Teheran (, traditionell auch //) ist die Hauptstadt Irans und der gleichnamigen iranischen Provinz. Im administrativen Stadtgebiet leben knapp 8,7 Millionen Menschen (laut Volkszählung von 2016). Die Bevölkerungszahl der Metropolregion wird auf rund 20 Millionen Einwohner geschätzt; die offizielle Statistik von 2011 belegt jedoch nur 15,2 Millionen Menschen.Offizielle demografische Statistik 2011. Als Industrie- und Handelsstadt mit Universitäten, Hochschulen, Bibliotheken und Museen ist Teheran ein bedeutendes Wirtschafts-, Wissenschafts- und Kulturzentrum sowie ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt des Landes.

Der Name der Stadt Der Ursprung des Namens Teheran (eigentlich Tehran) ist nicht eindeutig zu bestimmen. So wird beispielsweise vermutet, dass sich der Name aus den Wörtern tah und ran zusammensetzt, deren Bedeutung auf die mittelalterlichen, unterirdisch angelegten Behausungen der Einwohner abzielt: tah bedeutet „Tiefe“. Nach einer anderen Auffassung leitet sich Teheran vom altpersischen teh ran ab, was in etwa „warmer Ort“ bedeutet.

Wilhelm Eilers führt Teheran auf den iranischen Kurznamen čihr („Gestalt, Herkunft“) zurück, der mit der patronymen Endung -an zu čihran wird. Der Ortsname wäre somit vom früheren Herrschaftsgebiet eines Adligen gleichen Namens abgeleitet.Wilhelm Eilers: Geographische Namensgebung in und um Iran. Ein Überblick in Beispielen. Bayerische Akademie der Wissenschaften. Sitzungsberichte, Jahrgang 1982, Heft 5, C. H. Beck, München 1982, S. 12.

Die deutsche Schreibweise und Aussprache des Stadtnamens stammen von ihrer französischen Version ab. Da das h aspiré im Französischen nicht ausgesprochen wird, ist eine zusätzliche Silbe eingefügt worden: Das zweisilbige Tehran wurde zu Téhéran.

Geographie

Geographische Lage mini|Satellitenbild von Teheran Die Stadt liegt südlich des Elburs-Gebirges und des Kaspischen Meeres im Iranischen Hochland durchschnittlich 1191 Meter über dem Meeresspiegel. 66 Kilometer nordöstlich befindet sich der hohe Vulkan Damawand, der höchste Berg Irans. In nördlicher Richtung grenzen die Abhänge des hohen Berges Totschal (mit Seilbahn) an das Stadtgebiet.

Auf Grund der Hanglage gibt es in der Hauptstadt erhebliche Höhenunterschiede. Die Stadtbezirke im Süden grenzen an die Salzwüste Dascht-e Kawir und liegen durchschnittlich 1000 Meter über dem Meeresspiegel, das Stadtzentrum bei circa 1100 bis 1200 Meter und die Vororte im Norden bei etwa 1700 Meter.

Das Stadtgebiet mit einer Fläche von 716,9 Quadratkilometern erstreckt sich jeweils 50 Kilometer in Nord-Süd- und Ost-West-Richtung. Die Metropolregion hat eine Ausdehnung von 18.814 Quadratkilometern.

Die Flüsse Karadsch im Westen der Ebene und der Dschadschrud, der im Osten an Teheran vorbeifließt, versorgen die Stadt mit Wasser. An beiden Flüssen sind im 20. Jahrhundert Talsperren errichtet worden, unter anderem die Amir-Kabir-Talsperre. Entlang den großen Straßen der Hauptstadt verlaufen offene Kanäle, in die Wasser aus den umliegenden Bergen geleitet wird. Durch den Wasserverbrauch und die Dürre ist der Grundwasserspiegel in der Stadt zwischen 1984 und 2011 um zwölf Meter gesunken. Seither hat sich die Situation stets verschlimmert.Mahmud Haghshenas Haghighi, Mahdi Motagh: Ground surface response to continuous compaction of aquifer system in Tehran, Iran: Results from a long-term multi-sensor InSAR analysis. In: Remote Sensing of Environment. 221, 2019, S. 534, doi:10.1016/j.rse.2018.11.003.

