mini|400px| mini|400px|Beziehungen und Verwandtschaften der romanischen Sprachen (Romania) mini|250px|Sprachräumliche Entwicklung Südwesteuropas im 2. Jahrtausend n. Chr.
Die spanische oder auch kastilische Sprache (Spanisch; Eigenbezeichnung: español [] bzw. castellano []) gehört zum romanischen Zweig der indogermanischen Sprachfamilie und bildet mit dem Aragonesischen, dem Asturleonesischen, dem Galicischen und dem Portugiesischen die engere Einheit des Iberoromanischen.Siehe hierzu Vergleich von Spanisch und Portugiesisch. In einer weiter gefassten Sicht kann das Spanische auch noch zusammen mit dem Katalanischen, dem Französischen, dem Okzitanischen und weiteren kleineren romanischen Sprachen wie Norditalienisch in die Westromania eingeordnet werden.
Die Wissenschaft, die sich mit der spanischen Sprachesiehe u. a. Symbiosismus, Generative Grammatik und spanischen Literatur beschäftigt, heißt Hispanistik. Der spanische Sprachraum wird als Hispanophonie bezeichnet. Spanisch ist wegen des historischen Kolonialismus die häufigste Muttersprache auf dem amerikanischen Doppelkontinent und gilt z. B. durch die Funktion als Amtssprache zahlreicher internationaler Organisationen als Weltsprache (in Spanien selbst ist Spanisch jedoch nicht die einzige Sprache, siehe Sprachen in Spanien).
mini|Die spanische Sprachakademie in Madrid, die Real Academia Española
Geschrieben wird Spanisch mit lateinischen Buchstaben. Im modernen Spanisch werden zusätzlich der Akut-Akzent für Vokale sowie die beiden Zeichen ñ und ü verwendet. In älteren Wörterbüchern finden sich auch das ch und ll noch als eigenständige Buchstaben.
mini|links|200px|Porträt des Antonio de Nebrija 200px|mini|Andrés Bello
Geschichte und Hintergrund zur kastilischen Sprache In den Punischen Kriegen ab etwa 200 v. Chr. versuchte das Römische Reich, seinen Einfluss über die ganze iberische Halbinsel schrittweise auszubauen. Die römische Militärpräsenz einerseits und der Ausbau der römischen Verwaltungsstrukturen andererseits führten dazu, dass sich die lateinische Sprache fast in der ganzen iberischen Einflusssphäre verbreitete. Latein wurde zur Amtssprache und dadurch zur dominierenden Verkehrssprache im westlichen Mittelmeerraum. Sodann entwickelte sich ein regionales Volkslatein, sermo vulgaris oder Vulgärlatein,Ein Begriff, der auf Hugo Schuchardt zurückgeht und den er in seiner 1864 veröffentlichten Dissertation De sermonis Romani plebei vocalibus erstmals entwickelte. das in der römischen Kaiserzeit von Militärpersonen, den Legionären, aber auch Händlern, Einwanderern aus anderen römischen Provinzen sowie administrativem Personal, den Beamten, gesprochen wurde, sich jedoch vielfach im Hinblick auf phonetische, syntaktische, morphologische und lexikalische Strukturen von der lateinischen Schrift- und Hochsprache unterschied. Dennoch stellte diese verwendete Umgangssprache keine fest umrissene Sprache mit einer definierten Struktur dar.Latein und seine Tochtersprachen. Universität München Lehramt, S. 1–11 (PDF; 2,3 MB).Eugenio Coseriu: Aus dem Spanischen von Wulf Oesterreicher. Unveröffentlichtes Manuskript. Montevideo 1954, S. 2–43, 135–150, 172–202.
mini|hochkant|links|Eine Seite aus der Historia Roderici, in welcher die Taten von El Cid erzählt werden
In der Spätantike führten politische, ökonomische und demografische Veränderungen zum Untergang des Römischen Reiches. Auf der Iberischen Halbinsel etablierte sich als Ergebnis der Zuwanderung germanischer Bevölkerungsteile vorübergehend das Westgotenreich, das jedoch in wenigen Jahren zwischen 711 und 719 von aus Nordafrika kommenden muslimischen Eroberern (Arabern und Berbern) zerstört wurde. Nur der Nordrand der Iberischen Halbinsel blieb von der islamischen Expansion fast gänzlich unberührt, und hier bildeten sich neue, überwiegend christliche Herrschaftsgebiete, die im Laufe der folgenden Jahrhunderte die südlich anschließenden Territorien „zurückeroberten“ (Reconquista).
