Die Gemeinde Kerken liegt am unteren Niederrhein im Westen von Nordrhein-Westfalen und ist eine kreisangehörige Gemeinde des Kreises Kleve im Regierungsbezirk Düsseldorf.

Geografie Räumliche Lage Kerken liegt linksrheinisch im niederrheinischen Tiefland, im Durchschnitt . Durch das Gemeindegebiet fließt der Landwehrbach. Er mündet, noch im Gemeindegebiet, in die Gelderner Fleuth.

Verkehrstechnisch liegt Kerken an der Bundesstraße 9 in zehn Kilometer Entfernung zur Autobahn 40. Auf der von der Rhein-Ruhr-Bahn (RE 10) befahrenen Bahnlinie Kleve-Düsseldorf mit Bahnhöfen in den Ortschaften Aldekerk und Nieukerk erreicht man die Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens in weniger als einer Stunde Fahrtzeit.

Gemeindegebiet mini|Verwaltungsgliederung Kerkens Die Gemeindefläche hat eine Größe von ca. 58 km². Die Gemeinde Kerken gliedert sich in die Ortschaften Aldekerk, Eyll (sprich: Eil), Nieukerk (sprich: Neukerk) und Stenden. Die Ortschaft Stenden ist das längste Straßendorf Nordrhein-Westfalens. Zu ihr gehört der Ortsteil Rahm. Die Ortschaft Eyll teilt sich in Ober- und Untereyll auf. Zur Ortschaft Nieukerk gehören die Ortsteile Baersdonk (sprich: Barsdonk) (teils zu Kerken, teils seit 1969 zu Geldern) Winternam und Poelyck (sprich: Pullk).

Nach § 3 der HauptsatzungHauptsatzung der Gemeinde Kerken der Gemeinde Kerken gliedert sich das Gemeindegebiet in vier Gemeindeteile. Diese Gemeindeteile entsprechen den ehemals selbstständigen Gemeinden, aus denen durch das Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Geldern im Rahmen der Gebietsreform die Gemeinde Kerken gebildet wurde. Nachfolgend Fläche und Einwohnerzahl der Gemeindeteile (Stand März 2022): Gemeindeteil Fläche Einwohner Aldekerk 8,01 km² 3.663 Eyll 14,70 km² 1.782 Nieukerk* 24,72 km² 5.926 Stenden 10,74 km² 2.004 Gesamt 58,17 km² 13.375 (* = Sitz der Gemeindeverwaltung)

Nachbargemeinden/-städte Die Gemeinde Kerken grenzt im Norden an die Stadt Geldern und an die Gemeinde Issum, im Osten an die Gemeinde Rheurdt, im Süden an die Stadt Kempen (Kreis Viersen) und die Gemeinde Wachtendonk sowie im Westen an die Stadt Straelen.

Geschichte Mittelalter und Neuzeit Die Gemeinde ist nach den Kirchen (niederfränkisch: Kerken) benannt. Die älteste Kirche der Gemeinde steht eigentlich in Nieukerk (nieuwe Kerk = „neue Kirche“) und die jüngere Kirche in Aldekerk (alde Kerk = „alte Kirche“). Der Name kommt durch den mächtigen Bau der romanischen Kirche um 1150 in Nieukerk, die als Pfarrkirche der späteren Vogtei Gelderland vermutlich vom Grafen von Geldern in den heutigen Dimensionen erbaut wurde. Ihr Standort gehörte damals noch zur Bauerschaft Winternam, der Name „neue Kirche“ ging dann auf die neue Ortschaft „Nieuwe Kerk = Nieukerk“ über. Die vermutliche Hofkapelle in Eyll wurde dann zur „Alden Kerk = Aldekerk“, das zwischen 1252 und 1275 von Nieukerk abgepfarrt wurde.Wilhelm Fabricius: Kirchliche Organisation im Bereich der heutigen Rheinprovinz am Ende des Mittelalters um das Jahr 1450 (= Geschichtlicher Atlas der Rheinprovinz, Abteilung 3, Lieferung 7). Behrendt, Bonn 1909, S. 266.

Die Gemeinde Kerken gehörte bis 1713 zum Herzogtum Geldern, kam dann zu Preußen und stand von 1798 bis 1814 unter französischer Herrschaft, bis 1815 der gesamte Niederrhein auf dem Wiener Kongress dem Königreich Preußen zugeschlagen wurde. Daraufhin kamen am 23. April 1816 im Zuge der Preußischen Verwaltungsorganisation die heute zu Kerken gehörigen ehemaligen Gemeinden zum Landkreis Geldern als einem von über 40 Landkreisen der Provinz Jülich-Kleve-Berg, die später in der Rheinprovinz aufging.

Die Kerkener Ortschaften bildeten seit dem Mittelalter den Kern der Vogtei Gelderland in der Grafschaft, bzw. dem Herzogtum Geldern. Auf Kerkener Gebiet hat die 1067 n. Chr. erwähnte „Ecclesia in Gelre“ gestanden. Während die alte Forschung hier Aldekerk als Klärung der Ortsfrage bevorzugte, hat sich seit Ende des 19. Jahrhunderts Nieukerk in der Geschichtsforschung durchgesetzt.

