300px|mini|Rathaus Iffezheim (alemannisch Iffze) ist eine Gemeinde im Landkreis Rastatt am Oberrhein. Zur Gemeinde Iffezheim gehören außer dem gleichnamigen Dorf keine weiteren Ortschaften. Sie ist international bekannt durch die dreimal im Jahr stattfindenden Galopprennen.

Geografie Geographische Lage Iffezheim liegt am rechten Ufer des Rheins in der 30 km breiten Oberrheinischen Tiefebene, die auf der einen Seite vom Schwarzwald und auf der anderen Seite von den französischen Vogesen begrenzt wird. Bei der Iffezheimer Staustufe münden auf deutscher Seite die Acher als Rheinseitengraben, sowie der Sandbach zunächst in einen Altrheinzug und dann in den Rhein. Durch das Unterdorf fließt der Mühlbach, der Oberlauf des Riedkanals. Auf der gegenüberliegenden, französischen Rheinseite endet die Moder.

Nachbarkommunen In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich die Kreisstadt Rastatt, deren Ortsteile Ottersdorf und Wintersdorf daran grenzen, Sandweier, ein Ortsteil von Baden-Baden sowie die Gemeinde Hügelsheim. Im Westen wird die Gemarkung vom Rhein begrenzt, welcher gleichzeitig die deutsch-französische Staatsgrenze markiert. Nächster Ort im Elsass ist Neuhaeusel bzw. Roppenheim.

Geschichte Frühe Geschichte Archäologische Funde belegen eine seit Jahrtausenden andauernde Besiedlung der Iffezheimer Gemarkung. Die ersten Spuren stammen von steinzeitlichen Wohngruben, die etwa 2500 v. Chr. erbaut wurden.

Weitere Funde aus der Bronze- und Hallstattzeit deuten auf eine durchgängige Besiedlung hin, die durch die Entdeckung eines Friedhofes im Jahre 1925 ab dem sechsten Jahrhundert als gesichert gelten kann. Iffezheim wurde erstmals als „Uffinsheim“ 1245 in einer Schenkungsurkunde der Markgrafen von Baden urkundlich erwähnt. Der Name, der sich im Laufe der Zeit über Uffesheim (1457), Uffisheim (1487), Uffentezheim (1512), Iffitzheim (1750), Iffetzheim (1800) und schließlich ab 1850 in Iffezheim wandelte, deutet auf eine Namensgebung zwischen dem 3. und 7. Jahrhundert hin. Die hiesigen Menschen verwenden oftmals auch dialektübergreifend den Begriff „Iffze“.

Die markgräflich badische Herrschaft über das Dorf manifestierte sich außer in Abgaben und Frondiensten in den vier großen Hofgütern: Frohnd- oder Herrenhof, Lettfuß-, Zoller- und Rusthof, deren Pachterträge in die Schatulle des Landesherrn wanderten. Wie in allen Gemeinden längs des Rheins lebten die Einwohner Iffezheims neben den Erträgen aus der Landwirtschaft vom Fischfang und der Rheinschifffahrt, was durch Anker und Paddel in dem jahrhundertealten Symbol im Wappen der Gemeinde ausgedrückt ist.

Im 14. und 15. Jahrhundert war Iffezheim ein bedeutender Marienwallfahrtsort, weil dort „die Mutter Godds viel Wunderzeichen bewirkt hatt“. Die Pilger konnten für ihren Besuch mit bis zu 100 Tagen Ablass rechnen.

1493 zählte Iffezheim zum Amt Stollhofen und bildete mit Sandweier eine politische und kirchliche Gemeinde. 1509 wurden die beiden Kirchspiele getrennt, kamen jedoch spätestens 1634 wieder zusammen. Erst ein Machtwort des Markgrafen brachte zu Beginn des 18. Jahrhunderts die endgültige, geordnete Teilung der Orte und Kirchspiele zustande.

Wegen Iffezheims Lage im zentralen Oberrheintal litt seine Bevölkerung unter den europäischen Kriegen der vergangenen Jahrhunderte. Nach dem Dreißigjährigen Krieg lebte 1666 nur noch ein Drittel der Vorkriegsbevölkerung in dem zerstörten und verarmten Dorf. Kaum wiederaufgebaut, wurde das Dorf im Pfälzischen Erbfolgekrieg durch die Soldaten des französischen Generals Mélac am 24./25. August 1689 mit Ausnahme dreier Häuser niedergebrannt. Nachfolgende Kriege brachten nicht mehr die totale Zerstörung, doch Einquartierungen, Frohnden und Unterhaltsleistungen führten das Dorf in den finanziellen Ruin.

19. Jahrhundert Zur letzten kriegerischen Auseinandersetzung auf Iffezheimer Gemarkung kam es während der Niederschlagung der badischen Revolution am 30. Juni 1849, als preußische Ulanen und Infanterie eine zum Teil unbewaffnete Kompanie Korker Volkswehr gnadenlos niedermetzelten.

