mini|Prototyp der dritten Generation des Marder 1. Zu sehen sind die Kugelblenden an den Seiten, die beim Marder 1A3 entfielen. Oberhalb des Turmes befand sich bei diesem Modell der Schießscheinwerfer, der später an der linken Seite der Scheitellafette befestigt war. mini|Ein getarnter Marder 1A2 beim Herbstmanöver Fränkischer Schild im September 1986. Deutlich erkennbar ist das Fehlen des Heck-MG. Die rot-grüne Flaggensetzung zeigt an, dass die Waffen fertiggeladen und gesichert sind. Außerdem ist im Hülsenauswurf der BMK 20 mm die Verschlusssperre eingesetzt. mini|Marder 1A5. Äußerlich erkennbar an den Staukästen auf dem Fahrzeug sowie an den neuen Kettenschürzen. Die Gewichtssteigerung machte eine Überarbeitung des Laufwerkes und der Kette notwendig.
Der Schützenpanzer (SPz) Marder ist seit den 1970er-Jahren das Hauptwaffensystem der Panzergrenadiertruppe der Bundeswehr mit einer Stückzahl von zeitweise über 2000 Fahrzeugen. Genutzt werden zurzeit die Ausführungen 1A3, 1A4 und 1A5. Seit Anfang 2015 wird schrittweise der SPz Marder aus der Panzergrenadiertruppe herausgelöst und durch den moderneren SPz Puma ersetzt.
Geschichte Entwicklung mini|Seitenansicht Schützenpanzer Marder A1
Das Projekt Marder entstand bereits im September 1959 während der anlaufenden Produktionsphase des HS 30. Ziel war es, einen zum Kampfpanzer Leopard 1 passenden Schützenpanzer zu entwickeln. Der ATV-Stab (Ausbildung, Technik, Versuche) der Panzertruppenschule Munster erstellte die militärischen Forderungen mit folgenden Merkmalen:
Gesamtbesatzungsstärke 12 Mann (gesteigerte Absitzstärke von 10 Mann, wenn der Kommandant als Gruppenführer mit absitzt) hohes Schutzpotential für die Besatzung hohe Beweglichkeit, Fahrbereich einem Leopard 1 ebenbürtig eine zuverlässige 20-mm-Bordmaschinenkanone unkomplizierter Wechsel zwischen auf- und abgesessenem Kampf ABC-Schutz
Darüber hinaus wurde beabsichtigt, eine Schützenpanzerfamilie zu schaffen, auf der Kanonenjagdpanzer, Raketenjagdpanzer, Panzermörser 120 mm, Sanitätspanzer, Transportpanzer, Flakpanzer, FlaRakpanzer und der Führungspanzer Flugabwehr aufbauen sollten. Bedingt durch die Kampfweise der Panzergrenadiere ergaben sich jedoch technische Probleme beim Konzept des Schützenpanzers, der gleichzeitig Basis für alle anderen Plattformen sein sollte. Die Entwicklung von Kanonenjagd- und Raketenjagdpanzer wurde darauf gesondert fortgeführt und 1967 erfolgreich beendet.
Im Januar 1960 wurden die Rheinstahl-Gruppe (Rheinstahl-Witten, Rheinstahl-Hanomag, Ingenieurbüro Warnecke) und die Henschel AG (Thyssen Industrie AG Henschel Kassel) zusammen mit MOWAG mit der Entwicklung von sieben Prototypen beauftragt. Als Ergebnis wurden mehrere Konzepte auf Basis des HS 30 vorgestellt. Die Prototypen dieser ersten Generation waren der RU 111, RU 112 und RU 122 von Rheinstahl, der 1HK 2/1 und 1HK 2/2 von Henschel sowie die Fahrzeuge HM 1 und HM 2 von MOWAG. Alle Prototypen hatten ein Gefechtsgewicht von 16 Tonnen.
Bedingt durch die Einflussnahme der NATO-Partner, die ein Mitspracherecht forderten, und durch eine Vielzahl von Vorschlägen anderer Dienststellen der Bundeswehr verlief die Erprobung jedoch schleppend. Ein Abkommen zwischen den USA und der Bundesrepublik Deutschland, einen gemeinsamen Schützenpanzer zu entwickeln, wurde verworfen.
