300px|mini|Verbreitung keltischer Völker und Sprachen:

Als Kelten ( oder , oder Galli) bezeichnet man seit der Antike Volksgruppen der um 1000 v. Chr. einsetzenden Eisenzeit in Europa. Archäologische Funde zeugen von einer ausgeprägten Kultur und hochentwickelten sozialen Struktur dieser Volksstämme.

300px|mini|Verbreitung keltischer Sprachen

Etymologie Beim Namen der Kelten dürfte es sich nach dem Zeugnis der Geschichtsschreiber Herodot und Diodor,Diodor, Historische Bibliothek 5, 32. dann auch Gaius Iulius CaesarsGaius Iulius Caesar, De bello gallico, Einleitungssatz. und StrabonsStrabon, Geographie 4,1,1. um eine Eigenbenennung der Bewohner Zentralgalliens handeln.Wolfgang Meid: Die Kelten. Stuttgart 2011, S. 10 f. Der Ursprung und die Bedeutung des Namens liegen dabei im Dunkeln. Möglich ist die Ableitung von verschiedenen indogermanischen Wurzeln, darunter *ḱel- ‚verbergen‘,K. McCone: „Greek Keltós and Galátēs, Latin Gallus ‚Gaul‘“. In: Die Sprache. 46/2006, S. 94–111, besonders S. 95. *kel- ‚emporragen‘ und *kelh₂- ‚schlagen‘.Ranko Matasović: Etymological Dictionary of Proto-Celtic. Leiden 2009, S. 199, s. v. „*kellāko- ‚fight, war‘“. Die letztgenannte Wurzel ergab ein protokeltisches *kladiwos, von dem vielleicht auch lateinisch gladius herrührt.Ranko Matasović: Etymological Dictionary of Proto-Celtic. Leiden 2009, s. v. „*kladiwo- ‚sword‘“.

Die Namen „Gallier“ und „Galater“ werden dagegen von einer indogermanischen Wurzel *gal- ‚stark sein, (physisch) imstande sein‘ abgeleitet, das sich in den inselkeltischen Sprachen als gal ‚Macht, Stärke, Tapferkeit‘ erhalten hat.Julius Pokorny: Indogermanisches etymologisches Wörterbuch. Band 2. Francke, Bern 1959–1969, S. 351 (s. v. „3. gal- oder ghal- ‚können‘“).Ranko Matasović: Etymological Dictionary of Proto-Celtic. Leiden 2009, S. 149, s. v. „*gal-n- ‚be able‘“. Zum Teil werden aber auch beide Namen als verwandt angesehen und zur Wurzel *gal- gestellt.Vgl. den Eintrag Κελτός im englischen Wiktionary. Die Bedeutung des Ethnonyms wird dementsprechend als „die Mächtigen, Erhabenen, Starken“Helmut Birkhan: Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur. S. 47 f. oder als „die Hohen, Hervorragenden“ angegeben. Im Falle der Ableitung von *ḱel- ‚verbergen‘ wird eine Form *kltós angenommen, deren Bedeutung in diesem Fall ‚Verborgene, Nachkommen des verborgenen Gottes (der Unterwelt)‘ wäre. Laut CaesarGaius Iulius Caesar, De bello gallico 6,18. führten die Gallier ihre Herkunft auf einen Unterweltsgott („Dis Pater“) zurück.Ranko Matasović: Etymological Dictionary of Proto-Celtic. Leiden 2009, s. v. „*kel-o- ‚hide‘“.

Begriffsbestimmung mini|Der Sterbende Gallier, römische Kopie eines hellenistischen Originals (Kapitolinische Museen, Rom): Das verlorene Original war Teil eines Siegesmonuments für Attalos I. (269–197 v. Chr.). Die Statue zeigt einen keltischen Krieger mit typischer Haartracht und Torques.

Der Begriff Kelten geht auf griechische Überlieferungen bei HerodotHerodot, Historien 2,33,3; 4,49,3. und anderen Autoren aus dem 6. und 5. Jahrhundert v. Chr. zurück, bei denen Volksstämme von den Quellen der Donau bis zum Hinterland von Massilia (Marseille) als Keltoi bezeichnet werden. Griechische und römische Schriftsteller kannten jeweils nur einen Teil der heute als keltisch angesehenen Stämme. Sie übertrugen die Bezeichnung Kelten auf weitere Stämme und Völker, die sie als zusammengehörend wahrnahmen.

