mini|Trennbares und untrennbares Scharnier mini|hochkant|Trennbares Scharnier (der Stift kann nach oben herausgezogen werden) Ein Scharnier ist ein drehbares Gelenk (Freiheitsgrad f=1), das insbesondere als Beschlag von einfachen Klappen an Möbeln und Behältern verwendet wird. Scharniere an Türen, Fenstern und Kisten werden auch als Bänder oder Angeln bezeichnet.Türbänder in BaunetzWissen.de
Neben Eingelenkscharnieren, bei denen sich die mit ihnen verbundenen Teile (Türen, Klappen usw.) auf Kreisbahnen um eine feste Achse (z. B. am Türrahmen befestigt) bewegen, werden auch Mehrgelenkscharniere angewendet. Dabei handelt es sich prinzipiell um Koppelgetriebe (Führungsgetriebe). Diese weisen mehrere Achsen (Gelenke) auf. Es lassen sich so für den jeweiligen Zweck geeignete Bahnkurven realisieren, die ggf. von Kreisbahnen abweichen.
Eingelenkscharniere können trennbar oder untrennbar ausgeführt sein (siehe Bild). Ursprünglich waren dafür die Bezeichnungen Band (trennbar) und Scharnier (untrennbar) üblich. Durch die Entwicklung verschiedener neuer Bauformen trifft diese Einteilung heute vielfach nicht mehr zu.
mini|hochkant|Eine einfache Tür mit zwei Türbändern, die das Türblatt stabilisieren und mit der Zarge verbinden. Ein Ende der Bänder wurde vom Schmied dekorativ aufgebogen, das andere zu einer Rolle geformt. Auch die Benennung der Einzelteile wird nicht einheitlich gehandhabt (Laschen, Gewerbe, Lappen, Bolzen, Stifte, Zapfen, Rollen, Buchsen usw.).
Einfache Scharniere werden i. d. R. aus zwei Blechstreifen gefertigt, indem jeweils eine Seite zu einer oder mehreren zylindrischen Rollen umgebogen (gerollt) wird. Die Rollen werden so nebeneinander positioniert, dass ein Stift durch das Zentrum der Rollen gesteckt werden kann. Der Stift dient als Achse, um welche sich die Flügel des Scharniers drehen. Platz- und materialsparende Scharniere werden aus dünnem Blech gefertigt und besitzen mehrere nebeneinanderliegende Rollen (siehe auch Klavierband und Laschenscharnier). Anstelle von Rollen werden auch Ösen verwendet, die sich um die Stiftachse drehen.
Begriff Das Wort „Scharnier“ wurde im 18. Jahrhundert aus dem Französischen entlehnt. Französisch charnière „Scharnier(gelenk)“ geht seinerseits zurück auf Lateinisch cardo „Türangel, Wendepunkt“, von dem auch das Wort kardinal „grundlegend“ abstammt.Duden online: Scharnier und kardinal
Scharnier oder Band
Die Begriffe Band und Scharnier werden häufig synonym verwendet. Die Bevorzugung eines der Begriffe in bestimmten Zusammenhängen hat historische Gründe.
Bänder werden traditionell aus Stahlbändern hergestellt und an einem Bolzen oder dem Zapfen einer Angel drehbar befestigt. Scharniere wurden traditionell oft aus Stahlblech gefertigt und besaßen zwei zueinander ähnliche Teile (Bandlaschen), von denen eines fest montiert wurde, während sich das andere auf der gemeinsamen Achse darum bewegen konnte. Die DIN EN 1527 Schlösser und Baubeschläge – Beschläge für Schiebetüren und Falttüren – Anforderungen und Prüfverfahren verwendet den Begriff Scharnier speziell als Beschlag, der zwei Falttüren miteinander verbindet, während Türen ansonsten an Türbändern aufgehängt werden.Baunetz_Wissen_Beschläge Scharniere, In: BaunetzWissen.de
Besonders lange Möbelscharniere werden aus Blechbändern gefertigt. Da sie unter anderem verwendet werden, um die Klappe über der Tastatur von Klavieren zu befestigen, werden sie häufig als Klavierband bezeichnet (siehe Stangenscharniere).
Hölzerne Klappen und Deckel sowie Türblätter und Fensterläden aus Brettern oder Kanteln wurden traditionell zur Stabilisierung häufig mit eisernen Bändern belegt (beschlagen). Diese wurden zugleich auch zur beweglichen Aufhängung der Elemente genutzt, indem die Bänder am Ende zu einer Rolle gebogen wurden. Scharniere an Türen, Fenstern und Klappen werden daher auch heute noch als Bänder bezeichnet. Der Zapfen, der an der Türzarge befestigt wird, um das Band zu tragen, wird auch als Angel oder Kloben bezeichnet.