Am 28. Februar 1858 setzte Bürgermeister Severin Schäfer seine Unterschrift unter einen Pachtvertrag mit Oskar Eduard Bénazet über das bereits als Fasanenjagd von Baden-Baden genutzte Gelände „In der Bey“ und „Im Waichen“ für die Erstellung einer Pferderennbahn. Nachdem für 300.000 Francs eine von allen Seiten gelobte Rennbahn aus dem Boden gestampft worden war, hieß am 5. September 1858 kurz nach zwei Uhr die erste Siegerin „Amazone“. Seither ist das kleine Dorf am Rhein weltweit bekannt. Was für die Sportwelt und die mondänen Besucher des Weltbades Baden-Baden eine weitere Attraktion war, stellte für die Einwohner Iffezheims eine willkommene zusätzliche Einkommensquelle dar. Schlafzimmer und Ställe wurden geräumt und an die Renngäste und die vierbeinigen Stars vermietet. Ein Zubrot mit dem die kärglichen Erlöse aus Landwirtschaft, Fischerei und Handwerk aufgebessert wurden.

20. Jahrhundert Im Zweiten Weltkrieg am Nikolaustag 1942 wurde Iffezheim versehentlich von einem britischen Bomberpiloten angegriffen. Insgesamt forderte der Angriff zwölf Menschenleben, darunter die einjährigen Zwillinge Dieter und Rolf Brümmer und die halbjährige Hedwig Schneider, sowie 27 zum Teil schwer verletzte Menschen. Einundzwanzig Gebäude wurden komplett zerstört, weitere 46 wurden schwer und 303 Gebäude leicht beschädigt.

Noch 1957 zählte das Dorf bei 3000 Einwohnern 530 kleinbäuerliche Betriebe. Dies änderte sich in den folgenden Jahrzehnten rasant. 2003 zählte die Statistik noch 6 landwirtschaftliche Betriebe, die sich vor allem auf Spezialkulturen wie Spargel, Beeren und Saatgut spezialisiert haben. Mit der Kiesgewinnung und Kunststeinfabrik als Keimzelle bildete sich östlich des Dorfes ein Industriegebiet aus, dessen Firmen zusammen mit den innerörtlichen Gewerbe- und Handwerksbetrieben heute 1600 Arbeitsplätze anbieten.

Einer der frühesten Autofahrer in der Region kam aus Iffezheim. Es war der Sägewerksbesitzer Thomas Schneider.

Einwohnerentwicklung Datum Einwohner 1847 1376 1850 1508 1900 1782 1914 1961 1918 2053 1930 2251 1939 2374 1950 2504 1960 3082 27. Mai 1970 ¹ 3527 30. Juni 1978 3728 30. Juni 1980 3753 Datum Einwohner 25. Mai 1987 ¹ 3987 31. Dezember 1991 4407 31. Dezember 1993 4588 30. Juni 1995 4608 30. Juni 1996 4618 30. Juni 1997 4633 30. Juni 1998 4632 30. Juni 1999 4699 30. Juni 2000 4700 30. Juni 2001 4696 30. Juni 2002 4762 30. Juni 2003 4853 Datum Einwohner 30. Juni 2004 4893 30. Juni 2005 4911 30. Juni 2006 4955 31. Dezember 2007 4927 31. Dezember 2008 4909 31. Dezember 2009 4919 31. Dezember 2010 4897 31. Dezember 2011 4753 31. Dezember 2012 4733 31. Dezember 2013 4746 31. Dezember 2014 4776 31. Dezember 2015 4927 Datum Einwohner 30. November 2016 5159 30. November 2017 5178 30. November 2018 5217 31. Dezember 2020 5284 31. Dezember 2021 5264 30. November 2022 5332

¹ Volkszählung

Religionen Katholische Kirchengemeinde St. Birgitta (siehe auch St. Birgitta (Iffezheim)) Evangelische Kirchengemeinde Paul Gerhardt

Politik Schultheiße, Vögte und Bürgermeister 1568: Claussen Wendel 1574: Jakob Schaf 1605–1621: Jakob Pferg 1650–1662: Diebold Heitz 1666–1672: Jakob Schneider 1676–1684: Hans Merkel 1691–1727: Ulrich Schneider 1729: Lorenz Schäfer 1742–1758: Barthel Zimber 1759–1777: Hans Adam Schneider 1780–1783: Joseph Laubel 1783: Barnabas Zimber 1792–1794: Joseph Laubel 1795–1801: Balthasar Zoller 1801–1809: Franz Josef Jakob 1809–1832: Matthäus Mungenast 1832–1839: Casimir Schäfer 1839–1843: Matthäus Mungenast 1843–1848: Jakob Keller 1849–1852: Franz Huttinger 1852–1875: Severin Schäfer 1875–1881: Franz Greß 1891–1893: Jakob Huber 1893–1911: Konrad Mußler 1911–1919: Johannes N. Huber 1920–1932: Anton Oesterle 1932–1939: Friedrich König 1939–1945: Heinrich Hertweck 1945–1961: Franz Xaver Huber 1961–1978: Albin König 1978–2002: Otto Himpel 2002–2018: Peter Werler, CDU seit 2018: Christian Schmid

Gemeinderat Der Gemeinderat hat 14 ehrenamtliche Mitglieder, die für fünf Jahre gewählt werden. Hinzu kommt der Bürgermeister als stimmberechtigter Gemeinderatsvorsitzender.

