Das Williams F1 Team (Atlassian Williams Racing) ist ein britisches Rennsportteam mit Sitz im englischen Grove, das seit 1977 in der Formel 1 aktiv ist. Gründer und bis 2020 auch Mehrheitseigentümer war Frank Williams, der bereits von 1968 bis 1975 mit dem Team Frank Williams Racing Cars in der Formel 1 angetreten war. Williams F1 gehört mit 114 Grand-Prix-Siegen, sieben Fahrer- und neun Konstrukteursweltmeistertiteln zu den erfolgreichsten Konstrukteuren in der Geschichte der Formel 1 und war insbesondere das erfolgreichste Team der 1990er-Jahre. Der letzte Gewinn des Fahrertitels (Jacques Villeneuve) und des Konstruktuerstitels gelang 1997. In Folge hielt Williams für einige Jahre den Rekord für die Anzahl der gewonnenen Konstrukteursweltmeisterschaften.
Im 21. Jahrhundert konnte Williams nur noch eingeschränkt an die früheren Erfolge anknüpfen. In den Jahren 2002 und 2003 erzielte das Team noch den Vizeweltmeistertitel. Den letzten Rennsieg erzielte Pastor Maldonado beim Großen Preis von Spanien 2012. Zuletzt 2015 errang das Team noch den dritten Gesamtrang und stürzte dann schrittweise weiter ab. Ab 2018 war Williams viermal Zehnter und letzter der Konstrukteurswertung, darunter am Tiefpunkt 2020 ohne einen einzigen WM-Punkt. Der über Jahrzehnte als Familienbetrieb geführte Rennstall wurde im August 2020 von einer US-amerikanischen Investmentgesellschaft namens Dorilton Capital übernommen, aber der Name Williams bleibt auch in Zukunft erhalten.
Die Fahrer Alexander Albon und Carlos Sainz gingen in der Saison 2025 für Williams an den Start. Sainz gelang beim Großen Preis von Aserbaidschan 2025 der erste Podestplatz des Teams seit 2021. Mit dem fünften Gesamtrang in der Fahrerwertung landete das Team ebenfalls erstmals seit 2017 wieder in der oberen Hälfte der Tabelle.
Vorgeschichte mini|Teamgründer Frank Williams
1966 gründete Frank Williams den Rennstall Frank Williams Racing Cars. Das Team setzte Formel-3- und Formel-2-Wagen mit Fahrern wie Piers Courage, Richard Burton, Tetsu Ikuzawa und Tony Trimmer ein. Mit einem gekauften Brabham-Chassis und Piers Courage trat Williams ab 1969 in der Formel 1 an. Frank Williams ging in den Folgejahren Partnerschaften mit De Tomaso, Politoys und Iso Rivolta ein, die ihm den Bau eigener Rennwagen ermöglichten: Williams wurde vom Kundenteam zu einem Konstrukteur. Die Erwartungen an die eigenen Autos erfüllten sich nicht: Williams war mit der Aufgabe, die Rennwagen zu konstruieren, zu warten und weiterzuentwickeln, überfordert. Iso, infolge der Ölkrise selbst in wirtschaftliche Bedrängnis geraten, zahlte nicht die vereinbarten Beträge. Die Lage des Teams war Mitte der 1970er-Jahre finanziell „schlecht bis desolat“.Maurice Hamilton: Frank Williams. The Inside Story of the Man behind the Williams Renault. London 1998, S. 35 Frank Williams galt zu dieser Zeit als „Hungerleider der Formel 1“, der gebrauchte Reifen von Ferraris Abfallplatz übernahm und geschäftliche Gespräche von einer Telefonzelle aus führen musste, weil der Anschluss seiner Fabrik wegen nicht bezahlter Rechnungen abgeklemmt worden war. Marlboro sicherte 1974 das wirtschaftliche Überleben; nach dem Abzug des Sponsors spitzte sich die Lage allerdings zu. Frank Williams war mit mehreren 100.000 £ verschuldet; er finanzierte den Rennstall in der Saison 1975 in erster Linie durch Paydriver: Im Laufe des Jahres wechselten sich acht Fahrer in einem der Williams-Autos ab. Ende 1975 stand Williams vor dem Kollaps. Frank Williams verkaufte daraufhin 60 Prozent des Teams an den Ölmagnaten Walter Wolf, der zudem alle Schulden des Unternehmens und die persönlichen Verbindlichkeiten Frank Williams’ ablöste. Der Rennstall wurde im Frühjahr 1976 in Walter Wolf Racing umbenannt. Frank Williams war in diesem Jahr als Wolfs Angestellter für den Rennbetrieb zuständig. Ende 1976, nach anhaltenden Misserfolgen, verließ Frank Williams zusammen mit seinem früheren Angestellten Patrick Head das Unternehmen und gründete mit ihm den Rennstall Williams Grand Prix Engineering, der in einem ehemaligen Teppichlager in Didcot, England, Räume fand.