Ausführungen Profilscharniere Profilscharniere sind robuste Scharniere mit hoher Traglast. Sie werden vielfach im Fahrzeugbau, Schaltschrankbau und ähnlichen Bereichen eingesetzt.
Türscharniere
Türscharniere bestehen gewöhnlich aus einer Achse und mindestens zwei Buchsen bzw. Rollen. Zur Befestigung der Scharniere am Türflügel mit Schrauben oder Nägeln sind sie mit gelochten Blechen bzw. Bändern verbunden. An Stahltüren werden die Buchsen auch angeschweißt. Die Seite der Tür, an der sich das Türscharnier befindet, wird Bandseite oder Scharnierseite genannt.DIN 18104-2:2013-05, S. 8.
Moderne Türscharniere sind z. B. Einbohrbänder und Kreuzscharniere (siehe unten).
Klappen- und Möbelscharniere Ein Möbelscharnier oder Möbelband ist ein Drehgelenk, durch das eine Möbeltür am Korpus befestigt wird.
Der Anschlag gibt an, wo eine Tür am Korpus mit Scharnieren befestigt ist: Beim aufliegender bzw. Eckanschlag liegt die Drehachse der Türbefestigung an der Außenkante der Seitenwange des Korpus. Beim einliegenden bzw. Innenanschlag liegt das Türblatt innerhalb des Korpus, so dass die Kanten der Seitenwangen sowie der obenliegenden Deckplatte und der unteren Fußplatte sichtbar bleiben. Beim überfälzten Anschlag wird in Türblatt oder Korpus ein Falz geschnitten, so dass das Türblatt sowohl innen als auch außen des Korpus liegt. Beim Mittenwand- oder Zwillingsanschlag werden zwei gegenläufig öffnende Türen an einer den Korpus teilenden Mittelwand angeschlagen. Dabei ist noch zwischen linkem und rechtem Anschlag zu unterscheiden (je nach Öffnungssinn der Tür beim Blick auf das Türblatt, siehe Öffnungsrichtung von Türen).
Es gibt verschiedene Anschlagsarten („aufliegend“ usw.; siehe Bild). Die dafür notwendigen Scharnierformen werden durch ihre Kröpfung gekennzeichnet (Buchstaben A, B, C, D und L). Einfache („gerade“) Scharniere oder Bänder sind solche der Kröpfung A.
Neben den unten beschriebenen Topfscharnieren und Mehrgelenkscharnieren gibt es verschiedene Spezialscharniere: Winkelscharnier, Weitwinkelscharnier, Alu-Rahmen-Scharnier, Null-Einsprung-Scharnier, Stollenscharnier (um 3 mm erhöhte Grundplatte), Glastürscharnier (26-mm-Topfbohrung), Cristalloscharnier (zum Kleben) usw.
Einfache Scharniere (gerollte Scharniere) Ein gerolltes Scharnier besteht aus zwei Teilen, den Gewerben, die (meist) unlösbar mit einem Stift verbunden sind. Häufig ist dieser Stift vernietet. Als Material für die Gewerbe wird Stahl, Edelstahl oder Messing verwendet. Sie weisen die Kröpfung A (gerade) auf.
mini|hochkant=0.6|Klavierband aus vermessingtem Stahlblech Stangenscharniere Im Gegensatz zu den meisten anderen Scharnieren ist ein Stangenscharnier lang in Richtung seiner Drehachse und schmal in der anderen Richtung. Ein Klavierband besteht aus zwei dünnen Blechstreifen, die entlang einer Längsseite wechselseitig um die mittige Drehachse gerollt sind und somit eine Aneinanderreihung von Drehgelenken bilden. Neben der namensgebenden Verwendung als langes Scharnierband an Tastaturdeckeln von Klavieren und Flügeln wurde es häufig auch an Möbeltüren eingesetzt. Handelsüblich sind eine Breite von 16–180 mm aufgeklappt und eine Materialdicke von 0,7–3 mm. Es kann in jede beliebige Länge geschnitten werden; eine übliche Länge ist 3500 mm.
