mini|Luftaufnahme der Theresienwiese, 2006 mini|Blick auf die Matthias-Pschorr-Straße mini|Logo des Oktoberfests München
Das Oktoberfest in München, mundartlich d’Wiesn, ist das weltweit größte Volksfest. Es wird seit 1810 jährlich auf der Theresienwiese in der bayerischen Landeshauptstadt ausgerichtet (mit Ausnahmen aufgrund von Kriegen oder Pandemien) und ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für die Stadt. Es findet von Mitte September bis Anfang Oktober statt.
Veranstalter ist die Stadtverwaltung München (Referat für Arbeit und Wirtschaft). Für das Oktoberfest brauen die Münchner Brauereien ein spezielles Bier, das einen Stammwürzegehalt von mindestens 13,5 Grad Plato aufweisen muss und circa 5,8 bis 6,4 Volumenprozent Alkohol enthält. Das Oktoberfest generierte 2018 einen Umsatz von 1,2 Milliarden Euro inklusive Übernachtungen. 2023 besuchten insgesamt 7,2 Millionen Menschen das Volksfest, was einem neuen Allzeitrekord entspricht.
Geschichte mini|Pferderennen Oktoberfest 1823 (Gemälde von Heinrich Adam) Das erste Oktoberfest Anlässlich der Hochzeit von Kronprinz Ludwig von Bayern und Prinzessin Therese am 12. Oktober 1810 fanden in München zahlreiche private und öffentliche Feiern statt, darunter ein Pferderennen am 17. Oktober. Auf dieses geht das Oktoberfest zurück. Vermutlich in Erinnerung an das 1786 letztmals ausgetragene Scharlachrennen, das im 15. Jahrhundert erstmals vor dem Karlstor stattfand und später Teil der Jakobidult wurde, schlug Andreas Michael Dall’Armi in seiner Funktion als Major der Nationalgarde ein Pferderennen mit Ausstellung und Schau zur öffentlichen Huldigung an das Brautpaar vor. Überliefert ist, dass die ursprüngliche Idee, die zu diesem Vorhaben führte, von dem Lohnkutscher und Unteroffizier der Nationalgarde Franz Baumgartner ausging. Diese Annahme zum Ursprung des Festes gilt jedoch als umstritten.Gerda Möhler: „Das Münchner Oktoberfest“. 1981
Der Festplatz, der damals außerhalb der Stadt lag, wurde aufgrund seiner natürlichen Eignung ausgesucht. Der Sendlinger Berg (heute Theresienhöhe) diente als Tribüne für die 50.000 Zuschauer des Rennens. Die Festwiese blieb bis auf das Königszelt unbebaut. Die Verköstigung der Besucher erfolgte oberhalb der Tribüne auf der Anhöhe, wo „Traiteurs“ u. a. Wein und Bier anboten. Bevor das Rennen begann, erfolgte eine Huldigung an die Hochzeiter und das Königshaus in Form eines Zuges aus 16 Kinderpaaren, mit Trachten, die die Besitzungen der Wittelsbacher, der neun bayerischen Kreise sowie weiterer Regionen darstellten. Anschließend sang ein Chor aus Feiertagsschülern, bevor schließlich das Festrennen mit 30 Pferden auf einer 11.200 Schuh (3270 Meter) langen Rennbahn folgte. Als Sieger ging das Pferd des vermuteten Initiators Franz Baumgartner über die Ziellinie, der seine Goldmedaille von Rennmeister und Staatsminister Maximilian Graf von Montgelas überreicht bekam.
Entwicklung zum Volksfest mini|Oktoberfest (um 1900) mini|Bierlieferung für das Oktoberfest (1908) mini|Plan des Oktoberfests 1910 Nachdem das Oktoberfest (die offizielle Benennung ist erstmals für das Jahr 1816 belegt) 1813 ausgefallen war, da Bayern in die napoleonischen Kriege verwickelt war, wuchs das Fest ab 1814 von Jahr zu Jahr. Zur Pferderennbahn kamen Kletterbäume, Kegelbahnen und Schaukeln hinzu. 1818 wurde das erste Karussell aufgestellt. Mehrere Losstände zogen vor allem die ärmeren Stadtbewohner an, da es Porzellan, Silber und Schmuck zu gewinnen gab. 1819 übernahmen die Münchner Stadtväter die Festleitung. Von nun an sollte das Oktoberfest planmäßig jedes Jahr gefeiert werden.
