Männedorf (Mänidorf im lokalen Zürichdeutsch) ist eine politische Gemeinde im Schweizer Kanton Zürich. Sie liegt am rechten Zürichseeufer – der sogenannten Goldküste – und gehört zum Bezirk Meilen.
Geographie mini|Männedorf auf einem Stich von Heinrich Brupbacher Die Fläche beträgt 476 ha, davon sind 26,3 % Landwirtschaftsfläche, 37,8 % Siedlungsfläche, 23,9 % Wald, 11,6 % Verkehrsfläche, 0,2 % Gewässer, und 0,2 % sind unproduktive Fläche (Stand 2018).Gemeindeporträts. Männedorf. Flächen. Statistisches Amt des Kantons Zürich, 2018. Die Gemeinde erstreckt sich am südlichen Abhang des Pfannenstiels vom rechten Zürichseeufer bis zum Stäfner Türli. Das Seeufer liegt auf 406 Metern über Meer, der Stollen auf 661 Metern. Die Gemeinde liegt auf Terrassen, die parallel zum Pfannenstielrücken verlaufen. Das ursprünglich kleine landwirtschaftlich geprägte Dorf am Seeufer hat sich seit dem Bau der Eisenbahn stark gewandelt und den Berg hinauf ausgedehnt. Dank der Planung einer Autobahn, für die das Strassenamt Grundstücke kaufte, ist der obere Teil von Männedorf heute ein Naherholungsgebiet. Männedorf ist Bestandteil der städtischen Agglomeration der Stadt Zürich und zürichwärts mit dieser einigermassen verwachsen.
Geschichte mini|links|Seeufersiedlung mini|Historisches Luftbild von 1919, aufgenommen von Walter Mittelholzer
Spuren von drei neolithischen Uferdörfern und ein spätbronzezeitlicher Fundplatz sowie ein noch unerforschter Grabhügel wohl aus der älteren Eisenzeit zeugen von einer frühen Besiedlung.
Mittelalter Aus frühmittelalterlicher Zeit stammen alemannische Gräber und Spuren einer Kirche aus dem 8. Jahrhundert auf dem Kirchhügel. Der Ortsname Männedorf ist ebenfalls alemannischer Herkunft; erstmals bezeugt findet er sich 933 als Mannidorf. Er ist vermutlich aus dem in St. Galler Urkunden belegten althochdeutschen Personennamen Manno und dem althochdeutschen Gattungswort dorf ‹Weiler, Dorf, Hof, Gehöft› zusammengesetzt. Das ursprüngliche *Mannindorf bedeutete damit ‹Dorf, kleine Siedlung des Manno› (Mannin ist der Genitiv von Manno). Das noch heute in der Mundart geltende -i- in der Mittelsilbe wird schriftsprachlich erst im 18. Jahrhundert durch ein -e- ersetzt.Eintrag Männedorf im Zürcher Siedlungsnamenbuch, publiziert auf ortsnamen.ch. Abgerufen am 23. Juni 2025.
Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte 933 auf der Urkunde einer Schenkung an das Kloster St. Gallen betreffend der Ruppertsmatt,Stiftsarchiv St. Gallen: Urk. IV 485 (online auf e-chartae, abgerufen am 25. Juni 2020). welche heute auf dem Ortsplan nicht mehr ausgewiesen respektive nach der angrenzenden, auf Üetiker Gebiet liegenden Oberstmatt benannt wird. Geschrieben ist das Dokument in der damaligen Amtssprache Latein. Ein gewisser Ruodpert soll es mit Hilfe seines Vogtes Notker verfasst haben. Geschrieben wurde der Text von Chunibert, der sich Subdiakon nennt. Unterschrieben ist die Urkunde von 35 Personen. Am Ende des Dokuments nennt der Verfasser die Jahreszahl sowie «…, 6. Induktion, im 13. Jahr der Herrschaft des Kaiser Heinrich unter dem Grafen Bernhard in den Tagen des Iden des Augusts».
Frühe Neuzeit Das ursprünglich von Fischern, Bauern und Winzern bewohnte Dorf gehörte dem Kloster Pfäfers. Aus finanziellen Gründen wurde es später an die Gotteshausleute von Einsiedeln verkauft. Von 1405 bis 1798 war es eine Zürcher Obervogtei, wovon das Untervogthaus im Dorfkern zeugt. Der Untervogt wurde aus der Bevölkerung gewählt und war das höchste Amt, das ein Landbewohner erreichen konnte. Die Zehntenpflicht gegenüber Einsiedeln blieb jedoch bestehen, und der Zehnten musste auf Kosten des Meiers per Schiff ans Statthalteramt in Pfäffikon geliefert werden. Nur wenn es zwei Fuhren gab, übernahm das Kloster die Kosten für die zweite Fahrt. Einsiedeln war auch für die Besoldung des (reformierten) Pfarrers zuständig, was immer wieder zu Unstimmigkeiten führte, da der Einsiedler Abt bei der Festlegung des Lohns von einem zölibatären Priester ausging, während die reformierten Pfarrer Frau und Kinder zu ernähren hatten. In der siebenstündigen Seeschlacht bei Männedorf wurden 1445 auf beiden Seiten neben Schiffen mit Infanterie besetzte Grossflösse eingesetzt.