1963 wurde der Forderungskatalog für die zweite Generation angepasst. Daraus entstanden Prototypen mit einem Gefechtsgewicht von 20 Tonnen. Die Rheinstahl-Gruppe baute die Schützenpanzer RU 214, RU 261 und RU 262 mit Frontmotor, verbesserter Heckklappe, Ein-Mann-Turm mit 20-mm-Maschinenkanone und einem Panzerabwehrlenkflugkörper. MOWAG setzte bei ihren Prototypen 2M1/1, 2M1/2 und 2M1/3 auf einen Mittelmotor. Die Gesamtbesatzungsstärke wird von 12 auf 10 Mann (3+7) reduziert. Im Jahr 1964 folgte die dritte Generation des Schützenpanzers mit einem neuen Forderungskatalog, angepasst an die neuen Anforderungen der Bundeswehr. Der Schützenpanzer wurde länger und breiter. Zusätzlich bekam das Fahrzeug ein Heck-MG und Kugelblenden an den Seiten für einen Waffeneinsatz unter Panzerschutz. Als weitere Erkenntnis aus der zweiten Generation zeigte sich, dass der Ein-Mann-Turm nicht der richtige Weg war. Daraufhin wurde ein Zwei-Mann-Turm mit scheitellafettierter Maschinenkanone entwickelt, der ohne grundlegende Veränderungen des Schützenpanzers integriert werden konnte. 1967 wurden die letzten zehn Prototypen entwickelt und ausgiebig in Truppenversuchen getestet. Das Unternehmen MOWAG schied 1968 aus, das Startgerät für einen Lenkflugkörper entfiel. Nach zwei Jahren erfolgreicher Tests wurde 1969 der Serienvertrag über die Lieferung von 2136 Schützenpanzern unterzeichnet. Das erste Serienfahrzeug wurde am 7. Mai 1971 an die Panzergrenadiere ausgeliefert. Hergestellt wurden die Schützenpanzer von den Unternehmen Rheinstahl AG und Maschinenbau Kiel (MaK).
Ab etwa 2008 wurden drei alte Schützenpanzer Marder mit Räumschilden im Rahmen von Konversionsprojekten vom Unternehmen Airmatic-Systeme in Hemer in Feuerlöschpanzer (mit und ohne Löscharm) umgebaut und beispielsweise auf der Interschutz 2010 präsentiert.AIRMATIC RED DIVISION Löschpanzer Scenario – bushfire fighting. In: Youtube. 12. Juni 2009.
Kampfwertsteigerungen Der Marder wurde im Laufe seiner Dienstzeit mehrmals kampfwertgesteigert.
In den Jahren 1977 bis 1979 wurden alle Marder mit der Panzerabwehrwaffe MILAN ausgestattet, die auf- oder abgesessen eingesetzt werden konnte. Aufgrund des Mitführens von vier Lenkflugkörpern sank die Absitzstärke auf sechs Mann. Nach dem Abschluss der MILAN-Nachrüstung erhielten noch im selben Jahr alle Marder eine weitere Kampfwertsteigerung. Die Umrüstung umfasste den Einbau eines Doppelgurtzuführers für die Bordmaschinenkanone zum wahlweisen Verschießen von Sprengbrand- oder panzerbrechender Treibspiegelmunition. Eine weitere wesentliche Veränderung war der Einbau einer besseren passiven Optik mit einem Restlichtverstärker der ersten Generation, der weniger empfindlich gegen Scheinwerferlicht und Geschossblitze war. 674 Marder 1 wurden auf Version A1(+) gebracht. Sie erhielten unter anderem einen Wärmeortungsempfänger. Mit diesem war es möglich, Gegner auf größere Entfernungen als bisher zu erkennen. 350 Schützenpanzer wurden auf die Stufe Marder 1A1(-) gebracht. Dies bedeutete, dass diese Modelle keine wärmebildbasierte Beobachtungsoptik erhielten, aber so modifiziert waren, dass eine Nachrüstung innerhalb kürzester Zeit möglich war. Die übrigen 1112 Exemplare mit der Bezeichnung Marder 1A1A erhielten keine entsprechende Vorrichtung und waren auch nicht dafür vorgesehen. Die Umrüstung wurde 1982 abgeschlossen.
Von 1984 bis 1989 erfolgte eine erneute Kampfwertsteigerung. Diese umfasste den Einbau eines Wärmebildgerätes (WBG) für den Richtschützen und Kommandanten, den Wegfall der Hecklafette, den Einbau der neuen Funkgerätefamilie SEM 80/90, die Nachrüstung zum Betreiben des MILAN-Infrarot-Adapters (MIRA) an der Panzerabwehrwaffe MILAN und eine Winkelspiegelwaschanlage für den Fahrer. Im Rahmen dieser Umrüstung änderte sich die Bezeichnung für alle Modelle der Marderfamilie zu Marder 1. Die Bezeichnung der umgerüsteten Fahrzeuge war Marder 1A2.