Tatsächlich begann die – auch urkundlich – eigenständige Entwicklung der Pfarre St. Peter und Paul in Aldekerk im Jahre 1252, als diese sich von der Mutterkirche Nieukerk trennte und den Südteil der Vogtei mit den jetzigen Orten Tönisberg, Schaephuysen, Rheurdt und Stenden umfasste. Der Schietweg (Scheideweg) wurde Pfarrgrenze zwischen Aldekerk und Nieukerk; diese Grenze teilt bis heute die Bauerschaft Eyll in Unter- und Obereyll.

Die gotische Nieukerker St.-Dionysius-Kirche ist bereits mindestens die dritte an historischer Stelle. Sie wurde gegen 1421 als starker Umbau der romanischen Vorgängerkirche errichtet, wiederholt teilweise zerstört und schließlich um 1680 mit dem Nieukerker Wahrzeichen, dem Zwiebelturm, geschmückt.

Für die Kerkener Geschichte gleichermaßen bedeutsam sind die alten Bauerschaften Stenden, Eyll, Winternam, Baersdonk, Rahm und Poelyck. Hier ließen sich der ersten bäuerlichen Siedler bereits vor der Jahrtausendwende am Rande der Aldekerker Platte nieder.

Durch das Gesetz des Landes Nordrhein-Westfalen vom 11. März 1969 zur Neugliederung des Landkreises Geldern wurden die Gemeinden Aldekerk und Stenden, die bis zu diesem Zeitpunkt zum Amt Aldekerk gehörten, aufgelöst und zum 1. Juli 1969 mit den Gemeinden Nieukerk und Eyll zu einer kreisangehörigen Gemeinde zusammengeschlossen, die den Namen Kerken erhielt.

Gebietsreform Die Gemeinde Kerken entstand in der heutigen Form am 1. Juli 1969 beim 1. kommunalen Neugliederungsprogramm in Nordrhein-Westfalen. Die Gemeinden Aldekerk und Stenden des Amtes Aldekerk sowie die Gemeinden Nieukerk und Eyll des Amtes Nieukerk wurden zur neuen Gemeinde Kerken zusammengeschlossen.

Am 1. Januar 1975 wurde im Zuge des 2. Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen (Niederrhein-Gesetz) der Altkreis Kleve mit dem ehemaligen Kreis Geldern und Teilgebieten der Kreise Moers und Rees zum neuen niederrheinischen Großkreis Kleve zusammengefügt.

Einwohnerentwicklung Die folgenden Angaben beziehen sich auf das heutige Gebiet der Gemeinde Kerken.Bevölkerung aller Gemeinden in Nordrhein-Westfalen ab dem 31. Dezember 1962 jeweils am Jahresende nach dem jetzigen Gebietsstand

Jahr Einwohner 1975 10.280 1980 10.277 1985 10.528 1990 11.290 1995 12.060 2000 12.553 Jahr Einwohner 2005 12.830 2010 12.650 2015 13.262 2017 12.458 2020 12.638 2022 12.750 Religion Bis zum 23. Mai 2010 existierten in der Gemeinde Kerken drei katholische Pfarrgemeinden: In Aldekerk die katholische Kirchengemeinde St. Peter und Paul, in Nieukerk die katholische Kirchengemeinde St. Dionysius sowie in Stenden die Pfarrgemeinde St. Thomas. Am Pfingstsonntag 2010 wurden diese drei Pfarrgemeinden zu einer zusammengelegt. Der Name der neuen Pfarrgemeinde mit der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Aldekerk lautet St. Dionysius Kerken. Die Pfarrgemeinde gehört zum Dekanat Geldern und damit zum Bistum Münster.

Die Evangelische Kirchengemeinde Kerken ist mit jeweils einer Kirche in Aldekerk und Nieukerk vertreten. Sie gehört zum evangelischen Kirchenkreis Kleve und der Evangelischen Kirche im Rheinland an.

Politik

Gemeinderat Die Sitzverteilung im Rat ab 2014 zeigt die Tabelle. +Partei/Gruppierung202520202014GKZ 630 - Gemeinde Kerken Ministerium für Inneres und KommunalesSitze %Sitze%Sitze%CDU1341,831444,81450,3SPD411,94516,5728,1BVK1413,21516,95215,9Grüne412,24517,6––AfD411,4914,2––FDP12,99––125,7Linke14,03 - - - -FBV³12,28 - - - - 1BVK: Bürgervereinigung Kerken 2Von der BVK spaltete sich nach 2014 ein Ratsvertreter ab. Ab April 2019 war das FDP-Ratsmitglied auch Mitglied der BVK-Fraktion und die FDP dadurch nicht mehr im Gemeinderat vertreten. ³Wählergemeinschaft Freie Bürgervertreter Kerken e.V.

Bürgermeister Bürgermeister von 2009 bis 2025 war Dirk Möcking (parteilos).

