mini|hochkant=1.3|Dom zu Mailand Der Dom zu Mailand (, offiziell Cattedrale Metropolitana della Natività della Beata Vergine Maria; lombardisch Domm de Milan) ist eine römisch-katholische Kirche in Mailand und die Kathedrale des Erzbistums Mailand. Der Fläche nach ist er eine der größten Kirchen der Welt. 1386 in gotischen Formen begonnen, war der Dom bei der Schlussweihe 1572 noch nicht vollendet und bekam erst ab der napoleonischen Zeit seine heutige Fassade.

Geschichte mini|Baubeginn 1386 Zuvor befanden sich an der Stelle des Doms nach einem Tempel aus römischer Zeit eine frühchristliche Kirche Santa Maria Maggiore und im Bereich des heutigen Platzes eine größere römische Basilika, die später zu Ehren der Heiligen Tecla geweiht, 1548 aber abgerissen wurde. Beide gingen auf das vierte Jahrhundert zurück und wurden mehrfach zerstört und verändert wiederaufgebaut.

Der Bau des Mailänder Doms wurde 1386 auf Initiative von Bischof Antonio Saluzzo durch den Stadtherrn Gian Galeazzo Visconti, dem späteren ersten Herzog von Mailand, begonnen. 1388 wurden die Fundamente gelegt und mit dem Bau der Außenmauern einer dreischiffigen Kirche von der Apsis her begonnen. Der Bau des Doms wurde auch von sehr spezifischen politischen Entscheidungen bestimmt: Mit der neuen Baustelle wollte die Bevölkerung von Mailand die Zentralität Mailands in den Augen von Gian Galeazzo betonen. Diese Prominenz wurde dadurch in Frage gestellt, dass der neue Herr – wie schon sein Vater Galeazzo II. Visconti – seinen Hof nicht in Mailand, sondern in Pavia einrichtete.

Die Beziehungen zwischen Gian Galeazzo Visconti und der obersten Leitung der Fabbrica del Duomo di Milano (von den Mailänder Bürgern gewählt) waren jedoch oft angespannt: Der Herr wollte den Dom in das dynastische Mausoleum der Visconti verwandeln. Das Einsetzen des zentralen Teils des Grabdenkmals der Kathedrale seines Vaters Galeazzo II. stieß auf starken Widerstand sowohl der Fabbrica del Duomo als auch der Mailänder, die ihre Autonomie unterstreichen wollten. Es kam zu einem Konflikt, der Gian Galeazzo zwang, über die Gründung einer neuen Baustelle zu entscheiden, die ausschließlich für die Visconti-Dynastie bestimmt war: die Certosa di Pavia.

Bis 1402 sind in den zeitgenössischen Quellen neben italienischen auch konkurrierende französische und deutsche Baumeister genannt, die einen hingen überlieferten einheimischen Traditionen an, die anderen strebten nach maximaler Höhe und Durchlichtung des Baus. Die Fremden wurden bald gänzlich von Lombarden verdrängt, dennoch blieb der Bau unter dem Einfluss der französischen und deutschen Gotik. Um 1400 wurde die Apsis hochgezogen, das Jahr 1402 wurde für das Maßwerk der 22,5 Meter hohen, mit Glasmalereien ausgestatteten Chorfenster mit ihren rotierenden Fischblasen genannt,Schomann, S. 411, Abb. 171. auch die Querschiffe waren 1409 vollendet. Als 1418 Papst Martin V. den Hauptaltar weihte, war der Vierungsturm noch unvollendet. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde der Bau nach Westen vorangetrieben. Das Baumaterial, Marmor aus den fürstlichen Steinbrüchen von Candoglia im Val d’Ossola am Lago Maggiore, mit dem der im Kern aus Backstein aufgeführte Bau verkleidet ist, wurde über Kanäle, die Mailänder Navigli, herbeigeschafft. Jeder Block bekam die Kennung AUF (= ad usum fabricae / zur Verwendung in der Dombauhütte) und konnte so zollfrei eingeführt werden. Gian Galeazzo verfolgte also ein höchst ambitioniertes Projekt, mit dem er sich an Kathedralbauten in anderen europäischen Herrschaftszentren orientierte, um seinen Anspruch auf eine führende Rolle in Norditalien zu demonstrieren.

Der Bau des Vierungsturmes bereitete große statische und gestalterische Probleme, wurde aber im Jahr 1500 in der Ära des Dombaumeisters Giovanni Antonio Amadeo vollendet. Als Bischof Karl Borromäus 1572 die Kathedrale endlich weihen konnte, war sie im Westen noch mit einer notdürftigen Backsteinmauer abgeschlossen. Verschiedene Fassadenentwürfe seit der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts kamen zunächst nicht zur Ausführung.

