mini|Marktplatz () mini|Burg Creuzburg () mini|Steinerne Werrabrücke (1225) mit der 1499 errichteten Liborius-Kapelle () mini|hochkant|Nikolaikirche (1215) im Stadtzentrum () mini|Rathaus () mini|Schule ()

Creuzburg ist der größte und namensgebende Ortsteil der Kleinstadt Amt Creuzburg im Wartburgkreis in Thüringen (Deutschland) und Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Hainich-Werratal. Creuzburg ist durch die Burg Creuzburg weithin bekannt.

Geografie Geografische Lage mini|Die Werra in Creuzburg

Creuzburg liegt zwischen Ringgau im Westen, Hainich im Osten, Thüringer Wald im Süden und Eichsfeld im Norden. Es befindet sich rund zwei Kilometer östlich der ehemaligen innerdeutschen Grenze bzw. zu Hessen am Ufer der Werra. Markante Berge und Erhebungen säumen das Werratal bei Creuzburg, zu ihnen gehören der Wisch und der Brückenberg in Ortsnähe, der Große Pferdsberg, der Entenberg, der Schlierberg und der Tellberg bei Wilhelmsglücksbrunn.

Zu Creuzburg gehören das ehemalige Stiftsgut Wilhelmsglücksbrunn und die Kleinsiedlung Ebenau.M 1:25000 Blatt 4927 Creuzburg, Thüringer Landesvermessungsamt 1997, ISBN 3-86140-035-9.

Geologie Geologisch betrachtet liegt Creuzburg im Bereich eines Grabenbruchs in der geologischen Formation Trias. Diese geologische Situation führt dazu, dass auf dem Ortsgebiet einige „geologische Fenster“ zu sehen sind. Dazu gehören:

die Steinbrüche Ebenau und Scherbda (beide in Betrieb) (Muschelkalk) die ehemaligen Steinbrüche Schlierberg und Eichelberg bei Madelungen (Buntsandstein) der Berg Roter Kopf bei Ifta sowie die ehemalige Kiesgrube Hohleite südlich von Ütteroda, ein Aufschluss des Keuper.

Geschichte Bis 1900 Creuzburg blickt auf eine über 1000-jährige Geschichte zurück und ist einer der Orte Thüringens, die am frühesten das Stadtrecht erhielten. Hügelgräber auf seinem Gebiet weisen auf eine frühzeitliche Besiedlung mindestens seit der Bronzezeit hin. Die Anfänge der Besiedlung um den späteren Burgberg gehen auf eine günstige Straßenlage zurück. Die Königsfurt und die Werrabrücke ermöglichten den Werraübergang der Lange Hessen, einer wichtigen mittelalterlichen Heer- und Handelsstraße mit West-Ost-Orientierung. Von dieser Reichsstraße zweigten bei Creuzburg regional bedeutende Verbindungen in den Raum Mühlhausen/Thüringen und Langensalza ab.

Nach lokalen Überlieferungen (Gründungsgeschichte) wirkte der Missionar Bonifatius auch in Creuzburg und begründete auf dem Burgberg das Benediktiner-Kloster „St. Peter“. An diese ersten Bekehrungsversuche der heidnischen Vorfahren erinnert ein mehrfach erneuertes hölzernes Kreuz im Burghof.

Im 10. und 11. Jahrhundert war die Region im Besitz der Reichsabtei Fulda, die hier eine wirtschaftlich blühende Grundherrschaft unterhielt. Die Ersterwähnung von Milingen, einer der vier Orte, deren Bewohner sich später in der neu gegründeten Stadt Creuzburg zusammenschlossen und niederließen, erfolgte in einer Ottonenurkunde vom 22. Oktober 973.

1137 kam die Propstei Creuzburg in den Besitz der thüringischen Ludowinger. Landgraf Ludwig I. erwarb sie im Austausch gegen einen Teil der Ländereien, die ihm durch Erbschaft in Hessen zugefallen waren. Das vorhandene Kloster wurde aufgelöst und zum Ersatz um 1173 das St.-Jakob-Kloster gestiftet. In Erkenntnis der wirtschaftlichen und strategischen Bedeutung des Platzes bauten seine Nachfolger die Stellung Creuzburgs aus. Landgraf Hermann I. begann auf dem Berg mit dem Bau einer Burg (Burg Creuzburg) und ließ die in der Region verstreuten Bauern in einer Siedlung am Fuß des Berges zusammenfassen. So wurde die Stadt Creuzburg planmäßig angelegt, 1213 mit Stadtrechten wie Wappenführung und Gerichtsbarkeit ausgestattet und von einer Mauer umgeben. Das benachbarte Dorf Scherbda, heute zu Creuzburg gehörig, wurde erstmals 1229 als Siedlung um ein Lehnsgut urkundlich erwähnt.

