Südlohn (plattdeutsch Söddloon) liegt im westlichen Münsterland im Nordwesten des Bundeslands Nordrhein-Westfalen und ist eine kreisangehörige Gemeinde des Kreises Borken im Regierungsbezirk Münster. Im Jahre 2006 feierte die Gemeinde Südlohn zusammen mit der katholischen Kirchengemeinde St. Vitus (heute: St. Vitus und St. Jakobus) ihr 775-jähriges Bestehen. Das Rathaus befindet sich im Ortsteil Oeding.Vgl. Website Südlohn-Oeding, die Winterswyker Straße befindet sich in Oeding (aufgerufen am 19. März 2018).
Geografie Die Gemeinde Südlohn liegt an der Grenze zu den Niederlanden. Die Einreise ins westlich gelegene Nachbarland ist über den Grenzübergang Oeding möglich. In Zusammenhang mit dem Schengener Abkommen finden hier kaum mehr Kontrollen statt. Nachbarkommunen sind auf deutscher Seite im Norden Stadtlohn, im Osten Gescher, im Südosten Velen und im Süden Borken. Auf niederländischer Seite grenzt Südlohn an Winterswijk.
Im Zuge einer Gebietsanpassung, die zwischen den Kommunen Südlohn und Borken im Jahr 2020 beraten, beschlossen und zum 1. Januar 2021 wirksam wurde, gehört seitdem auch der Bereich nördlich der Hedwigstraße zum Borkener Stadtgebiet. Bislang verlief die Grenze praktisch entlang der Bordsteinkante. Dies hatte zur Folge, dass Anliegerinnen und Anlieger, die in Burlo verwurzelt waren, formal zu Oeding gehörten. Dieser Missstand wurde durch die Gebietsanpassung behoben. mini|Ortsteile Südlohn Die Gemeinde Südlohn besteht aus den Ortsteilen Südlohn und Oeding. Zu Südlohn gehören die Bauerschaften Brink, Eschlohn, Horst, Tünte, Venn und Wienkamp. Zu Oeding können die Bauerschaften Ebbinghook, Feld, Fresenhorst, Hessinghook, Hinterm Busch, Look, Pingelerhook und Sickinghook gezählt werden.
Von Ost nach West durchfließt die Schlinge, die nur wenige Kilometer östlich auf dem Gebiet von Gescher entspringt, die Gemeinde. Auf ihrem weiteren Verlauf durch den gelderländischen Achterhoek heißt sie zunächst Boven-Slinge. Der Unterlauf wird als Bielheimerbeek bezeichnet, die bei Doetinchem in die Issel mündet.
Geschichte Seit der Frühzeit Resultierend aus der Teilung des alten Kirchspiels Lohn in die Teile Nordlohn, dem heutigen Stadtlohn, und Südlohn wurde die bereits seit dem 12. Jahrhundert vorhandene Sankt Vitus-Kapelle im Jahr 1231 zu einer eigenständigen Pfarrkirche erhoben. Damit wurde die Grundlage für die Bildung einer eigenständigen Siedlung geschaffen.
Auf Grund des spanisch-niederländischen Krieges (1568–1648), der auch Auswirkungen auf die grenznahen Regionen hatte, erhielt Südlohn 1597 durch den Bischof von Münster das Recht, den Ort mit Wall und Graben zu befestigen. Mit Verleihung der Marktrechte am 11. April 1617 galt der Ort als Wigbold oder Kleinstadt.
Abgeschlossen wurde der Stadtwerdungsprozess durch die Einführung eines Stadtsiegels, das 1761 erstmals erwähnt wird. Das Siegelbild zeigt ein dreiblättriges Kleeblatt mit der Umschrift „Sigil des Wigbohlt Sutlohn“. Die Hintergründe für die Wahl dieses Siegelbildes sind unbekannt. Das Bild wird zwar heute als Kleeblatt gedeutet, kann aber auch etwas anderes darstellen. Das alte Siegel wurde bis etwa 1840 genutzt.
mini|hochkant|links|Oeding 300px|mini|Südlohn, die katholische Pfarrkirche Sankt Vitus Der Ortsteil Oeding geht auf die erstmals 1170 in Urkunden erwähnte im Südwesten des damaligen Kirchspiels Lohn gelegene Bauerschaft Nichtern mit dem Haupthof Oeding zurück. Dieser Haupthof, auf dem sich bereits eine Burg befand, wurde 1353 an den Münsteraner Bischof verkauft, der diesen bis zum Verkauf 1554 als Lehen unter anderem an die Herren von Gemen vergeben hat. Diese bauten ab 1372 die zuvor infolge einer Auseinandersetzung mit aufständischen Rittern eingenommene Burg samt einer kleinen Siedlung wieder auf, die rechtlich direkt dem Burgherren unterstellt war. Es bildete sich so im Laufe der Zeit eine Burgfreiheit, der Ursprung der Siedlung Oeding.
