mini|hochkant=1.2|Traditionelles „deutsches Wildgericht“ in „etwas leichterer Version“: Hirschgulasch mit Semmelknödeln, sautierten Lauchzwiebeln und Preiselbeersauce|alternativtext= Die Küche Deutschlands ist gekennzeichnet durch starke regionale Unterschiede und an den Außengrenzen historisch bedingt geprägt durch die Einflüsse der Küche der Nachbarländer (z. B. Frankreich, Österreich, Polen, Schweizer Küche). Starke Regionalküchen gibt es auf den Gebieten ehemals eigenständiger deutscher Staaten (Baden, Bayern, Sachsen) und Großregionen (Franken, Schwaben, Rheinland).Brockhaus Kochkunst, S. 125, 2008, Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus, ISBN 978-3-7653-3281-4.
Mahlzeiten Typisch ist eine sättigende Mahlzeit am Morgen, das Frühstück. Traditionell war die Hauptmahlzeit des Tages das Mittagessen, das etwa zwischen 12 und 14 Uhr eingenommen wird. Am Nachmittag wird häufig eine Zwischenmahlzeit verzehrt, die beispielsweise aus Kaffee und Gebäck bestehen kann. Das Abendessen war früher eine meist kleinere Mahlzeit, die oftmals nur aus ein paar belegten Brotscheiben bestand. Heute ist das Abendessen oft die Hauptmahlzeit des Tages.
Speisen Fleisch Der Fleischkonsum liegt in Deutschland bei etwa 60 kg im Jahr pro Person; 59 % entfallen dabei auf Schweinefleisch, das häufig als Wurst verzehrt wird. Mit 22 % liegt der Verzehr von Geflügel (hauptsächlich Huhn) vor Rindfleisch und Kalbfleisch mit 16 %. Andere Fleischsorten spielen in der Küche keine Rolle, werden aber als Spezialitäten verzehrt.
Als typisches Gericht gilt Schweinebraten aus der Keule und Rücken. Diese werden sowohl frisch als auch gepökelt zubereitet, wobei Kasselerstücke sehr verbreitet sind. Schweinefüße werden sowohl gekocht als auch geschmort unter den regionalen Bezeichnungen Eisbein und Haxe angeboten. Hackfleischgerichte sind als Hackbraten, Frikadellen und Klopse (Königsberger Klopse) sehr verbreitet.
Als Wurstgerichte gehören zur deutschen Küche vor allem Speisen mit Blutwurst und Leberwurst, einzeln oder als Kombination bei der Schlachtplatte. Leberkäse ist in Süddeutschland sowohl als Imbissgericht als auch Fleischbeilage verbreitet. Zu den Imbissgerichten gehören auch portionierte und erwärmte Brühwürste und Rohwürste wie Bockwurst, Frankfurter und Wiener Würstchen sowie Knackwurst. Ebenso gehören Bratwurst und Currywurst zur Küche.
Neben Kalbs- und Rostbraten gehören Rinderrouladen zu den Standardgerichten. Für Gulasch werden häufig mehrere Fleischsorten kombiniert. Ebenfalls wird für Hackfleischgerichte gemischtes Hack aus Rind- und Schweinefleisch verwendet. Gekochte und geschmorte Rinderbrust hat wie andere Kochfleischspeisen stark an Bedeutung verloren.
Geflügel wird meist in der Form von Brathähnchen, in Ostdeutschland vorrangig Broiler genannt, verzehrt. Daneben wird entbeintes Hühner- und Putenfleisch für viele Gerichte wie Frikassee verwendet. Als Festtagsgerichte sind die Weihnachtsgans und Martinsgans üblich.
Als Besonderheit der deutschen Küche gilt der Verzehr von rohem zerkleinertem Fleisch in verschiedenen Gerichten. Aus Schwein wird es regional Mett und Hackepeter genannt, aus Rind Schabefleisch und Tatar, das sich teilweise im Fettgehalt unterscheidet.
Fisch und Meeresfrüchte Der Fischkonsum liegt in Deutschland bei durchschnittlich 14 kg im Jahr und pro Person. Knapp zwei Drittel entfallen dabei auf Seefisch, ein Viertel auf Süßwasserfisch und gut 10 % auf Meeresfrüchte. Am häufigsten werden Alaska-Seelachs, Atlantischer Kabeljau, Lachs, Hering und Makrele verzehrt. Aus einheimischen Gewässern werden meist als Zuchtfische Forelle, Zander und Karpfen angeboten. Andere Arten wie Aal, Barsch und Hecht haben nur beim Angelsport eine Bedeutung.
