Nea Dimokratia () ist eine liberal-konservative Partei in Griechenland, die 1974 von Konstantinos Karamanlis nach dem Sturz der griechischen Militärdiktatur gegründet wurde. Dem ND-Gründer Konstantinos Karamanlis wird vor allem zugeschrieben, der Europa-Architekt Griechenlands zu sein. Unter seiner Regierung kamen sowohl die Assoziierung mit der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft als auch der Beitritt zu den Europäischen Gemeinschaften 1981 zustande.
Politisches Spektrum Die Partei vereinigt ein relativ breites politisches Spektrum. Karamanlis, der vorher selbst der von ihm gegründeten rechtsgerichteten Ethniki Rizospastiki Enosis (Nationalradikale Union) angehörte, versuchte, die Partei mit einem liberalen Programm als moderner und progressiver darzustellen. In ihr vereinigten sich Wirtschaftsliberale wie Gesellschaftskonservative, Royalisten wie ehemalige Anhänger der Zentrumsunion. Sie ist in Griechenland die wichtigste konservative Partei. Auf europäischer Ebene ist sie in der Europäischen Volkspartei organisiert.
Das Logo mini|208x208px|Das Logo der Partei seit 2018|alternativtext=|links
Das ursprüngliche Logo der Nea Dimokratia zeigte deren Initialen ΝΔ sowie in der Mitte eine rechte Hand mit einer brennenden Fackel. Dieses Logo sollte für mehr als zwei Jahrzehnte (1974–2010) bleiben, genau wie die Farben Blau und Weiß, welche eine Brücke zu den Nationalfarben schlagen. Die rechte Hand sollte das Spektrum des politischen Raums, welches von der Mitte der Gesellschaft über das liberal-bürgerliche bis zum rechtskonservativen Lager reichen sollte, darstellen. Unter dem Vorsitz von Andonis Samaras wurde im Jahr 2010 ein neues Logo eingeführt, in dem nun die Anfangsbuchstaben ΝΔ der DIN-Schrift angelehnt sind. Vom ersten (1974–2010) wie vom zweiten Logo (2010–2017) gibt es eine Version mit ausgeschriebenem Parteinamen (statt der Initialen), die im Wahlkampf verwendet wurde. Der Name, beziehungsweise das Partei-Logo wurde in Griechenland in der Farbe Blau wiedergegeben. Im Jahr 2017 präsentierte der Parteivorsitzende Kyriakos Mitsotakis das neue und aktuelle Logo der Partei. Dabei wurde das Logo erneut überarbeitet und so angeblich einerseits dem digitalen Zeitalter angepasst, andererseits wurde auf die Tradition des Logos Wert gelegt. Beide Komponenten wurden im Logo vereinigt. So ist die brennende Fackel genauso eingearbeitet wie eine 3D-Positionierung der Initialen NΔ.
Der Parteisitz Die jeweiligen beiden Änderungen gingen mit der Verlegung der Parteizentrale einher. Die traditionsreiche Parteizentrale an der Odos Rigillis () (1975–2013), ein neoklassizistischer Bau im Zentrum Athens, nur zwei Straßen vom Sitz des Ministerpräsidenten und dem Sitz des Staatspräsidenten entfernt, wurde im Jahr 2013 verlassen und in einen Glasbau im Süden Athens an der Leoforos Andrea Syngrou () (2011–2013) verlegt. Als Gründe führte damals die Führungsriege um den Vorsitzenden Samaras Platzgründe und die nicht mehr ausreichenden technischen Gegebenheiten und elektronische Infrastruktur des alten Gebäudes an. Als nur wenige Jahre später unter dem Vorsitz von Kyriakos Mitsotakis erneut die Zentrale verlegt wurde, führte dies auch zum neuen und aktuellen Logo der Partei. Die aktuelle Parteizentrale (seit 2016) befindet sich im Stadtteil Moschato an der Pireos-Straße im Athener Zentrum. Das Gebäude ist energieeffizienter durch eine Reihe von energetischen Maßnahmen wie der Installation von LED-Technik sowie Dämmungssystemen.
Geschichte Die Gründerjahre mit der ersten und zweiten Regierung 1974–1981 mini|Erstes Logo der Nea Dimokratia (1974–2010)|alternativtext=|links|150px Die Partei wurde am 4. Oktober 1974 gegründet, zwei Monate nach der Vereidigung von Konstantinos Karamanlis als erster Ministerpräsident nach der Militärdiktatur. Sie gewann die ersten freien Parlamentswahlen nach der Militärherrschaft mit einem bis heute von keiner Partei erreichten Ergebnis von über 54 %.
