mini|hochkant|Einziger noch erhaltener Sendemast auf dem Funkerberg mini|Dahme an der Schleuse Neue Mühle
Königs Wusterhausen (bis 1718 Wendisch Wusterhausen, )Sorbisches Institut: Arnošt Muka, Niedersorbische Namen der Städte und Dörfer, 1911–1928.Deutsch-Niedersorbisches Wörterbuch, Stichwortsuche → Königs Wusterhausen / Parsk. ist eine Große kreisangehörige StadtLand Brandenburg: Verordnung zur Bestimmung der Stadt Königs Wusterhausen zur Großen kreisangehörigen Stadt, vom 15. Mai 2019 (PDF; 200 kB). In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Brandenburg. Teil II, Verordnungen, 30. Jg. Nr. 38. mit knapp 40.000 Einwohnern im Landkreis Dahme-Spreewald in Brandenburg. Die Mittelstadt liegt im Süden des Berliner Ballungsraums.
Eine regionale gebräuchliche Abkürzung für Königs Wusterhausen ist ‚KW‘ (gesprochen: „ka-we“).
Geographie Das Stadtzentrum von Königs Wusterhausen liegt südöstlich der Berliner Stadtgrenze am Zusammenfluss des Nottekanals und der Dahme. Zum Berliner Zentrum sind es rund 36 km (Potsdamer Platz). Deutlich weiter entfernt liegen die Landeshauptstadt Potsdam (rund 57 km) westlich von Königs Wusterhausen bzw. die Kreisstadt Lübben (Spreewald) (rund 53 km) südlich der Stadt. Im direkten Agglomerationsbereich von Berlin gelegen, ist Königs Wusterhausen durch eine günstige Verkehrslage das gewachsene Zentrum im bevölkerungsreichen Norden des Kreises, in dem rund 110.000 der knapp 162.000 Einwohner des Landkreises leben.
Königs Wusterhausen reicht von Wildau im Norden bis Bestensee im Süden und von Mittenwalde im Westen bis Heidesee im Osten. Die Stadt grenzt im Norden an den Berliner Ortsteil Schmöckwitz, im Nordosten an Gosen-Neu Zittau und Spreenhagen, im Osten an Heidesee, im Süden an Bestensee, im Südwesten an Mittenwalde sowie im Westen an Wildau und Zeuthen.
Ebenfalls hat Königs Wusterhausen mit dem Stadtteil Niederlehme einen Bundesautobahnzugang an der A 10 und liegt rund 1,5 km von dem A10 Center in Wildau entfernt.
Stadtgliederung Königs Wusterhausen ist die größte Stadt im Landkreis Dahme-Spreewald. Neben den Ortsteilen Deutsch Wusterhausen und Neue Mühle fanden durch die Gemeindereform 2003 sieben Eingemeindungen statt. Seitdem wurden neben Diepensee die zum ehemaligen Amt Unteres Dahmeland gehörenden eigenständigen Gemeinden Zeesen, Kablow, Niederlehme, Senzig, Wernsdorf und Zernsdorf zu neuen Ortsteilen der Stadt. Sie wählen eigene Ortsbeiräte sowie einen Ortsbürgermeister.
Zur Stadt Königs Wusterhausen gehören seitdem folgende Ortsteile, bewohnte Gemeindeteile und Wohnplätze (in Klammern sorbische Bezeichnungen):
Königs Wusterhausen (Parsk) mit den Gemeindeteilen Deutsch Wusterhausen und Neue Mühle Diepensee Kablow (Kobłow) Niederlehme (Nižše Łomy) mit dem Gemeindeteil Ziegenhals (teilw. zu Wernsdorf) Senzig mit den Wohnplätzen Bindowbrück und Siedlung Waldesruh Wernsdorf (Wernaŕejce) mit dem Gemeindeteil Ziegenhals (teilw. zu Niederlehme) Zeesen mit dem Gemeindeteil Körbiskrug und den Wohnplätzen Am Steinberg, Neu Kamerun und Steinbergsiedlung Zernsdorf mit dem Gemeindeteil Kablow-Ziegelei (Kobłow-Cyglownja) und dem Wohnplatz Uckley (Huklej)
Mit der Reform im Jahre 2003 hat sich die Einwohnerzahl nahezu verdoppelt und die Fläche versechsfacht. Eine Besonderheit stellt der Ortsteil Diepensee dar. Dabei handelt es sich um eine 2003 fertiggestellte, neu angelegte Siedlung, in die die Bewohner der ehemaligen gleichnamigen Gemeinde umgesiedelt wurden, nachdem das alte Diepensee zugunsten der Erweiterung des Flughafens Berlin-Schönefeld aufgegeben werden musste.