Fisch wird häufig als konserviertes Fischerzeugnis wie Thunfisch oder als Räucherfisch verzehrt. Auch Salzhering und Matjes werden angeboten. Lediglich 5,2 kg werden als Frischfisch oder tiefgekühlt in der Küche zubereitet. Dabei sind sowohl die gebratene Zubereitung wie beispielsweise als Müllerinart (mehliert und gebraten) als auch Kochen oder das Blaukochen in gesäuerter Kochflüssigkeit üblich. Einen weiteren Anteil nehmen Surrogate wie Lachsersatz, Deutscher Kaviar oder „Forellenkaviar“ ein. Spezialitäten sind Weihnachtskarpfen, Maischolle und Aal grün.
Gemüse Gemüse wird häufig in Eintopfgerichten verzehrt und als Beilage serviert. Das Gemüse, das hierbei mit Abstand am häufigsten verwendet wird, sind Kartoffeln (Pro-Kopf-Verbrauch rund 65 kg im Jahr), gefolgt von Tomaten mit 10 kg pro Kopf und Jahr und Möhren mit 7,8 kg pro Kopf im Jahr. Gurken und Zwiebeln kommen in Deutschland mit jeweils jährlich rund 6,2 kg pro Kopf häufig auf den Tisch. Es gibt zudem eine Reihe klassischer deutscher Gerichte, in denen Erbsen, Bohnen und verschiedene Kohlsorten verarbeitet werden.
Beilagen mini|Bratkartoffeln In Restaurants in Deutschland sind – anders als in Großbritannien oder Italien – die Beilagen in der Regel im Gesamtpreis eines Essens enthalten.
Die wichtigste Beilage ist die Kartoffel. Es gibt sie in vielen Variationen, wie als Salzkartoffeln, Pellkartoffeln, Knödel, Kartoffelpuffer, Bratkartoffel, Kroketten oder Kartoffelpüree. In Mensen und Schnellrestaurants werden große Mengen Pommes frites als Beilage oder als Hauptgericht verzehrt.
Auch Reis wird, besonders zu Fisch und Geflügel, als Sättigungsbeilage genommen.
Deutsche Nudeln enthalten häufig Ei. Im südlichen Teil des Landes werden meistens Spätzle als Beilage verwendet, die eine große Menge Eigelb enthalten.
Gewürze und Würzmittel mini|Tafelsenf
Die Basis des Würzens in der deutschen Küche bildet Speisesalz, das traditionell aus Solequellen und Salzbergwerken gewonnen wird. Gesüßt wird meist mit Zucker aus der Zuckerrübe, seltener mit anderen Zuckerarten, Honig oder Zuckerrübensirup.
Wichtige einheimische Geschmacksgeber sind Meerrettich und Tafelsenf. Je nach Region wird Most, Wein oder Essig als Säure in Speisen verwendet. Wichtigstes Würzgemüse ist die Speisezwiebel, die in einigen Rezepten mit Knoblauch ergänzt wird. Häufig verwendete Kräuter sind Majoran, Thymian, Bohnenkraut, Liebstöckel, Kümmel und Wacholder (meist in getrockneter Form) sowie Petersilie, Schnittlauch und Dill (frisch oder getrocknet).
Seit der europäischen Expansion im 16. Jahrhundert werden viele Gewürze aus Asien, Amerika und dem südlichen Afrika importiert und zum Kochen verwendet. Am verbreitetsten ist Schwarzer und Weißer Pfeffer. Gewürzpaprika wurde erfolgreich in südlicheren Lagen Europas kultiviert und wird hauptsächlich als edelsüßer Paprika verwendet. Häufig verwendete Gewürze sind außerdem Piment, Muskatnuss und Gewürznelke. Aus dem Mittelmeerraum wurden Lorbeer, Rosmarin, Basilikum und Oregano sowie typische mediterrane Gerichte übernommen (siehe auch französische Küche, italienische Küche, griechische Küche, türkische Küche und spanische Küche).
Milchprodukte Deutschland ist eines der Länder, in denen Milchprodukte die größte Vielfalt erreichen. Neben verschiedensten Käsesorten, unter denen Sauermilchkäse wie Harzer Käse zu finden sind, gibt es viele verschiedene Sorten Quark, Joghurt, Buttermilch und Dickmilch.
Brot und andere Backwaren mini|Deutsches Roggenmischbrot
In Deutschland gibt es viele Brot- und Brötchensorten, traditionell vor allem Grau- und Schwarzbrotsorten (u. a. Pumpernickel, Mischbrot, Vollkornbrot usw.) sowie das vorwiegend im süddeutschen Raum verbreitete Laugengebäck, zu dem auch die Brezel gehört. Es sind auch zahlreiche Weißbrotsorten im Angebot. Seit 2014 führt die UNESCO die deutsche Brotkultur als Immaterielles Kulturerbe. Typisch sind auch Kleingebäcke wie Brötchen.
