachhochschule Südwestfalen, Meschede)Radiofh auf fh-swf-de, abgerufen am 31. August 2023. Radius 92.1 (Siegen)
Rheinland-Pfalz In Rheinland-Pfalz gibt es zurzeit zwei regelmäßige Campusradios. Die Universität Mainz sendet seit dem Jahr 2002 und ist derzeit täglich von 9 bis 12 Uhr und 17 bis 22 Uhr per Webcast erreichbar. Erst 2009 wurde das Campusradio der Universität Trier gegründet und sendet seitdem regelmäßig per Webcast.Internetauftritt Campusradio Trier An der Fachhochschule Kaiserslautern gibt es jährlich zum Tag des Offenen Campus eine eintägige Radiosendung auf der Frequenz 87,6 MHz, welche rund um Kaiserslautern zu empfangen ist.
Saarland