Geologie mini|Naturräumliche Lage des Teltow
Königs Wusterhausen liegt in den Niederungen zwischen den Höhenzügen des Teltow und der Beeskower Platte, dem Dahmeland. Dabei durchzieht die kulturlandschaftliche Grenze des Teltow die Stadt von Süden nach Norden. Entsprechend war die Gegend um die Stadt sehr durch Moore bzw. Moorwiesen geprägt.LAND BRANDENBURG LANDSCHAFTSPROGRAMM Sachlicher Teilplan "Landschaftsbild", Karte 1 (Bestand) (PDF)
Die Erdschichten in und um Königs Wusterhausen stammen vornehmlich aus dem Pleistozän und Holozän. Der Aufbau beträgt zwei Schichten Ton (Geschiebeton und geschiebefreien Ton), die durch Sandschichten voneinander getrennt sind und von einer starken Schicht Kies, Sand und lehmigen Sandes bedeckt werden. Der hiesige Ton umschloss nicht selten neben Kreide- und Feuersteinbrocken auch Bernstein.A. v. Koenen: Über einige Aufschlüsse im Diluvium südlich und östlich von Berlin. In: Zeitschrift der Deutschen geologischen Gesellschaft. Band 18, 1866, S. 25 ff.; .Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Paläontologie, 1874, S. 306.Geographisch-historisch-statistisches Landbuch der Provinz Brandenburg, Heinrich Berghaus, 1854, S. 208; abgerufen am 16. Januar 2011. Der Ton galt als qualitativ sehr gut und die Vorkommen als reichhaltig.Geographisch-historisch-statistisches Landbuch der Provinz Brandenburg, Heinrich Berghaus, 1854, S. 122; abgerufen am 16. Januar 2011. Die daraus gewonnenen Ziegel hatten eine recht helle weiße Farbe sowie einen guten Klang und weder Ausschlag noch Salpeteransätze nach der Verarbeitung aufgewiesen.David Gilly: Handbuch der Land-Bau-Kunst. Band 1. 1831, S. 146 f.; . Daneben befindet sich bei Körbiskrug ein Süßwasserbecken aus der Diluvialzeit.Ausschnitt aus: Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Paläontologie. 1883, S. 467. Westlich der Stadt findet sich eine Hochfläche mit nordischem Kalkstein bzw. laut Berghaus Wiesenkalk aus der Zeit des Silur.Ausschnitt. In: Lehrbuch der praktischen Geologie. 1896, S. 132; .Geographisch-historisch-statistisches Landbuch der Provinz Brandenburg. Heinrich Berghaus, 1854, S. 219; .
Trotz einer für Brandenburg hohen Bevölkerungsdichte sind große Flächen der Stadt Gewässer und Wälder. Große Gewässer stellen der Zeesener See, der Krüpelsee, der Krossinsee sowie der Große Zug dar. Hinzu kommen viele kleinere Seen, der Oder-Spree-Kanal im Ortsteil Wernsdorf, die Dahme, die sich durch fast alle Ortsteile zieht, und der Nottekanal. Große bewaldete Gebiete stellen die Senziger Heide, der Tiergarten in Neue Mühle und der Friedersdorfer Forst dar. Letzterer bedeckt bis auf den besiedelten Uferbereich das komplette Stadtgebiet zwischen der Autobahn A 10, dem Oder-Spree-Kanal und den Gewässern Krossinsee und Großer Zug.
Geschichte Namensentstehung Im Zusammenhang mit der erstmaligen Erwähnung um 1320 wurde der Ort hus to wusterhusen genannt. Der Name wurde aus dem slawischen ‚Vostroźn‘ eingedeutscht; vostrog wurde ein mit Palisaden befestigter Platz genannt.Burg, Burgstadt, Stadt, S. 130. Im Niedersorbischen jedoch heißt Königs Wusterhausen ‚Parsk‘, das ein altpolabisches Wort für Wüstung ist.Schriftenreihe des Instituts für Sorbische Volksforschung in Bautzen, Bände 24–25, S. 244. Sowohl Theodor FontaneTheodor Fontane: Königs Wusterhausen. In: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Band 4: Spreeland. Abschnitt Links der Spree, Kapitel Eine Pfingstfahrt in den Teltow. als auch Heinrich BerghausHeinrich Karl Wilhelm Berghaus: Geographisch-historisch-Statistisches Landbuch der Provinz Brandenburg und des Markgrafthums Niederlausitz in der Mitte des 19. Jhrhndts. S. 611; . beschrieben die Entwicklung des Namens folgendermaßen:
Der ursprüngliche Name des Ortes war Wustrow, was in slawischen Dialekten so viel bedeutet wie ‚Werder‘ oder ‚Insel‘ bzw. laut Fontane ‚umflossener Ort‘. Dies ist dahingehend schlüssig, da die ursprüngliche Burg auf einem Werder in der Notte als Wasserburg zum Schutze des Übergangs über die Notte errichtet wurde. Als die Deutschen in das Land kamen, entstand neben Wendisch-Wustrow der eigenständige Ort Deutsch-Wustrow, deren Namen später zu Wusterhausen germanisiert wurden. Wendisch Wusterhausen wird in den Landbüchern anfänglich auch lateinisch Wusterhuse Slavica bzw. die dazugehörige Burg Castrum Wusterhuse und die deutsche Siedlung Wusterhuse Teutonica genannt.Onomastica slavogermanica XIX, S. 92. Anfang des 18. Jahrhunderts wurde die ausgebaute Burg dann in Königs Wusterhausen umbenannt, während die umliegende Wirtschaft vorerst den Namen Wendisch-Wusterhausen behielt. Zuerst wurde der umliegende Flecken in Klein-Wusterhausen umbenannt und hat erst langsam bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts den Namen Königs Wusterhausen angenommen. So spricht Bratring in seinem 1805 erschienenen Buch ebenfalls noch von Klein-Wusterhausen.
