mini|Ein Kondom mini|Fachhandel mit Verkaufsautomat, Deutschland, 2006
Ein Kondom (auch Präservativ, von „vorbeugen“, „verhüten“) ist eine dünne Hülle, zumeist aus vulkanisiertem Kautschuk, die zur Empfängnisverhütung und zum Schutz gegen sexuell übertragbare Erkrankungen (wie AIDS) über den erigierten Penis des Mannes gestreift wird. Für Kondome, die von der Frau angewendet werden, siehe Femidom.
Kondome gehören zu den effektivsten und am meisten verwendeten Verhütungsmitteln und werden immer öfter verwendet. In vielen Staaten sind sie leicht verfügbar und werden nicht nur in Apotheken und Fachgeschäften verkauft, sondern sind auch in Drogeriemärkten, Supermärkten, Kaufhäusern, an Tankstellen, Kiosken etc. erhältlich. Auch an Kondomautomaten sind sie verfügbar. Weltweit wurden 2011 etwa 5 Milliarden Kondome verkauft. Nach einem Bericht der Global Industry Analysts konnten 2015 global bereits 27 Milliarden Kondome verkauft werden. Etwa 12 Milliarden Präservative werden jährlich weltweit benutzt, das entspricht 380 Kondomen pro Sekunde.Zahl der weltweit benutzten Kondome Globometer. Abgerufen am 21. Juni 2021.
Begriff Über die Namensherkunft gibt es viele Theorien, von denen keine als gesichert gilt. Die verbreitetste ist, dass Kondome ihren Namen von einem „Dr. Condom“ erhalten haben, der Leibarzt von Charles II. von England gewesen und Hammeldärme zur Empfängnis- und Infektionsverhütung empfohlen haben soll.Sonja Sammüller (Projektleitung), Andreas Ehrlich (Zusammenstellung): Wissen für die Katz – Skurriles, Amüsantes und Verblüffendes in seiner „unnützesten“ Form, Edition XXL, Fränkisch-Crumbach 2012, S. 166, ISBN 978-3-89736-929-0. Allerdings ist der Hofarzt nicht eindeutig identifizierbar. Eine Ableitung von den französischen Gemeinden Condom (Département Gers) und Condom-d’Aubrac (Département Aveyron) trifft nicht zu.Ronald D. Gerste: Sex und Siechtum, P.M. History #11/2019, Hamburg 2019, S. 16–23, . Eine andere Variante bezieht sich auf die Kombination der Wortbestandteile (italienisch, vom lateinischen abgeleitet, deutsch „mit“) und doma (vom lateinischen für „Haus“ oder „Kuppel“); dieses hielt Wolfgang Pfeifer aber für abwegig. Im Kluge-Seebold wurde vermutet, dass „Kondom“ aus einer scherzhaften Bezeichnung („mit Maskenmantel“) entstanden sei. Domino als verhüllende Bezeichnung für ein Kondom ist jedenfalls überliefert.Zitiert nach: Wolfgang Pfeifer und andere: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache:
Im volkstümlichen Sprachgebrauch existieren für Kondome zahlreiche Synonyme, unter anderem „Pariser“, „Verhüterli“, „(Lümmel-)Tüte“, „Präser(l)“, „Gummi“, „Nahkampfsocke“, „Fromms“ oder „Frommser“ (jeweils nach dem Hersteller Fromms), „Londoner“ (es gibt einen Hersteller London), Blausiegel (eine ehemals in Österreichs Automaten verbreitete Marke), „Überzieher“, „Rammelbeutel“.
Das Wort „Kondom“ war gemeinsam mit AIDS das Wort des Jahres 1987.
Geschichte mini|Kondom aus Tierdarm mit Seidenbändern und lateinischer Gebrauchsanleitung, 1813 mini|Kondom aus tierischer Membran, um 1900 mini|Kondom-Werbung, 1918 mini|Mondos „feucht“ aus der DDR. (3 Stück 2,00 Mark)
Die ersten wirkungsvollen Kondome wurden aus Schafsdärmen oder anderen tierischen Membranen hergestellt. Solche sind auch heutzutage noch erhältlich. Sie gelten bei manchen Nutzern als sinnlicher und fühlen sich anders an. Sie gelten jedoch als nicht so wirkungsvoll wie künstlich hergestellte Kondome bei der Verhütung von Schwangerschaften sowie sexuell übertragbarer Krankheiten (beispielsweise HIV, Hepatitis B). Bereits Casanova benutzte solche Kondome, die im 18. Jahrhundert English Overcoats genannt wurden, um sich vor der gefürchteten Syphilis zu schützen.
