Das Kloster Altzella (ursprünglich Cella bzw. genauer Cella Sanctae Mariae, Altenzelle, heute Altzella) ist eine ehemalige Zisterzienserabtei westlich der Stadt Nossen an der Mündung des Pitzschebaches in die Freiberger Mulde. Im Mittelalter gehörte es zu den bedeutendsten Klöstern des mitteldeutschen Raums und war von 1190 bis 1381 die Erbbegräbnisstätte der Wettiner.Carl Heinrich Ferdinand von Zehmen: Die Schicksale der fürstlichen Begräbnisse im Kloster Alten-Zelle an der Freiberger Mulde. Meinhold und Söhne, Dresden 1846, S. 1–16. Im frühen 13. Jahrhundert entstand möglicherweise in der Abtei Altzella mit dem Sachsenspiegel das bedeutendste deutsche Rechtsbuch des Mittelalters. Das Kloster wurde infolge der Reformation aufgelöst; die Anlage ist mit ihrer teilweise noch gut erhaltenen Mauer inzwischen eine Mischung aus romantischem Park mit Ruinen und renovierten Gebäuden. Es wird vom Schlossbetrieb Schloss Nossen/Kloster Altzella verwaltet und dient verschiedenen kulturellen und religiösen Zwecken. Im Wirtschaftsbereich können Seminare aber auch private Feierlichkeiten veranstaltet werden. Die Reste des Klosters stehen seit den 1970er Jahren unter Denkmalschutz.Georg Piltz: Kunstführer durch die DDR. 4. Auflage, Urania-Verlag, Leipzig / Jena / Berlin. 1973; S. 527f.Heinrich Magirius: Klosterpark Altzella (= Sachsens schönste Schlösser, Burgen und Gärten. 7). Edition Leipzig, Berlin 2000, ISBN 3-361-00525-6.

Geschichtlicher Überblick Erste Jahre mini|Grenzurkunde des Klosters Altzella, Landgericht Colmnitz, 2. August 1185, Faksimile Kaiser Friedrich I. übereignete 1162 einer von Markgraf Otto von Meißen gestifteten Abtei 800 Hufen gerodetes Land westlich und südlich der Freiberger Mulde. Der ursprünglich für die Anlage der Abtei vorgesehene Ort Böhrigen wurde von den Zisterziensern abgelehnt. Nach einem Silberfund im Jahre 1168 auf dem Territorium des jetzigen Freiberg wurde ein Teil des Landes um Freiberg gegen ein Bischofslehen westlich von Nossen ausgetauscht, auf dem vorher kurzzeitig ein Benediktinerkloster existierte. In den folgenden Jahren begann, etwas nördlich der ehemaligen Benediktinerabtei, westlich von Nossen und südlich der Freiberger Mulde der Bau der Zisterzienserabtei. Zum Aufbau der Klosteranlagen wurden Lehmgruben, Brennöfen für Ziegelsteine und Kalk errichtet sowie Steinbrüche eröffnet, teilweise in unmittelbarer Nähe der Abtei.

Der Einzug des Abtes mit seinem Konvent aus der Zisterzienserabtei Pforte (bei Naumburg) in das Kloster Cella erfolgte im Jahr 1175. Zeitgleich wurde mit dem Bau der Klosterkirche begonnen, die im Jahr 1198 geweiht wurde. Für die Zeit zwischen 1180 und 1230 ist eine rege Bautätigkeit nachgewiesen, innerhalb der die Gebäude des Klausurbereichs und das romanische Stufenportal entstanden und 1198 die Stiftskirche geweiht wurde.

1217 wurde das Benediktinerinnen-Kloster Heilig Kreuz zu Meißen dem Abt von Zelle unterstellt, rund 50 Jahre später entstand 1268 das Tochterkloster Neuzelle (Cella Nova) bei Guben. Der Name Cella Vetus (Altzella) bürgerte sich zur besseren Unterscheidung allmählich ein.

Das Kloster diente bereits ab 1190 als Grablege der Wettiner, schließlich wurde von 1339 bis 1349 die Andreaskapelle als Begräbnisstätte des Geschlechts errichtet. Dort wurden Friedrich der Ernsthafte und Friedrich der Strenge begraben.

Im 13. Jahrhundert könnte das Kloster Altzella der Entstehungsort des zwischen 1220 und 1235 entstandenen Sachsenspiegels gewesen sein, des bedeutendsten deutschen Rechtsbuch des Mittelalters. Zumindest entspricht der überlieferte Buchbestand der Abtei weitgehend den für das Buch genutzten Quellen.Peter Landau: Der Entstehungsort des Sachsenspiegels. Eike von Repgow, Altzelle und die anglo-normannische Kanonistik. In: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters. Band 61, Nummer 1, 2005, S. 73–101 (Digitalisat).

