mini|hochkant=1.3|Die Wirtschaftsmetropole Berlin ist ein internationales Zentrum der kreativen Industrien und Anziehungspunkt für Firmengründer.
Die Wirtschaft Berlins ist mit einem städtischen Bruttoinlandsprodukt von 207 Milliarden Euro im Jahr 2024 die größte Stadtökonomie im deutschsprachigen Raum und die zweitgrößte innerhalb der Europäischen Union.Bruttoinlandsprodukt und Bruttowertschöpfung in Berlin und Brandenburg nach Wirtschaftsbereichen. statistik-berlin-brandenburg.de
Das ökonomische Schwergewicht Berlins verlagerte sich nach dem Jahr 2000 vom produzierenden Sektor hin zu mehr Dienstleistungswirtschaft mit höherer Wertschöpfung. Die Industrie durchlief einen Erneuerungsprozess von arbeits- hin zu wissensintensiver Produktion. Zahlreiche DAX-Konzerne eröffneten Dependancen in der Metropole um Spitzentechnologien zu entwickeln.
Zu den bedeutendsten Wirtschaftszweigen in Berlin gehören die Kreativ- und Kulturwirtschaft, der Tourismus, die Biotechnologie und Gesundheitswirtschaft mit Medizintechnik und pharmazeutischer Industrie, die Informations- und Kommunikationstechnologien, die Bau- und Immobilienwirtschaft, der Handel, Finanzdienstleistungen, die Energietechnik sowie die Messe- und Kongresswirtschaft.
Berlin zählt zu den Weltstädten mit hoher Lebensqualität.Quality of Life Survey: top 25 cities, 2017. In: Monocle; abgerufen am 22. März 2018. Seit etwa 2010 entwickelt sich die Metropole zu den wesentlichen internationalen Zentren für innovative Firmengründer.Berlin ist Europas Startup-Hauptstadt. In: W&V. 21. Januar 2016, abgerufen am 3. März 2017.German start-ups attract record investment in 2017. In: Financial Times; abgerufen am 10. März 2018. Innerhalb Europas ist Berlin seit 2015 eines der wichtigsten Zielgebiete für Wagniskapital-getriebene Investitionen.Start-ups aus Berlin und London erhalten das meiste Geld. In: Handelsblatt. 20. März 2018, abgerufen am 22. März 2018.How Berlin has become a centre for European venture capital. In: The Economist. 22. Oktober 2020, abgerufen am 2. November 2020.
Geschichte Industrialisierung (1820–1918) Seit Mitte des 19. Jahrhunderts war Berlin eine Industriemetropole von internationalem Rang. Lokomotiven der Maschinenbaufabrik Borsig (gegründet: 1837) wurden nach ganz Europa exportiert, in der Elektroindustrie waren die Firmen Siemens & Halske (gegründet: 1847) und AEG (gegründet: 1883) weltbekannt. Die 1864 gegründete Schering AG hatte sich auf dem Gebiet der chemischen Industrie einen Namen gemacht. Sechs Jahre später wurde die heute größte deutsche Bank, die Deutsche Bank, gegründet.
Ab der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden große Gewerbeausstellungen organisiert. Die bekannteste und größte fand vom 1. Mai bis 15. Oktober 1896 vor den Toren Berlins in der Landgemeinde Treptow im Treptower Park statt und wird auch als „verhinderte Weltausstellung“ bezeichnet. Das Areal von 900.000 m² war größer als die bisherigen Weltausstellungen. Um den Neuen See, ein künstlich angelegtes Wasserbassin mit 10.000 m² Fläche, gruppierten sich auf dem weitläufigen Gelände entlang der Spree die Pavillons der 3780 Aussteller, die in 23 Gruppen aufgeteilt waren.
1902 wurde die Industrie- und Handelskammer zu Berlin gegründet. 1903 wurde die Telefunken Gesellschaft für drahtlose Telegraphie m.b.H., ein Unternehmen der Funk- bzw. Nachrichtentechnik, gegründet.
Insbesondere die Berliner Finanzwirtschaft konnte vor dem Ersten und auch noch vor dem Zweiten Weltkrieg eine herausragende Bedeutung einnehmen. So war die Berliner Börse vor dem Ersten Weltkrieg gleich nach der in London und gleichauf mit derjenigen in New York die weltweit bedeutendste. Berlin war das unangefochtene Banken-, Versicherungs- und Industrie-Zentrum des Deutschen Reiches.
Durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 brach die Produktion in vielen mittelständischen und handwerklichen Betrieben der Stadt zusammen. Ein Teil der Großunternehmen hingegen konnte, aufgrund der enormen Kriegsproduktion, wirtschaftlich profitieren.
