Zeppelin NT (Zeppelin Neue Technologie) ist eine Luftschiff-Baureihe, die seit den 1990er Jahren in Friedrichshafen gefertigt und seit den 2000er Jahren vornehmlich für Tourismuszwecke sowie Forschungs- und Überwachungsaufgaben eingesetzt wird. Die Luftschiffe des NT-Typs gehören nach dem Airlander-Luftschiff zu den größten aktiven Luftschiffen und sind als halbstarre Luftschiffe die einzigen mit einem starren inneren Gerüst.

Luftschiffe dieser Bauart werden von der Zeppelin Luftschifftechnik GmbH & Co. KG (ZLT) konstruiert, die Teil des Zeppelin-Konzerns ist und die Tradition der unter dem Namen von Ferdinand Graf von Zeppelin gegründeten Gesellschaften fortsetzt. Das historische Zeppelin-Unternehmen konstruierte, baute und betrieb bereits im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts die weltberühmten Zeppelin-Starrluftschiffe.

Aktuell (2024) sind sechs Zeppeline NT im Einsatz – drei für die Deutsche Zeppelin-Reederei in Deutschland und drei für Goodyear Tire & Rubber Company in den USA.

Geschichte Entstehungsgeschichte Die Ära der historischen Zeppeline endete 1940, nachdem die beiden letzten Starrluftschiffe LZ 127 „Graf Zeppelin“ und LZ 130 „Graf Zeppelin II“ auf Befehl Hermann Görings abgewrackt und die letzten verbliebenen Luftschiffhallen auf dem Frankfurter Flughafen gesprengt worden waren.K. Clausberg: Zeppelin: Die Geschichte eines unwahrscheinlichen Erfolges. Augsburg 1990, S. 173.

Im Verlauf der Jahre entstanden immer wieder Anregungen innerhalb des Zeppelin-Konzerns, die Konstruktion und Produktion von Luftschiffen erneut aufzunehmen. Beispielsweise wurde schon in den 1950er Jahren ein neuartiges Luftschiff mit der Bezeichnung LZ 132 vorgeschlagen, das für den Lastentransport hätte eingesetzt werden sollen.B. Waibel: Das Projekt LZ 132. Wiederbelebung der Zeppelin-Luftschifffahrt in den Fünfziger Jahren? In: W. Meighörner (Hrsg.): Luftschiffe: Die nie gebaut wurden. Friedrichshafen 2002, S. 158–149. Die Entwürfe kamen aber bis in die späten 1980er Jahre nicht über anfängliche Überlegungen hinaus.

Erst 1989 wurden detailliertere Studien, welche die Machbarkeit für einen neuen Zeppelin aufzeigen sollten, angefertigt. Eine treibende Person hinter dem Vorhaben war der damalige Friedrichshafener Bürgermeister Bernd Wiedmann, der kraft seines Amtes auch Aufsichtsratsvorsitzender der ZF Friedrichshafen war. Daneben setzte sich auch der Unternehmer Max Mugler (1931–2013) zentral für die Erstellung der Studien ein, der damals die Geschäftsführung der immer noch existierenden, schon 1908 von Graf Ferdinand gegründeten Luftschiffbau Zeppelin GmbH innehatte. Am Ende des folgenden Jahres zeigte eine Marktstudie ein Absatzpotenzial von damals bis zu 80 Zeppelinen auf. Der Autor dieser Marktstudie, Franz Neubauer, hatte jedoch gleichermaßen unterstrichen, dass eine Verkürzung des geplanten Entwicklungszeitraums zwingend nötig sei. Zudem müssten aus ökonomischen Gründen größere Typen des Luftschiffs entwickelt werden, insbesondere um mit den wesentlich preisgünstigeren Luftschiffen der American Blimp Corporation konkurrieren zu können.Der neue Zeppelin lässt auf sich warten. Unterschätzter Entwicklungsaufwand – Know-how-Engpass? In: NZZ, 2. April 1998 Ebenfalls im Jahr 1993 wurde bereits ein Patent auf ein „halbstarres Luftschiff mit Druck gestützter Hülle“ angemeldet. Im September 1993 wurde die Zeppelin Luftschifftechnik GmbH & Co. KG (ZLT) gegründet, welche die Entwicklung, die Konstruktion und den Bau der Luftschiffe übernehmen sollte. Mit der Geschäftsführung wurde auch hier Max Mugler betraut, für die technische Geschäftsführung wurde der Ingenieur Klaus Hagenlocher bestellt. Beide hatten bis dahin noch keine Erfahrungen mit der Entwicklung und dem operativen Betrieb von Luftschiffen. Hauptanteilseigner waren und sind bis heute die Luftschiffbau Zeppelin GmbH und die ZF Friedrichshafen AG. Die anfänglichen Studien, Unternehmensgründung und der Bau einer notwendigen Luftschiffhalle wurden initial mit 60 Millionen DM finanziert.