Zur Bürgermeisterin der Gemeinde Kerken wurde 2025 Iris Itgenshorst (parteilos) mit 69,7 % der Stimmen gewählt. Es gab drei Gegenkandidaten.

mini|120px|Wappen Nieukerk 1958

Wappen Die heraldische Beschreibung (Blasonierung) lautet: „Gespalten von rot und silber (weiß), darin über je einer Mispelblüte eine Kirche in verwechselten Farben.“

Erklärung: Die Kirchen im redenden Wappen stehen für Nieukerk (= neue Kirche) und Aldekerk (= alte Kirche). Die Mispelblüten, auch Geldrische Rose genannt, erinnern an Eyll und Stenden sowie ihre einstige Zugehörigkeit zum alten Herzogtum Geldern.Rolf Nagel: Rheinisches Wappenbuch, Die Wappen der Gemeinden, Städte und Kreise im Gebiet des Landschaftsverbandes Rheinland. Köln 1986. ISBN 3-7927-0816-7 Das Wappen wurde nach der kommunalen Neugliederung 1969 von Edwin-Arnold Pleiner entworfen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke mini|hochkant|Aldekerk, die Sankt-Peter-und-Paul-Kirche St.-Dionysius-Kirche in Nieukerk, möglicherweise Vorläufer im 9. Jahrhundert, 1067 vermutlich als „Ecclesia in Gelre“ erwähnt, Mitte des 12. Jahrhunderts Neubau, romanisch, 1218 als „nova ecclesia“ (neue Kirche) erwähnt, namensgebend für das Dorf. Gotisierung in Backstein um 1400–1453, teilweise sind Mauern der romanischen Vorgängerkirche im aufgehenden Mauerwerk erhalten, Holzwerke des Turms 1591 und 1680 abgebrannt, jeweils wieder ersetzt, 1680 mit dem barocken Helm. Im 19. Jahrhundert wurden noch zwei Kapellen angebaut. St. Peter und Paul in Aldekerk, erste Erwähnung 1218. Der Kern des heutigen Gebäudes wurde im frühen 15. Jahrhundert errichtet. Es folgten mehrere Umbauten, die neugotische Kirche wurde ab 1863 grundsaniert, 1880 um ein Joch verlängert und mit einem neuen Turm versehen. St.-Thomas-Kirche („Stendener Dom“)St. Thomas Stenden. Website der Pfarrei St. Dionysius, Kerken, abgerufen am 20. März 2019.

Museen Das Haus Lawaczeck wurde von 2001 bis 2020 vom Historischen Verein für Geldern und Umgegend als Museum und Begegnungsstätte betrieben. Es fanden wechselnde Ausstellungen, Vorträge und Konzerte statt. Das Haus wurde 1859 von Familie Pohl erbaut und später von der Fabrikantenfamilie Lawaczeck erworben, die seit 1809 eine Färberei in Kerken betrieben.

Sport Im Gemeindegebiet befinden sich vier Sport- und Turnhallen (je zwei in Aldekerk und Nieukerk). Die Ortschaften Aldekerk und Nieukerk verfügen jeweils über einen Sportplatz (FC Aldekerk und TSV Nieukerk) und mehrere Bolzplätze, jeweils eine Tennisanlage und eine Tennishalle. Die Ortschaft Nieukerk verfügt zudem über ein Fitnessstudio (Body Check), welches sich auf Physiotherapie und Athletiktraining spezialisiert hat und als Franchise-System in ganz Deutschland bekannt ist. Der TV Aldekerk ist über den Niederrhein hinaus bekannt für seine Handball-Abteilung. Der Verein spielt seit vielen Jahren sowohl mit Senioren-, als auch mit Jugendmannschaften in hochklassigen Ligen. So wurde beispielsweise die weibliche B-Jugend des Vereins im Jahr 2013 Deutscher Vizemeister und die weibliche A-Jugend spielte in der Saison 2013/2014 in der Handball-Jugendbundesliga.

Die Wanderfreunde Nieukerk bestehen seit 1971 und hat derzeit 120 Mitglieder, die unter dem Motto „Gesundheit und Fitness durch Wandern“ an den Vereinsaktivitäten teilnehmen. An den Aktivitäten des Vereins dürfen auch Nichtmitglieder teilnehmen, die jedoch kein Anrecht auf Sonderleistungen haben. Am jeden dritten Samstag findet eine gemeinsame Wanderung statt.

In Eyll befindet sich das Waldfreibad Eyller See. Es wird von Badegästen und Vereinen genutzt. Der See und das umliegende Gelände sind ebenfalls Austragungsort des jährlichen Triathlons des Aldekerker Turnvereins. Am (bis zu 14 Meter tiefen) See befindet sich eine Tauchschule, in der unter anderem Behinderte das Tauchen lernen können. Hundebesitzer dürfen ihre Tiere mitbringen, da für diese eine gesonderte Wiese vorhanden ist. Für Angelsportler ist am Eyller See ein Angelverein ansässig.

Nahe der Ortschaft Aldekerk findet man das Ultraleichtfluggelände Kerken, das besonders bei gutem Wetter ein Anziehungspunkt für zahlreiche Besucher ist. Darüber hinaus liegt zwischen den Orten Aldekerk und Nieukerk direkt am Obstgut Petkens ein Flugplatz für Modellflieger.