Weimarer Republik und Drittes Reich (1918–1945) Mit der Bildung der Einheitsgemeinde Groß-Berlin verdoppelte sich die Einwohnerzahl 1920 auf 3,9 Millionen. Die neue Stadtgemeinde vergrößerte sich in der Fläche auf das Dreizehnfache und schuf die administrativen Voraussetzungen für neue wirtschaftspolitische Entscheidungsprozesse.
Von 1918 bis 1939 nahm Berlin die Stellung einer Primatstadt für das Deutsche Reich ein. Mehr als 10 % der deutschen Wirtschaftsleistung wurden 1938 in Berlin erwirtschaftet.
mini|Eröffnung der Linienverbindung zwischen Berlin und London 1922 durch die D.L.R.Uwe Mehlitz: Riesenzigarren und silberne Kraniche über Berlin: Der Luftschiff- und Flughafen Staaken – ein bedeutender Ort der Luftfahrtgeschichte. 2017, Kindle Edition
Das Bruttosozialprodukt erreichte 1927 das Vorkriegsniveau. Die galoppierende Inflation Anfang der 1920er Jahre sorgte in der Bevölkerung für große Verunsicherung und führte zu einem florierenden Schwarzmarkt. Am 4. November 1923 kostete ein einziges Brot 420 Milliarden Mark. Das vorläufige Ende der Krise wurde dadurch eingeleitet, dass das wertlos gewordene Papiergeld durch eine Währungsreform ab dem 15. November 1923 von der Rentenmark ersetzt wurde.
Das Rauchwarenunternehmen Max M. Frank entstand 1909. Die 1917 gegründete Filmproduktionsfirma UFA entwickelte sich im folgenden Jahrzehnt zu den erfolgreichsten Produktionsfirmen der Filmwelt. Am 6. Januar 1926 wurde die Deutsche Luft Hansa Aktiengesellschaft in Berlin gegründet. Der Flugzeugbestand der Fluggesellschaft umfasste am Gründungstag 162 Flugzeuge.
mini|links|Fritz Lang bei den Dreharbeiten für die UFA, 1929
Mit der Bildung von Groß-Berlin 1920 wurden zahlreiche Umlandzentren wie Charlottenburg und Schöneberg in das Berliner Stadtgebiet eingemeindet. Das Steueraufkommen der Stadt wuchs beträchtlich. Berlin wurde zur flächenmäßig zweitgrößten Stadt der Welt. Durch den Verwaltungsakt wurde die Grundlage für die Entstehung kommunaler Betriebe wie der BVG im Jahr 1928 gelegt.Größe und Größenwahn, Süddeutsche, abgerufen am 3. November 2020.
Im Jahr 1925 arbeiteten allein in der Berliner Metallindustrie in 15.000 Betrieben rund 400.000 Menschen. Der Börsenkrach an der New Yorker Börse 1929 löste eine Weltwirtschaftskrise aus, die auch für Europa schlimme Folgen hatte. In Berlin stieg die Zahl der Arbeitslosen auf bis zu 600.000 im Jahr 1932 an, die Arbeitslosenquote betrug rund 30 %. In dieser Zeit gab es bei Arbeitslosigkeit nur eine geringe und während der Krise noch sinkende soziale Absicherung. 1932 war die industrielle Produktion in Berlin auf die Hälfte von 1928 zurückgefallen. mini|Zuse Z3, erster Universalrechner der Welt, 1941 Nach der „Machtergreifung“ Hitlers 1933 wurden viele der jüdischen Unternehmer dazu gezwungen ihre Betriebe an dem NS-System nahestehende Personen zu verkaufen. Andere wurden enteignet, verfolgt und, soweit sie Deutschland nicht rechtzeitig verlassen konnten, in die Vernichtungslager deportiert. Die Verbände wurden gleichgeschaltet.
Im Zweiten Weltkrieg wurde Berlin mit seiner Elektro- und Maschinenindustrie zur Waffenschmiede des Dritten Reichs. In den betreffenden Betrieben mussten auch viele Zwangsarbeiter arbeiten. Wegen der starken alliierten Bombardements verlegten viele Konzerne ihre Forschungs- und Entwicklungsabteilungen und später häufig auch die Führungsabteilungen aus der Hauptstadt in weniger gefährdete Gebiete Deutschlands. Der Bombenkrieg und der Kampf um Berlin ließen von den Produktionskapazitäten in der Stadt nicht viel übrig. Nach 1945 wurde durch Demontage ganzer Fabrikanlagen der Bestand weiter dezimiert.
Nachkriegszeit und Teilung (1945–1989) mini|Seit 1969 werden im BMW-Werk Berlin Motorräder für den Weltmarkt produziert.