Entwicklungsphase und Testflugbetrieb mini|350px|Der Zeppelin NT „Friedrichshafen“ am mobilen Landemast

1993–1996 Noch vor der Gründung der Zeppelin Luftschifftechnik und damit weit vor dem Baubeginn erhielt das Unternehmen Kritik aus Fachkreisen. Im April 1993 wandte sich der Chefkonstrukteur der WDL Luftschiffgesellschaft, Richard Gründer, schriftlich an den Förderverein Zeppelintourismus e. V., welcher den Brief an die Geschäftsführung der Zeppelin Luftschifftechnik weiterleitete. Kritisiert wurde von dem Autor des Schreibens vor allem das geplante technische Vorgehen, da die geplante erste Version des Zeppelin NT mit 65 m zu kurz sei. Es würde mit 7250 m³ Traggas zu wenig Volumen für die geplante Tragfähigkeit aufweisen.

Im Jahr 1995 wurde mit dem Bau des ersten Prototyps begonnen. Die technische Entwicklung blieb zu dieser Zeit schon hinter den ursprünglichen Projektplänen zurück. Insbesondere wurden innerhalb des Unternehmens mangelnde technische Kompetenzen entdeckt. Im Juli 1996 wurde daher Wolfgang von Zeppelin als technischer Direktor angeworben, ein entfernter Verwandter von Ferdinand Graf von Zeppelin, der bis dahin vor allem im Förderverein Zeppelintourismus tätig gewesen war. Dennoch verzögerte sich die technische Entwicklung weiterhin, und Max Mugler gab offen zu, dass seine damalige Personalentscheidung mit Wolfgang von Zeppelin eine Fehlbesetzung gewesen sei.

Erst Ende des Jahres 1996 und damit wenige Monate vor dem geplanten Erstflug stellte das Unternehmen Zeppelin Luftschifftechnik fest, dass der statische Auftrieb des Luftschiffs falsch berechnet worden war. Dies wurde von der Presse als grandioser Rechenfehler bezeichnet. Die ursprüngliche Kritik der WDL Luftschiffgesellschaft hatte sich also als wahr herausgestellt. Das Unternehmen vergrößerte nun die Länge des Luftschiffs auf 75 m und sein Volumen auf 8250 m³.

1997 Auf der Aero Luftfahrtmesse im April 1997 wurde der Zeppelin NT innerhalb der Messehalle 10 der Öffentlichkeit erstmals im zusammengebauten Zustand vorgestellt.Zeppelin NT vor dem Start. Langsam gleitet er dahin. In: Handelsblatt, 20. August 1997, S. 37 Zu dieser Zeit verkündete die Zeppelin Luftschifftechnik zudem bereits erste Verkaufserfolge für ihr Luftschiff. Das erste Serienluftschiff, dessen Verkaufspreis damals innerhalb der Presse mit 11,5 Millionen DMErstes Serien-Luftschiff geht in die Schweiz. In: NZZ, 1. April 1997, S. 45 oder 12,5 Millionen DMFünf Zeppeline sind schon bestellt. Die Silberzigarre als Werbeträger. In: Handelsblatt, 6. Mai 1997, S. 43 angegeben wurde, sollte bereits im Jahr 1998 an die neu gegründete schweizerische Skyship Cruise Ltd. verkauft werden. Ende April 1997 gab zudem die Zeppelin Luftschifftechnik bekannt, dass bereits Vorverträge mit vier Kunden über den Kauf von fünf Luftschiffen abgeschlossen seienZeppelin: Verträge über fünf Luftschiffe. Eine neue Generation geht an den Start. In: Handelsblatt, 24. April 1997, S. 13 und 15 weitere ernsthafte Kaufanfragen vorlägen. Im August 1997 folgten die Erstbefüllung und sich daran anschließende erste Freiluft- und Bodentests.

