Die Danske Statsbaner (DSB; ) sind die dänischen Staatsbahnen, die den Personenverkehr auf den wichtigsten Eisenbahnstrecken in Dänemark und auf der internationalen Magistrale Schweden–Deutschland sowie den S-tog von Kopenhagen betreiben. Regionale Strecken werden teils von DSB, teils von anderen Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) im freien Wettbewerb (Ausschreibungen) betrieben. Die DSB betreiben keinen Güterverkehr mehr.
Geschichte Anfänge Der Staat engagierte sich in Dänemark früh beim Bau und Betrieb von Strecken: Friedrich VI. hatte bereits 1835 eine Königliche Eisenbahn-Commission eingesetzt, und der dänische Staat war der größte Aktionär an der 1844 eröffneten Christian VIII. Østersø Jernbane der Altona-Kieler Eisenbahn-Gesellschaft (AKE) im damals der Krone unterstehenden Herzogtum Holstein. 1847 wurde die auf Initiative von Søren Hjorth von einer Aktiengesellschaft errichtete Eisenbahnstrecke von Kopenhagen nach Roskilde eröffnet; ihr Weiterbau nach Korsør war erst 1854 mit einer staatlichen Bürgschaft möglich.
Bahnstrecken unter dänischer Hoheit bis Oktober 1864 mini|Halle des Bahnhofs in Altona um 1850 mini|Kopenhagens erster Bahnhof mini|Fahrkarten der Dänischen Staatsbahn von 1906 18. September 1844: Altona-Kieler Eisenbahn-Gesellschaft (AKE, zunächst „König Christian VIII. Ostseebahn“), 30. Oktober 1864 preußisch, 1877 preußische Konzession September 1845: Rendsburg-Neumünstersche Eisenbahn, 1. Januar 1864 von der AKE erworben, 30. Oktober 1864 preußisch 15. Dezember 1846: Bahnstrecke Berlin–Hamburg, quasi als Transitstrecke durch die Herzogtümer Lauenburg und Holstein geführt 27. Juni 1847: Kopenhagen – Roskilde 15. Oktober 1851: Lübeck-Büchener Eisenbahn, Konzession der dänischen Regierung abgetrotzt 4. Oktober 1854: Bahnstrecke Flensburg–Husum–Tönning mit Zweigstrecke nach Rendsburg, von König Friedrich VII. eingeweiht, 30. Oktober 1864 preußisch 27. April 1856: Roskilde – Korsør 2. September 1862: Aarhus – Randers 21. Juli 1863: Langå – Viborg 22. Juli 1863: Kopenhagen (Nordbahnhof) – Nørrebro – Hellerup – Klampenborg 1. Oktober 1863: Hellerup – Lyngby 9. Juni 1864: Lyngby – Hillerød – Helsingør 1. Oktober 1864: (Flensburg-Holzkrug) – Padborg – Vojens, 30. Oktober 1864 preußisch, 15. Juni 1920 wieder an Dänemark (Bahnstrecke Fredericia–Flensburg)
Aufbau der Staatsbahn mini|Bahnhof Roskilde mini|Kopenhagener S-Bahn-Zug (S-tog) mini|Typisch für die Stirnseite dänischer Triebwagen: Wulst statt Stromlinienform mini|Dänemark-tauglicher ICE-TD 1885 entstanden die DSB. Sie kauften schrittweise bestehende Strecken auf, vor allem die Strecke Kopenhagen–Roskilde, so dass ab 1882 nahezu alle Hauptstrecken in staatlicher Hand waren. Als problematisch erwies sich die teilweise Insellage des Königreiches, die zunächst kein geschlossenes Eisenbahnnetz erlaubte. Lediglich die Strecken auf Jütland waren mit dem europäischen Netz verbunden. Am 19. März 1872 wurde Dänemarks erste Eisenbahnfährlinie mit der Eisenbahnfähre Lillebelt zwischen Fredericia und Strib über den Kleinen Belt zwischen Jütland und Fünen eröffnet. Es folgten 1882 der Große Belt, im März 1892 der Öresund und 1903 die Verbindung nach Deutschland mit der Fähre über den Storstrømmen nach Falster (schon 1937 durch die Storstrømsbroen ersetzt) und mit dem Trajekt Warnemünde–Gedser. In der Zeit des Kalten Krieges kam 1963 die Vogelfluglinie hinzu, an der bereits 1941 die Organisation Todt mit ersten Bauarbeiten begonnen hatte.
Die Fahrzeiten indes blieben in dem kleinen Land relativ lang. Zu Beginn der 1930er Jahre dauerte etwa eine Reise von Kopenhagen ins 342 Kilometer entfernte Esbjerg immerhin 7½ Stunden.
