mini|Fra Bartolommeo: Die Heilige Familie mit dem Johannesknaben (um 1490; Alte Pinakothek, München) mini|Video: Warum feiern wir Weihnachten? (ZDF, Terra X) mini|Ein Weihnachts- oder Christbaum mini|Weihnachtskrippe auf dem Petersplatz im Vatikan (2015) mini|Michael Rieser: Am Abend vor Christi Geburt (1869) Weihnachten, auch Weihnacht, Christfest oder Heiliger Christ genannt, ist im Christentum das Fest der Geburt Jesu Christi. Festtag ist der 25. Dezember, der Christtag, auch Hochfest der Geburt des Herrn (lateinisch Sollemnitas Nativitatis Domini oder In Nativitate DominiCalendarium Romanum ex decreto Sacrosancti Oecumenici Concilii Vaticani II instauratum. Edition typica (1969), S. 111.), dessen Feierlichkeiten am Vorabend, dem Heiligen Abend (auch Heiligabend, Heilige Nacht, Christnacht, Weihnachtsabend), beginnen. Der 25. Dezember ist in vielen Staaten ein gesetzlicher Feiertag. In Deutschland, Österreich, den Niederlanden, Teilen der Schweiz und vielen anderen europäischen Ländern kommt im Kirchenjahr als zweiter Weihnachtsfeiertag der 26. Dezember hinzu, der auch als Stephanstag begangen wird. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war ein dritter Weihnachtsfeiertag üblich, der aber im Gefolge der Säkularisation nur noch als Bündelstag weiter existierte und dann verschwand.

Weihnachten wird meist mit der Familie oder mit Freunden und mit gegenseitigem Beschenken gefeiert, Bescherung genannt. In deutschsprachigen und einigen anderen Ländern findet die Bescherung für gewöhnlich abends am 24. Dezember statt und wird als der herausragende Teil des Weihnachtsfests angesehen. In englischsprachigen Ländern ist eine Bescherung am Morgen des Weihnachtstags üblich. Beim Bescherungsritual wird auf mythische Geschenkebringer wie das Christkind oder den Weihnachtsmann, die teilweise auch gespielt werden, verwiesen. In vielen Ländern gibt es weitere Weihnachtsbräuche.

Im westlichen Christentum ist Weihnachten mit Ostern und Pfingsten eines der drei Hauptfeste des Kirchenjahres. Als kirchlicher Feiertag ist der 25. Dezember seit 336 in Rom belegt. Wie es zu diesem Datum kam, ist ungeklärt. Diskutiert werden in der Literatur verschiedene Hypothesen. Der Besuch eines Gottesdienstes am Heiligen Abend, in der Nacht oder am Morgen des 25. Dezember ist für viele Menschen Teil der Festtradition; in Deutschland trifft dies auf ein Fünftel der Bevölkerung zu (2016 und 2018).Theresa Eyerund, Anja Katrin: Leere Bänke. In: Institut der Deutschen Wirtschaft (Hrsg.): IW-Kurzbericht. 82/2018. Online: (PDF, 2 Seiten).

Etymologie mini|Die Geburt Jesu Christi, Darstellung aus dem Hortus Deliciarum der Herrad von Landsberg (12. Jahrhundert)

Hochdeutsch Weihnachten oder Weihnacht geht auf die mittelhochdeutsche Wendung diu wîhe naht beziehungsweise ze (den) wîhen nahten zurück, deren frühester Beleg sich in der Predigtsammlung Speculum ecclesiae (um 1170) findet.Kluge. Wörterbuch der deutschen Sprache. 25. Auflage. Bearbeitet von Elmar Seebold. de Gruyter, Berlin/Boston 2011, S. 978.

Aus der gleichen Zeit stammen die Verse aus einem Langgedicht des bayerischen Dichters Spervogel (um 1190):Karl Lachmann, Moriz Haupt (Hrsg.): Des Minnesangs Frühling. S. Hirzel, Leipzig 1857, S. 28.

Der Ausdruck blieb bis ins 13. Jahrhundert auf den oberdeutschen Bereich beschränkt und ist in den mitteldeutschen Dialekten erst seit dem Ende jenes Jahrhunderts als wînahten belegt. Daneben begegnet christtag als Synonym im mitteldeutschen Raum von Thüringen und Oberhessen über Westfalen bis nach Luxemburg und Lothringen. Im Mittelniederdeutschen finden sich stattdessen zunächst die Wörter kersnacht „Christnacht“ und kerstesmisse „Christmesse“ (vgl. englisch Christmas), erst ab 1340 winachten (m.). Im östlichen Norddeutschland hat sich das mittelniederdeutsche jûl noch in neuerer Zeit als Jul erhalten.