Neuzeit Das internationale Knabeninternat «zum Felsenhof» unter Leitung von Friedrich Staub sorgte im 19. Jahrhundert gemäss dem Chronisten nicht nur für einen guten Ruf, sondern auch für ziemliches Aufsehen im Dorf, zählten zu seinen Zöglingen doch auch Russen und Brasilianer.Bindschedler: Geschichte der Gemeinde Männedorf, 1927.
mini|Hafen von Männedorf Nach dem Bau der Eisenbahn Zürich–Meilen–Rapperswil im Jahre 1894 begann ein wirtschaftlicher Aufschwung. Manche Handwerks- und Industriebetriebe wie Orgelbau, Feinmechanik und Alarmtechnik etablierten sich. In der ehemaligen Büromöbelfabrik Grob im Höchsten, die 1977 ihren Betrieb einstellte, sind heute die Gemeindewerke untergebracht. Die Kaltwalzmaschinenfabrik an der Rohrgasse war 1962 vom damals 69-jährigen Ernst Grob gegründet worden. Auch die Gerberei Staub, Unterlieferant der Transmissionsriemen für Sulzer, und die Seidenweberei Brunner bestehen heute nicht mehr. Brunner hatte seinerzeit (nach der Kreispostdirektion und dem Regierungsrat) das dritte Telefon im Kanton. Dem bäuerlichen Leben entsprechend gab es eine Mühle in der Tiefenau, eine Schmiede und einige kleine Ziegeleien für den örtlichen Bedarf, wovon eine auf dem heutigen Areal des Strandbades stand. Einer Seidenraupenzucht im Widenbad war kein kommerzieller Erfolg beschieden.
Die Gerberei Staub produzierte nach einem Grossbrand unter dem Namen Blue Max noch Treibriemen für eine Winterthurer Maschinenfabrik; heute ist dort die Tecan AG. 1918 wurde die «Schweizer Getränke AG» gegründet, die 1931 nach Obermeilen umzog.
Wappen mini|Männedorfer Wappen (Zürcher Chronik 1485/1486) von Gerold Edlibach
Blasonierung: In Gold ein steigender schwarzer Fischotter, einen blauen Fisch verschlingend
Das Männedorfer Gemeindewappen stammt ursprünglich von Eberhard von Ottikon, der im 15. Jahrhundert als Obervogt von Männedorf amtete. Im Lauf der Geschichte zeigte das Wappen anstelle des Fischotters auch einen Biber, ein Eichhörnchen und einen Löwen. 1930 wurde das Original aus dem 15. Jahrhundert als offizielles Wappen bestimmt.
Bevölkerung + Bevölkerungsentwicklung1850–1960: Eidgenössische Volkszählungen, danach: Gemeindeporträts. Männedorf. Bevölkerung (Personen). Statistisches Amt des Kantons Zürich, 1962–2022. Jahr 1799 1850 1900 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2005 2010 2015 2020 2022 Einwohner 2'166 2'382 2'902 4'396 6'182 7'419 7'651 7'406 8'244 9'534 10'437 10'588 11'389 11'424
Bevölkerungsdichte: 2397,69 Einw./km² Anzahl Privathaushalte: 4985 (Stand: 2021)Gemeindeporträts. Männedorf. Privathaushalte. Statistisches Amt des Kantons Zürich, 2021, abgerufen am 10. September 2023. Ausländeranteil: 21,0 % (Stand 2022)Gemeindeporträts. Männedorf. Ausländeranteil. Statistisches Amt des Kantons Zürich, 2022, abgerufen am 10. September 2023.
Schulen Primarschule mini|Schulhaus «Auf Dorf» (bis 1835) mini|Primarschulhaus (erbaut 1898) mini|Sekundarschulhaus Männedorf (mit neuem Westflügel und ohne Glockenturm) Die Primarschule Männedorf war ursprünglich zweigeteilt. Sie bestand aus der Schule im Dorf und einer zweiten «auf Dorf». Im Dorf wurden die Kinder in der Gemeindestube (Gasthaus «Löwen am See», heutiges Altersasyl) unterrichtet. Da diese zu klein war, wurde 1808 an der Brunngasse Land gekauft. Für den Bau des Schulhauses Brunngasse reichte das Geld jedoch erst 1819.Etienne Ruedin: 200 Jahre Allmendhof. Vom Armenhaus 1819 zum Alters und Pflegeheim 2019. Benziger, Einsiedeln 2019. Auf Dorf gab es an der Ecke Auf-Dorf-Strasse/Schuelerrain ein Schulhaus. Mit dem Bau des Zentralschulhauses auf Blatten wurde die Schule 1835 vereinigt, und die beiden Schulhäuschen im Dorf und auf Dorf wurden als heute noch bestehende Wohnhäuser verkauft. Das Primarschulhaus mit Bibliothek unterhalb der katholischen Kirche kam 1898 dazu, ergänzt ab 1950 durch das dazwischenliegende alte Sekundarschulhaus.