Bei den Parlamentswahlen 1977 holte die Partei erneut den Sieg mit 41,82 %, und war immer noch mit knapp 20 % Abstand zur zweiten Partei die beliebteste Partei Griechenlands. Nach dem Rücktritt von Karamanlis 1980 wurde Georgios Rallis sein Nachfolger. Die Aufnahme Griechenlands in die damalige EWG legte den Grundstein für den wirtschaftlichen Aufschwung in den nächsten zwei Jahrzehnten. Mit einer anti-europäischen Rhetorik und der Forderung, aus dem westlichen Bündnis der NATO auszutreten, führte der damalige Oppositionsführer der Sozialdemokraten Andreas Papandreou seine bis dato relativ kleinen Partei, die in den vorherigen Wahlen mit 13,00 % im Jahr 1974 und 25,00 % im Jahr 1977 blieb, in der Wahl 1981 zum Sieg.
Die Jahre in der Opposition 1981–1989 In den Jahren der Opposition erfolgte ein Machtwechsel innerhalb der Partei, wobei der Vorsitz von Georgios Rallis zu Evangelos Averoff überging. Die innerparteilichen Strömungen der eher bürgerlichen christlich-konservativen Kräfte richteten sich mit den eher wirtschaftsliberal-konservativen Strömungen um Konstantinos Mitsotakis neu aus und prallten aufeinander. Dieses Kräftemessen endete mit der Wahl von Konstantinos Mitsotakis zum Vorsitzenden.
Rückkehr an die Macht und die dritte Regierung 1989–1993 Erschüttert von dem Skandal Koskotas wurde die Regierung von Andreas Papandreou abgewählt. Das Kabinett Mitsotakis nahm im Jahr 1989 die Arbeit auf.
Als Hauptwerk der zweiten Regierung Mitsotakis gilt das Führen des Landes in den neu gegründeten Europäischen Binnenmarkt (Vertrag von Maastricht). Überzeugt von einer guten und im europäischen Kontext gehaltenen Wirtschafts- und Finanzpolitik stimmte das Parlament mit großer Mehrheit für den Beitritt in den Vertrag von Maastricht, um die teilweise ausufernde Politik der finanziellen Ausgaben und der Versprechungen in einem rechtlichen europäischen Rahmen zu halten sowie um dem Land Stabilität zu verleihen. Die notwendigen Privatisierungen in Branchen wie der Telekommunikation und der Stromversorgung sowie Reformen in der Arbeits- und Sozialpolitik stießen auf Gegenwehr der Bevölkerung, welche von der Opposition zu Streiks und Widerstand angetrieben wurde und somit die nötige Entwicklung ausbremste. Der Streit um den Namen des Nachbarstaates Mazedonien nach dem Zerfall Jugoslawiens und die Meinungsverschiedenheiten des damaligen Außenministers Samaras mit dem Ministerpräsidenten führten zu Neuwahlen, aus denen die Partei als Verlierer hervorging. Andonis Samaras gründete nach der Wahl 1993 die neue politische Partei Politiki Anixi (deutsch: Politischer Frühling), welche sich im politischen Spektrum rechts der ND platzieren sollte. Damit wollte die – letztlich erfolglose – Partei traditionelle Themen der Nea Dimokratia besetzen und damit Wählerstimmen aus dem traditionellen Lager der Volkspartei für sich gewinnen.
Strukturelle innerparteiliche Veränderungen 1993–2004 Nach den verlorenen Parlamentswahlen 1993 (die ND erreichte damals 39,30 % der Stimmen) trat Mitsotakis vom Amt des Parteichefs zurück, was er später als „schweren Fehler“ bezeichnete. Sein Nachfolger wurde der bisherige Athener Bürgermeister Miltiadis Evert. Beide Politiker steuerten wie Karamanlis einen pro-europäischen Kurs. Nach der Wahlniederlage von 1996 trat Evert zurück und sein Nachfolger wurde der bis dahin recht unbekannte ND-Abgeordnete Kostas Karamanlis. Unterstützer dieser Bewerbung um den Vorsitz waren die einflussreichen Politikerfamilien der Kefalogiannis aus Kreta und des ehemaligen Ministers Ioannis Varvitsiotis. Nicht zuletzt aufgrund der Namensgleichheit zu seinem Onkel Konstantinos Karamanlis konnte er um ein Anknüpfen an alte Erfolge der Partei werben. Doch zunächst konnte auch Kostas Karamanlis keinen Wahlerfolg erzielen, allerdings fiel schon die Wahlniederlage im April 2000 äußerst knapp aus: Mit 42,73 % zu 43,79 % verfehlte die ND die Mehrheit nur ganz knapp, weshalb sich die Führungsfrage nicht stellte. Seit 1996 gab es mehrere spektakuläre Austritte, die auch Neugründungen von kleineren Parteien wie etwa den „Liberalen“ von Stefanos Manos zur Folge hatten. Die Ausgründungen waren nicht erfolgreich; die ND verschloss sich jedoch nie pauschal der Wiederaufnahme von Abtrünnigen.