Heute werden auch Stangenscharniere aus zwei Aluminium-Strangpressprofilen zusammengesetzt, indem der lange, stabförmige Wulst eines Profils in die entsprechend geformte, konkave Aussparung des anderen Profils geschoben wird. Dieser Hohlraum umschließt den Wulst nur über etwas mehr als die Hälfte seines Umfangs, so dass dieser einerseits gehalten wird und andererseits eine Drehbewegung um bis zu 120 Grad ausführen kann. Es ergibt sich ein durchgehendes, linienförmiges Drehgelenk. Bei einer anderen Bauform werden zwei Aluminiumprofile beidseitig über ein Elastomer-Band geschoben und mit diesem verbunden (z. B. verklemmt), so dass das elastische Kunststoffband wie beim Filmscharnier als bewegliche Verbindung zwischen den beiden Schienen des Stangenscharniers fungiert.Poliall Stangenscharnier mit Gelenk aus Polyurethan. In: PastoreLombardi.com. Abgerufen im Mai 2020 Vorteilhaft ist diese Bauform, wenn das Scharnier zugleich als Dichtung dient oder ein leichtes Rückfedern des Scharniers erwünscht ist, wie etwa bei Scharnieren von Falttüren.Informationsblatt Technische Eigenschaften Poliall-Scharniere, In: PastoreLombardi.com. Abgerufen im Mai 2020
Laschenscharniere Eine bewegliche Verbindung zwischen einer Blechdose und dem dazugehörigen Deckel wird häufig über ein Stangenscharnier hergestellt. Beim Ausstanzen der Blechteile werden zu diesem Zweck zwei oder mehr Laschen vorgesehen, die aus einem Blechteil hervorstehen und in entsprechende Aussparungen des benachbarten Blechs gesteckt und zu einer Rolle umgebogen werden. Die zylindrisch gebogenen Laschen fungieren nun als Scharnier und ermöglichen das Aufschlagen des Deckels.
Topfscharniere, Topfbänder Soll ein Scharnier bei geschlossener Tür nicht sichtbar sein, muss seine Drehachse (Gelenk) im Türblatt versenkt angeordnet werden (siehe 1 im Bild). Um das Gelenk innerhalb des Türblatts unterbringen zu können, wurden Topfscharniere entwickelt. Diese besitzen an einem oder an beiden Befestigungspunkten einen zylindrischen Napf, den Topf, der in eine entsprechende Aussparung im Türblatt eingefügt wird, die zuvor mit einem Fräskopf oder einem Forstnerbohrer eingesenkt wurde. Diese Befestigungsart ermöglicht eine einfache Montage und ergibt eine solide Verbindung des Scharniers in den weit verbreiteten, wenig zugfesten Spanplattentüren. Topfbänder werden darum auch dann eingesetzt, wenn es nicht auf die verdeckte Lage des Gelenks ankommt.
Verdeckte Eingelenk-Topfscharniere haben den Nachteil, dass relativ große Spalte zwischen Tür und Korpus (bzw. zum benachbarten Möbelstück) in Kauf genommen werden müssen, um eine freie Kreisbewegung der Kanten des Türblatt zu erlauben (siehe 1a und 1b im Bild). Durch Türen mit geringerer Stärke (gegenüber dem Korpus) oder mit abgerundeten Kanten (siehe 2 und 3 im Bild) können kleinere Spalte erreicht werden. Eine bessere Lösung erlauben Mehrgelenk-Topfscharniere.
Wenn nur von Topfscharnieren die Rede ist, sind Mehrgelenk-Topfscharniere gemeint. Auf andere Arten von Topfscharnieren wird durch Zusatzangaben hingewiesen (z. B. Eingelenk-Topfscharnier).
Ein Topfscharnier wird auch als Topfband bezeichnet. Am Korpus des Möbelstückes wird die Grundplatte befestigt, mit welcher der sogenannte Hebel durch Verschraubung oder eine Schnellbefestigung (beispielsweise Clipmechanik) verbunden wird. In der Tür wird der Topf in einer flachen Topfbohrung mit großem Durchmesser befestigt. Diese beiden Teile sind durch den Bandarm verbunden. Im Bandarm befindet sich meist eine Feder zum Schließen der Möbeltür.
Die Topfbohrung hat gewöhnlich einen Durchmesser von 35 mm. 40 mm, 32 mm und 26 mm kommen auch vor. Auf der Grundplatte befinden sich neben dem Topf häufig zwei Löcher mit 3 bis 8 mm Durchmesser zum Anschrauben der Platte. Der Abstand des Hebels von der Grundplatte kann meist über Verstellschrauben justiert werden, um die Möbeltür horizontal auszurichten. Wenn die Hebel durch Schnappverschlüsse an der Grundplatte befestigt werden, können die Türblätter schnell ein- und ausgehängt werden. Nur wenige andere Scharniere und Bänder können wie Topfscharniere in allen drei Achsen justiert werden.