Im Mai 1935 eröffnete König Christian X., der als Eisenbahnenthusiast galt, eine neue Brücke über den Kleinen Belt. Diese 1135 Meter lange Brücke und die Einführung von dieselelektrisch betriebenen Blitzzügen der Baureihe MS, sogenannten Lyntogs, führten zu einer spürbaren Verkürzung der Reisezeit um 2 Stunden 48 Minuten. Der schnellste Zug zwischen Kopenhagen und dem 254 Kilometer entfernten Fredericia auf Jütland benötigte im Sommer 1935 3 Stunden 49 Minuten, inklusive der Fährüberfahrt über den noch nicht überbrückten Großen Belt. 1937 erfolgte der Bau einer Brücke zwischen Seeland und Falster. In den 1930er Jahren wurden im Raum Kopenhagen mit der S-Bahn die ersten elektrifizierten Strecken (1500 V) in Betrieb genommen. Die übrigen Strecken wurden auf Dieselbetrieb umgestellt. So kam es, dass noch um 1980 kein einziger Kilometer des Fernbahnnetzes elektrifiziert war. Im Allgemeinen konzentrierte sich der Staat damals wie in fast allen anderen europäischen Ländern auf den Straßenbau. Die Strecke Helsingør–Kopenhagen wurde als erste Fernbahn mit 25 kV / 50 Hz elektrifiziert. Von 1974 bis 1978 verkehrte bei der DSB auch die damals höchste europäische Zuggattung, der Trans-Europ-Express (TEE).
Taktfahrplan Bereits 1974 startete landesweit ein Taktfahrplan mit IC-Zügen, „jede Stunde jede Klasse“ – damit waren die DSB eines der ersten Unternehmen, die dieses mittlerweile weit verbreitete Konzept einführten.
Ab 1973 wurde die Querung des Großen Beltes mit einer sechsspurigen Autobahnbrücke geplant, die jedoch 1987 mit einem neuen Gesetz zusätzlich als Eisenbahnverbindung vorgesehen wurde. 1990 standen die ersten Brückenpfeiler, und im Juni 1997 konnte die feste Große-Belt-Querung in Betrieb genommen werden. Während die Autobahn bis zur kleinen Insel Sprogø die gemeinsame Brücke mit der Eisenbahn benutzt, fahren ab dort bis Seeland die Züge durch einen Tunnel. Die Kraftfahrzeuge hingegen benutzen eine Hängebrücke.
Entwicklung seit 1996
1996 erfolgte die vollständige Trennung von Netz und Betrieb, das Netz wird seitdem von der staatlichen Behörde Banestyrelsen verwaltet, seit 2005 vergleichbar einer staatlichen AG unter dem Namen Banedanmark. 1999 wurden die DSB in eine Holding umgewandelt. Die Fahrzeuginstandhaltung wurde 2010 an DSB Vedligehold übergeben.
Seit 2. Juli 2000 fahren die Züge nach Malmö über eine feste Querung. Hier verlaufen Autobahn und Eisenbahn parallel durch den Drogdentunnel, einen Absenktunnel zwischen Kopenhagen Flughafen und der aufgeschütteten Insel Peberholm, von dort über die Öresundbrücke, eine Schrägseilbrücke. Die Transitstrecke von Malmö zum Grenzort Padborg bei Flensburg ist elektrifiziert und mit bis zu 180 km/h befahrbar.
Infolge des hier wie fast überall in Europa stark zurückgehenden Eisenbahngüterverkehrs wurden in Dänemark bis 2002 sämtliche Rangierbahnhöfe stillgelegt. Der letzte verbliebene von der nationalen Güterverkehrsgesellschaft Railion Danmark betriebene Wagenladungsverkehr (Transport einzelner Güterwagen, Überfuhr von und nach Dänemark über Rangierbahnhöfe im angrenzenden Ausland) wurde im Laufe des Jahres 2006 auf der Transitstrecke Deutschland–Schweden stark eingeschränkt. Dies betrifft jedoch nicht den Container- und Ganzzugverkehr. Vereinzelt werden jedoch noch Transporte des Wagenladungsverkehrs von kleineren dänischen Eisenbahnbetreibern übernommen, statt, wie sonst üblich, auf die Straße verlagert.
2003 mussten die DSB nach einer Ausschreibung einen Teil des Regionalbahnnetzes in Mittel- und Westjütland an Arriva abgeben.
National verfolgten die DSB die Strategie „Gute Züge für Alle“. Damit wurde die Planung von Hochgeschwindigkeitszügen eingestellt.
Internationale Expansion DSB International ist die Geschäftseinheit, die sich im mit der Akquisition weiterer Verkehrsverträge im Ausland befasst.
