mini|Landschaftsbild im Bereich von Herxheim Die Ortsgemeinde Herxheim bei Landau/Pfalz (im örtlichen Dialekt „Herxe“ genannt) in Rheinland-Pfalz ist bezogen auf die Einwohnerzahl die größte Kommune im Landkreis Südliche Weinstraße. Herxheim ist Verwaltungssitz der gleichnamigen Verbandsgemeinde und gemäß Landesplanung als Mittelzentrum ausgewiesen.Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten

Geographie Lage Die Ortsgemeinde liegt in der Oberrheinischen Tiefebene im Osten des Landkreises Südliche Weinstraße. Sie besteht aus dem Kernort Herxheim sowie dem im Süden des Gemeindegebiets befindlichen Ortsteil Hayna, die durch ein Waldgebiet voneinander getrennt sind. Im Osten der Gemarkung liegt zudem der Weiler Sandhof. Zur Gemeinde gehören auch die Wohnplätze „Neumühle“, „Am Wingertsberg“ und „Am Schambach“. Die Gemarkung Herxheim ist Teil des Naturraums Mühlhofen-Rheinzaberner Riedel.

Nachbargemeinden sind – im Uhrzeigersinn – Offenbach an der Queich, Ottersheim bei Landau, Knittelsheim, Herxheimweyher, Rülzheim, Hatzenbühl, Erlenbach bei Kandel, Insheim und Landau in der Pfalz.

Die Namensgleichheit mit dem im benachbarten Landkreis Bad Dürkheim liegenden Herxheim am Berg ist der Grund für die lange Zusatzbezeichnung bei Landau/Pfalz.

Gewässer Zentrales Gewässer im Hauptort ist der in West-Ost-Richtung fließende Klingbach. Inmitten des Siedlungsgebietes gabelt er sich in den linken Teilungsarm Alter Klingbach auf. Ersterer nimmt am südlichen Rand der Bebauung von rechts den Waldgraben auf. Inmitten eines Gewerbegebiets im Südosten der Gemeinde nimmt der als Entwässerungsgraben angelegte Rottenbach seinen Anfang. Im äußersten Osten der Gemeinde an der Grenze zu Herxheimweyher nimmt er von rechts den etwas weiter südlich fließenden Saugraben auf.

Geschichte Frühgeschichte und Mittelalter Das Gebiet von Herxheim war bereits in der Jungsteinzeit besiedelt. Westlich von Herxheim wurden mit der Grabenanlage von Herxheim Reste einer etwa 7000 Jahre alten Siedlung entdeckt. In die keltische Eisenzeit werden die Hügelgräber im Klingbachwald datiert. Römische Gräber, Landgüter (villae rusticae) und eine Töpferei wurden am Westrand Herxheims ausgegraben. Ab 259 n. Chr. besetzten Alemannen das Gebiet, die ab 500 n. Chr. von den von Norden kommenden Franken verdrängt wurden. Diese nannten ihre neue Heimat oft nach ihrem Anführer. Herxheim wird in einer Schenkungsurkunde eines Sigibald im Jahre 773 für das Kloster Weißenburg, als Harischaim, in einer anderen Urkunde als Herigesheim bezeichnet. Mit diesen Urkunden beginnt im Jahre 773 die geschriebene Geschichte Herxheims.

Im Rahmen des Weißenburger Klosterraubes (985/991) entrissen die Salier dem Kloster Weißenburg Herxheim und andere Besitzungen. Unter dem Saliern wird im Jahr 1004 auf dem Kirchberg eine Kirche errichtet. Hiervon blieb der untere Teil des Glockenturms erhalten. 1057 gelangte Herxheim durch eine Schenkung des salischen Kaisers Heinrich IV. wieder in geistlichen Besitz, nämlich an das Hochstift Speyer. Bei diesem verblieb Herxheim rund 600 Jahre und unterstand innerhalb diesem dem Oberamt Lauterburg. Zudem war die Gemeinde Stammsitz der Augsburger Patrizierfamilie Holzapfel von Herxheim.

