Juan Pablo Montoya Roldán (* 20. September 1975 in Bogotá) ist ein kolumbianischer Automobilrennfahrer.
Nachdem Montoya 1998 die Internationale Formel-3000-Meisterschaft gewonnen hatte, wechselte er für zwei Jahre zu Chip Ganassi Racing in die CART-Serie. In dieser gewann er 1999 in seiner Debütsaison den Meistertitel. 2000 gelang es ihm für Chip Ganassi Racing zudem das Indianapolis 500 bei seinem Debüt zu gewinnen.
Montoya wechselte 2001 in die Formel 1, in der er bis 2006 aktiv blieb. Er startete bei 94 Grand Prix und gewann sieben Rennen. Die ersten vier Jahre fuhr er für Williams. In dieser Zeit erreichte Montoya mit dem dritten Platz in der Weltmeisterschaft 2002 und 2003 seine beste Gesamtplatzierung. Seine letzten zwei Formel-1-Saisons trat er für McLaren an.
Ende 2006 debütierte Montoya in der höchsten NASCAR-Division. In dieser blieb er für Earnhardt Ganassi Racing startend bis 2013 aktiv. Seine beste Gesamtplatzierung erreichte er 2009 mit dem achten Rang. Montoya gewann in den NASCAR-Serien insgesamt drei Rennen bei 276 Starts. Von 2014 bis 2016 startete Montoya für Penske in der IndyCar Series. Dabei wurde er 2015 Gesamtzweiter. Montoya gewann 2007, 2008 und 2013 das 24-Stunden-Rennen von Daytona.
Karriere Anfänge im Motorsport (1981–1996) Montoya begann seine Motorsportkarriere 1981 im Alter von sechs Jahren im Kartsport. In dieser Sportart blieb er bis 1991 aktiv und kehrte 1994 für einige Kartrennen zurück. Unter anderem wurde er 1991 Junioren-Kart-Weltmeister. 1992 trat Montoya erstmals im Formelsport an, als er an der kolumbianischen Formel Renault teilnahm. 1993 entschied er die kolumbianische Swift GTI Serie für sich.
1994 trat Montoya in den Vereinigten Staaten in der Barber Saab Pro Series an. Mit zwei Siegen wurde er Dritter in der Fahrerwertung. 1995 wechselte er nach Europa und erhielt bei Paul Stewart Racing ein Cockpit in der Formel Vauxhall. Während sein Teamkollege Jonny Kane den Meistertitel gewann, wurde Montoya Gesamtdritter.
1996 ging Montoya für Fortec Motorsport in der britischen Formel-3-Meisterschaft an den Start. Er gewann zwei Rennen und wurde Fünfter in der Meisterschaft. Mit 137 zu 132 Punkten setzte er sich intern gegen Guy Smith durch. Außerdem startete Montoya 1996 für das Warsteiner Team AMG Mercedes bei einem Rennwochenende der International Touring Car Championship (ITC) als Vertretung für Jan Magnussen und nahm damit an Tourenwagenrennen teil.
Formel 3000 (1997–1998) 1997 erhielt Montoya bei RSM Marko, dem Meisterteam des Vorjahres vom ehemaligen Rennfahrer Helmut Marko, ein Cockpit in der internationalen Formel-3000-Meisterschaft. Ihm gelang gleich bei seinem zweiten Rennen in Pau, von der Pole-Position startend zu gewinnen und zudem die schnellste Rennrunde zu fahren. In Spielberg und Jerez erzielte er weitere Siege. Mit 37,5 zu 39 Punkten unterlag er am Saisonende Ricardo Zonta und wurde Vizemeister. Intern distanzierte er seinen Teamkollegen Craig Lowndes, der drei Punkte und einen vierten Platz erzielt hatte, deutlich. Neben guten Leistungen in den Rennen fiel Montoya abseits der Rennstrecke seinem Teamchef durch einen Hang zum Fast Food und mangelndes Fitnesstraining auf. Aus diesem Grund ließ Marko Montoya aus disziplinarischen Gründen einmal von seinem Privathaus zu Fuß ins zehn Kilometer entfernte Graz gehen. Nach der Saison absolvierte Montoya für Williams Formel-1-Testfahrten und wurde anschließend als Testfahrer für die Formel-1-Weltmeisterschaft 1998 unter Vertrag genommen.
In der Formel 3000 bestritt Montoya 1998 weiterhin Rennen. Er wechselte zu Super Nova Racing und wurde damit Nachfolger des vorherigen Meisters Zonta. Montoya startete bei sieben von zwölf Rennen von der Pole-Position und gewann in Barcelona, Silverstone, Pau und Enna. Beim letzten Saisonrennen auf dem Nürburgring machte er mit dem dritten Platz den Meistertitel perfekt. Er setzte sich mit 65 zu 58 Punkten gegen Nick Heidfeld durch. Montoyas Teamkollege Boris Derichebourg wurde mit einem dritten Platz als bestem Ergebnis und insgesamt fünf Punkten Gesamtzwölfter.