Die DSB betrieben Anfang der 2000er Jahre einen Expansionskurs über die Landesgrenzen hinweg. Ab 2003 betrieben sie im Nachbarland Schweden die schmalspurige Roslagsbana bei Stockholm sowie Regionalverkehre im Großraum Göteborg (Västtrafik). 2009 konnten die DSB mit der Tochter DSBFirst (als Joint Venture mit der britischen FirstGroup) den länderüberschreitenden Öresundsverkehr zwischen Schweden und Dänemark gewinnen. Im Dezember 2009 gewann die DSB-Tochter DSB Småland AB die Ausschreibung um Regionalverkehre im Raum Jönköping, der Betrieb wurde Ende 2010 aufgenommen. 2010 wurde die DSB mit ihren Beteiligungen mit 25 % Marktanteil in Schweden zum zweitgrößten Anbieter im Schienenpersonenverkehr.DSB becomes Sweden's second largest operator. Railway Gazette, 28. August 2009
Im März 2010 gelang den DSB der Einstieg in den deutschen SPNV-Markt, da diese den fünfzigprozentigen Anteil der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) an der Eisenbahngesellschaft Vias übernahmen. Der Anteil wurde in den 2010er-Jahren an die RATH Gruppe in Düren verkauft.
Nachdem Verluste bei der Öresundbahn die finanzielle Stabilität der DSB beeinträchtigten, wurden 2011 alle Expansionspläne auf Eis gelegt.DSB Annual Report 2011 (englisch), S.8 Im Dezember 2011 wurde DSB First mit der Übernahme der schwedischen Strecken durch Veolia in DSB Øresund umbenannt.
2013 wurde die Roslagsbana an Arriva Sverige abgegeben. 2014 gab DSB Småland wegen Verlusten den Betrieb seiner Linien an Veolia ab. Die Beteiligung an DSB Uppland wurde 2017 an Transdev veräußert.Schweden: DSB verkauft DSB Uppland an Transdev, Lok-Report, 10. August 2017, abgerufen am 3. Januar 2022 mini|Von DSB betriebene Eisenbahnstrecken (rot)
Fahrzeugbaureihen
Noch verwendete Baureihen sind in fetter, ausgemusterte in kursiver Schrift.
Dampflokomotiven mini|E 978 der DSB, von 1979 bis 2008 als Denkmallokomotive in Fredericia, inzwischen verschrottet mini|DSB PR 908 in Odense mini|Q350 (ex DSB) der Arbeitsgemeinschaft Geesthachter Eisenbahn A (ausgemustert); diese Loks mit der Achsfolge 2'B wurden ab 1882 von Borsig (Berlin) und später von Hartmann (Chemnitz) geliefert. Bis 1900 waren sie im Schnellzugdienst eingesetzt. E (ausgemustert); diese Loks mit der Achsfolge 2'C1' stammten ursprünglich aus Schweden. Dort wurden sie ab 1936 nach den Elektrifizierungen nicht mehr benötigt, so dass die DSB sie ankauften. Nach dem Krieg wurden noch einmal 25 Loks nachgebaut. F (ausgemustert); dreiachsige Rangierlok, wurde von 1898 bis 1949 in drei Serien gebaut. N (ausgemustert); diese Lokomotiven wurden während des Zweiten Weltkrieges als deutsche Baureihe 50 in Belgien gebaut. Nach dem Kriegseinsatz kamen die Loks nach Belgien zurück, wurden dort jedoch nicht gebraucht und an die DSB verkauft. Q (ausgemustert); diese Dn2t-Lokomotiven waren die leistungsstärksten Rangierlokomotiven der DSB. Konstruiert und gebaut wurden sie von der Maschinenfabrik A/S Frichs in Aarhus in den Jahren von 1930 bis 1945. Bis Mitte der 1970er Jahre waren diese Loks im Einsatz. Zwei Maschinen sind bis heute erhalten. Lok Q 345 ist in der Obhut des DSB Museumstog (nicht in Betrieb), Lok Q 350 ist nahe Hamburg bei der Arbeitsgemeinschaft Geesthachter Eisenbahn auf der Strecke der Bergedorf-Geesthachter Eisenbahn im Einsatz.
Diesellokomotiven, -triebwagen mini|Der IC3 verkehrt u. a. zwischen Kopenhagen und Hamburg Hauptbahnhof mini|Ein IC3-Dieseltriebwagen gekuppelt mit zwei IR4-Elektrotriebwagen an der Ostauffahrt zur Großer-Belt-Brücke mini|NoHAB Loks in Padborg mini|MZ in Odense
MA (dieselhydraulischer Schnelltriebzug) – Ab 1963 ersetzten diese dieselhydraulischen vierteiligen Triebzüge die Vorkriegsmodelle im Lyntog-Verkehr (Blitzzug). mini|Me 1532 östlich von Roskilde ME (dieselelektrische Streckenlokomotive) – Diese Dieselloks der DSB wurden in zwei Baulosen zwischen 1981 und 1986 in zusammen 37 Exemplaren gebaut. Erstmals wurden Wechselstrommotoren eingebaut, während die Dieselaggregate (wie bei MX/MY und MZ) von General Motors stammen. Die Lokomotiven haben die Achsfolge Co'Co' und eine Höchstgeschwindigkeit von 175 km/h. Die Fahrzeugkästen ähneln der Baureihe EA, wirken jedoch etwas runder. Die Länge über Puffer beträgt 21 m. Im November 2021 schieden die letzten Exemplare aus dem Bestand der DSB aus.