Den Höhepunkt für die Bedeutung Creuzburgs bildeten die Regierungsjahre des Landgrafen Ludwig IV., des Heiligen, und seines Sohnes Hermann II. Nach der Hochzeit Ludwigs mit der ungarischen Königstochter Elisabeth, die später als Heilige Elisabeth in die Geschichte einging, wurde die Creuzburg, nach der Wartburg, zur Zweitresidenz. Hier wurden Feste gefeiert und die Kinder des jungen Paares geboren. Ludwig ließ die Burg verschönern und sorgte durch den Bau der ersten steinernen Brücke über die Werra für die Sicherung des Handelsweges. Ehe er 1227 zum Kreuzzug aufbrach, verabschiedete er sich von seinen Getreuen in einer großen Versammlung der thüringischen Edelleute auf der Burg. Ludwig kehrte nicht zurück. Sein Bruder Heinrich Raspe übernahm die Vormundschaft für den unmündigen Neffen Hermann II. Elisabeth verließ Thüringen und zog sich in die hessischen Besitzungen zurück, wo sie wenige Jahre später in Marburg starb. Mündig geworden, übernahm Hermann die Regierung als Landgraf von Thüringen und Hessen. Die Creuzburg blieb seine Residenz bis zu seinem plötzlichen Tod im Alter von nur 18 Jahren. Sein Onkel und Nachfolger Heinrich Raspe verlegte den Regierungssitz wieder allein auf die Wartburg.

Im Verlauf des Thüringer Erbfolgekrieges wurde Creuzburg von verschiedenen Kriegsparteien belagert. König Adolf von Nassau zog 1295 mit einem Heer durch Thüringen, um seine Ansprüche auf das Land durchzusetzen, er ließ nahe der Gottesackerkirche eine Befestigung – die Adolphsburg – erbauen und schoss von dort aus Steine und Brandsätze in die Stadt. Die Bevölkerung zog sich daraufhin in die sichere Creuzburg zurück, die Stadt brannte nieder.

Die wirtschaftliche Grundlage der mittelalterlichen Stadt beruhte neben dem Handel auf Ackerbau und Viehzucht, wobei große Teile der Flur im Besitz des St.-Jakob-Klosters und der Rittergüter waren. An den steilen Südhängen wurden Weinberge angelegt. Schon im 12. Jahrhundert erbaute man den etwa vier Kilometer langen Mühlgraben und ermöglichte so den gleichzeitigen Betrieb von vier Mahl- und Sägemühlen in der westlichen Vorstadt. Bei Bauarbeiten wurde 1963 eine hochmittelalterliche Töpferei entdeckt und ausgegraben. Bedeutend war das Creuzburger Gerberhandwerk, auch Sattler und Schuster werden genannt. Für das Kloster und die Kanzlei arbeiteten Pergamentmacher.

Das Steinhauerhandwerk nutzte die hervorragende Qualität des heimischen Sandsteines. Die hohe künstlerische Qualität belegen zahlreiche Grabplatten in den Kirchen der Stadt und der Nachbarorte. Im 15. Jahrhundert wurden mit der Nutzung von Salzquellen und der Wallfahrtskapelle (geweiht St. Liborius) neue wirtschaftliche Impulse ausgelöst.

Unter den Wettinern blieb Creuzburg ein wichtiger Verwaltungsmittelpunkt, das Amt Creuzburg reichte im Osten bis Stregda und zum Kamm des Hainichs, im Süden bis in das Eltetal, im Norden und Westen markierte der Heldrastein die Zuständigkeitsgrenze. Creuzburg blieb in den folgenden Jahrhunderten von den Wirren der Kriege – besonders des Dreißigjährigen Krieges – und von Brand- und Naturkatastrophen nicht verschont.

In einem Brief schilderte Goethe, später Staatsminister des Herzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach, seine Eindrücke von der 1765 und noch einmal 1782 ausgebrannten Stadt und hinterließ eine Zeichnung der Nikolaikirche. Eine wirtschaftliche Besonderheit stellte die 1758 eingerichtete Seidenraupenzucht dar, sie wurde nach zahllosen Misserfolgen 1808 endgültig aufgegeben.