Dabei übte die westgotische KulturMarcos Roman Prieto: Spanisch-germanischer Lehnaustausch. Books on Demand (BoD), 2008, ISBN 978-3-638-94414-4, S. 6 f. weit weniger Einfluss auf die romanischen Sprachen der Halbinsel aus als später das Arabische. Im Herrschaftsgebiet der Muslime bildete sich aus dem Vulgärlatein die mozarabische Sprache, die infolge der Reconquista von den sich am Nordrand der Halbinsel ausbildenden romanischen Sprachen (Galicisch, Kastilisch, Katalanisch etc.) verdrängt wurde.Wolf Dietrich; Volker Noll (Hrsg.): Einführung in die spanische Sprachwissenschaft Ein Lehr- und Arbeitsbuch. Erich Schmidt Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-503-13719-0, S. 15 f. Nach dem 15. Jahrhundert dürfte sie gänzlich verschwunden sein.
Mit der Reconquista breiteten sich die Sprachen des Nordens im Süden der Iberischen Halbinsel aus, besonders erfolgreich waren das Kastilische im Zentrum sowie das Galicische im Westen (siehe auch Alfons VI.), aus denen das heutige Spanisch und Portugiesisch hervorgingen.Heiner Böhmer: Grammatikalisierungsprozesse zwischen Latein und Iberoromanisch. Gunter Narr Verlag, Tübingen 2010, ISBN 978-3-8233-6564-8. Am Ostrand konsolidierte sich das Katalanische, während die weiteren romanischen Sprachen der Halbinsel (Aragonesisch, Asturisch-Leonesisch) nahezu verschwunden sind.
Das erste bekannte schriftliche in einer romanischen Sprache verfasste Dokument aus Spanien stammt von einem Mönch im Kloster San Millán de la Cogolla: Die Glosas Emilianenses, ursprünglich in lateinischer Sprache geschrieben, erschienen 964 auf West-Aragonesisch (auch Navarro-Aragonesisch genannt), das eng mit dem Kastilischen verwandt ist.
Zu Beginn des 12. Jahrhunderts entstand die Historia Roderici, die die Taten von El Cid zunächst auf Latein erzählte. Später erschien im Jahr 1235 ein handschriftliches und im Altspanischen geschriebenes Epos, El Cantar de Mio Cid.Hinweis für Philologen: Das Wort Mio im Werktitel ist ein im modernen Spanischen nicht mehr existierendes atonales Possessivpronomen (Verwendung strukturell ähnlich wie port. meu, ital. mio und frz. mon) und schreibt sich (anders als das moderne spanische Wort mío) ohne Akut.
Anschließend kam mit Alfonso X. (dem Weisen) ein vielseitig gebildeter Monarch an die Macht, der sich schon vor seiner Inthronisation durch das Verfassen von Texten auszeichnete. Während seiner Herrschaft vollendete er sein umfangreiches Gesamtwerk mit Themen zu Wissenschaft (Astronomie), Geschichte und Recht. Er war als intellektueller Angelpunkt für die Konsolidierung der spanischen Sprache sowie deren Emanzipation vom Lateinischen bzw. Vulgärlateinischen die herausragende Person im 13. Jahrhundert.Reinhard Kiesler: Einführung in die Problematik des Vulgärlateins. Walter de Gruyter, 2006, ISBN 3-11-091655-X, S. 105 f.
Zur Zeit der katholischen Könige entstanden mit dem bekannten lateinisch-spanischen Wörterbuch Universal vocabulario en latín y en romance (1490) durch Alfonso Fernández de Palencia eine Reihe von Wörterbüchern. De Palencia stützte sich dabei auf das lateinisch-lateinische Wörterbuch Elementarium Doctrinae Rudimentum des aus Italien stammenden Papias, welches um die Jahre 1040 bis 1050 entstanden war, und fügte dem lateinischen Lexikon kastilische Ausdrücke hinzu.Annegret Alsdorf-Bollee, Ingrid Neumann-Holzschuh: Spanische Sprachgeschichte. 5. Auflage. Klett, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-12-939624-7, S. 107.Medina Guerra: Antonia Ma Modernidad del universal vocabulario de Alfonso Fernández de Palencia. (PDF; 803 kB) E. L. U. A.,7, 1991, S. 45–60 (spanisch).