Seit 1850 ragt die knapp 20 Meter hohe Statue der Bavaria über die Festwiese. 1853 wurde die Ruhmeshalle zu Füßen der Bavaria fertiggestellt. In den folgenden Jahren fielen einige Feste aus. Grund dafür waren zwei Cholera-Epidemien in den Jahren 1854 und 1873, der Preußisch-Österreichische Krieg 1866 und der Deutsch-Französische Krieg 1870.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich das Oktoberfest immer mehr zu dem in aller Welt bekannten Volksfest. Es wurde zeitlich verlängert und ab 1872 wegen der im Altweibersommer zumeist schönen und warmen letzten Septembertage vorverlegt. Traditionell beginnt es am Samstag nach dem 15. September. Seitdem fällt nur das letzte Wiesnwochenende in den Oktober.
Von 1880 an genehmigte die Stadtverwaltung München den Bierverkauf. Das Bier wurde in kleinen Buden ausgeschenkt. Das erste große Festzelt wurde 1898 errichtet. Der Nürnberger Wirt Georg Lang hatte sich über Strohmänner fünf Budenplätze gesichert und errichtete hier seine „Bierburg“ mit Platz für 6.000 Besucher. 120 Angestellte und eine 30 Mann starke Blasmusikkapelle in Oberländerkostümen, teilweise von Lang selbst dirigiert, sorgten für das Wohl der Gäste. Bald folgten auf dem Fest große Bierhallen. Gleichzeitig zog es immer mehr Schausteller und Karussellbesitzer an, die für zusätzliche Unterhaltung sorgten.
1881 eröffnete die erste Hendlbraterei, 1885 wurden die Außenbereiche des Festgeländes erstmals elektrisch beleuchtet. Die dabei verwendeten 16 Bogenlampen wurden von der Elektrotechnischen Fabrik J. Einstein & Cie installiert und galten damals als Sensation.Jürgen Weisser: „Zwischen Lustgarten und Lunapark: der Volksgarten in Nymphenburg (1890-1916) und die Entwicklung der kommerziellen Belustigungsgärten.“ Herbert Utz Verlag, 1998, ISBN 3-89675-449-1, S. 121 1892 folgte das erste elektrisch betriebene FahrgeschäftFlorian Dering, Ursula Eymold, Natalie Bayer: „Das Oktoberfest: 1810–2010.“ Offizielle Festschrift der Landeshauptstadt München, Süddeutsche Zeitung, 2010, S. 130 und 1901 wurden die ersten Festzelte elektrisch beleuchtet.
1895 fand zum Oktoberfest ein von dem Münchner Schriftsteller Maximilian Schmidt organisierter Volkstrachten-Festzug statt, der den Höhepunkt eines dreitägigen „Historisch-Bayerischen Volkstrachten-Festes“ darstellte. Für diesen wurden Trachten und Einzelstücke historischer Kleidung aus allen bayerischen Kreisen zusammengeholt und nach Vorbildern neu geschneidert. Der Zug ist das Vorbild für den heutigen Trachtenzug am ersten Wiesnsonntag und er war außergewöhnlich einflussreich für die aufkommende Volkskunde-Bewegung.Bärbel Keindurfer-Marx: … man hätte eichentlich den ganzen Zug für Nazionalmuseum behalten sollen. In: Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde, Jahrgang 2017, ISSN 0067-4729, S. 117–140.
mini|„Feldl’s Völkerschau Hawaii“„Völkerschau Hawaii“ von Schausteller Rudolf Feldl aus München. Online unter: bavarikon.de – Bayerns digitale Schatzkammer, ohne Datum, abgerufen am 21. Oktober 2024. auf dem Münchner Oktoberfest 1959
Vergnügungsangebote und Attraktionen wie Karusselle, Schaukeln und Schießstände gab es bereits bei den frühen Oktoberfesten. Seit den 1870er Jahren entwickelte sich das Schaustellergewerbe rasant. Ab den 1890er Jahren versteigerte der Stadtmagistrat aufgrund der hohen Nachfrage die Plätze für Fahrgeschäfte. Daneben gab es viele neue Attraktionen und das Bild des Oktoberfestes wurde „von Völker- und Abnormitätenschauen, von Wachsfigurenkabinetten, Museen, Varieté- und Zaubertheatern, Panoramen und Menagieren bestimmt, und überall hier setzten die Veranstalter auf den Reiz der Exotik“.Anne Dreesbach: „Neu! Grösste Sehenswürdigkeit! Neu! Zum ersten Mal in München!“ Exotisches auf dem Münchner Oktoberfest zwischen 1890 und 1911. In: dies., Helmut Zedelmaier (Hg.): „Gleich hinterm Hofbrauhaus waschechte Amazonen“. Exotik in München um 1900. Dölling und Galitz Verlag, München, Hamburg 2003, S. 9–34, hier S. 10