Die Vierte Regierung der bürgerlichen Mitte und die Wiederwahl 2004–2009 mini|Kostas Karamanlis als Premierminister 2006 im EPP Summit mit Angela Merkel|alternativtext=|links Nach einer langen Zeit in der Opposition konnte man schließlich die Wahl im Jahr 2004 gewinnen und schlug somit die Sozialdemokraten von PASOK.
Das erste Kabinett Karamanlis, welches von 2004 bis 2007 regierte, übernahm von der Regierung Simitis die prekäre Finanzlage des Landes, welche zwischenzeitlich mit der Einführung des Euro an Brisanz zunahm. Nachdem man auch die Wahlen im Jahr 2007 für sich entscheiden konnte und Themen wie der Annan-Plan für Zypern und die Situation mit dem Nachbarn aus der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien wieder an Aktualität gewannen, begannen auch innenpolitische Themen immer mehr in den Fokus zu rücken. Die während der zweiten Regierung Kostas Karamanlis nahende Wirtschaftskrise im Jahr 2008 verlangte Neuwahlen. Der Konkurrent Giorgos A. Papandreou behauptete, dass Geld da sei, welches nur nicht richtig eingesetzt werde. Papandreous Satz: „Leftá ypárchoun“ () sollte in die Geschichte eingehen. Nach der Abwahl von Kostas Karamanlis, der nach der Niederlage auch den Vorsitz der Partei abtrat, formierte sich die Partei neu.
Das Duell Bakogianni – Samaras und die Sechste Regierung 2012–2015 mini|145x145px|Das zweite Logo der Partei (2010–2017)|alternativtext= Als Nachfolgerin wurde Dora Bakogianni, im Kabinett Karamanlis Außenministerin, gehandelt. Der Parteivorsitzende sollte jedoch zum ersten Mal von allen Mitgliedern der Partei und damit von der Basis gewählt werden. Selbst Mitglieder im Ausland sollten ihr Wahlrecht vor Ort ausführen dürfen. Mit einer Mehrheit und damit zum Vorsitzenden der Partei wurde der eher klassisch-konservative Samaras gewählt. Die eher wirtschaftsliberale und auf den Spuren ihres Vaters wandelnde Dora Bakogianni musste sich mit dem zweiten Platz zufriedengeben. Dritter wurde Panagiotis Psomiadis. Damit schien die alte Fehde aus dem Jahr 1993 endgültig ad acta gelegt worden zu sein. Samaras führte die Partei auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise zum Wahlsieg im Jahr 2012 und bildete mit der sozialdemokratischen PASOK eine Koalition. Damit nahm das Kabinett Samaras seine Arbeit auf und die Verhandlungen mit der EU, der Troika und dem Internationalen Währungsfonds auf.
Die Siebte Regierung und das Konservativ-liberale Kabinett von Kyriakos Mitsotakis 2019–2023 mini|Empfang des Premierministers Mitsotakis im Oval Office (Januar 2020)|links
Mit einer wirtschaftsliberalen Agenda wie der Reduzierung von Steuern, und der Auflockerung des Bürokratismus ging die Fünfte Regierung unter Kyriakos Mitsotakis die erste Legislaturperiode an. Die Senkung der ungeliebten Grundbesitzabgabe bzw. Immobiliensteuer ENFIA (ΕΝΦΙΑ) um durchschnittlich 22 Prozent und die Reduzierung der Steuer auf Unternehmensgewinne von 28 auf 24 Prozent wurden noch im Jahr 2019 vorgenommen. Die Dividendensteuer wurde auf fünf Prozent halbiert. Die letzten Kapitalkontrollen aus dem Krisenjahr 2015, eine Erbschaft der linken Vorgängerregierung, wurden im September 2019 durch den Finanzminister Christos Staikouras aufgehoben. Auf die ersten 10.000 Euro Jahreseinkommen wurde die Besteuerung von 22 auf neun Prozent gekürzt. Die Digitalisierung der Ämter und des öffentlichen Lebens wurde an ein neugeschaffenes Ministerium delegiert, um die Bürokratie, die Dauer von unternehmerischen Prozessen und die allgemeinen bürgerlichen Angelegenheiten zu entzerren.
Neuer Minister für Bürgersicherheit wurde Michalis Chrysochoidis, der dieses Amt schon dreimal innehatte (1999–2004, 2009–2010, 2012). Aufgrund seiner Amtsübernahme in der konservativen Regierung Mitsotakis wurde er aus seiner Partei KINAL ausgeschlossen.