Blütezeit mini|Kloster Altzella (gezeichnet nach einer alten Münze) Unter den Äbten Vinzent Grüner (auch Vinzenz Gruner, Abt seit 1412) und dem Humanisten Martin von Lochau (erstmals erwähnt 1485, † 1522; Abt von 1501 bis 1522) erfuhr das Kloster seine Blütezeit.Carl Heinrich Ferdinand von Zehmen: Die Reihenfolge der Aebte des ehemaligen Cistercienser-Klosters Alten-Zelle bei Nossen an der Mulde. Walther’sche Buchhandlung, Dresden 1845, S. 1–62. 1436 erwarb das Kloster vom Bistum Meißen für 4.200 Gulden die Burg Nossen mit Inventar und Ländereien. Die Gebäude befanden sich in einem schlechten Bauzustand und wurden zum Abtssitz umgebaut. Das Obergeschoss des Konversenhauses wurde 1506 als Bibliothekssaal genutzt. Martin von Lochau erhöhte den Buchbestand auf 1000 Bände, die später den Grundstock der Universitätsbibliothek Leipzig bildeten.Tom Graber, Martina Schattkowsky (Hrsg.): Die Zisterzienser und ihre Bibliotheken. Buchbesitz und Schriftgebrauch des Klosters Altzelle im europäischen Vergleich (= Schriften zur sächsischen Geschichte und Volkskunde. Band 28). Leipziger Universitäts-Verlag, Leipzig 2008, ISBN 978-3-86583-325-9.

Säkularisation Um 1540 veranlasste der sächsische Herzog Heinrich der Fromme die Säkularisation des Klosters, aus dem Besitz wurde ein kurfürstliches Kammergut geschaffen. Bis zur Einrichtung des Amtes Nossen im Jahr 1544 erfolgte die Verwaltung des umfangreichen Klosterbesitzes noch durch ehemalige Klosterangehörige von Altzella aus. Auch danach dienten die Gebäude bis 1548 als Ort für mehrere kirchenpolitische KonferenzenKarlheinz Blaschke: Altzelle – ein Kloster zwischen Geistlichkeit und Herrschaft. In: Martina Schattkowsky, André Thieme (Hrsg.): Altzelle. Zisterzienserabtei in Mitteldeutschland und Hauskloster der Wettiner. 2002, S. 98–99..

Spätestens ab 1557 ließ Kurfürst August große Teile der sich nun in schlechtem baulichen Zustand befindlichen Klosterbauten abbrechen, die Materialien dienten teilweise als Baumaterial z. B. für den Umbau des Schlosses Nossen in ein kurfürstliches Jagdschloss. Das Schicksal vieler noch nutzbarer Gebäude innerhalb der Klostermauern besiegelte schließlich 1599 ein Brand. In den folgenden drei Jahrhunderten wurde Landwirtschaft betrieben. Nur das als Schüttboden und Rinderstall genutzte Konversenhaus blieb vollständig erhalten.Burkhard Kunkel: Die Kunst der lutherischen Kirchen im 16. Jahrhundert. Medien, Mitteldinge, Monumente – eine Geschichte der materiellen Kultur. Gebr. Mann Verlag, Berlin 2020, ISBN 978-3-7861-2848-9, S. 316 und 373.

mini|hochkant|Postmeilensäule von 1727 – Ganzmeilensäule Nr. 16 am Postkurs Dresden – Nossen – Chemnitz aus Marbach-Dreierhäuser – am ehemaligen Gasthof, unweit vom Klostertor

Zwischen 1676 und 1787 ließen die sächsischen Kurfürsten Grabungen nach den sterblichen Überresten der Vorfahren durchführen und diese in einer Gedächtniskapelle, dem heutigen Mausoleum, beisetzen. Um 1800 besuchte Caspar David Friedrich mehrfach die Gegend um Nossen und zeichnete auch in Altzella. Um 1810 entstand nach Plänen von Johann Gottfried Hübler ein romantischer Landschaftspark, bei dem Gebäude und Ruinen mit in die Gestaltung einbezogen wurden. Im 19. Jahrhundert wurden auf dem Gelände eine Mühle, ein Wagenschuppen und ein Spritzenhaus errichtet. Von 1945 bis 1990 bestand ein Volksgut. Nach der deutschen Wiedervereinigung und der Neugründung von Bundesländern übernahm der Freistaat Sachsen 1993 das Kloster einschließlich der noch vorhandenen Fragmente und ließ alles denkmalgerecht wiederherstellen.