CART (1999–2000) 1999 wechselte Montoya in die nordamerikanische CART-Serie zu Chip Ganassi Racing. Er wurde Nachfolger von Alex Zanardi, der in der Vorsaison den Titel gewonnen hatte und zu Williams in die Formel 1 gewechselt war. Sein Teamkollege war Jimmy Vasser. Bereits in seinem dritten Rennen in Long Beach holte er seinen ersten Sieg. Die zwei folgenden Rennen in Nazareth und Rio gewann er ebenfalls. Es waren seine ersten Siege auf Ovalkursen. In den nächsten acht Rennen wurde er zweimal Zweiter und siegte in Cleveland. Anschließend gewann er drei aufeinander folgende Rennen: Mid-Ohio, Chicago und Vancouver. Als Zweiter in der Fahrerwertung ging Montoya zum Saisonfinale in Fontana, das vom tödlichen Unfall Greg Moores überschatt wurde. Während er Vierter wurde, erreichte Dario Franchitti, sein Kontrahent im Titelduell, den zehnten Platz. Damit waren beide Fahrer mit 212 Punkten punktgleich. Da Montoya sieben Rennen gewonnen hatte und Franchitti nur deren drei, entschied Montoya die Meisterschaft für sich und wurde im Alter von 24 Jahren als bis dahin jüngster Fahrer Titelträger. Sein Teamkollege Vasser erzielte mit 104 Punkten den neunten Rang.
mini|links|Montoyas Indy-500-Siegerfahrzeug 2011 2000 blieben Montoya und Vasser bei Chip Ganassi Racing, die vor der Saison den Chassis- und Motorenhersteller gewechselt hatten. Von Reynard zu Lola und von Honda zu Toyota. Wie im Vorjahr startete Montoya bei sieben Rennen von der Pole-Position, allerdings kam Montoya nur bei 8 von 20 Rennen ins Ziel. Er erzielte neun Top-10-Platzierungen, stand insgesamt viermal auf dem Podest und gewann die Rennen in Milwaukee, Michigan und Madison. Mit 126 Punkten wurde er Gesamtneunter, während sein Teamkollege Vasser mit 131 Punkten den Sechsten Platz erreichte. Montoya hatte 42 Punkte Rückstand auf den Titelgewinner Gil de Ferran. Darüber hinaus trat Montoya 2000 in der zur CART-Serie konkurrierenden Indy Racing League an. Chip Ganassi Racing nahm mit seinen zwei CART-Fahrern in G-Force-Oldsmobile-Fahrzeugen am diesjährigen Indianapolis 500 teil. Montoya qualifizierte sich für den zweiten Startplatz hinter Greg Ray. Das Rennen führte Montoya mit 167 Führungsrunden nur für 33 Runden nicht an und fuhr als Sieger über die Ziellinie. Er hatte einen Vorsprung von über sieben Sekunden auf den zweitplatzierten Buddy Lazier. Damit wurde Montoya nach Graham Hill 1966 zum ersten Fahrer, der das Indianapolis 500 bei seinem Debüt für sich entschied. Es war Montoyas einziges Indy-Racing-League-Rennen in diesem Jahr.
Formel 1 (2001–2006) Williams (2001–2004) 2001 wechselte Montoya in die Formel 1 und erhielt ein Cockpit bei Williams, die seit einem Jahr werksseitig von BMW unterstützt wurden. Montoya wurde Teamkollege von Ralf Schumacher und löste Jenson Button im Williams-Cockpit ab. Bei seinem ersten Formel-1-Rennen, dem Großen Preis von Australien qualifizierte sich Montoya für den elften Platz. Im Rennen schied er im letzten Renndrittel auf dem dritten Platz liegend mit einem Motorschaden aus. Nach einem weiteren Ausfall qualifizierte sich Montoya in Brasilien für die vierte Startposition. Kurz nach dem Start kam es zu einer Safety-Car-Phase. In dieser lag Montoya auf dem zweiten Platz hinter Michael Schumacher. Er ging beim Restart an seinem Gegner vorbei und übernahm in seinem dritten Rennen erstmals die Führung bei einem Formel-1-Rennen. Montoya setzte auf eine Ein-Stopp-Strategie und baute seinen Vorsprung sukzessive aus. In der 39. Runde hatte er über 30 Sekunden Vorsprung auf Michael Schumacher. Beim Überrunden von Jos Verstappen auf der Reta Oposta verbremste sich Verstappen und rammte Montoya von der Strecke. Das Rennen war damit für Montoya beendet. Nach einem weiteren Ausfall erzielte Montoya in Spanien als Zweiter seine erste Podest-Platzierung. Nach drei weiteren Rennen ohne Zielankunft wiederholte er dieses Ergebnis beim Großen Preis von Europa. Nachdem er bei den kommenden fünf Rennen dreimal ausgefallen, zweimal in die Top 10 gefahren und zweimal von der Pole-Position gestartet war, stand Montoya auch beim Großen Preis von Italien in Monza auf der Pole-Position. Er entschied auch das Rennen für sich und erzielte damit in seinem 15. Formel-1-Rennen den ersten Sieg. Nach einem weiteren Ausfall wurde er beim letzten Saisonrennen in Japan Zweiter. Montoya hatte in seiner ersten Saison nur bei 6 von 17 Rennen das Ziel erreicht und war bei diesen Rennen stets in die Top 10 gefahren. Viermal stand er auf dem Podest. Mit 31 Punkten beendete er seine erste Formel-1-Saison als bester Neueinsteiger auf dem sechsten Platz. Sein Teamkollege Ralf Schumacher wurde mit 49 Punkten Gesamtvierter.