1839 machte Charles Goodyear eine bahnbrechende Erfindung: die Vulkanisierung von Kautschuk. Damit war es möglich, Gummi herzustellen, das wasser-, wärme- und kältefest sowie bruchstabil war. 1855 stellte dieser das erste Gummi-Kondom her, das 1870 mit zwei Millimeter Dicke und vernäht serienmäßig produziert wurde.Götz Aly / Michael Sontheimer: Fromms. wie der jüdische Kondomfabrikant Julius F. unter die deutschen Räuber fiel, Frankfurt am Main 2007.
Ende des 19. Jahrhunderts verkaufte Maison A. Claverie, Paris, aufgerollte Kondome mit Reservoir unter dem Artikelnamen „Le Parisien“ (Der Pariser). Sie waren aus dehnbarem Gummi und konnten unter Umständen mehrmals verwendet werden. Eine Weiterentwicklung hatte am unteren Rand des Reservoirs einen angeklebten Stachelring aus Gummi und hieß „Le Parisien Dentelé“ (Der Gezahnte Pariser).Maison A. Claverie (Hrsg.): Manufacture Speciale De Caoutchouc Dilaté Et Baudruche: Appareils Pour Usage Intime Hommes & Dames: Catalogue Général Illustré (Versandkatalog mit Supplement), ohne Jahr (1896 oder früher. Liegt den Gerichtsakten von 1896 bei, im Bestand: Archives de Paris, D2U 6 110, Anklage gegen „Delbret“, genannt „Claverie“), (französisch) Es scheint, dass die französischen Versandfirmen für Ehehygieneartikel sich nur in Paris befanden. Sie vertrieben die gleichen Kondome unter verschiedenen Namen, z. B. „Le Bijou“ (Das Juwel).
Um 1900 wurde in Basel „Préservatifs-Fischblasen mit Seidenband“ der Marke Neverrip als angenehmer und sicherer als Gummiblasen angeboten.Birgit Adam: Die Strafe der Venus. Eine Kulturgeschichte der Geschlechtskrankheiten. Orbis, München 2001, ISBN 3-572-01268-6, S. 182 f.
1912 entwickelte der Gummifabrikant Julius Fromm eine Methode, nahtlose Kondome herzustellen, indem ein Glaskolben in eine Gummilösung eingetaucht wurde. Ab 1930 wurde Latex als Material benutzt. Durch diese Entwicklung wurde die maschinelle Massenproduktion möglich. Der Verkauf von Kondomen war bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts aber vielerorts verboten bzw. nur zum medizinischen Gebrauch erlaubt. In Irland galt eine solche Regelung noch bis Anfang der 1990er Jahre.
Im Ersten Weltkrieg gehörten Kondome zur Standardausrüstung der Soldaten. Die deutsche, französische und britische Armee verteilten Kondome unter den Soldaten, die US-Armee jedoch nicht, so dass US-Soldaten häufiger unter Geschlechtskrankheiten litten als Angehörige anderer Armeen.
Die frühen Latex-Kondome waren alle prinzipiell recht ähnlich. Der wesentliche Unterschied war bei einigen Kondomen das Fehlen des heute üblichen Reservoirs zur Aufnahme der Samenflüssigkeit (Ejakulat). Eine frühe Entwicklung – die short cap –, die nur über die Eichel des Penis gestreift wurde, scheiterte bei der Reduzierung von Schwangerschaften und Krankheiten. In den nachfolgenden Jahrzehnten entwickelten Hersteller Kondome in vielen Variationen, die sich in Materialien, Größen (Länge und Breite), Stärken, Farben, Formen und Struktur unterscheiden.
In der DDR waren Kondome im Allgemeinen unter der Bezeichnung „Mondos“ oder umgangssprachlich als „Gummi-Fuffzcher“ (nach dem Preis von fünfzig Pfennig) erhältlich. Berühmt war hierfür der diskrete Versand von H. Kästners Familienunternehmen aus Dresden, der bis zu zwei Millionen Kondome pro Jahr versandte. Der Bau der ersten Kondomfabrik wurde von Karl-Heinz Mehlan initiiert, der auch die Antibabypille in der DDR einführte.
Der Globale Fonds zur Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose und Malaria finanzierte allein für das Jahr 2014 die Verteilung von 5,1 Milliarden Kondomen weltweit. des Global Fund (deutsch).
Seit 1. Juli 2017 gilt in Deutschland bei Prostitution eine Kondompflicht (§ 32 Absatz 1 Prostituiertenschutzgesetz). Vorher bestand sie nur in Bayern (seit dem 16. Mai 2001; § 6 Verordnung zur Verhütung übertragbarer Krankheiten) und im Saarland (§ 6 der Hygiene-Verordnung vom 16. April 2014.Amtsblatt des Saarlandes, Teil I vom 30. April 2014, S. 147.).
