mini|Necrobutcher (2008) Mayhem ist eine norwegische Band, die den norwegischen und internationalen Black Metal in ihrer Phase bis 1994 erheblich beeinflusste.

Geschichte 1984–1986: Anfänge Die Band, deren Name auf Venoms Lied Mayhem with Mercy zurückgeht, wurde 1984 von Jørn „Necrobutcher“ Stubberud, Kjetil „‚Morbid‘ Manheim“ Manheim und Øystein Aarseth (der zunächst unter dem Pseudonym „Destructor“ firmierte und sich dann in „Euronymous“ umbenannte) in Langhus gegründet. Im Logo findet sich der Zusatz The True (engl. ‚die Wahren‘), da mehrere Bands mit dem Namen Mayhem existierten. Anfänglich spielte die Band Venom- und Metallica-Titel nach, bevor sie eigenes Material schrieb. Zunächst war die Band vor allem von Venom beeinflusst, darüber hinaus von Bathory, Hellhammer, Sodom und Destruction. Necrobutcher gibt als wichtigste Einflüsse Motörhead und Venom an. Mit dem Sänger Eirik „Messiah“ Nordheim gaben sie 1985 ihren ersten Live-Auftritt vor 400 Personen. 1986 nahmen sie das Demo Pure Fucking Armageddon auf, bei dem Euronymous und Necrobutcher sich den Gesang teilten. Ihre frühen Texte waren ausgesprochen gewaltverherrlichend, ähnlich den Splattertexten des Death Metal. Wie viele andere frühere Black-Metal-Veröffentlichungen waren auch ihre Demos gekennzeichnet von extrem schlechter Aufnahmequalität: Der Gesang auf Pure Fucking Armageddon war kaum zu hören, weshalb das englische Magazin Metal Forces davon ausging, es sei keiner aufgenommen worden.

1986–1987: Deathcrush und Besetzungswechsel Messiah konnte sich mit Zielen der Band nicht identifizieren und verließ seine Mitmusiker. Euronymous und Necrobutcher nahmen daraufhin den Sänger Sven Erik „Maniac“ Kristiansen, der sich mit einem Demo seiner Ein-Mann-Band Septic Cunts beworben hatte, 1985 in die Band auf und produzierten ein weiteres Demo sowie eine EP namens Deathcrush, die 1987 mit einer Auflage von 1000 Kopien veröffentlicht und 1993 für Euronymous’ Plattenlabel Deathlike Silence Productions erneut aufgelegt wurde. Maniac veröffentlichte auf seinem eigenen Label ein halboffizielles Split-Demo mit Vomit. Die Band behielt ihren Stil bei, doch Euronymous’ Faszination für das Böse nahm immer deutlichere Züge an. Im Sommer 1988 verließen sowohl Manheim als auch Maniac die Band; Ersterer widmete sich stärker seiner Lebenspartnerin und seiner Arbeit bei einer Versicherungsfirma und wurde laut Euronymous eine „völlig normale Person“.Metalion: The True Mayhem. In: Rites of Eleusis, Nr. 2, 1995, S. 6. Als Ersatz stiegen Torben Grue und Kittil Kittilsen von Vomit ein, stiegen aber nach kurzer Zeit wieder aus.

1988–1990: Dead Kurze Zeit später wurden ihre Positionen von dem Schweden Per Yngve „Dead“ Ohlin besetzt, der zuvor bei der schwedischen Band Morbid gesungen hatte, und Jan Axel „Hellhammer“ Blomberg, dem Schlagzeuger von Mortem (später Arcturus), der sechs Monate später bei Mayhem einstieg. Wie sein Pseudonym andeutet, faszinierten Dead Themen wie Tod, Sterben und Dunkelheit. Er wurde sehr schnell für sein anormales Verhalten bekannt. Selbst Euronymous bezeichnete ihn als instabile und möglicherweise schizophrene Persönlichkeit. Er vergrub Kleidungsstücke für Monate, um bei Auftritten verfallene Lumpen tragen zu können. Dead nannte ebenso einen toten, verwesenden Raben in einem Plastikbeutel sein Eigen, denn er wollte vor jedem Lied „den Duft des Todes einatmen“.Darcey Steinke: . In: Spin, Februar 1996. Privat praktizierte er „Hungerrituale“, und auf Bühnenshows schnitt er seine Arme auf. Mit den neuen Mitgliedern und insbesondere durch Deads Faszination für den Tod änderte sich die Atmosphäre der Musik maßgeblich. Die Texte der Band handelten nun weniger von Gore und Splatter als vielmehr von Satanismus, Dunkelheit, Depression und allgemein dem Bösen. Varg Vikernes äußerte sich später diesbezüglich:

In dieser Aufstellung sollte die Band die Spitze ihres Ruhmes erlangen. Nach einigen Auftritten in Norwegen und zusammen mit Eminenz und Manos in Deutschland, wo am 26. November 1990 Live in Leipzig aufgenommen wurde, begannen Mayhem mit der Arbeit an ihrem ersten Studioalbum De Mysteriis Dom Sathanas.

1991–1993: Deads Suizid Im Alter von 22 Jahren schnitt sich Dead am 8. April 1991 die Pulsadern längs auf und schoss sich anschließend mit einer Schrotflinte in den Kopf. Deads Leiche wurde von Euronymous in einem Hinterraum des Bandhauses mit den Abschiedsworten „Entschuldigt all das Blut“, und einem T-Shirt, auf dem „I ♥ Transylvania“ aufgedruckt war, gefunden. Mit einer Polaroidkamera fotografierte Euronymous die Szenerie, um Bildmaterial für spätere Mayhem-Veröffentlichungen zu erhalten. Eines der Fotos erschien 1995 auf dem Cover des bekannten Bootlegs The Dawn of the Black Hearts. Außerdem sammelte er Knochensplitter des Schädels und ließ Amulette für verschiedene Leute daraus fertigen.Biographie. Er soll auch Teile von Deads Gehirn verspeist haben (englisch)."Dead" on His Last Album Cover dies wird jedoch in der Allgemeinheit als Gerücht angesehen. (englisch). Euronymous’ Umgang mit Deads Suizid stieß auch intern auf Kritik.Pure Fucking Mayhem, 2008.Michael Moynihan, Didrik Søderlind: Lords of Chaos, First Edition, Feral House 1998, ISBN 0-922915-48-2, S. 60. Der mit der Band befreundete Fanzine-Autor Metalion kommentierte den Suizid des Sängers mit: „Das ist so, wenn man den Tod verehrt – warum sollte man trauern, wenn Menschen sterben?“.„That’s one thing about worshipping death – why worry when people die?“ Michael Moynihan, Didrik Søderlind: Lords of Chaos, First Edition, Feral House 1998, ISBN 0-922915-48-2, S. 57. Aus diesem Grund entschied sich Necrobutcher, die Band zu verlassen; ungefähr zu dieser Zeit wurde er außerdem Vater. (englisch). In: Master of Brutality, Nr. 2, 1992. Euronymous meinte später dazu, er sei eine „völlig normale Person“ geworden, die sich ihrer eigenen Familie widme und mit Death und Black Metal nichts mehr zu tun habe.Kari Laakso: (englisch). In: Isten, Nr. 6, S. 9ff. Neuer Sänger wurde Stian „Occultus“ Johannsen von Abhorrent/Thyabhorrent, der jedoch nur kurz in der Band blieb.

Als Tribut für Dead wurde 1993 Live in Leipzig veröffentlicht. Im selben Jahr noch begannen die offiziellen Aufnahmen zu De Mysteriis Dom Sathanas. Attila Csihar von der ungarischen Band Tormentor steuerte den Gesang bei und Varg „Count Grishnackh“ Vikernes von Burzum spielte den Bass.

1993–1994: Euronymous’ Tod & De Mysteriis Dom Sathanas Am frühen Morgen des 10. August 1993 wurde Euronymous von Vikernes ermordet. Als Motive werden eine anhaltende Streiterei um eine Geldsumme, Neid auf Aarseths bösen Ruf und ein Mädchen genannt. Vikernes bestreitet diese Darstellung und behauptet, stattdessen habe Euronymous Pläne gehegt, ihn zu sich zu locken, bewusstlos zu schlagen, aufs Land zu fahren und Vikernes dort an einen Baum zu binden und zu Tode zu foltern. Das Ganze habe er zur Unterhaltung auf Video aufnehmen wollen.Varg Vikernes: A Burzum Story: Part II – Euronymous.

