Samarqand, deutsch SamarkandDuden, 25. Auflage, S. 924. (usbekisch-kyrillisch und , ; ; sogdisch für „steinerne Stadt“), ist eine Stadt in Usbekistan mit 595.818 Einwohnern (Stand 2025) und Hauptstadt der Viloyat Samarqand.
Name Der Name Samarqand stammt aus dem Sogdischen von samar („Stein, Fels“) und kand („Festung, Stadt“). Von den Griechen wurde die Stadt genannt. Laut dem Gelehrten Mahmūd al-Kāschgharī war die Stadt im 11. Jahrhundert im Karachanidischen als Samizkand () bekannt, was „fette Stadt“ bedeutet. Der Mogulkaiser Babur erwähnte die Stadt im 16. Jahrhundert ebenfalls unter diesem Namen; der kastilische Reisende Ruy González de Clavijo erklärte, dass Samarqand eine Verballhornung der karachanidischen Bezeichnung sei.
Geographie Geografische Lage Samarqand liegt auf einer Hochebene in 720 Metern Höhe. Das Gebiet um die Stadt gehört zur Flussoase des Serafschan, der von Tadschikistan kommend die Stadt nördlich umfließt. Die nächste Stadt flussaufwärts jenseits der Grenze, Pandschakent, ist 62 Kilometer entfernt. Im Südosten beginnen in gut 20 Kilometern Entfernung die Ausläufer der Serafschankette, die eine natürliche Grenze zur Viloyat Qashqadaryo bildet.
Klima
Bevölkerung Die meisten Einwohner der Stadt sprechen als Muttersprache Tadschikisch, die zentralasiatische Form des Persischen.
Bevölkerungsentwicklung der Agglomeration laut UN JahrEinwohnerzahl1950168.0001960205.0001970275.0001980460.0001990376.0002000361.0002010452.0002017539.000
Geschichte
Afrasiab, Vorläuferort von Samarkand, wurde etwa 750 v. Chr. in der fruchtbaren Ebene des Serafschan als Oasenstadt gegründet. Im Achämenidenreich war es die Hauptstadt der Provinz Sogdien. Durch den Handel mit den nördlichen und östlichen Regionen und wegen seiner Lage an der Seidenstraße kam es zu Wohlstand. 329 v. Chr. wurde die den antiken Griechen unter dem Namen Marákanda (griech.: Μαράκανδα) bekannte Stadt durch Alexander den Großen erobert. Wechselnde Herrscher, wie die Kuschan oder die Seleukiden, kennzeichnen die folgenden Jahrhunderte.Peitz: Usbekistan entdecken. Trescher-Verlag, Berlin, 2010. 712 n. Chr. fiel sie an die Araber, die den Stadtherrn Ghurak im Amt bestätigten. Dieser erhob sich dennoch um 731 gegen die neuen Herren, die die Stadt aber wieder unter ihre Kontrolle brachten. Samarkand wurde in der Folgezeit ein geistiger Mittelpunkt des islamischen Ostens. Ab dem 9. Jahrhundert kam sie u. a. unter die Herrschaft der Samaniden, Seldschuken und Choresm-Schahs, 1220 wurde sie durch die Truppen Dschingis Khans erobert und zerstört. 1230 lebte noch ein Viertel der vorherigen Einwohner (ungefähr einhunderttausend Menschen), die meisten waren verarmt.Jürgen Paul: Zentralasien. S. Fischer, Frankfurt am Main 2012 (Neue Fischer Weltgeschichte, Band 10), S. 289. Unter Qaidu Khan und dem Verwalter Masud Beg konnte sich die Stadt zum Ende des 13. Jahrhunderts wieder erholen.
Im 14. Jahrhundert wurde die Stadt unter dem Namen „Samarkand“ wieder neu aufgebaut, aber nicht an der alten Stelle, sondern etwa 1 km südwestlich des alten Siedlungshügels. Der mongolische Herrscher Timur machte Samarkand 1369 zur Hauptstadt seines Großreichs, siedelte hier 150.000 Menschen, namentlich Seidenweber und Waffenschmiede, an und baute die Stadt zu einer der schönsten und bedeutendsten Metropolen seiner Zeit aus.Jürgen Paul: Zentralasien. 2012, S. 292. Ungefähr 1407 bis 1448 herrschte Ulugh Beg, der die Wissenschaften und insbesondere die Astronomie förderte; das Regieren stand bei ihm nicht im Vordergrund.
Von 1469 bis 1494 herrschte der Timuride Ahmad Mirza in Samarkand; unter ihm wurde Mohammed Scheibani Söldnerführer. Er wechselte in den Dienst des Tschagatai-Khans, bis er im letzten Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts die verstreuten usbekischen Stämme sammelte, 1500 Buchara und Samarkand von den Timuriden eroberte und das Usbeken-Khanat neu errichtete. Kurz konnte der Timuride Babur Samarkand in einem Handstreich zurückerobern, aber nicht halten. Samarkand wurde Hauptstadt des neuen Usbeken-Khanats. Zum Zeitpunkt des Todes Scheibanis 1510 regierte in der Stadt sein Sohn Muhammad Temür als Sultan.