Das Adjektiv althochdeutsch und altsächsisch wîh, mittelhochdeutsch wîch geht über urgermanisch *wīhaz ‚heilig, geweiht, numinos‘ auf die indogermanischen Wortwurzel *u̯eik- ‚aus-, absondern, weihen‘ zurück. Von diesem Adjektiv wurde das schwache Verb wîhen (ahd. und mhd. gleichlautend, von urgermanisch *wīhijaną), neuhochdeutsch weihen, abgeleitet. Eine Substantivierung des Adjektivs ergab altsächsisch und althochdeutsch wîh ‚Tempel‘, altenglisch wēoh, wīg ‚Götterbild‘ und altnordisch vē ‚Heiligtum, Tempel, Gerichtsstätte‘ (vgl. die nordische Gottheit Vé). Darüber hinaus ist wîh vermutlich mit lateinisch victima ‚Opfertier‘ und altlitauisch viešpilas ‚heiliger Berg‘ verwandt.Oskar Schade: Altdeutsches Wörterbuch. Band 2, Halle an der Saale 1882, S. 1150 f.; Alf Torp, Hjalmar Falk: Wortschatz der germanischen Spracheinheit. In: August Fick u. a. (Hrsg.): Wörterbuch der Indogermanischen Sprachen. Dritter Teil. 4. Auflage. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1909, S. 408 f.; Friedrich Kluge, Elmar Seebold: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 25. Auflage. De Gruyter, Berlin / Boston 2011, S. 978; Vladimir Orel: A Handbook of Germanic Etymology. Brill Verlag, Leiden/Boston 2003, ISBN 90-04-12875-1, S. 465. Das zweite Wortglied naht (beziehungsweise im Dativ Plural nahten) knüpft zum einen an die alte Zeiteinteilung vom Tag mit Beginn der Nacht an (vgl. englisch fortnight ‚vierzehn Tage‘), zum anderen verweist der Plural auf mehrere Feiertage – vielleicht mit Bezug auf die altkirchliche Tradition der Zwölf Weihnachtstage vom 25. Dezember bis Epiphanias (Fest der Erscheinung des Herrn) am 6. Januar oder das europäische Brauchtum der Rauhnächte. Das zusammengesetzte, ursprünglich dativische Wort Weihnachten bedeutete damit ursprünglich „(zu den) heiligen Nächten“.

Das unpersönliche Verb weihnachten prägte Theodor Storm. In seinem Gedicht vom Knecht Ruprecht heißt es in den Anfangs- und Schlusszeilen:

Von drauß’ vom Walde komm ich her; Ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!Thedor Storm: Sämmtliche Schriften. Band 1, G. Westermann, 1868, S. 137.

Grundlagen im Neuen Testament

mini|Die Engel verkünden den Hirten die Geburt Christi, Darstellung aus dem Hortus Deliciarum der Herrad von Landsberg (12. Jahrhundert) mini|Anbetung der Hirten, Relief im Dom zu Trier (um 1740)

Die überwiegende Mehrheit in der historischen Jesusforschung kommt zu dem Schluss, dass Jesus von Nazaret als Mensch in seiner Zeit gelebt hat. Seine Geburt in Bethlehem wird in zwei der vier Evangelien erzählt: Matthäus und Lukas stellen ihrem Evangelium jeweils unabhängig voneinander eine Kindheitsgeschichte mit legendarischen Elementen voran. Die Erzählungen wollen aus nachösterlicher Sicht deutlich machen, dass Jesus Christus von Anfang an, bereits als neugeborenes Kind, der verheißene Messias war.Johannes Riedl: Die Vorgeschichte Jesu. Die Heilsbotschaft von Mt 1–2 und Lk 1–2. Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 1968, S. 7–13; Dietrich Wiederkehr: Entwurf einer systematischen Christologie. In: Johannes Feiner, Magnus Löhrer (Hrsg.): Mysterium Salutis. Grundriss heilsgeschichtlicher Dogmatik. Band III/I, Benziger Verlag, Einsiedeln/Zürich/Köln 1970, S. 477–648, hier S. 533.

Lukas und Matthäus Die heute geläufigere Darstellung stammt aus dem Lukasevangelium:

Es folgt bei Lukas die Verkündigung an die Hirten und die Darstellung Jesu im Tempel entsprechend jüdischer Vorschrift . Vorausgegangen war die Verkündigung Jesu an Maria und parallel dazu die Verkündigung und die Geburt von Johannes dem Täufer .