In der Nacht war Varg Vikernes von Bergen aus mit Snorre „Blackthorn“ Ruch von der Black-Metal-Band Thorns nach Oslo gefahren, um Euronymous umzubringen. Vikernes sagt dazu, er habe nur vorgehabt, ihm zu sagen, er solle sich aus seinem Leben fernhalten – Euronymous habe ihn jedoch überraschend angegriffen, und Vikernes habe nur schneller ein Messer in der Hand gehabt.

Laut der Autopsie erlitt das Opfer zwei Stiche in den Kopf, fünf in den Hals und 16 in den Rücken. Varg Vikernes wurde einige Zeit später gefasst und Anfang 1994 wegen Mordes zu 21 Jahren Haft verurteilt, 2009 wurde er auf Bewährung entlassen; Ruch wurde zu acht Jahren Haft verurteilt.

1994 erschien De Mysteriis Dom Sathanas mit einer Widmung an Euronymous. Das Erscheinen war von Angehörigen des ermordeten Gitarristen verzögert worden, da es die Bassspuren des Mörders Vikernes enthielt. Auf der endgültigen Veröffentlichung waren sie dennoch zu finden, entgegen den Gerüchten, sie seien später von Hellhammer erneut eingespielt worden.

1995–heute: Grand Declaration of War, Chimera, Ordo ad chao und Esoteric Warfare mini|Attila Csihar (2008) 1995 reanimierte Hellhammer die Band zusammen mit Necrobutcher, Maniac und dem neuen Gitarristen Rune „Blasphemer“ Eriksen. In dieser Besetzung nahm die Band zunächst eine exklusive Version von Pagan Fears für die Kompilation Nordic Metal – A Tribute to Euronymous von Necropolis Records auf, im Jahr darauf das Celtic-Frost-Cover Visual Aggression für das Tributealbum In Memory of Celtic Frost. Außerdem veröffentlichte sie alte Aufnahmen mit Dead auf den Singles und EPs Out from the Dark und Freezing Moon.

Ihre erste eigene Veröffentlichung mit neuen Aufnahmen war 1997 eine EP namens Wolf’s Lair Abyss auf Misanthropy Records, wo auch einige Alben von Burzum, dem Projekt von Euronymous’ Mörder Vikernes, erschienen waren. Der EP folgten einige Live-Auftritte; das erste Konzert nach der Wiedervereinigung fand in Bischofswerda zusammen mit Eminenz und Marduk stattKek: (englisch). und wurde 1998 als Videokassette Live in Bischofswerda veröffentlicht; Necrobutcher zufolge war jedoch „[d]ie Soundqualität […] beschissen und wir waren nicht besonders gut drauf“,Schluß..... ...mit dem „früher waren die toll“, fordert Mayhems Necro-Butcher. In: Metal Hammer, Dezember 1998, S. 13. und auch Robert Müller vom Metal Hammer bezeichnete den Klang als „eine einzige Enttäuschung und […] auf dieser Aufnahme sogar noch schlechter […] als damals vor Ort“.Robert Müller: Mayhem. Live In Bischofswerda 21st June 1997. In: Metal Hammer, Dezember 1998, S. 88. Müller hatte auch den mit „50 Mark für drei Bands […] nie und nimmer gerechtfertigt[en]“ Eintrittspreis des Konzerts beklagt und begrüßt, „daß die Hälfte der vom Veranstalter erwarteten Fans stolz genug war, sich nicht abzocken zu lassen. Die haben allerdings ein wirklich gutes Konzert verpaßt. […] Eine einladende Dekoration aus blutigen Rinderschädeln bildete den Rahmen für die mit Spannung erwartete Mayhem-Performance. […] Maniac und Hellhammer erwiesen sich ihrer noms de guerre absolut würdig. Hellhammer trieb mit seinem extrem tighten und superschnellen Schlagzeugspiel die ersten Reihen in die Raserei. Maniac gebärdete sich dazu wie eine weniger feminine Version von Mr. Manson, simulierte Sexualverkehr mit den toten Tierköpfen und brachte sich beim letzten Song mit einem Messer tiefe Schnitte an Hals, Körper und Armen bei.“Robert Müller: Mayhem + Marduk + Eminenz. Bischofswerda. In: Metal Hammer, August 1997, S. 127. Ein weiterer Auftritt fand in Mailand zusammen mit Csihar statt und wurde für das Live-Album Mediolanum capta est, das 1999 erschien, aufgenommen. Auf der England-Tournee spielte Alexander Nordgaren von Fleurety als Live-Gitarrist mit; er half auch im Proberaum aus, verließ die Band aber, als er nach England zog.