Mittelalterliche Bauten rund um den Kreuzgang Überblick mini|Modell der Klosterkirche, der Konventbauten und des Konversenhauses im Zustand der Erbauungszeit um 1175–1230, in einer Vitrine im Konventhaus Die Klosterabteien der Zisterzienser- und Benediktinerorden orientieren sich allesamt an einem einheitlichen Grundriss, der für die Zeit um 830 erstmals für das Kloster Sankt Gallen nachgewiesen ist. Demnach schließt sich an der von Westen nach Osten ausgerichteten Klosterkirche der Kreuzgang an, der für Gebete und Lesungen, aber auch für einen zentralen Brunnen oder einen Friedgarten genutzt wird. An den Kreuzgang schließt sich ein Arkadenumgang an, über den die Mönche in die Konventsgebäude gelangen. Zusammen mit dem Kreuzgang bildet das Konventsgebäude die Klausur.Susanne Geck, Thomas Westphalen: Forschungen zum Zisterzienserkloster Altzella. In: Karlheinz Blaschke, Heinrich Magirius, Siegfried Seifert (Hrsg.): 750 Jahre Kloster Marienstern. Festschrift. Stekovics, Halle (Saale) 1998, ISBN 3-929330-96-2, S. 223–230.

Stiftskirche, Andreaskapelle Die romanische Stiftskirche war – so weisen es Fundamentgrabungen nach – ein 67 Meter langer Bau mit dreischiffigem Langhaus und einem Querhaus. Den Ostabschluss des Backsteinbaues bildete ein Staffelchor, unter dem neben dem Stifter Otto von Meißen weitere 21 Mitglieder des Hauses Wettin beigesetzt wurden. Die Westfront wies ursprünglich oberitalienische Einflüsse auf. Nach dem Abbruch der Kirche in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts sind lediglich zwei Teile des Westgiebels erhalten geblieben. Eine Radierung des Malers Johann Gottfried Klinsky (1765–1828) aus dem späten 18. Jahrhundert zeigt den noch komplett vorhandenen Westgiebel, der erst 1790 bis auf den heutigen Zustand abgebrochen wurde. Der Grundriss der Kirche wird seit den 1970er Jahren durch Schieferplatten markiert.Susanne Geck: Zwischen Klostermauer und Klausur. Neue Erkenntnisse zur Bebauung von Altzella. In: Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege. 45, 2003, , S. 383–442.

An der Südwestecke der Stiftskirche wurde 1339 bis 1349 die Andreaskapelle errichtet. Der 15 Meter lange und 14 Meter breite Bau war zweischiffig und mit zwei Altären ausgestattet. Die Kapelle diente nach ihrer Errichtung bis 1391 als Begräbnisstätte des Hauses Wettin. In ihr waren neben den zwei Meißner Markgrafen Friedrich II. (1310–1349), genannt der Ernsthafte, und Friedrich III. (1332–1381), genannt der Strenge, auch deren Familienangehörige begraben. Die 1786 bei Grabungen aufgefundenen Gebeine wurden in die Gruft des neu errichteten Mausoleums überführt.Carl Heinrich Ferdinand von Zehmen: Die Andreas- oder Fürsten-Kapelle angebaut an die Stiftskirche zu Alten-Zelle. Ein historisches Fragment. Meinhold und Söhne, Dresden 1847, S. 1–11.

Ostflügel und Westfassade Der Ostflügel des Klosters bildete den eigentlichen Konventbau, der im Erdgeschoss drei Einrichtungen beherbergte: Die Sakristei, die als unmittelbarer Nebenraum der Kirche die Gegenstände für den Gottesdienst beherbergte und als Vorbereitungs- und Umkleideraum für ebendiesen diente. Den Kapitelsaal, der in erster Linie der täglichen geistigen Lesung diente. Das Parlatorium (Sprechsaal), ein Raum, in dem die Mönche von ihrem Schweigegelübde entbunden waren und frei sprechen durften. Zum Kreuzgang hin gab es eine Tür und zwei Fensteröffnungen. Das Obergeschoss beherbergte den Schlafsaal der Mönche. Vom Ostflügel sind Ruinen des Kapitelsaals und einer kleinen gotischen Kapelle erhalten. Das Eingangsportal des Ostflügels aus Grillenburger Sandstein wurde in den Haupteingang der Nossener Stadtkirche integriert.

Die Westfassade des Klostergebäudes wurde zwischen 1787 und 1804 nach Plänen von Christian Adolf Franck gestaltet.

Weinkeller, Sommerrefektorium Am Übergang vom Ost- zum Nordflügel der Klausur hatten die Mönche einen Weinkeller mit Bruchstein-Kreuzgewölbe auf einem quadratischen Pfeiler angelegt, der erhalten und von Besuchern begehbar ist. Die Zugänge zum Weinkeller, wie sie heute zu sehen sind, wurden erst um das Jahr 1800 errichtet.