Bereits im Sommer 1997 hatte das Luftfahrt-Bundesamt dem Zeppelin-NT eine vorläufige Fluggenehmigung erteilt. Ab dem 8. August lag der Prototyp dann am mobilen Luftschiffmast auf einem Parkplatz auf dem Friedrichshafener Messegelände.Silberzigarre beim Jungfernflug: Zeppelin mit moderner Technik ausgestattet – Einsatz im Tourismus. In: Stuttgarter Zeitung, 19. September 1997 Der Jungfernflug des Prototyps fand aber erst am 18. September 1997 statt. Kapitän auf diesem Erstflug war der Amerikaner Scott Danneker, der lediglich von dem Kopiloten Stefan Unzicker und dem Avionik-Ingenieur Jürgen Fecher begleitet wurde. Die Bodenmannschaft umfasste bei diesem Testflug acht Personen.Schweben und Märkte finden: In Friedrichshafen startet nach sechzig Jahren wieder ein „echter Zeppelin“. In: Die Zeit, 26. September 1997 Während ursprünglich um 17 Uhr gestartet werden sollte, entschied die Testmannschaft, erst um 19 Uhr zu starten, um günstigere thermische Bedingungen und zudem ein Abkühlen des Helium-Traggases abzuwarten. Wegen der Einschränkungen der vorläufigen Flugzulassung durch das Luftfahrt-Bundesamt durfte der Zeppelin-NT während des 45-minütigen Flugs nur auf 1000 Fuß (330 Meter) Flughöhe bei einer Maximalgeschwindigkeit von 80 km/h steigen. Der Flug wurde nicht nur als Test-, sondern auch als Überführungsflug durchgeführt. Der Prototyp wurde während des Fluges von seinem bisherigen Standort auf dem Messegelände zu der zwei Kilometer entfernten Luftschiffhalle überführt. Technisch verlief der Testflug ohne Komplikationen. Laut Polizeiangaben verfolgten 30.000 Zuschauer den Start und die Landung des Luftfahrtgeräts auf dem nördlichen Friedrichshafener Messegelände, unter ihnen der Oberbürgermeister Bernd WiedmannNach dem Jungfernflug des Zeppelins: „It was fantastic“. In: Neue Vorarlberger Tageszeitung, 20. September 1997 und auch Überlebende der Hindenburg-Katastrophe von 1937, wie der Maschinist Eugen Bentele.„Hindenburg“-Maschinist war bei dem Erstflug dabei: Durch den neuen Zeppelin wird die Ära der „fliegenden Zigarren“ wiederbelebt. Schon fünf feste Bestellungen Friedrichshafen. In: Bonner General-Anzeiger, 19. September 1997Eugen Bentele: Ein Zeppelin-Maschinist erzählt. Meine Fahrten 1931–1938. ISBN 978-3-926162-56-4.

1998 Nach dem Erstflug waren die kommenden Monate weiteren Erprobungen des Prototyps gewidmet. Ende März 1998 ließ das Unternehmen in einer Pressemitteilung verlauten, dass die erste Erprobungsphase erfolgreich abgeschlossen worden sei und der Prototyp rund 100 Stunden Flugerprobungen und Belastungsmanövern in der Luft sowie am Boden absolviert habe. Zudem wurde bekanntgegeben, dass ab Mai 1998 mit dem Bau des ersten Serienluftschiffs, welches in die Schweiz verkauft werden sollte, begonnen werde.Zeppelin erfolgreich. In: Mitteldeutsche Zeitung, 27. März 1998Neuer Zeppelin bestand Testphase: Serienmontage soll im Mai beginnen. In: taz, 26. März 1998, S. 9Serienmontage des Luftschiffs soll im Mai beginnen. In: Leipziger Volkszeitung, 26. März 1998, S. 25 Dass der technische Fortschritt weit weniger positiv verlaufen war, als diese PR-Mitteilung suggerierte, zeigte ein Anfang April 1998 in der NZZ erschienener Artikel drastisch auf. In dieser äußerst kritischen Auseinandersetzung mit dem Unternehmen und dem Luftschiffprojekt stellte der Luftfahrtjournalist den zeitlichen Entwicklungsrahmen des Luftschiffprojekts fundamental in Frage. Nach dem Erstflug traten nach Recherchen des Journalisten schon im Spätherbst 1997 technisch-elektronische Probleme mit der Fly-by-wire-Flugsteuerung auf, sodass die Erprobung des Luftschiffs über Wochen hinweg ausgesetzt werden musste. Obgleich der Januar 1998 ein für die Flugerprobung ideales Wetter geboten hätte, fanden selbst in diesem Monat keine Testflüge statt.