Sekundarschule Im September 1833 wurde durch den damaligen Grossen Rat (Kantonsrat) das Gesetz betreffend die höheren Volksschulen erlassen. Dieses sah für Uetikon, Oetwil und Männedorf einen Sekundarschulkreis vor. Die am 18. November 1833 gewählte 13-köpfige Sekundarschulpflege bezeichnete am 11. April 1834 Männedorf als Schulort. Der erste Jahreskurs begann am 15. Juni 1835 bei Lehrer Johann Jakob Bär im Männedorfer Zentralschulhaus. Die Schülerzahlen verteilten sich zu rund 70 % auf Männedorf, 20 % auf Uetikon und 10 % auf Oetwil. Das Schulgeld wurde mit Gesetz vom 22. Dezember 1872 abgeschafft. Anfang September 1875 wurde östlich des Zentralschulhauses das (alte) Sekundarschulhaus Männedorf bezogen. 1876 wurde eine zweite und 1898 eine dritte Klasse eröffnet, nachdem die lange bei 40 liegende Schülerzahl auf 90 angestiegen war.
Nachdem in Uetikon ein Gemeindehaus mit Schulräumen erstellt worden war, beantragte 1905 die Schulpflege Uetikon, dass Uetikon von der Kreissekundarschule Männedorf-Uetikon-Oetwil getrennt werde, was per 30. April 1908 geschah. Daraufhin wurde die 3. Lehrstelle wieder gestrichen. Der Sekundarschulkreis wurde 1926 per Gesetz aufgehoben. Oetwil und Männedorf bildeten daraufhin einen Zweckverband. 1938 wurde die Sekundarschule mit der Primarschule vereinigt. Zu diesem Zeitpunkt wurde sie von 66 Kindern aus dem Dorf und 6 aus Oetwil besucht.Peter Ziegler: Männedorf. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Gemeinde Männedorf, Männedorf 1975.
1950 bezog die Sekundarschule das (neue) Sekundarschulhaus auf Blatten, das 1957/1958 durch eine grosse Turnhalle an der Stelle der Schulscheune ergänzt wurde. Das alte Sekundarschulhaus diente fortan der Primarschule als drittes Schulgebäude.
Politik Die Einführung des Proporzwahlrechts auf Kantonsebene führte ab 1917 zur Gründung von Lokalparteien. Sofort formierten sich die Freisinnigen und die Sozialdemokraten, zwei Jahre später die Evangelische Volkspartei. Ab 1920 gab es für sechs Jahre eine Gewerbepartei. Die Christlichsoziale Partei wurde 1928 gegründet. Während des Krieges entstand 1942 eine Ortsgruppe der Demokratischen Partei, die jedoch bald wieder verschwand. Erst 1951 organisierte sich die Bauernpartei.
Bei den Nationalratswahlen erreichten die Parteien folgende Wähleranteile: +200720112015201920232027FDP15,10 %14,71 %18,38 %17,35 %16,52 %SP17,51 %15,55 %19,13 %13,49 %17,76 %EVP4,12 %2,96 %3,16 %3,39 %2,30 %CSP/CVP / Mitte9,68 %6,325,34 %5,15 %9,28 %BDP / Mitte -5,16 %3,08 %1,43 %Demokraten - - - - -BGB/SVP29,59 %25,70 %27,88 %23,60 %24,64 %Grüne10,06 %8,18 %5,92 %14,03 %8,99 %EDU3,61 %3,04 %2,64 %2,43 %1,92 %GLP8,74 %12,31 %7,83 %17,07 %15,57 %LdU - - - - -Andere(21)(24)(8) 2,06 %(12) Gemeindepräsident ist seit 2022 Wolfgang Annighöfer (FDP, Stand 2023).Gemeinderat. Website der Gemeinde Männedorf.
Infrastruktur mini|Swarovski-Zentrale von Architekt Christoph Ingenhoven Wirtschaft Männedorf hat ein Hallenbad, mehrere Altersheime, das Kino Wildenmann, mehrere Hotels und das kantonale Kinderheim «Brüschhalde» (ehemaliges Waisenhaus). Neben einigen Industriebetrieben und einem aktiven Gewerbe bieten auch die letzten Landwirtschaftsbetriebe Auskommen. In Männedorf befindet sich der Schweizer Sitz des Tiroler Unternehmens D. Swarovski. Die seit 1864 ansässige Firma Orgelbau Kuhn ist das grösste schweizerische Orgelbauunternehmen. Durch Neubauten und Restaurierungen hat es sich weltweit einen Namen gemacht.
Während rund 30 Jahren war im Ausserfeld die Firma «Cerberus» ansässig. Das zum Elektrowatt-Konzern gehörende Unternehmen war der Weltmarktführer im Brandschutz, bevor es von Siemens übernommen und mit Staefa Control Systems und Landis & Gyr zu Siemens Building Technologies vereinigt und nach Zug verlegt wurde.In: Anzeiger von Uster. 2. April 2019, S. 23.
Entsorgung Abwasser