Je nach Fachgebiet oder Sichtweise bezeichnet der Begriff Kelten entweder eine mittel- und westeuropäische Sprachengemeinschaft (sprachwissenschaftliche Definition), Siedlungsgemeinschaften mit einer ähnlichen materiellen Kultur (archäologische Definition) oder Volksstämme mit denselben Gebräuchen und Glaubensvorstellungen (ethnologische Definition). Hinzu kommt die Auffassung, Kelten seien die von Griechen und Römern als keltisch angesehenen Völker.

Die Definitionen der verschiedenen Fachgebiete entsprechen einander nicht vollständig. Erschwert wird die Bestimmung durch das fast vollständige Fehlen von Schriftzeugnissen der als keltisch angenommenen Kulturen aus der Zeit vor der Romanisierung ihrer Siedlungsgebiete. So erschließen sich Kenntnisse über die frühen keltischen Kulturen hauptsächlich über archäologische Funde und einzelne allgemein gehaltene Berichte griechischer und römischer Chronisten.

Sprachwissenschaftler fassen Kelten vor allem als Sprecher keltischer Sprachen auf. Birkhan postuliert: „Kelte ist, wer keltisch spricht.“Helmut Birkhan: Nachantike Keltenrezeption. S. 16 f. Ebenso Rockel: „Die Kelten sind demnach die Sprecher einer der keltischen Sprachen.“Martin Rockel: Grundzüge einer Geschichte der irischen Sprache. Wien 1989, S. 15. Die keltischen Sprachen bilden eine eigene indogermanische Sprachgruppe.

Die Archäologie sieht bei den keltischen Stämmen vom Norden Spaniens bis nach Böhmen kulturelle Gemeinsamkeiten während der Eisenzeit in Mitteleuropa (8.–1. Jahrhundert v. Chr.). Die kontinuierliche Entwicklung aus den ansässigen bronzezeitlichen Vorgängerkulturen Mitteleuropas, insbesondere der spätbronzezeitlichen Urnenfelderkultur, ist heute zweifelsfrei belegt. Die Kelten werden vor allem mit der Hallstattkultur und der Latènekultur in Zusammenhang gebracht. Die Namen dieser Kulturen leiten sich von zwei Fundorten ab, dem Gräberfeld von Hallstatt am Hallstätter See in Österreich und dem Fundort La Tène am Neuenburgersee in der Westschweiz. An beiden Fundorten wurden Mitte des 19. Jahrhunderts reiche Funde gemacht, die eine erste Chronologie ermöglichten. Einige Autoren verwenden den Begriff Kelten lediglich für die sogenannte klassische keltische Epoche, die ca. 650 v. Chr. beginnt.

Als gesichert kann gelten, dass die Kelten nie ein geschlossenes Volk oder gar eine Nation bildeten, allenfalls kann von zahlreichen unterschiedlichen ethnischen Gruppen mit ähnlicher Kultur gesprochen werden. Es handelte sich um verwandte Volksstämme, die kulturelle Gemeinsamkeiten hatten und sich dadurch von den Nachbarvölkern unterschieden, was zum Beispiel von Römern wie Tacitus in der Germania oder Gaius Iulius Caesar im Gallischen Krieg beschrieben wird.

Verbreitung Archäologische Bestimmung Archäologisch reichte die weiteste Ausbreitung der materiellen keltischen Kultur von Südostengland, Frankreich und Nordspanien im Westen bis nach Westungarn, Slowenien und Nordkroatien im Osten; von Oberitalien im Süden bis zum nördlichen Rand der deutschen Mittelgebirge. Daneben existieren einzelne latènezeitliche Funde auf dem gesamten Balkan bis nach Anatolien (Siedlungsgebiet der Galater in der heutigen Türkei). Diese Funde sind auf die im 4. Jahrhundert v. Chr. einsetzenden keltischen Wanderungen zurückzuführen.

Die Einbeziehung Südostenglands in das Verbreitungsgebiet der archäologisch als keltisch bezeichneten Kultur ist umstritten. Die dortigen archäologischen Funde der mittleren und späten Eisenzeit (ca. 600–30 v. Chr.) weisen regionale und lokale Eigenheiten auf, die sie stark von den zeitgleichen kontinentalen Funden unterscheiden. Im nordspanischen Galicien fanden sich ebenfalls einige latènezeitliche Fibeln, doch kann dort nicht von einem geschlossenen keltischen Kulturhorizont im Sinne der Latène-Kultur die Rede sein.

Im Süden des keltisch geprägten Gebietes Mitteleuropas grenzte anfangs noch der etruskische, im Osten und Südosten der griechische, thrakische und skythische Kulturbereich an. Große Teile dieser Gebiete gingen später im Römischen Reich und dessen Kultur auf. Nördlich des keltischen Einflussgebiets waren germanische Stämme ansässig. Zu allen genannten Kulturen unterhielten die Kelten intensive kulturelle und wirtschaftliche Beziehungen.