Das Matthäusevangelium spricht nach dem Stammbaum Jesu eher beiläufig von der Geburt Jesu Christi, und zwar in Zusammenhang mit dem Zweifel Josefs an seiner Vaterschaft, dem ein Engel im Traum den Hinweis auf die Bedeutung des Kindes der Maria gab . Es stellt die Verehrung des Neugeborenen durch die Sterndeuter dar und im Anschluss die Flucht nach Ägypten, den Kindermord des Herodes und die Rückkehr von Josef mit Maria und dem Kind nach Nazaret .

Johannesevangelium und Paulus Im Evangelium nach Johannes und in den Briefen des Paulus wird die Geburt Jesu nicht geschildert, sondern die Geburt, sein öffentliches Auftreten und sein Tod am Kreuz werden vorausgesetzt. Das Johannesevangelium deutet in theologisch-dichterischer Redeweise die Menschwerdung des Gottessohnes:

Auch Johannes der Täufer bezeugt und bekräftigt als „Vorläufer Jesu“ diese Aussage in und .

Bei Paulus wird der Glaube an Jesus Christus nicht in erzählerischer Form dargestellt, sondern theologisch verdichtet. Die Menschwerdung des Gottessohnes wird als Kenosis, als „Entäußerung“ und „Erniedrigung“ gepredigt, so im Brief an die Philipper:

Theologische Aussage Das populäre „Maria legte das Kind in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war“ entspricht somit dem Satz des Johannesevangeliums „Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf“ und der „Inkarnation“ und „Entäußerung“, dem „Den-Menschen-gleich-Werden“ der paulinischen Theologie . Die Aussagen der Evangelien zur Geburt kennzeichnen die gesamte Sendung Jesu Christi als Gottes Heilstat zur Erlösung der Menschen durch seinen Sohn, von Jesu Geburt bis zu seiner Hinrichtung am Kreuz: „Schon in der Geburt ist (oder: wird) hier Jesus der Sohn Gottes“, betonen Matthäus und Lukas, indem sie ihrem Evangelium die weihnachtliche Vorgeschichte voranstellen.Dietrich Wiederkehr: Entwurf einer systematischen Christologie. In: Johannes Feiner, Magnus Löhrer (Hrsg.): Mysterium Salutis. Grundriss heilsgeschichtlicher Dogmatik. Band III/I, Benziger Verlag Einsiedeln, Zürich und Köln 1970, S. 477–648, hier S. 533. Das gesamte Zitat lautet: „Die Inkarnationschristologie des NT hat nun, vor allem in den ‚Kindheitsgeschichten‘ von Mt und Lk, die Erhellung des vorösterlichen Weges Jesu noch weiter zurückgetrieben bis auf die Geburt Jesu: Schon in der Geburt ist (oder: wird) hier Jesus der Sohn Gottes. Wir haben damit noch einen weitern Schritt vor die einzelnen Akte Jesu als Gottessohn zurückgetan, dadurch erlangt die Existenz und Wirklichkeit Jesu als solche noch mehr eigenes Gewicht. Noch bevor er als Sohn handelt, ist er es schon von seiner Geburt an.“

Herkunft weiterer Weihnachtsmotive Gotteskind und Kindgott mini|Die Erziehung des Dionysos, römisches Fresko, um 20 n. Chr. (heute im Museo Nazionale Romano) Das Motiv der göttlichen Zeugung großer Männer und Heroen lag dem Christentum religionsgeschichtlich voraus. Aus ihm ergab sich gewissermaßen logisch der Glaube an eine Jungfrauengeburt, die sich im alten Iran als jungfräuliche Empfängnis des endzeitlichen Retters der zoroastrischen Eschatologie SaoschjantGerhard Delling: Parthenos. In: Gerhard Kittel (Hrsg.): Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament, Band 5. Kohlhammer, Stuttgart 1990, S. 828. sowie implizit im Danaë-Mythos und den Zeugungslegenden um Platon oder Alexander den Großen findet.Martin Dibelius: Jungfrauensohn und Krippenkind. Carl Winter, Heidelberg 1932, S. 25–35 und 44 ff. Immer blieb es dabei freilich bei einer leibhaftig vorgestellten Empfängnis des jeweiligen Gottessohns, der nicht immer als Erlöser der Welt vorgestellt wurde. mini|Isis mit dem Horusknaben, Bronzestatuette (um 660 v. Chr.; Walters Art Museum, Baltimore) Die Vorstellung der alljährlichen Wiedergeburt eines Gottes war ebenfalls aus der ägyptischen und griechischen Mythologie bekannt und verband sich darin mit dem Jahreszeiten- und Vegetationszyklus, so namentlich in den Mythen um Osiris und Dionysos.