Unternehmen Drei Jahrzehnte lang gehörte das Unternehmen Frank Williams und seiner Familie sowie Patrick Head. Im November 2009 erwarb der österreichische Investor und Rennfahrer Toto Wolff mit seiner Marchsixteen-Beteiligungs-Gesellschaft einen Minderheitsanteil an Williams F1. Seitdem gehörte Wolff auch dem Vorstand des Teams an. Wolff wurde 2013 Teamchef des Mercedes-Teams und verkaufte seine Anteile an Williams in mehreren Tranchen bis März 2016 an den US-amerikanischen Investor Brad Hollinger. Das Unternehmen ist seit März 2011 an der Frankfurter Börse notiert. Im Jahr 2017 gehörten 51,3 % der Unternehmensanteile Frank Williams, 11,7 % Brad Hollinger und 9,3 % Patrick Head; 24,1 % waren im Streubesitz, und 3,6 % der Anteile gehören einem Fonds der Mitarbeiter.
Im August 2020 wurde der Rennstall für 152 Millionen Euro an die New Yorker Investmentgesellschaft Dorilton Capital verkauft.
Geschichte des Teams Frank Williams und Patrick Head machten sich mit einer sechsköpfigen Mannschaft daran, als eigenständiger Konstrukteur an der Formel-1-WM teilzunehmen. Dies war zwar schon mit den Typen FW01 bis FW05 geschehen, allerdings ohne Erfolg. Im Hinblick auf die Vorteile einer an die Konstrukteurseigenschaft geknüpften Vorteile einer FOCA-Mitgliedschaft wollte Williams auch nach seinem Neustart nicht mit Kundenchassis Grand-Prix-Rennen bestreiten.
Der Neuanfang mini|Ein March 761 in der 1977 von Williams verwendeten Lackierung
1977 Für die Saison 1977 ließ sich der Bau eines eigenen Autos noch nicht realisieren. Frank Williams musste daher in der ersten Saison seines neuen Teams noch einmal ein Kundenauto einsetzen. Das Team übernahm von March Engineering einen gebrauchten 761. Mit einem Fahrzeug dieses Typs hatte Ronnie Peterson ein paar Monate zuvor für das March-Werksteam den Großen Preis von Italien 1976 gewonnen. March führte den Wagen unter der internen Bezeichnung 761/7Geschichte des March 761/7 auf der Internetseite www.oldracingcars.com und behauptete, es sei ein komplett neu aufgebautes Auto. Ob das zutrifft, ist allerdings zweifelhaft. Frank Williams äußert in einer Biographie jedenfalls den Verdacht, dass es sich in Wirklichkeit um einen March 741 von 1974 gehandelt habe, der von March Engineering nachträglich auf das Niveau eines 761 gebracht worden sei; hierfür sprachen nach Ansicht Williams’ unter anderem Lackreste an dem Auto, die der Lackierung der March-Werkswagen von 1974 entsprachen.Hamilton: Frank Williams. The inside story of the man behind Williams Renault. S. 64.In Betracht käme hierfür das Chassis 741/1, das in der Saison 1974 vom Werksteam für Hans Stuck eingesetzt wurde. Das Chassis wurde 1975 und 1976 nicht verwendet. Vgl. Renngeschichte des March 741/1 auf der Internetseite www.oldracingcars.com.
Der Renneinsatz in der Saison 1977 wurde zunächst mit einem Bankkredit von Barclays in Höhe von 30.000 £ finanziert. In gleicher Höhe unterstützte die saudi-arabische Fluggesellschaft Saudi Arabian Airlines das Team, die in den folgenden fünf Jahren zu einem zuverlässigen Sponsor des Rennstalls wurde. Weiteres Geld brachte der Fahrer des Teams mit. Anfänglich hatte sich der Finne Mikko Kozarowitzky um das Williams-Cockpit bemüht, (abgerufen am 17. März 2014). Williams verpflichtete letztlich aber den Belgier Patrick Nève, der Kontakte zur belgischen Brauerei Belle-Vue hatte und von dort dem Team insgesamt 100.000 £ zur Verfügung stellte. Nève hatte wenig Formel-1-Erfahrung. Sein Formel-1-Debüt hatte anlässlich des Großen Preises von Belgien 1976 stattgefunden, als er für das private Team RAM Racing einen gebrauchten Brabham BT44 bewegt hatte. Nève hatte sich dort qualifizieren können, war aber im Rennen aufgrund eines technischen Defekts frühzeitig ausgeschieden.