2002 startete Montoya mit zwei zweiten Plätzen in Australien und Malaysia in die Saison. Im weiteren Saisonverlauf gelang es ihm, diese Platzierungen in Spanien und Deutschland zu wiederholen. Bei den Rennen in Monaco, Kanada und Italien fiel er von der Pole-Position startend in den Top 3 liegend mit technischen Defekten aus. Montoya blieb in der Saison ohne Sieg. Er startete bei 7 von 17 Rennen von der Pole-Position und kam nur fünfmal nicht in die Top 5. Er stand siebenmal auf dem Podium. Am Saisonende lag er mit 50 Punkten auf dem dritten Platz in der Fahrerweltmeisterschaft, der sein bestes Gesamtresultat in der Formel 1 ist, und wurde nur von den Ferrari-Piloten Michael Schumacher und Rubens Barrichello geschlagen. Mit dem dritten Platz setzte er sich intern gegen Ralf Schumacher, der mit 42 Punkten Vierter geworden war, durch.
mini|Montoya im Williams beim Großen Preis von Frankreich 2003 2003 bestritt Montoya seine dritte Saison für Williams an der Seite Ralf Schumachers. Beim Saisonauftakt in Australien wurde er ein weiteres Mal Zweiter. Nachdem er bei den nächsten fünf Rennen zweimal in die Top 10 gekommen war, entschied Montoya den Großen Preis von Monaco für sich. Nach einem dritten Platz in Kanada wurde er in Europa und Frankreich Zweiter. In diesen drei Rennen kam Ralf Schumacher direkt vor ihm ins Ziel. In dieser Saisonphase äußerte sich Montoya kritisch über sein Team, da er der Meinung war, dass es Ralf Schumacher bevorzuge. In Frankreich versuchte Montoya mit einem früheren Boxenstopp an Schumacher vorbeizufahren, allerdings zog das Team auch bei ihm den Stopp vor. Montoya beschwerte sich noch während des Rennens über dieses Ereignis und unterstellte dem Team, Partei für Schumacher ergriffen zu haben. In den nächsten vier Rennen stand Montoya durchgängig auf dem Podium. Nach einem zweiten Platz in Großbritannien gewann er den Großen Preis von Deutschland von der Pole-Position startend. Anschließend wurde er Dritter in Ungarn und Zweiter in Italien. Zwei Rennen vor Saisonende lag er damit drei Punkte hinter Michael Schumacher, dem Führenden der Weltmeisterschaft, auf dem zweiten Rang. Beim vorletzten Saisonrennen, dem Großen Preis der USA, war Montoya in eine Kollision mit Barrichello verwickelt, bei der Barrichello ausfiel. Die Rennkommissare sahen die Schuld für den Zwischenfall bei Montoya und belegten ihn mit einer Durchfahrtsstrafe. Montoya kam schließlich auf dem sechsten Platz ins Ziel, während Michael Schumacher gewann. Damit waren Montoyas Titelchancen nicht mehr existent. Beim letzten Saisonrennen in Japan schied Montoya in Führung liegend mit einem Hydraulikschaden aus. Montoya wurde schließlich erneut Dritter in der Weltmeisterschaft. Mit 82 zu 58 Punkten setzte er sich intern gegen Ralf Schumacher, der den fünften Rang belegte, durch. Nach einer Änderung des Qualifyingformats gelang Montoya in diesem Jahr nur eine Pole-Position. Am Ende der Saison gab Montoya bekannt, zur übernächsten Saison zu McLaren zu wechseln. Als Auslöser für den Wechsel galten die Differenzen mit seinem Rennstall.
mini|Montoya beim Großen Preis von Kanada 2004