Neuzeit Nach dem Frieden von Nimwegen 1678/79 fiel Herxheim mit allen Gemeinden südlich der Queich an Frankreich. Ab 1798, als die Pfalz Teil der Französischen Republik (bis 1804) und anschließend Teil des Napoleonischen Kaiserreichs war, war die Gemeinde in den Kanton Landau im Departement des Niederrheins eingegliedert. 1814 hatte die Gemeinde insgesamt 2.675 Einwohner. Ein Jahr später gehörte der Ort zunächst zu Österreich. 1816, nach dem Wiener Kongress, wurde die Pfalz zum achten Kreis des Königreiches Bayern. Herxheim gehörte ab 1818 – weiterhin als Bestandteil des Kantons Landau – zum Landkommissariat Landau; aus diesem ging 1862 das Bezirksamt Landau hervor. Während der Zugehörigkeit zu Bayern wurden das Schulhaus eingeweiht (1824), die erste Tabakfabrik gegründet (1879) und die Bahnlinie Herxheim–Landau eröffnet (1898). Sie wurde 1983 stillgelegt, eine Reaktivierung und Weiterführung bis Rülzheim wurde wiederholt, zuletzt 2003 vom Land Rheinland-Pfalz, untersucht, aber abgelehnt. Ein Trassensicherungsabkommen besteht jedoch noch.

Um 1860 wurde der Tabakanbau eingeführt. Um 1920 waren etwa 1400 Frauen, Männer und Kinder in der Zigarrenproduktion beschäftigt. Die letzte Zigarrenfabrik schloss 1965. Nach dem Ende der Subventionen für Tabakanbau durch die EU ist er vollständig zum Erliegen gekommen.

1896 eröffnete Jakob Friedrich Bussereau in Herxheim ein Heim für Kranke und Behinderte, das er „St.-Paulus-Stift“ nannte. Zu deren Pflege gründete er einen Frauenorden, die Kongregation der Schwestern vom hl. Paulus (meist kurz „Paulusschwestern“ genannt), deren Gemeinschaft 1913 kirchlich anerkannt wurde.Susanne Rieß: Kongregation der Schwestern vom hl. Paulus. 1896–1996. Speyer 1996.

Ab 1939 war der Ort Bestandteil des Landkreises Landau in der Pfalz. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Herxheim innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz, womit die bayerische Zeit endete. Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wechselte der Ort am 7. Juni 1969 in den neu geschaffenen Landkreis Landau-Bad Bergzabern, der 1978 in Landkreis Südliche Weinstraße umbenannt wurde. Drei Jahre später wurde er Sitz der ebenfalls neu gebildeten gleichnamigen Verbandsgemeinde. Am 17. März 1974 wurde der bis dahin selbständige Nachbarort Hayna eingemeindet.

Im Ort stand ab 1842 eine Synagoge, die 1938 in den Novemberpogromen zerstört wurde. Seit ungefähr 1879 besteht ein Jüdischer Friedhof in Herxheim. Die letzte Bestattung fand dort 1936 statt. Eine Gedenktafel erinnert daran.

Konfessionsstatistik Laut Zensus 2022 waren 50,4 % der Einwohner römisch-katholisch, 17,2 % evangelisch und 32,4 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Zensus 2022 Religion Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung ist seitdem gesunken. Juni 2026 waren 44,2 % der Einwohner katholisch und 15,8 % evangelisch, während 40,1 % einer anderen Glaubensgemeinschaft angehörten oder konfessionslos waren.Gemeindestatistik, abgerufen am 8. Juli 2026

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Herxheim besteht aus 28 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat: Wahl SPD CDU Grüne FDP FWG WG Gesamt Wahl­beteiligung Quelle 2024 4 12 3 1 8 – 28 Sitze 66,6 % 2019 3 9 3 1 6 6 28 Sitze 64,0 % 2014 6 13 3 – 6 – 28 Sitze 56,8 % 2009 7 15 – – 6 – 28 Sitze 59,0 % 2004 5 15 2 – 3 3 28 Sitze 62,6 % 1999 4 13 1 – – – 24 Sitze 68,2 %

Bürgermeister Bürgermeister von Herxheim Amtszeit Name Partei –2009 Elmar Weiller CDU 2009–2019 Franz-Ludwig Trauth CDU 2019–2023 Hedi Braun parteilos seit 2023 Sven Koch CDU

Der ehrenamtliche Ortsbürgermeister wird in direkter Wahl für eine Amtszeit von 5 Jahren gewählt.