Williams debütierte zu Beginn der europäischen Saison beim Großen Preis von Spanien in Jarama. Hier konnte sich Nève qualifizieren. Er startete von Platz 22 und beendete das Rennen mit vier Runden Rückstand auf Rang 12. Bei den folgenden zehn Großen Preisen qualifizierte sich Nève siebenmal. Er kam sechsmal ins Ziel, blieb bei den Rennen allerdings stets außerhalb der Punkteränge. Sein bestes Ergebnis erreichte er beim Großen Preis von Italien in Monza, den er als siebenter beendete. Das letzte Rennen der Saison in Japan ließ das Team aus.
1978 mini|Ein Williams FW06 bei einem Oldtimer-Rennen in Silverstone 2007
Frank Williams’ neues Auto wurde Anfang 1978 präsentiert. In der Nomenklatur knüpfte das Auto an die vorherigen Modelle, die von Williams Racing Cars eingesetzt worden waren, an, so dass er die Bezeichnung FW06 erhielt. Es war ein konservativ gestaltetes Auto, das noch nicht nach den Prinzipien des Ground Effect gestaltet war: da Patrick Head im zurückliegenden halben Jahr nicht genügend Zeit gehabt hatte, dieses Phänomen im Detail zu erforschen, verzichtete er für sein erstes Auto auf halbherzige Kopien anderer Autos und behielt sich den Ground Effect für spätere Autos vor.
Gleichzeitig gelang es Frank Williams, weitere Sponsoren zu finden. Frank Williams versuchte zunächst, einen etablierten Fahrer für sein Team zu finden. Er sprach Hans-Joachim Stuck, Jochen Mass und Riccardo Patrese an. Keiner war bereit, für Williams zu fahren. Letztlich ließ sich der Australier Alan Jones überzeugen, bei Williams einzusteigen; Jones hatte im Vorjahr für Shadow Racing Cars beim Großen Preis von Österreich einen Sieg errungen. Die Verpflichtung von Jones war eine Entscheidung, die das Team nie bereuen sollte, denn die Kombination des FW06 mit Alan Jones am Lenkrad zeigte sich bald als ernstzunehmende Konkurrenz. Für Patrick Head und Williams blieb Alan Jones immer derjenige Fahrer, an dem sich spätere – und insbesondere jüngere – Piloten messen lassen mussten.
Der FW06 debütierte beim Auftaktrennen der Saison 1978 in Argentinien. Hier qualifizierte Jones den Wagen für den 14. Startplatz. Damit stand er einen Platz vor Jody Scheckter im Auto von Wolf Racing. Im Rennen fiel Jones allerdings mit defekter Benzinpumpe aus.
Ein besonderes Problem waren in diesem Jahr die Reifen. Goodyear rüstete nur einige Teams mit Qualifikationsreifen aus. Williams gehörte nicht dazu. Da Alan Jones im Qualifikationstraining mit Rennreifen antreten musste, konnte er sich üblicherweise nur für die hintere Hälfte des Starterfeldes qualifizieren. In den Rennen allerdings verfügten alle Teams über (mehr oder weniger) gleiche Reifenqualitäten. Hier zeigte Jones eindrucksvollen Einsatz. Bereits im zweiten Saisonrennen, dem Großen Preis der USA (West), fuhr Jones zeitweilig auf einem zweiten Rang und griff den vor ihm fahrenden Carlos Reutemann auf Ferrari mehrfach an. Das Duell endete, als der Motor des FW06 aussetzte und Jones weit zurückgeworfen wurde. Im Laufe der Saison fuhr Jones den einen oder anderen WM-Punkt ein. Sein bestes Resultat erreichte er beim Großen Preis der USA (Ost) in Watkins Glen, wo er nach hartem Rennen Zweiter wurde und die erste Podiums-Position für das junge Team einfahren konnte. In dieser Saison erzielte Williams 11 WM-Punkte und wurde zusammen mit dem Arrows Racing Team gleichrangiger Neunter der Konstrukteurswertung.
1979 mini|Williams FW07 Auch 1979 blieb Jones als Fahrer bei Williams und bekam Clay Regazzoni als Teamkollegen zur Seite gestellt. Der Durchbruch gelang dem Team 1979 beim Grand Prix von Großbritannien, als Jones zwar die Führung aufgeben musste, aber Regazzoni am Ende den Sieg einfuhr. Für Frank Williams war dies der allererste Formel-1-Sieg, der einen Siegeszug einläuten sollte, denn Jones gewann vier der verbleibenden sechs Rennen dieser Saison.
Endlich ein Top-Team: Siege und Titelgewinne 1980 mini|Der erste Fahrerweltmeister für Williams: Alan Jones
1980 erreichte Williams den bislang größten Erfolg: Das Team stellte mit Alan Jones den Fahrerweltmeister und gewann zudem mit deutlichem Vorsprung die Konstrukteursmeisterschaft.