Der Timuride Babur rückte 1511/12 mit persischer Hilfe nach Buchara und Samarkand vor, wurde jedoch zurückgeschlagen. Im zweiten Viertel des 16. Jahrhunderts wurde die Hauptstadt nach Buchara verlegt, Samarkand wurde Provinzstadt und es begannen Jahre des Niedergangs. Im 16. Jahrhundert zählte die Stadt bis zu 100.000 Einwohner, die meisten lebten vom Handwerk, hier war die Arbeitsteilung weit fortgeschritten. Ein Verzeichnis enthielt 130 „Gewerke“. Die Betriebe waren sehr klein, nur selten, wie in der Papierherstellung, arbeiteten bis zu 20 Personen in einem Betrieb. Die Werkstatt diente gleichzeitig als Laden.Jürgen Paul: Zentralasien. 2012, S. 312f. 1598 drang der kasachische Khan Tawakkul bis nach Samarkand und Buchara vor.
Um 1700 entglitt dem Khanat Buchara die Macht. Ab 1710 verbündeten sich die Keneges und Kitai-Kiptschaken und riefen in Samarkand einen Gegenkhan aus. In den Folgejahren und insbesondere um 1723 flüchteten große Gruppen von Kasachen vor den Dschungaren nach Buchara und Samarkand. Sie verbündeten sich mit verschiedenen usbekischen Gruppierungen und es kam zu vielen Auseinandersetzungen. Samarkand war 1730 stark verwüstet.Jürgen Paul: Zentralasien. 2012, S. 358.
Im Juli/September 1740 eroberten die Perser unter Nader Schah das Khanat und besetzten auch Samarkand. Anhaltende Bürgerkriege trieben Samarkand in eine Wirtschaftskrise. Unter der Mangit-Dynastie wurden Mitte des 18. Jahrhunderts erste Versuche unternommen, die Stadt wiederzubeleben.
mini|Bibi-Chanum-Moschee Anfang des 20. Jahrhunderts Im Jahr 1868 kam die Stadt offiziell unter russische Herrschaft. Sie wurde Hauptstadt einer Provinz (1887) innerhalb des Generalgouvernements Turkestan, aus dem 1918 die Turkestanische ASSR wurde. 1925 wurde sie zur ersten Hauptstadt der neu geschaffenen Usbekischen SSR, verlor diese Funktion jedoch 1930 an Taschkent. Seit 1991 gehört die Stadt zur unabhängigen Republik Usbekistan, deren viertgrößte Stadt sie ist. Darüber hinaus ist sie Verwaltungszentrum der gleichnamigen Region.
Politik und Verwaltung mini|Straßenszene in Samarqand 2000 Samarqand ist Hauptstadt der gleichnamigen Viloyat.
Hochschulen Derzeit sind in Samarkand sechs öffentliche Universitäten und Hochschulen universitären Charakters angesiedelt:
Staatliche Universität Samarkand (SSU) Gründungsjahr: 1420; 1927 als Staatliches Pädagogisches Institut; 1927 in Usbekische Staatsakademie und 1933 in Usbekische Staatsuniversität umorganisiert. 1991 erhielt sie den heutigen Titel. Träger: Staatlich Akkreditierung: Ministerium für Höhere und Sekundarschulische Fachausbildung Abschlüsse: Master, Bachelor oder gleichwertiger Abschluss Unterrichtssprachen: Usbekisch, Russisch, Tadschikisch Struktur: Neun Fakultäten: Fakultät für tadschikische Philologie; Studienfächer: Philologie, Literatur Fakultät für Wirtschaftswissenschaften; Studienfächer: Wirtschaftswissenschaften Fakultät für Geschichte und Philosophie; Studienfächer: Archäologie, Soziologie, Philosophie, Geschichte Fakultät für Rechtswissenschaften; Studienfächer: Jura Fakultät für Naturwissenschaften; Studienfächer: Biologie, Chemie Fakultät für Pädagogik; Studienfächer: Pädagogik, Lehrerausbildung, Bildung Fakultät für Philologie; Studienfächer: Philologie, Neuere Sprachen Fakultät für Sportunterricht; Studienfächer: Sport, Sportunterricht Fakultät für Physik und Mathematik; Studienfächer: Physik, Mathematik Landwirtschaftliches Institut Samarkand Gründungsjahr: 1929 Träger: Staatlich Akkreditierung: Ministerium für Höhere und Sekundarschulische Fachausbildung Abschlüsse: Master, Bachelor oder gleichwertiger Abschluss Unterrichtssprachen: Usbekisch, Russisch Struktur: Vier Fakultäten: Fakultät für Agrartechnik; Studienfächer: Agrartechnik, Agraringenieurwesen Fakultät für Agronomie; Studienfächer: Agronomie Fakultät für Agrarökonomie und -management; Studienfächer: Agrarmanagement, Agrarökonomie, Agrarwirtschaft Fakultät für Veterinärwissenschaften; Studienfächer: Zoologie, Veterinärwissenschaften, Tierhaltung Institut für Wirtschaft und Dienstleistungen Samarkand (SCI) Gründungsjahr: 1994 Träger: Staatlich Akkreditierung: Ministerium für Höhere und Sekundarschulische Fachausbildung Abschlüsse: Master, Bachelor oder gleichwertiger Abschluss Unterrichtssprachen: Usbekisch, Russisch Struktur: Drei Fakultäten: Fakultät für Wirtschaftswissenschaften; Studienfächer: Volkswirtschaft, Betriebswirtschaft Fakultät für Finanzen und Bankbetriebslehre; Studienfächer: Finanzen, Bankbetriebslehre Fakultät für Dienstleistungen und Tourismus; Studienfächer: Tourismusmanagement Staatliches Architekturinstitut Samarkand (SSACI) Gründungsjahr: 1966 Träger: Staatlich Akkreditierung: Ministerium für Höhere und Sekundarschulische Fachausbildung Abschlüsse: Master, Bachelor oder gleichwertiger Abschluss Unterrichtssprachen: Usbekisch, Russisch Struktur: Drei Fakultäten: Fakultät für Architektur; Studienfächer: Architektur- und Umweltdesign, Vermessung und Kartierung, Industriedesign, Ökologie, Architektur Fakultät für Gebäudetechnik; Studienfächer: Gebäudetechnik Fakultät für Bauingenieurwesen; Studienfächer: Wasserbau, Bauingenieurwesen, Wirtschaftsingenieurwesen, Hoch- und Tiefbau Staatliches Institut für Fremdsprachen Samarkand (SamSIFL) Gründungsjahr: 1994 (entstanden aus der Fakultät für Fremdsprachen der Staatlichen Universität Samarkand) Träger: Staatlich Akkreditierung: Ministerium für Höhere und Sekundarschulische Fachausbildung Abschlüsse: Master, Bachelor oder gleichwertiger Abschluss Unterrichtssprachen: Usbekisch, Russisch Struktur: Drei Fakultäten: Fakultät für Anglistik I und II; Studienfächer: Englisch Fakultät für Orientalische Philologie; Studienfächer: Koreanisch, Japanisch, Chinesisch, Arabisch, Internationale Journalistik Fakultät für Romanisch-Germanische Philologie; Studienfächer: Deutsch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Russisch Staatliches Medizinisches Institut Samarkand (SSMI) Gründungsjahr: 1930 Träger: Staatlich Akkreditierung: Ministerium für Höhere und Sekundarschulische Fachausbildung Abschlüsse: Master, Bachelor oder gleichwertiger Abschluss Unterrichtssprachen: Usbekisch, Russisch Struktur: Vier Fakultäten: Fakultät für Medizinpädagogik; Studienfächer: Gesundheitserziehung, Gesundheitswissenschaften Fakultät für Medizin; Studienfächer: Chirurgie, Humanmedizin Fakultät für Krankenpflege; Studienfächer: Hebammenwissenschaft, Krankenpflege Fakultät für Pädiatrie; Studienfächer: Pädiatrie Fakultät für Stomatologie; Studienfächer: Zahnmedizin
Wirtschaft Die Stadt ist das wichtigste Industriezentrum in Usbekistan. In Samarqand ist unter staatlicher Leitung die Automobilindustrie angesiedelt. So existieren hier die Joint Ventures SamAuto und MAN AUTO-Uzbekistan. Ein klassischer Wirtschaftszweig ist die Teppichherstellung.
Verkehr Luftverkehr Nördlich der Stadt liegt der internationale Flughafen Samarqand.
Schienenverkehr Die Stadt hat über ihren Bahnhof Anschluss an die Transkaspische Eisenbahn zwischen Turkmenistan und Taschkent.
Seit März 2017 gibt es in Samarqand wieder eine Straßenbahn. Zwei Strecken führen vom Hauptbahnhof einerseits nach Süden zum Wohngebiet Sartepa Massivi und andererseits nach Osten zum städtischen Basar (Siyob bozor). Fahrzeuge und Infrastrukturelemente wurden vom 2016 stillgelegten Betrieb in Taschkent übernommen. Zuvor gab es bereits von November 1924 bis 1930 eine Dampfstraßenbahn sowie von Mai 1947 bis August 1973 eine elektrische Straßenbahn.
Straßenverkehr In Samarqand enden die M37, die nach Turkmenistan führt, die A377 nach Tadschikistan sowie die A378 nach Qarshi. Durch die Stadt verläuft die M39 von Termiz über Taschkent zur Grenze mit Kasachstan.
Der 1957 aufgenommene Oberleitungsbusverkehr wurde eingestellt.
Stadtbild und Architektur