Geologie mini|Elburs-Gebirge im Norden Teherans mit dem Stadtteil Schahrak-e Gharb im Vordergrund Teheran liegt in einer erdbebengefährdeten Zone. Die Region im Iranischen Hochland ist tektonisch sehr aktiv. Hier stoßen die Indisch-Australische und die Arabische Kontinentalplatte auf die Eurasische Platte. Mehrmals im Jahr kommt es zu leichten Erdstößen. Am 27. März 1830 erschütterte ein Beben von 7,0 Punkten auf der Richterskala die Stadt. Fast alle Gebäude der Hauptstadt wurden zerstört. In der gesamten Region starben schätzungsweise 45.000 Menschen.

Weitere schwere Erdbeben trafen die Region in den Jahren 300 v. Chr. (Stärke 7,6), 743 (7,2), 855 (7,1), 958 (7,7), 1177 (7,2), 1383 (7,0), 1665 (6,5) und 1815 (7,1). Nach Angaben von Seismologen kommt es in Teheran im Durchschnitt alle 150 Jahre zu einem großen Beben. Da das letzte schon länger als diese Zeitspanne zurückliegt, steigt die Wahrscheinlichkeit für ein schweres Erdbeben in den nächsten Jahren.

Die mangelnde Erdbebensicherheit der meisten Gebäude (einschließlich der öffentlichen Gebäude wie Krankenhäuser), die Verstöße gegen Bauvorschriften durch Verwendung billiger Materialien und auch die mangelnde Erdbebenplanung stellen für die Bevölkerung der Stadt ein großes Risiko dar. Auch die Verlegung der Hauptstadt in ein erdbebensicheres Gebiet wird von Zeit zu Zeit diskutiert.

Das Iranische Hochland mit der Hauptstadt Teheran erstreckt sich 3000 Kilometer weit von Nordwesten nach Südosten quer durch den Trockengürtel der nördlichen Passatzone und trennt das afrikanisch-arabische vom turanisch-zentralasiatischen Wüstengebiet. In seinem Aufbau erinnert es an Kleinasien. Hier wie dort wird ein aus Senken und Teilbecken bestehendes Hochland von Randgebirgsketten eingefasst. Im Norden wird die Einfassung vom an das Kaspische Meer angrenzenden Elburs-Gebirge, mit dem ruhenden Vulkan Damawand, und dem girlandenartigen Zug der nordiranischen Randgebirge gebildet.

Das Innere ist durch Gebirgszüge in eine Anzahl Senken und Becken gekammert, die abflusslos sind. Infolge des Trockenklimas kann der vom Gebirge stammende Verwitterungsschutt bei der geringen Wasserführung der Flüsse nicht abtransportiert werden, so dass die Gebirge in ihrem eigenen Schutt „ertrinken“. In den Becken finden sich ausgedehnte Wüsten, die teilweise von den Flüssen mit salzhaltigen Tonen gefüllt wurden und sich in der Regenzeit in Salzsümpfe verwandeln.

Stadtgliederung mini|Das administrative Stadtgebiet von Teheran mini|Stadtbezirke Teherans Teheran gliedert sich in 22 Bezirke (Bezirk = ) und 120 Unterbezirke (Unterbezirk = ). Die Einwohnerzahlen in der folgenden Tabelle beziehen sich auf die Volkszählungen (Zensus) von 1996, 2006 und 2016.