Der ab 1567 tätige Dombaumeister Pellegrino Tibaldi baute zunächst bis 1577 den Chor im Stil des Frühbarock gründlich um. Von seinem um 1570 entstandenen Fassadenplan, der statt des gotischen, nun als „deutsch“ und „protestantisch“ konnotierten Aufrisses einen „römischen“ im Stil der Renaissance vorsah, wurde nur wenig mehr als die Portalzone realisiert.

Carlo Buzzi, Dombaumeister ab 1630, wandelte ihn ab, indem er 1647 die fünf Achsen durch Fialen trennte und die „gotische“ Vertikale wieder stärker betonte. Doch schritt im 17. und 18. Jahrhundert der Bau nur langsam voran, obwohl er sich auf Arbeiten an der Fassade reduzierte.

Erst im Auftrag Napoleons, der sich am 26. Mai 1805 im Dom zum König von Italien krönen ließ, wurde die Fassade von Giuseppe Zanola im neogotischen Stil weitergebaut und 1813 von Amati vollendet. Die Krönung von Kaiser Ferdinand I. zum König von Lombardo-Venetien am 6. September 1838 im Dom zu Mailand war zugleich auch die letzte Krönung eines Monarchen mit der Eisernen Krone. 1858 wurde der Glockenturm abgerissen und die Fialen zu Beginn der 1890er Jahre fertiggestellt. Giuseppe Brentanos siegreicher Wettbewerbsentwurf von 1887/88, der eine konsequente neugotische Fassadengestaltung vorsah, blieb unrealisiert. Der Mailänder Dom steht unter dem Patrozinium Mariä Geburt. Offiziell trägt er den Namen Cattedrale Metropolitana della Natività della Beata Vergine Maria, wörtlich übersetzt „Metropolitankathedrale der Geburt der Seligen Jungfrau Maria“.

Immer wieder wurde auch die Frage eines dem monumentalen Charakter des Doms angemessenen Campanile erörtert. Seregni und Buzzi hatten Pläne mit zwei Türmen vorgelegt. Zuletzt hieß es 1938, das Projekt eines gewissen Vico Viganò aus dem Jahre 1927 werde demnächst verwirklicht, und zwar als „Turm des Gedenkens der Siege und des Ruhms“ („Torre delle Memorie delle Vittorie e delle Glorie“). Der so benannte Glockenturm sollte der höchste Kirchturm der Welt werden und samt Geläut bis 1942 fertiggestellt sein. Der Corriere della Sera vom 20. Oktober 1938 formulierte es im dreispaltigen Titel wie folgt: „II Duomo avrà il campanile più alto del mondo. L’ordine del Duce: le campane a posto nel 1942.“ Aus Geldmangel blieb dieses von Benito Mussolini favorisierte Projekt unausgeführt.

Gestaltung Äußeres mini|Außenansicht des Doms von Südwesten (2016) mini|hochkant|Strebebögen

Die Seitenwände des Domes stammen aus dem 15. bis 18. Jahrhundert und werden durch rhythmische fialengekrönte Strebepfeiler und hohe Fenster unterbrochen. Bei den Querschiffen (Transepten) sind die Strebepfeiler doppelt ausgeführt, hier führen im Inneren Treppen empor. Die Spitze ist mit feinem Zierwerk versehen. Die Wände sind mit über 2000 Skulpturen und 135 Fialen ausgeschmückt, die einen Überblick geben über die Bildhauerkunst einheimischer und fremder Künstler und Handwerker aus verschiedensten Epochen.

Dach mini|Blick über das Dach Richtung Westen Eine Besonderheit ist das für Touristen kostenpflichtig begehbare Dach. Es ist wahlweise über eine Treppe oder einen Aufzug erreichbar. Von dort aus bietet sich ein Ausblick auf die Details der Steinmetzkunst des Domesu. a. auch Skulpturen von kämpfenden Boxern zu Ehren von Primo Carnera. Des Weiteren kann man das Panorama der gesamten Stadt sowie an klaren Tagen bis zu den Alpen sehen.

Vierungsturm mini|hochkant|Vierungsturm

Der achteckige Vierungsturm von Amadeo wurde im 15. und 16. Jahrhundert errichtet. Auf der zentralen Turmspitze prangt eine weithin sichtbare vergoldete Statue der in den Himmel auffahrenden Muttergottes, im Volksmund La Madonnina genannt (in der inoffiziellen Mailänder Stadthymne O mia bela Madunina besungen). Diese wurde nach einem Modell von Giuseppe Perego aus Kupferblech modelliert, nach dem Vorschlag von Anton Raphael Mengs vergoldet und 1774 aufgesetzt.