Die nächste Kampfwertsteigerung erfolgte von 1989 bis 1998 und umfasste die Verbesserung des Panzerschutzes sowie die Neugestaltung des hinteren Kampfraums. Die Wannenfront und das hintere Wannendach wurden gepanzert. Die Luke hinter dem Fahrer wurde geschlossen; es gab nur noch drei Luken im Wannendach. Der Turm, seine Scheitellafette sowie das Wärmebildgerät wurden ebenfalls gepanzert. Die gesamte Zusatzpanzerung wurde schockgedämpft auf Gummielementen flächenbündig angebracht. Die Seiten wurden um zusätzliche Staukästen ergänzt, wodurch die Kugelblenden wegfielen. Das Turm-MG wurde auf die linke Seite verlegt. Auf den Einbau eines leistungsstärkeren 530-kW-Triebwerks (720 PS) wurde aus Kostengründen verzichtet. Die gesamte Umrüstung erstreckte sich auf 2097 Schützenpanzer; diese heißen seither Marder 1A3. Einige Marder 1A3 wurden durch den Einbau des kryptofähigen SEM 93 als Führungspanzer für die Panzergrenadier-Bataillonskommandeure umgerüstet und erhielten die Bezeichnung Marder 1A4. Es gibt keine äußeren Unterschiede zum Marder 1A3.
Im Jahr 2001 verbesserte Rheinmetall Landsysteme die Nebelmittelwurfanlage: die Wurfbecher wurden neu angeordnet und die Programmierung der Steuerung zum Einsatz aller sechs Becher wurde geändert. Bis dato waren nur fünf der sechs Becher nutzbar, weil der rechte untere BecherAngaben in Fahrtrichtung so ausgerichtet gewesen war, dass er beim Verschießen des Nebelkörpers die Bordmaschinenkanone treffen musste. Die Bezeichnung änderte sich nicht. Am 18. Dezember 2002 wurde die seit 1996 geplante Kampfwertsteigerung zum Marder 1A5 begonnen; sie umfasste den Einbau eines Minenschutzes gegen Panzer- und projektilbildende Minen. Diese Maßnahmen führten zu einem weiteren MobilitätsverlustSchrottreife „Marder“. In: Der Spiegel. Ausgabe 32/2000. 5. August 2000. bei gleichzeitiger Gewichtszunahme auf insgesamt 37,5 Tonnen sowie zu einer vollständigen Überarbeitung und Neugestaltung des hinteren Kampfraumes, des Verpackungsplanes für die Ausrüstung sowie einer Überarbeitung der Motorkühlanlage. Rheinmetall lieferte das erste von insgesamt 74 Fahrzeugen an die Bundeswehr. Die Marder 1A5 werden in den Auslandseinsätzen sowie als Ausbildungsfahrzeug an den Schulen des Heeres eingesetzt.
Im Dezember 2010 wurden die ersten zehn Marder 1A5A1 ausgeliefert.Verbesserter Schützenpanzer MARDER ausgeliefert. In: bwb.org. Sie haben eine Raumkühlanlage, Störsender CG12 und multispektrale Tarnausstattung. Diese Ausrüstung wurde besonders für Auslandseinsätze wie den Afghanistaneinsatz entwickelt. Die Raumkühlanlage verringert die hohe Temperaturbelastung; der Störsender und die Barracuda-Tarnausstattung mit Hitzetransfer-System erhöhen die Überlebensfähigkeit. Bis August 2011 wurden weitere 35 Marder auf den Stand 1A5A1 gebracht.
Wegen der Ausphasung der Panzerabwehrlenkwaffe Milan F2 und der schleppenden Einführung des Pumas wurden die Marder 1A5 und 1A5A1 mit der Panzerabwehrwaffenanlage MELLS (Mehrrollenfähiges Leichtes Lenkflugkörper System) ausgestattet.
Im Rahmen einer Nutzungsdauerverlängerung des Marders wird bis 2023 an 78 Marder des Rüststandes A5 der Antriebsstrang ausgetauscht, ein neuer Motor mit einer auf gesteigerten Leistung verbaut und ein moderneres Wärmebild/Zielerfassungsgerät eingebaut. Rheinmetall erhält für dieses Modernisierungsprogramm insgesamt 110 Millionen Euro.Nicholas Fiorenza: Germany extends service life of Marder IFV, In: Jane’s Defence Weekly.
Die Bundeswehr hatte Anfang 2023 etwa 370 Marder. mini|Erprobung des Barracuda-Tarnsystems an einem 1A5 an der Wehrtechnischen Dienststelle 41 in Trier im Jahr 2009
Technik mini|Heckansicht und Kampfraum des 1A3. Kühl- und Abgasanlage am Fahrzeugheck, um die Infrarotsignatur der Front niedrig zu halten. Die Lüfter der Kühlanlage auf dem hinteren Wannendach sind unter der Zusatzpanzerung nicht sichtbar. Links der Kasten der Außenbordsprechstelle. mini|Triebwerk des Marder 1. Getriebe quer vor dem Motor. mini|Ansicht Bordmaschinenkanone, MILAN und Optik. Unterhalb der Nebelwurfanlage das gepanzerte Wärmebildgerät. MG3 im Waffenbehälter links der Scheitellafette. mini|Turmmaschinengewehr MG3A1 im Waffengehäuse mit Gurtkanal, Gurtkasten und Tasche für Ersatzverschluss (rechts unten). mini|MILAN vor dem Abfeuern