Im Zuge des Wiener Kongresses wurde die Gemeinde Südlohn 1815 nach jahrhundertelanger Herrschaft des Hochstifts Münster dem Königreich Preußen zugeschlagen. Von 1844 bis 1883 bildete die Gemeinde Südlohn einschließlich den Bauerschaften Eschlohn und Nichtern und dem Flecken Oeding das eigenständige Amt Südlohn. Danach wurde das Amt Südlohn dem Amt Stadtlohn angegliedert. Die Gemeinde Südlohn trat im Jahr 1907 Gebiete an die neue Gemeinde Oeding ab.
Um die Wende zum 20. Jahrhundert hat in beiden Ortsteilen, die zuvor fast ausnahmslos landwirtschaftlich geprägt und in denen lediglich kleine Handwerksbetriebe beheimatet waren, die Industrialisierung Einzug gehalten. So siedelten sich auch auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Betriebe der Textilproduktion und -verarbeitung an, die über Jahrzehnte das Leben in der Gemeinde prägten.
Gebietsreform Nachdem sich die beiden bis dahin amtsangehörigen Gemeinden Südlohn und Oeding im Rahmen der Gebietsreform auf einen Zusammenschluss geeinigt hatten, wurde die neue amtsfreie Gemeinde Südlohn zum 1. Juli 1969 per Gesetz gebildet.§ 6 des Gesetzes zur Neugliederung von Gemeinden des Landkreises Ahaus vom 24. Juni 1969 In Zusammenarbeit mit dem Staatsarchiv Münster und einem Heraldiker wurde das neue Wappen, bestehend aus dem Kleeblatt für Südlohn und dem Burgturm für Oeding entworfen.
Politik
Gemeinderat (26 Sitze) CDU 9 Sitze (−2) WSO 7 Sitze (±0) UWG 5 Sitze (±0) SPD 3 Sitze (−1) FDP 2 Sitze (−1) Wahlperiode 2025–2030
Bürgermeister Bürgermeister Markus Lask (parteilos) wurde in der Stichwahl am 28. September 2025 mit 53,03 % der Stimmen gewählt. Zuvor konnte er bei der Kommunalwahl am 14. September 2025 mit 46,34 % der Stimmen das deutlich beste Ergebnis der Kandidaten erreichen.
Wappen, Banner und Flagge Mit Urkunde vom 15. Januar 1971 verlieh der münstersche Regierungspräsident Josef Schneeberger der neuen Gemeinde Südlohn das Recht zur Führung eines Wappens, eines Dienstsiegels, eines Banners und einer Hissflagge.
Wappen Die amtliche Wappenbeschreibung (Blasonierung) des heute gültigen Gemeindewappens lautet: „Von Silber (Weiß) zu Rot schräglings geteilt. Oben ein aufrechtes dreiblättriges grünes Kleeblatt; unten ein aus dem Schildrand wachsender silberner (weißer) Turm mit Kegeldach und über einem Zinnenfries ausladenden Obergeschoss. Von den sechs schwarzen Fenstern sind vier paarweise über dem Fries, zwei pfahlweise (heraldisch) rechts darunter angeordnet.“ Das Wappen ist eine Kombination der früheren Gemeindewappen von Südlohn (Kleeblatt; entstammt einem Siegel des aus dem Jahre 1761) und Oeding (Burgturm der Burg Oeding).
Banner und Flagge Beschreibung des Banners: „Die Gemeinde führt ein Banner mit dem Gemeindewappen. Das Banner ist in drei Bahnen im Verhältnis 1:3:1 von Rot zu Weiß zu Rot längsgestreift und zeigt das Gemeindewappen in der Mitte der oberen Hälfte der weißen Bahn.“
Beschreibung der Flagge: „Die Gemeinde führt eine Hissflagge mit dem Gemeindewappen. Die Hissflagge ist in drei Bahnen im Verhältnis 1:3:1 von Rot zu Weiß zu Rot längsgestreift (gemeint ist quergestreift) und zeigt in der Mitte der weißen Bahn das Gemeindewappen im Schild.“
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Windmühle Menke, 2009
Turmwindmühle Menke in Südlohn Die Turmwindmühle Menke wurde 1812 nach holländischem Vorbild als achteckiges Gebäude errichtet. Sie bildet zusammen mit dem benachbarten Müllerhaus ein bedeutendes Ensemble einer dörflichen Mühlenanlage. Im Inneren sind noch vollständig die Maschinen und Einrichtungen aus der Zeit der frühen Industrialisierung vorhanden. Ferner ist noch ein altes Sägegatter in Funktion. Die Mühle befindet sich seit 1865 im Besitz der Familie Menke. Innenbesichtigung nach Voranmeldung, außerdem am „Mühlentag“ jeweils Pfingstmontag. Seit 2008 finden in der Mühle Menke auch Trauungen statt.