Im Jahre 1492 erschien von Antonio de Nebrija die Gramática de la lengua castellana („Grammatik der kastilischen Sprache“). Nebrijas Grammatik war die erste gedruckte Grammatik einer romanischen und nichtklassischen Sprache.Gustav Ineichen: Zur Stellung der spanischen Grammatik Nebrijas. In: Wolfgang Dahmen (Hrsg.): Zur Geschichte der Grammatiken romanischer Sprachen: Romanistisches Kolloquium IV. (= Tübinger Beiträge zur Linguistik. Band 357). Narr Verlag, 1991, ISBN 3-8233-4212-6, S. 227 f. Esteban de Terreros y Pando, ein jesuitischer spanischer Philologe und Lexikograph während der Zeit der Aufklärung, erstellte ein kastilisches Wörterbuch, das Diccionario castellano con las voces de ciencias y artes,Francisco M. Carriscondo Esquivel: In: Oihenart. 23, 2008, S. 13–34 (spanisch). dessen erster Band 1786 gedruckt wurde.Emilio Cotarelo y Mori: Diccionario Biográfico y Bibliográfico de Calígrafos Españoles. Band II, S. 269 in Auñamendi Eusko Entziklopedia Consultado 21. März 2011.
Die Real Academia Española ist seit dem Jahr 1713 die maßgebliche Institution für die Pflege der spanischen Sprache. Ein Gründungsdirektor war Juan Manuel Fernández Pacheco. Regelmäßig erscheinen unter dem Dach ihres Hauses Wörterbücher, Grammatiken und orthographische Wörterbücher. Die Akademie stellt eine der wichtigsten Quellen der spanischen Sprachgeschichte dar. Ihre Vorgaben sind im Schulunterricht und Behördengebrauch Spaniens und der Spanisch sprechenden Länder Amerikas verbindlich. In der Umgangssprache wird sie ohne den Zusatz häufig („Königliche Akademie für Sprache“) genannt.Alonso Zamora Vicente: La Real Academia Española. Espasa Calpe, Madrid 1999, ISBN 84-239-9185-7, S. 33. 1771 wurde die erste Grammatik der Akademie veröffentlicht. Der in Chile lehrende Dichter und Gelehrte Andrés Bello beschäftigte sich im 19. Jahrhundert intensiv sprachwissenschaftlich. Seine Befürchtung war, die spanische Sprache könnte in den nun unabhängigen Ländern Hispanoamerikas eine ähnliche Entwicklung nehmen wie das Lateinische mit seiner Zersplitterung in die verschiedenen romanischen Sprachen. Sein erklärtes Ziel war demnach, mit seiner Grammatik zur Einheit der spanischen Sprache in Lateinamerika beizutragen.
Ursprung und Name Das Spanische respektive Kastilische entwickelte sich aus einem im Grenzgebiet zwischen Cantabria, Burgos, Álava und La Rioja gesprochenen lateinischen Dialekt zur Volkssprache Kastiliens (die geschriebene Sprache blieb dagegen lange das Lateinische). Davon wurde dann der Name castellano (Kastilisch) abgeleitet, der sich auf den geographischen Ursprung der Sprache bezieht.
Die andere Bezeichnung, español (spanisch), stammt von der mittelalterlichen lateinischen Bezeichnung Hispaniolus beziehungsweise Spaniolus (Diminutiv von „Spanisch“) ab. Ramón Menéndez Pidal befürwortet eine weitere etymologische Erklärung: Die klassische Form hispanus oder hispanicus habe im Vulgärlateinischen das Suffix -one erhalten (wie etwa in den Begriffen bretón (Bretonisch), frisón (Friesisch) usw.) und sich von hispanione zum altkastilischen españón gewandelt, „das sich durch die Dissimilation der beiden Nasale bald zu español weiterentwickelte, mit der Endung -ol, das nicht gebraucht wird, um Nationen zu bezeichnen“.Ramón Menéndez Pidal, Manual de gramática histórica española, Espasa-Calpe, 1985, S. 181.
Historische und sozioökonomische Entwicklungen und seine weit verbreitete Verwendung als Verkehrssprache machten das Kastilische zur Lingua franca der gesamten iberischen Halbinsel in Koexistenz mit anderen dort gesprochenen Sprachen: Man vermutet, dass gegen Mitte des 16. Jahrhunderts bereits etwa 80 % der Spanier Kastilisch sprachen.Irene Lozano: Lenguas en guerra. Espasa Calpe, 2005, S. 92.
Durch die Eroberung Amerikas, das als Privatbesitz in den Händen der kastilischen Krone war, dehnte sich die spanische Sprache über den halben Kontinent aus, von Kalifornien bis Feuerland.
Castellano oder Español? In spanischsprachigen Ländern finden sich für das Hochspanische die Begriffe español und castellano parallel, während in nichtspanischsprachigen die Sprache fast ausschließlich als „Spanisch“ (, , , etc.) bezeichnet wird.