Sprachwissenschaftliche Belege Keltische Sprachen lassen sich von Teilen der Iberischen Halbinsel bis Irland im Westen, im Südosten bis in den nördlichen Balkan nachweisen, mit einem späten Ausläufer in Anatolien. Die Nordgrenze zu den Germanen, etwa im Bereich der deutschen Mittelgebirge, ist nicht sicher bestimmt. Südlich der Alpen reicht der keltische Bereich bis in die Po-Ebene. Die Belege für diese sprachwissenschaftliche Deutung sind:

Das durch antike Quellen belegte ehemalige größte Verbreitungsgebiet keltischer Stämme, zum Beispiel die durch antike griechische und römische Autoren bezeugte Einwanderung keltischer (und thrakischer) Stämme nach Anatolien, vgl. den Brief des Paulus an die Galater. Spätantike Belege, wonach in Anatolien ein Dialekt ähnlich wie in der Gegend um Trier gesprochen wurde. Wenige sprachwissenschaftliche Belege keltischer Wörter in modernen mittel- und osteuropäischen Sprachen. Sie spiegeln sich zum Beispiel in der Benennung einzelner Stämme oder Gebiete als Gallier in Frankreich, Galicien in Spanien und Galater in Kleinasien wider; Entlehnungen ins Baskische wie iskos ‚Fisch‘. Charakteristische keltische Sprachelemente in topographischen Bezeichnungen, beispielsweise Ortsnamen auf -briga und -durum mit den je nach Sprachgegend bewirkten Veränderungen. Funde von steinernen Inschriften, Keramikscherben-Graffiti, Münzinschriften und Bleitäfelchen in keltiberischer, lepontischer und gallischer Sprache ab dem 6. Jahrhundert v. Chr., entweder in einer eigenen Schrift (zum Beispiel lepontisches Alphabet von Lugano) oder in fremden Schriften wie der iberischen, etruskischen oder später der lateinischen Schrift.

Sprache

mini|Keltische Sprachen in der Neuzeit: Verbreitung und Sprecherzahlen

Die keltischen Sprachen werden der westlichen Gruppe der indogermanischen Sprachen zugerechnet. Eine urkeltische Sprache ist nicht überliefert. Zu den ältesten als keltisch eingestuften Sprachdokumenten zählen solche in lepontischer Sprache aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. Neben meist kurzen Inschriften aus nicht-vergänglichem Material (Stein, Blei) ist insbesondere der gallischsprachige lunisolare Kalender von Coligny überliefert, der direkt Einblicke in nicht-materielle Aspekte der keltischen Glaubenskultur und des Alltagslebens erlaubt. Bemerkenswerte längere Schriftstücke in keltiberischer Sprache und iberischer Schrift sind zudem die Tafeln von Botorrita aus dem 2. und 1. Jahrhundert v. Chr.

Die festlandkeltischen Sprachen sind durchweg ausgestorben. Auf der Iberischen Halbinsel wurde Keltiberisch gesprochen, das wie das Gallische und Lepontische im Zuge der Romanisierung unterging. In Kleinasien war die schlecht dokumentierte galatische Sprache in der Antike noch anzutreffen.

Inselkeltische Sprachen werden heute noch in Wales (Walisisch oder Kymrisch) sowie in Irland (Irisch, seit 1922 offiziell erste Amtssprache neben dem Englischen), in Schottland (Schottisch-Gälisch in den Highlands und besonders auf den Hebriden) und in der Bretagne (Bretonisch, von Auswanderern von den britischen Inseln im 5. Jahrhundert auf den Kontinent gebracht) gesprochen. Das Manx auf der Isle of Man starb in den 1970er Jahren aus, das Kornische in Cornwall bereits im 18. Jahrhundert. Es gibt aber in jüngster Zeit Bestrebungen, Manx und Kornisch wieder zu lebendigen Umgangssprachen zu machen.

Geschichte Hallstatt-Kultur

mini|Bronzene Schnabelkanne aus dem Asperger „Fürstengrab“, um 500 v. Chr. (Landesmuseum Württemberg, Stuttgart)

Die Nennung der Kelten und deren Lokalisierung fällt mit der eisenzeitlichen Späthallstattkultur in Mitteleuropa zusammen. Diese Kultur hatte sich seit etwa 800/750 v. Chr. in einer Region zwischen Ostfrankreich und Österreich mit seinen angrenzenden Ländern aus den ansässigen spätbronzezeitlichen Urnenfelderkulturen entwickelt.