Die Kommunalwahl 2024 führte zu folgendem Ergebnis (in Klammern: Unterschied zu 2019):Statistisches Landesamt Baden-Württemberg: Gemeinderatswahlen 2024, Iffezheim; abgerufen am 18. Juni 2024.Die Freien Wähler legen in Iffezheim zu. In: bnn.de, abgerufen am 18. Juni 2024.

Gemeinderat 2024 Partei / Liste Stimmenanteil Sitze Freie Wähler 45,6 % (+3,9) 7 (+1) CDU 37,3 % (+1,6) 5 (±0) SPD 17,1 % (−5,6) 2 (−1) Wahlbeteiligung: 66,5 % (-2,9)

Gemeindepartnerschaften Iffezheim unterhält partnerschaftliche Beziehungen zu Dahlwitz-Hoppegarten bei Berlin. Mondolfo in der Provinz Pesaro-Urbino in Italien.

Wappen Das heutige Wappen, ist bereits im 1616 belegt und zeigt einen umgedrehten schwarzen Anker mit rotem Ruder auf weißem (silbernen) Grund. Offizielles Siegel der Gemeinde wurde es allerdings erst wieder ab April 1901 auf Vorschlag des Generallandesarchives. Dazwischen war eine so genannte „Wolfsangel“ im Gemeindewappen gebräuchlich.

Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Iffezheim liegt an der L 75 (bis 2015: B 36) und der Bundesstraße 500. Die Bundesautobahn 5 kann über die Anschlussstelle Baden-Baden bzw. den Rasthof Baden-Baden innerhalb weniger Minuten erreicht werden.

Über die Staustufe Iffezheim (B 500) gelangt man auf die Departementsstraße D4 nach Roppenheim zur Autoroute A35. Die Rheinbrücke Wintersdorf ist ein weiterer Grenzübergang, der auf Iffezheimer Gebiet liegt, aber nach dem näher gelegenen Wintersdorf benannt ist. Dort schließt die Landesstraße L 78b an die Departementsstraße 87 an.

Auf dem Gelände der Staustufe Iffezheim befindet sich ein Sender des Differential Global Positioning Systems.

Der 1909 eröffnete Bahnhof Iffezheim lag an der schmalspurigen Bahnstrecke Schwarzach–Rastatt. Am 15. April 1970 wurde der Personenverkehr eingestellt. Zudem existierte für den Sonderverkehr bereits ab 1896 die normalspurige Bahnstrecke nach Rennplatz Iffezheim, die von der nahe gelegenen Bahnstrecke Steinbourg–Rastatt abzweigte. Deren Abschnitt bis Wintersdorf ist bereits seit 1950 ohne Personenverkehr; jedoch ist mittelfristig der direkte Anschluss per Stadtbahn an den Karlsruher Verkehrsverbund geplant. Die nächstgelegenen Bahnhöfe befinden sich in Baden-Baden (ICE/IC) sowie in Rastatt.

Durch das Gemeindegebiet verläuft die rechtsrheinische Variante des Rheinradwegs, der von der Quelle des Rheins am Oberalppass im Schweizer Kanton Graubünden bis zur Mündung bei Rotterdam führt. Er verläuft von Helmlingen kommend bis Iffezheim dicht am Rhein entlang. Er quert auf der B 500 den Sandbach und verläuft an diesem zur Rheinbrücke Wintersdorf und auf dem Damm weiter nach Plittersdorf. Der Radfernweg ist als Eurovelo-Route 15 (Rheinradweg)Eurovelo 15 Basel bis Karlsruhe auf de.eurovelo.com und als D-Route 8 (Rhein-Route)D-Netz auf dem Radroutenplaner Deutschland ausgewiesen.

Südlich des Nachbarortes Hügelsheim befindet sich der Regionalflughafen Karlsruhe/Baden-Baden (Baden-Airpark).

Ansässige Unternehmen Neben den Hauptarbeitgebern der Kies- und Betonindustrie haben sich im Industriegebiet zahlreiche andere Unternehmer angesiedelt, dazu zählen: Oberrhein-Handels-Union GmbH & Co.KG Kronimus AG, Betonsteinwerk Kies und Beton AG Hänsler Medical GmbH

Weiterhin befindet sich mit dem Rheinkraftwerk Iffezheim ein Laufwasserkraftwerk an der bei Iffezheim liegenden Staustufe des Rheins.

Aufgrund der Galoppsport-Rennbahn hat sich ein Trainingszentrum für Galopprennpferde sowie eine Pferdeklinik angesiedelt.

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