Herrensitz Haus Lohn in Südlohn Der ehemalige Stammsitz einer Nebenlinie der Dynasten von Lohn liegt an der Schlinge. Das noch teilweise umgräftete Herrenhaus wurde 1795 nach einem Brand wiedererrichtet. Es ist der einzige frühklassizistische Adelssitz im Kreis Borken und seit 1907 in Privatbesitz. Das Gebäude ist bewohnt und kann deshalb nur von außen besichtigt werden. St.-Vitus-Kirche in Südlohn
Die spätgotische Hallenkirche St. Vitus im Münsterländer Typus wurde 1507 errichtet (Nordportal), im Kern ist sie jedoch wesentlich älter. Vermutlich ist das Gotteshaus aus einer Kapelle bei der Erhebung zu einer eigenständigen Pfarrei 1231 entstanden. 1936 wurde die Kirche nach Plänen des Architekten Ernst Kreytenberg um ein Joch erweitert. Dabei wurde der spätromanische Turm abgebrochen und durch einen neuen Turm ersetzt.Friedrich Lindau: Hannover. Wiederaufbau und Zerstörung. Die Stadt im Umgang mit ihrer bauhistorischen Identität, 2., überarbeitete Auflage, Hannover: Schlütersche Verlagsgesellschaft, 2001, ISBN 3-87706-607-0, passim; Vorschau
Besonders sehenswert sind das kostbare Innere mit Resten der Barockausstattung und die spätgotischen Deckenfresken (um 1510) mit figürlichen Darstellungen und Rankendekorationen, die erst 1961 wiederentdeckt wurden. Sie sind die umfangreichsten des Münsterlandes.
Burgturm in Oeding mini|hochkant|Burgturm mini|links|hochkant|Burg Oeding um 1599 mini|hochkant|St. Jakobus, Oeding Der Knappe Johann von Bermentvelde (Barnsfeld, Berntvelde) verkaufte am 18. April 1353 seinen Haupthof Oeding im Kirchspiel Südlohn mit Mühle, Burg, Gebäuden, Fischteichen und Zubehör für 400 Mark an Bischof Ludwig II. von Münster. Damit wurde erstmals urkundlich die Existenz der Burg Oeding sowie des Dorfes Oeding („Flecken Oeding in der Bauerschaft Nichtern“) belegt. Johann von Bermentvelde wurde jedoch sofort wieder mit der Burg belehnt und erhielt 1365 die Burg und den Haupthof Oeding zurück.
Das „Haus Oeding“ wurde, nachdem Bischof Florenz von Münster die Burg 1372 hatte zerstören und niederschleifen lassen, unmittelbar danach von Johann von Gemen wiedererrichtet. Gemen gestaltete die ehemalige Erdhügelburg nun als rechteckige Ringmantelburg nach dem Kastelltyp um, legte eine Hauptburg mit Vorburg an und ließ die Burgfreiheit besiedeln. Damit war der Grundstein für die Entwicklung des Ortes Oeding gelegt. Im Laufe der Geschichte wechselte die Burg häufig ihre Besitzer.
Nach dem Verkauf an die Herren von Bermentfelde kam das Haus an Ambrosius von Viermünden (1517–1580), verheiratet mit Friderune von Morrien (urk. 1536–1556). Er wurde 1536 mit Oeding belehnt und kaufte 1555 den erblichen Anspruch auf Oeding. Sein Vater Philipp von Viermünden zu Medebach und Nordenbeck († 1528) war 1519 belehnt mit der münstersche „havezathe“ Mallem bei Eibergen/NL. Später ging der Besitz über an die Herren von Keppel und zuletzt auf die Herren von Mulert. 1839 wurden die Burg und die Besitzungen verkauft und die Gräben 1854 zugeschüttet. Die Gebäude wurden später bis auf den Burgturm und Teile des Gewölbes abgerissen.
Bei dem Turm aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts und dem noch erhaltenen Burggewölbe handelt es sich um den letzten Rest der ehemaligen Burg Oeding, die auf das Jahr 1371/72 zurückgeht. Bei der aus einem Haupthof hervorgegangenen Burg Oeding wurde zu dieser Zeit ein Flecken angelegt. Es handelt sich also hier um den bedeutendsten geschichtlichen Platz des Ortsteiles Oeding. Von der ursprünglichen Wasserburg, ausgeführt als U-förmige Anlage, ist der runde Backsteinturm aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts erhalten. Über einem Spitzbogenfries befindet sich ein zwölfeckiges Aufsatzgeschoß mit Büchsenpforten, Schießscharten und Zeltdach. Der Turm wurde mehrfach restauriert, zuletzt 1979, und ist heute in ein Hotelneubau integriert (seit 1979).
St.-Jakobus-Kirche in Oeding