Aufgrund der großflächigen Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs musste beim Wiederaufbau der Wohngebiete, der Infrastruktur und der Arbeitsstätten vielerorts bei Null begonnen werden. Die politische Teilung der Stadt und die Blockade West-Berlins erschwerten den Neuanfang in den ersten fünf Jahren nach Kriegsende. Für die Westsektoren Berlins stellten der Marshall-Plan der USA sowie die Hilfe der Bundesrepublik Deutschland in dieser Zeit eine Hilfe dar.
Insbesondere aufgrund der Teilung wurden die Banken aus Berlin vor allem nach Frankfurt a. M. und die Berliner Versicherungen vor allem nach München verlagert. 1950 sank der Anteil Berlins an der gesamtdeutschen Wirtschaftsleistung – gegenüber 1938 – um mehr als fünf Prozentpunkte und verharrte seitdem noch unter halbiertem Niveau. Zudem führte u. a. die Berlin-Zulage dazu, dass nach der Teilung insbesondere einfache, standardisierte Massenproduktionen in (West-)Berlin angesiedelt wurden.
mini|links|Haus des Berliner Verlages, erbaut 1973 Viele Jahre war die West-Berliner Wirtschaft auf Hilfe und Subventionen angewiesen. Vor allem die Subventionen brachten aber auch Mitnahmeeffekte mit sich. Der Begriff der „verlängerten Werkbank“ westdeutscher Unternehmen, die in Berlin nur geringste Teile ihrer Fertigung vornehmen ließen, dafür aber die volle Berlin-Subvention einstreichen konnten, machte die Runde.
Der Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 brachte für die Stadt die nächste tiefgreifende Zäsur mit sich. Die Bewohner Ost-Berlins und der DDR konnten nun nicht mehr ausreisen, West-Berlin war zur politischen und wirtschaftlichen Insel geworden. 50.000 Pendler aus Ost-Berlin konnten nicht mehr in West-Berlin zur Arbeit gehen. In den Folgejahren wurde West-Berlin als Industriestandort durch die Umsiedlung ganzer Betriebe, sowie die vielerorts drastische Reduzierung der Arbeitsplätze (nicht nur durch Rationalisierung) geschwächt. Der West-Berliner Arbeitsmarkt wurde immer stärker von der öffentlichen Beschäftigung, der Wissenschaft und dem Dienstleistungssektor geprägt. Ost-Berlin blieb für die DDR-Wirtschaft zugleich weiterhin der Schwerpunkt der industriellen Produktion.
Die zentralistische und ebenfalls hoch subventionierte Planwirtschaft der DDR konnte jedoch keinen wirtschaftlichen Aufschwung erreichen. Veraltete Anlagen sowie Rohstoff- und Devisenmangel verhinderten, dass die DDR-Wirtschaft mit den technologischen Entwicklungen im internationalen Maßstab Schritt halten konnte. Nach der politischen Wende 1989 brachen die Absatzmärkte vieler Ost-Berliner-Betriebe gleichsam mit den politischen Systemen zusammen. Hunderte von Betrieben und weit über Hunderttausend von Arbeitsplätzen wurden in der Folgezeit wegen geringer Wettbewerbsfähigkeit im Ostteil der Stadt abgebaut.
Berliner Republik (seit 1990) mini|Das Ludwig-Erhard-Haus, Sitz der IHK Berlin seit 1998
Die Isolation West-Berlins wurde durch die deutsche Wiedervereinigung im Oktober 1990 beendet. Somit war die Voraussetzung für die erneute wirtschaftliche Einheit von Ost- und Westteil der Stadt gegeben. Die infrastrukturellen Verflechtungen mit dem Umland in Brandenburg nahmen stark zu.
Nach 1990 setzte sich u. a. der Bundesfinanzminister Theo Waigel für die Streichung der Berlin-Zulage ein. Im Zuge der Streichung der Berlin-Zulage und weiterer Förderinstrumente bis Mitte der 1990er Jahre wurde das Betreiben von einfachen Massenproduktionen in (West-)Berlin unrentabel. In der Folge kam es innerhalb weniger Jahre zum Abbau von mehr als 100.000 Industrie-Arbeitsplätzen im ehemaligen West-Berlin – zusätzlich zum abrupten Abbau von 300.000 zumeist einst industriellen „Treuhand-Jobs“ im Osten der Stadt. Im Zuge des wirtschaftlichen Strukturwandels entwickelten sich die Schwerpunkte in Berlin nach dem Jahr 2000 auf den Dienstleistungssektor und die industrielle Produktion wurde zugunsten innovativer Branchen verlagert.
mini|Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, eingerichtet 1999