Neben Vorführungen exotischer Tiere (bis 1911 gab es in München keinen Zoo) wurden besonders die Völkerschauen zu einem lukrativen Unterhaltungsgeschäft. Die erste dieser Völkerschauen auf dem Oktoberfest war die 1879 von Carl Hagenbeck veranstaltete „Nubier-Schau“.Hilke Thode-Arora: Für fünfzig Pfennig um die Welt. Frankfurt am Main 1989, S. 168. Von den 1890er Jahren bis 1931 fanden regelmäßig solche Schauen statt, wie etwa die Buffalo-Bill-Show 1892 oder das von Carl Gabriel organisierte „Beduinen-Lager“ im Jahr 1901. In den folgenden Jahren zeigte Gabriel weitere große Schauen und kooperierte dabei mit den Hagenbecks, so etwa bei der „Riesenvölkerschau“ 1909.Anne Dreesbach: „Neu! Grösste Sehenswürdigkeit! Neu! Zum ersten Mal in München!“ Exotisches auf dem Münchner Oktoberfest zwischen 1890 und 1911. In: dies., Helmut Zedelmaier (Hg.): „Gleich hinterm Hofbrauhaus waschechte Amazonen“. Exotik in München um 1900. Dölling und Galitz Verlag, München, Hamburg 2003, S. 9–34, hier S. 22–28. Die letzte Völkerschau auf dem Münchner Oktoberfest vor dem Zweiten Weltkrieg fand 1931 unter dem Namen „Kanaken der Südsee“ statt.Anne Dreesbach: Gezähmte Wilde. Frankfurt am Main 2005, S. 306. Nach dem Krieg gab es noch vereinzelt Völkerschauen; die letzte war „Feldl's Völkerschau Hawaii“ im Jahr 1959, bei der etwa 150 Personen zur Schau gestellt wurden.Abnormitäten- und Völkerschauen. Online unter: bavarikon.de – Bayerns digitale Schatzkammer, ohne Datum, abgerufen am 21. Oktober 2024.
Im Jahre 1908 hatte sich Hagenbeck auf Vorschlag des Schaustellers Carl Gabriel verpflichtet, „sein bestes derzeitiges Dressurunternehmen zum Oktoberfest zu bringen. Die für das Riesenunternehmen nötige Arena hat einen Flächenraum von 5000 m² und bietet 4500 Personen Platz. Ihr Platz sogenannte Karawanenplatz an der verlängerten Mozartstraße.“
mini|Werbung für das Oktoberfest in der Bozner Tageszeitung Dolomiten vom 15. September 1934 1904 stellten Post und Telegraphenamt (vermutlich erstmals) öffentliche Telefone auf: „Anlässlich des diesjährigen Oktoberfestes in München wird für die Zeit vom 19. September bis mit 12. Oktober auf dem Festplatze ein Postamt nebst Telegraphenanstalt mit Telephonbetrieb und öffentlicher Telephonstelle eingerichtet. Dasselbe hat sich mit der Verabfolgung von Postwertzeichen und Telephonbilleten, Annahme und Abgabe von Briefpostsendungen sowie der Annahme von Telegrammen zu befassen und für den öffentlichen Verkehr in der Zeit von 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends geöffnet zu sein.“Verordnungs- und Anzeigeblatt für die Königlich Bayerischen Verkehrs-Anstalten, Nr. 70 vom 17. September 1904
1910 feierte die Wiesn ihren 100. Geburtstag und es wurden 12.000 Hektoliter Bier ausgeschenkt. Vom Jubiläum ist im Stadtarchiv München ein 14-minütiger Film vorhanden.Wie München seine Feste feiert. 100-jähriges Jubiläum des Münchner Oktoberfestes Video, 14 min In der Bräurosl, dem damals größten Bierzelt, fanden bereits 12.000 Gäste Platz. Heutigentags ist die Hofbräu-Festhalle mit 10.000 Plätzen das größte Bierzelt auf der Wiesn.
Aufgrund der beim Jubiläum erhöhten Vergnügungsteuer kam es am Mittag des 17. September 1910 zu einem Streik der Schausteller, „und alle Schaubuden blieben trotz schönen Wetters und starken Verkehrs aus der Festwiese geschlossen“.
Zuvor waren zwei Oktoberfeste besonders festlich begangen worden: Das 25. im Jahre 1835 aus Anlass der Silberhochzeit von König Ludwig I. und Königin Therese sowie das im Jahr 1842, das während der Hochzeit des damaligen Kronprinzen Maximilian II. mit Marie von Preußen stattfand.
Von 1914 bis 1918 fiel das Fest wegen des Ersten Weltkriegs aus, 1919 und 1920 feierte man nur ein kleines „Herbstfest“. 1923 und 1924 gab es wegen der galoppierenden Inflation und der Währungsumstellung Ende 1923 kein Oktoberfest.