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Eisenach mit seiner Kammgarnspinnerei zu einem regionalen Zentrum der thüringischen Textilindustrie. Hierzu wurde auch aus Creuzburg in großen Mengen heimische Schafwolle aufgekauft. Die regionale Landwirtschaft forcierte in der Folge die Schafhaltung (Bau mehrerer Schafställe in der Flur). Eine saisonale Beschäftigung in Creuzburg ermöglichte die Tabakverarbeitung und arbeitsintensive landwirtschaftliche Kulturen (Kartoffel- und Rübenanbau), erste Obstplantagen wurden angelegt. In Creuzburg befand sich auch eine Glockengießerei. Für die 1810er und 1820er ist sie unter „Gebrüder See“ auf zwei verlorenen Glocken in Altenburschla (1820) und Heyerode (1814) belegt. In den 1860er Jahren goss Christian See Glocken, erhalten sind die in Walburg (1860) und Völkershausen (1869), zerstört sind jene in Niederelsungen, Rambach und Wettesingen (alle: 1863).

Ab 1900 Nach Eröffnung der Eisenbahnstrecke im Jahr 1907 gründete der Krefelder Textilunternehmer Ernst Engländer eine Seidenweberei in der Bahnhofstraße und warb Mitarbeiter aus seinen Stammbetrieben in Reichenbach im Vogtland und Mährisch-Schönberg an. Die Creuzburger Firma wurde 1912 eingeweiht, sie war auf die Herstellung von Kleider- und Futterstoffen aus Naturseide spezialisiert und hatte 112 Webstühle. Nach Enteignung des Besitzers durch die Nationalsozialisten, Engländer war Jude, wurde die Firma an die Seidenweberei C.W. Crous & Co in Berga/Elster angegliedert und auf die Produktion von Fallschirmseide umgestellt. In der DDR-Zeit gehörte die Fabrik zum VEB Novotex, danach VEB Greika Greiz.

Aufgrund einer Verwaltungsreform wurde 1922 die Gemeinde Ebenau mit den Ortsteilen Buchenau, Eschenborn, Freitagszella, Mihlberg und Hahnroda nach Creuzburg eingemeindet. 1925 wurde dies in Teilen rückgängig gemacht und die Gemeinde Buchenau geschaffen.

Trotz Kriegen und Bränden hatte sich ein reicher Denkmalbestand in der Stadt erhalten. Am Ostersonntag, dem 1. April 1945, wurde der Ort von US-Truppen durch direkten Artillerie-Beschuss und einen daraus entstandenen Brand zu 85 Prozent zerstört. Die Kirche St. Nicolai brannte vollständig aus, die meisten Bürgerbauten – darunter viele profane Baudenkmäler – gingen verloren. Die Burg Creuzburg erlitt nur geringe Beschädigungen. Die Bevölkerung war am Tag vor dem Beschuss oder kurz davor in die benachbarten Wälder oder in den Felsenkeller unter dem Burgberg geflüchtet.

Der US-amerikanischen Besatzung ab Anfang April 1945 folgte Anfang Juli 1945 die Rote Armee und die Eingliederung der damaligen Stadt in die Sowjetische Besatzungszone. Ab 1949 gehörte Creuzburg zur DDR, als Stadt im Kreis Eisenach bis 1952 zum Land Thüringen und ab 1952 zum Bezirk Erfurt. Creuzburg lag fast direkt an der Innerdeutschen Grenze zu Hessen und damit ab 1962 im unzugänglichen Sperrgebiet, bis 1973 im 5-km-Grenzstreifen mit all seinen Beschränkungen.

1962 wurden im Zuge einer erneuten Verwaltungsreform die Kleinsiedlungen Ebenau, Eschenborn und Mihlberg aus der Gemeinde Buchenau erneut nach Creuzburg umgemeindet; Eschenborn und Mihlberg wurden wenige Monate später aufgegeben. 1968 begann der Wiederaufbau der Kirche. 1969 wurde der Bahnverkehr auf der 1907 eröffneten Bahnstrecke Schwebda–Wartha, an der Creuzburg einen Bahnhof hatte, eingestellt und nachfolgend die Gleisanlagen demontiert.

Im November 1989 erfolgte die Grenzöffnung, im Oktober 1990 die Eingliederung in das Land Thüringen in der Bundesrepublik Deutschland. Schon ab 1945 wurden beachtliche Aufbauleistungen mit hunderttausenden unentgeltlichen Aufbaustunden in der fast völlig zerstörten Stadt vollbracht, ab 1990 unter wesentlich besseren materiellen Bedingungen.