Materialien mini|hochkant=0.35|Dunkelgefärbtes Kondom mit Profil, ausgerollt
Kondome werden vorwiegend aus Naturkautschuk-Latex, aber auch aus Polyurethan (PUR) oder Polyisopren (PI) gefertigt. Zudem gibt es Kondome aus spezialbehandeltem Naturdarm („Naturalamb“). Polyisopren ist im Gegensatz zu PU dehnbarer als Latex (größeres Berstvolumen, allerdings kleinerer Berstdruck).Stiftung Warentest: Test von Kondomen In: test.de, 9. April 2009; abgerufen am 10. Dezember 2012. PUR besitzt ein kleineres Berstvolumen als Latex, der Berstdruck ist aber wesentlich höher. Zu Kondomen aus Polyisopren und Polyurethan fehlten bis 2009 eine Prüfnorm, Testergebnisse und langjährige Erfahrungen.
Die Produktion von Kondomen aus Naturkautschuklatex erfolgt meist in sieben Schritten:Kondome – Made in Germany. In: Medizin Produkte Recht. Band 13, Nr. 2, 2013, S. 68–72, hier S. 68.
Eintauchen des Formkörpers in flüssiges Naturkautschuklatex Austauchen der Form und Trocknen (Vulkanisieren) des anhaftenden Gummifilms Abziehen des getrockneten und verfestigten Gummifilms von dem Formkörper Spülen des Gummifilms und Puderbeschichtung Trocknen des gewaschenen und puderbeschichteten Gummifilms elektronische Einzelprüfung auf Dichtheit Aufrollen des Kondoms Verpackung nach Abschluss der Produktion des Produktes
Latex-Kondome werden durch fetthaltige Substanzen, wie z. B. Massageöl oder Vaseline, porös und verlieren ihre Schutzwirkung. Polyisopren ist synthetisch, aber unterscheidet sich nur durch fehlende Proteine von Latex und wird daher ebenso porös. Gleitmittel auf Wasserbasis und Silikonöl sind latexverträglich. Kondome aus Polyethylen oder Polyurethan sind zusammen mit fett- bzw. ölhaltigen Gleitmitteln einsetzbar. Für Latexallergiker sind Kondome aus Polyethylen, Polyurethan oder Polyisopren eine mögliche Alternative.
Ausführungen mini|Kondom mit der Geschmacksrichtung „Banane“
Mit Spermizid behandelte Kondome bieten eine zusätzliche Sicherheit und sind ebenso wie Behandlung mit einem einfachen Gleitmittel heutzutage allgemein üblich. Kondome sind individuellen Bedürfnissen entsprechend oft in verschiedenen Größen, Stärken und Farben in entsprechenden Fachgeschäften erhältlich. Es gibt sie auch in verschiedenen Geschmackssorten, wodurch der manchmal unangenehme Geruch und – insbesondere beim Oralverkehr – Geschmack überdeckt wird. Außerdem werden besondere Oberflächenstrukturen zur Stimulation und Steigerung der Lust angeboten. Für Analverkehr gibt es extra starke Kondome mit erhöhter Wanddicke (0,1 mm), die den Belastungen dieser Sexualpraktik besser standhalten sollen. Kondome mit Benzocain, einem Lokalanästhetikum, versprechen ausdauernden Sex. Mit dem Film Skin Deep wurden Kondome populär, die im Dunkeln leuchten. Für z. B. Veganer sind tierversuchsfrei entwickelte Kondome erhältlich. Die größte Vielfalt wird in den Standardgrößen (siehe nächster Abschnitt) angeboten, bei kleineren oder größeren ist die Auswahl zumindest begrenzt.
Größen mini|Passendes Kondom auf einem Penismodell aus Silikon
Die Kondome sollen für maximalen Komfort und maximale Sicherheit passend zur Penisgröße (Umfang) gewählt werden. Das Kondom sollte eine geringfügig kleinere Breite haben als der halbe Penisumfang im vollständig erigierten Zustand an der breitesten Stelle. So ist sichergestellt, dass das Kondom nicht stark gedehnt wird, aber trotzdem durch ausreichend Spannkraft gehalten wird. Während zu enge Kondome reißen können, können zu weite Kondome beim Geschlechtsverkehr leicht abrutschen.
Die Standardbreite von 52 mm entspricht demnach einem Penisumfang von etwas mehr als 10,5 cm, eine Kondomgröße von 60 mm einem Penisumfang von etwas mehr als 12,0 cm und Kondomgröße 69 mm einem Penisumfang von etwas mehr als 14,0 cm. Extragroße Kondome, die je nach Hersteller bei einer nominellen Breite von 55 bis 60 mm beginnen und bis 72 mm reichen können, sind häufig mit Bezeichnungen wie XXL, extragroß o. Ä. versehen.