Portale mini|hochkant|Hauptportal Fünf Portale an der Fassade führen ins Innere. Die Bronzetüren des Hauptportals von Lodovico Pogliaghi zeigt die Sieben Freuden Mariae gegenüber einer Verbildlichung ihrer Sieben Schmerzen. In den virtuos modellierten Reliefs verbinden sich Elemente der Neugotik mit solchen des Jugendstils.

Das äußerste nördliche Seitenportal von 1948 widmet sich dem Frieden des Christentums; die großen Tafeln des Edikts von Mailand im Zentrum werden von Szenen zur Verfolgung und Befreiung der Christen begleitet. Die Flügel der nächsten Tür von 1950 widmen sich dem Leben des heiligen Ambrosius’. Rechts vom Hauptportal geht es weiter mit Schilderungen mittelalterlicher Kämpfe Mailands gegen das Heilige Römische Reich und die Holztür ganz rechts von 1965 schildert die Domgeschichte in der Ära des Karl Borromäus.

Inneres und Ausstattung mini|Grundriss des Mailänder Doms. Großbuchstaben von A bis E bezeichnen die Strebepfeiler, Kleinbuchstaben von a bis 1 die Portale. Die römischen Ziffern von I bis XXXIX bezeichnen die Fenster, die arabischen Ziffern von 1 bis 41 die Strebepfeiler, die Statuen sind mit Kleinbuchstaben des Alphabets gekennzeichnet. (I) Glasfenster mit Darstellungen des Evangelisten Johannes, (V) Glasfenster mit Darstellungen aus dem Neuen Testament, (9) Grabmal von Gian Giacomo Medici, (18) Portal der südlichen Sakristei, (20) Statue von Martin V. von Jacopino da Tradate, (25) Portal von Giacomo da Campione, (XXV) Glasfenster mit Darstellungen des Heiligen Johannes von Damaskus, (30) Kapelle Madonna dell'Albero, (31) Dreiflammiger Leuchter.

Der ganz regelmäßige Grundriss hat die Form eines lateinischen Kreuzes. Die Grundmaße der fünf Schiffe des Langhauses, des dreischiffigen Querhauses und des von Sakristeien flankierten Umgangschors nach französischem Vorbild folgen festen Maßverhältnissen: Mittelschiff und Vierung sind doppelt so breit wie jedes der quadratischen Seitenschiffe.

Der Aufriss, obwohl basilikal, zeigt eine für die lombardische Baukunst typische, nur geringe Höhenstaffelung, ist dadurch spärlich belichtet und wirkt gedrungen.Heinz Schomann: Kunstdenkmäler im westlichen Oberitalien. Darmstadt 1987, S. 410 Die Gewölbe werden von 52 Bündelpfeilern getragen, deren eigentümliche, bis zu sechs Meter hohe Kapitelle mit Nischen gekrönt werden, in denen Heiligenfiguren stehen und teilweise wiederum mit Prophetengestalten auf den Baldachinen abgeschlossen werden.

Der Fußboden des Domes wurde ab 1585 in der heutigen Form aus weiß-rot-schwarzen Platten gelegt und erst Mitte des 20. Jahrhunderts fertiggestellt. Er besteht aus Marmor und anderem Stein, die als farbige Inkrustationen verlegt sind.

Mittelportal Das Mittelportal wird an der Innenfassade von frühbarocker Architekturgliedern umgeben, und durch spätklassizistische Statuen von 1837 der Heiligen Ambrosius und Carlo flankiert. Ein Gedenkstein erinnert an die Domweihen von 1418 und 1577. Eine enge Treppe führt zu den archäologischen Ausgrabungen (Reste der Vorgängerbauten) und zum ehemaligen Baptisterium, in dem auch der heilige Augustinus, sein Sohn Adeodatus und Alypius Ostern 387 von Bischof Ambrosius getauft wurden.

Linkes Seitenschiff Hier befinden sich Altäre aus dem 16. bis 19. Jahrhundert mit bedeutenden Kunstschätzen, wie Marmorplatten aus dem 12. Jahrhundert mit Apostelfiguren und jenes Holzkreuz, das 1576 von Karl Borromäus während der Pest bei der Prozession getragen wurde. Weiters wurde die Taufkapelle mit einer römischen Wanne, die ursprünglich im Mittelschiff stand, im 17. Jahrhundert hierher verlegt.

Rechtes Seitenschiff mini|hochkant|Statue des gehäuteten Heiligen Bartholomäus aus dem Jahr 1562. Neben Altären aus dem 14. und 15. Jahrhundert sind viele Sarkophage von Heiligen und Stiftern aufbewahrt. Die Fenster wurden von flämischen, lombardischen und rheinischen Künstlern im 15. Jahrhundert hergestellt.

Querhaus