Am 29. Oktober 2023 wurde Sven Koch (CDU) als einziger Kandidat mit 78 % der Stimmen zum Ortsbürgermeister gewählt, nachdem seine Vorgängerin das Amt vorzeitig niedergelegt hatte. Er trat das Amt am 3. November 2023 an. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 setzte er sich (unterstützt von CDU und FWG) mit einem Stimmenanteil von 74,7 % gegen einen Mitbewerber durch.

Bei der Stichwahl am 16. Juni 2019 war die parteilose Hedi Braun mit 50,7 Prozent der Stimmen zur Ortsbürgermeisterin gewählt worden, da bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 keiner der vier Bewerber eine ausreichende Mehrheit erreicht hatte. Am 15. August 2019 war sie in das Ehrenamt eingeführt worden. Von 2015 bis 2023 war sie auch Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Herxheim.

Bei der Wahl am 7. Juni 2009 war der parteilose Franz-Ludwig Trauth als Kandidat der CDU mit 59,0 Prozent gewählt worden.Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahlen, Termine und Ergebnisse der Direktwahlen, Landräte und Bürgermeister ab 2009 Wie sein Vorgänger Elmar Weiller war er damit Bürgermeister der Verbandsgemeinde und der Ortsgemeinde Herxheim. Bei der Wahl am 25. Mai 2014 war Trauth ohne Gegenkandidat mit 69,19 Prozent Zustimmung als Ortsbürgermeister bestätigt worden.

Jugendparlament Als erste Ortsgemeinde im Landkreis Südliche Weinstraße hat Herxheim im Mai 2000 ein Jugendparlament eingeführt. Es kümmert sich um die Belange von Jugendlichen aus der Ortsgemeinde und umfasst zwölf Mitglieder, die bei der Aufstellung zur Wahl zwischen 14 und 18 Jahren alt sein müssen. Die Wahl erfolgt im Abstand von zweieinhalb Jahren mittels Mehrheitswahl.

Das Jugendparlament hat u. a. die Möglichkeit, Veranstaltungen zu organisieren. Beispielsweise Podiumsdiskussionen für Jugendliche anlässlich von Bundestags- oder Kommunalwahlen.

Wappen

Gemeindepartnerschaften Partnerschaften werden mit Ilfracombe in England und Saint-Apollinaire in Frankreich unterhalten.

Archäologie

mini|Schädel aus den Herxheimer Funden. Er befindet sich im Museum des Institutes für Geowissenschaften an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Im Zeitraum von 1996 bis 1999 wurde im Vorfeld des Gewerbegebietes West eine Siedlung der Linearbandkeramischen Kultur ausgegraben. Wegen ungewöhnlicher Ergebnisse wurden die Grabungen in den Jahren 2005 und 2006 fortgesetzt. Die Untersuchungen dauern an.„Die Menschenschlachter von Herxheim“ Artikel von Angelika Franz in spiegel.de vom 7. Dezember 2009 Die Siedlung bestand von der Älteren Bandkeramik (Phase Flomborn) bis in die Jüngste Bandkeramik, nämlich etwa 5300–5150 v. Chr.

Südlich davon wurde eine Vielzahl von Gruben festgestellt, die so dicht beieinander lagen und sich immer wieder überschnitten, dass zunächst der Eindruck zweier um das Dorf laufender Gräben entstand. Dieses Grabensystem ist später als Erdwerk erkannt worden. In den Gruben, die dem jüngsten Abschnitt zuzuordnen sind, lagen eine Vielzahl menschlicher Knochen, vielfach zerschlagen, fast immer aus dem anatomischen Verband gelöst. Die Zahl von mindestens 450 Schädeln (bei noch nicht abgeschlossener Ausgrabung der Grubenanlage) belegt, dass in Herxheim sehr viel mehr Menschen bestattet wurden, als dort innerhalb der jüngsten Phase der Bandkeramik gewohnt haben können. In den Gruben fanden sich außerdem zahlreiche andere Funde, wie Töpferware, Silex oder Mahlsteine, die vielfach ebenfalls bewusst zerstört wurden. – Free Online Library (englisch)