Frühgeschichte und Mittelalter mini|Slawische Gebiete um 1150
Im Zuge der Völkerwanderung erreichten die Sprewanen den Berliner Raum im Gebiet der Flüsse Dahme, Spree und Notte.G. Schlimpert: Die Ortsnamen des Teltow. Brandenburgisches Namenbuch. S. 16. Wann der Ort bzw. die Burg Wostrów gegründet wurde, lässt sich heute nicht mehr sagen. Allerdings spricht der polnische Historiker Wilhelm Bogusławski im Band 4 seines Buches Geschichte der nordwestlichen slawischen Völker bis zur Hälfte des 13. Jahrhunderts im Zusammenhang mit dem Schutz vor den Überfällen des Markgrafen von Brandenburg auf das Gebiet des Jacza von Köpenick von zwei Burgen: Wostrów (Wusterhausen) im Grenzgebiet Dęby (Dahme) und Chudowina (Mittenwalde) im Grenzgebiet Sosny (Zossen), die die Angreifer von der angrenzenden Lausitz fernhalten sollten.Ausschnitt aus dem Buch Dzieje Słowiańszczyzny północno-zachodniej do połowy XIII w. von 1900 bei Google Bücher i. V. m. dem zweiten Ausschnitt zu lesen, S. 753 zeigt, dass es sich um das Wusterhausen im Gebiet des Teltow handelt. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass eine slawische Burg an der heutigen Stelle des Schlosses bereits im 12. Jahrhundert einen Übergang über die Notte beschützte.
Im Zusammenhang mit der Belehnung der Herzöge Rudolf I. und Wenzel von Sachsen (-Wittenberg) durch die Äbtissin Jutta von Quedlinburg wurden der Ort (‚hus to wosterhusen‘) und die Burg am 19. September 1320 erstmals urkundlich erwähnt.
Um 1377 wurden Ort und Burg als Lehensbesitz der Adelsfamilie von Schlieben erworben.aus Heimatmuseum Königs Wusterhausen, gestaltet vom Heimatverein Königs Wusterhausen 1990 e. V., 1997.
Die Burg und die Siedlung Wusterhausen waren seit den Eroberungen durch die Askanier im 12./13. Jahrhundert bis ins 15. Jahrhundert Teil des Grenzgebietes zwischen der Mark Brandenburg und der Mark Lausitz. Erst mit der Abtretung der Herrschaft Teupitz im Jahr 1431 gehörte das Gebiet vollständig zur Mark Brandenburg.
Nachdem der Ort als Teil des Landes Teltow ab 1422 von der Äbtissin des Stifts Quedlinburg als Lehnsherrschaft beansprucht wurde,Allgemeines Archiv für die Geschichtskunde des preussischen Staates. Band 2, S. 81 ff.; . ist dieses Lehen 1440 auch durch eine Notiz im „kurmärk. Lehnscopialbuche“ bestätigt.Notiz. In: Codex diplomaticus Brandenburgensis. S. 227.
Laut Heinrich Berghaus’ Landbuch der Mark Brandenburg und des Markgrafthums Niederlausitz waren die Schlieben aber 1451 immer noch oder wieder Lehnsherren der hiesigen Ortschaften.Landbuch der Mark Brandenburg und des Markgrafthums Niederlausitz. S. 483; . Karl Friedrich von Klöden erklärt diesen Widerspruch damit, dass Kurfürst Friedrich II. die Ansprüche der Äbtissin abschlägig beschied.Angabe. In: Karl Friedrich von Klöden: Über die Entstehung, das Alter, und die früheste Geschichte der Städte Berlin und Kölln. 1839, S. 229; .
Das Rittergeschlecht der Schenken von Landsberg und Seyda erwarb die hiesigen Dörfer samt Burg im Jahr 1475. Von da an hieß das Herrschaftsgebiet Schenkenländchen.
Neuzeit bis zum Soldatenkönig Im Jahr 1500 ließ sich erstmals der Besitz Wendisch Wusterhausens durch die Schenken von Landsberg zu Teupitz nachweisen.