Es gibt zahlreiche Variationen von Kuchen und Torten, die meist mit frischen Äpfeln, Pflaumen, Erdbeeren, Kirschen oder Rhabarber gebacken werden. Käsekuchen ist ebenfalls eine beliebte Variante. Eine Torte, die als sehr typisch gilt, ist die Schwarzwälder Kirschtorte, bestehend aus einem dunklen schokoladehaltigen Biskuitteig, Kirschen und Sahne. In der Weihnachtszeit werden Stollen gebacken. Der Dresdner Christstollen wird als Spezialität in ganz Deutschland verkauft. Daneben gibt es diverse Kleingebäcke, die oft nur in bestimmten Regionen bekannt sind, wie etwa die Eierschecke in Sachsen oder Mohnkranzlänge in Niederschlesien.Roswitha Hennig: Süßes Schlesien, Bäko, Dresden, 2017
Desserts Ein typisch deutsches Dessert ist der Pudding in verschiedenen Variationen, z. B. als Vanille- oder Schokoladenpudding. Beliebt ist die Rote Grütze, die aus verschiedenen Beerensorten besteht und mit Stärke angedickt wird. Weitere Desserts, die aus Früchten hergestellt werden, sind Kompott und Apfelmus. Seit sich ab den 1920er Jahren von Italienern betriebene Eisdielen als erste ausländische Lokale im Lande verbreiteten, ist auch Speiseeis beliebt.
Getränke mini|hochkant|Ein Bier nach Pilsener Art
Bier ist in allen Teilen Deutschlands beliebt. Der Pro-Kopf-Konsum ist im europäischen Vergleich mit 102 Litern am dritthöchsten. Vor allem verbreitet ist das Pils, aber auch viele regionale Biersorten wie beispielsweise Helles, Kölsch, Märzen, Altbier, Weißbier oder Berliner Weiße sind beliebt. Eine Mischung aus Bier und Limonade wird im Süden als „Radler“ oder „Gespritztes“ und im Norden als „Alsterwasser“ bezeichnet.
Auch Wein ist in Deutschland beliebt. Deutsche Weine sind weltweit bekannt, insgesamt werden 16 Weinbauregionen unterschieden. Der Weinbau in Deutschland wurde von den Römern etwa im 2. Jahrhundert an der Mosel begonnen. Der deutsche Wein kommt vor allem aus den Gegenden entlang des Rheins, der Donau, des Mains, der Mosel, des Neckar, der Saale, der Unstrut und des Oberlaufs der Elbe (und bis 1945 auch von der mittleren Oder). Dabei sind Riesling, Müller-Thurgau (Rivaner), Silvaner, Spätburgunder und Dornfelder die bekanntesten deutschen Rebsorten. Weißwein wird manchmal auch mit kohlensäurehaltigem Wasser gemischt als Wein-Schorle getrunken.
Ebenso ist der Apfelwein (im Südwesten auch Viez bzw. Most genannt) sowie andere Obstweine in den Regionen Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Baden-Württemberg und anderen Obstanbaugebieten wieder in aufsteigender Tendenz. Seine Tradition kann ebenso lange wie die des Weines zurückverfolgt werden. Der Verbrauch von Schnaps ist in den vergangenen Jahrzehnten zurückgegangen, traditionell wurde vor allem in Norddeutschland sowie später in den Arbeitervierteln der Städte Kornbrand konsumiert, wobei im 19. Jahrhundert mit dem Kartoffelschnaps ein Höhepunkt erreicht wurde (vgl. Branntweinpest). In den letzten Jahrzehnten angestiegen ist hingegen der Verbrauch von Mischgetränken wie Alkopops und Cocktails.
In Deutschland wird außerdem häufig Kaffee getrunken, nicht nur zum Frühstück, sondern auch am Nachmittag in der Form von Kaffee und Kuchen. In Ostfriesland ist Tee sehr beliebt. Als nichtalkoholische Erfrischungsgetränke sind vor allem kohlensäurehaltiges Mineralwasser, Fruchtsäfte, die Mischung aus beidem, Fruchtschorle genannt, sowie Cola und Limonade beliebt. Als Spezi wird eine Mischung aus Cola und Orangenlimonade bezeichnet. Gern werden auch Kreationen wie Eistee und verschiedene Mixgetränke getrunken.
Regionale Küche Südwestdeutschland mini|Maultaschensuppe mini|Geheirate mit Salatbeilage
Im äußersten Südwesten Deutschlands (Baden, Pfalz, Saarland) ist die Küche mit der des benachbarten Elsass verwandt. Flammkuchen und Riesling sind ebenso typisch wie der Dibbelabbes der Saarländer. Hier werden Schupfnudeln gegessen, die auch „Bubespitzle“ oder „Wargenudle“ heißen. Kirschen werden zum Kirschenmichel verarbeitet und das Sauerkraut mit Weißwein zubereitet. Bekannt ist der Pfälzer Saumagen, den der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl bei Besuchen von Staatsgästen servieren ließ. Ein Wildgericht ist Rehrücken Baden-Baden. Als regionale Spezialität werden Weinbergschnecken angesehen; sie sind Bestandteil der Badischen Schneckensuppe.