Bezirk Zensus 1996 Zensus 2006Zensus 2016 1 249.676 379.962487.508 2 458.089 608.814701.303 3 259.019 290.726330.649 4 663.166 819.921919.001 5 427.995 679.108858.346 6 220.331 237.292251.384 7 300.212 310.184312.194 8 336.474 378.725425.197 9 173.482 165.903174.239 10 282.308 315.619327.115 11 225.840 275.241307.940 Bezirk Zensus 1996 Zensus 2006Zensus 2016 12 189.625 248.048241.83113 245.142 245.724248.952 14 394.611 483.432515.795 15 622.517 642.526641.279 16 298.410 291.169268.406 17 287.367 256.022273.231 18 296.243 317.188419.882 19 227.389 247.815261.027 20 356.079 335.634365.259 21 188.890 159.793186.821 22 56.020 108.674176.347 ∑ 6.758.885 7.797.5208.693.706

Klima In der iranischen Hauptstadt herrscht semiarides Kontinentalklima (nach der Klassifikation von Köppen und Geiger: Bsk). Es variiert stark abhängig von der Höhe über dem Meeresspiegel. Der hoch gelegene Norden Teherans erfreut sich kühlerer Temperaturen als der südliche Teil der Stadt, der am Rand der zentraliranischen Wüstenregionen liegt.

Die Sommer sind trocken und heiß. Die Durchschnittswerte für den Juli liegen im Süden der Stadt bei über 30 °C (im Norden um die 25 °C). Die Winter sind kalt (im Norden im Januar 2 °C, im Süden 5 °C). Oft schneit es im Norden und Westen Teherans, während im Süden der Stadt die Sonne scheint.

Es fällt insgesamt wenig Niederschlag, durchschnittlich 230 Millimeter pro Jahr. Die mittlere Durchschnittstemperatur beträgt 16,5 °C. Im Sommer steigen die Temperaturen bis auf 40 °C, aber die Sommernächte sind kühl.

Der kälteste Monat ist der Januar. Die Temperaturen fallen dann auf einen mittleren Wert von 2,2 °C, was statistisch etwa der durchschnittlichen Januar-Temperatur von Köln entspricht.worldweather.org Der wärmste Monat ist der Juli mit einem Durchschnittswert von 29,7 °C. Der meiste Niederschlag fällt zwischen Dezember und April mit 28 bis 37 Millimeter im Durchschnitt, der wenigste zwischen Juni und September mit einem bis drei Millimeter im Mittel.

Geschichte Ursprung mini|Das Außenministerium in Teheran, ein restauriertes Gebäude der Kadscharenzeit Den ersten Hinweis auf Teheran – damals noch eine unbedeutende Obstgärten-Siedlung in der Nähe der wichtigen Stadt Rey – stellt die entsprechende Nisbe im Namen des 874/75 oder 884/85 verstorbenen Gelehrten Abu Abdallah Muhammad ibn Hammad at-Tehrani ar-Razi dar. Der Ort selbst, dessen Bewohner zum Teil in unterirdischen oder halbunterirdischen Gängen und Höhlen lebten, wurde erstmals in Ibn Balchis Fars-nama erwähnt. In diesem zwischen 1108 und 1116 entstandenen Werk findet sich (wie noch oft in der Geschichte) eine Angabe zur ausgezeichneten Qualität der Granatäpfel, die in Teheran angebaut wurden.

Teheran gehörte zu den Reichen der Buyiden und Seldschuken, denen Rey zeitweilig als Residenz diente. Im 13. Jh. wurde der Ort mit seinem bedeutenden Markt unter anderem von Yaqut beschrieben, bevor 1220 Rey von den Mongolen erobert wurde und seine Bewohner in der unterirdischen Siedlung Schutz suchten. Die damals erfolgte Zerstörung Reys hatte zur Folge, dass Teheran sich allmählich zu einer Stadt entwickelte, die 1340 von Mustaufi als klein, aber wichtig beschrieben wurde.

Safawiden und Zand-Fürsten Teheran entwickelte sich erst während der Regierung der Safawiden zu einer Stadt. Die Siedlung und ihre Zitadelle, der spätere Golestanpalast, wurden unter Tahmasp I. (1513–1576) mit einer Mauer umgeben. Tahmasp war 1524 im Alter von nur zehn Jahren als Nachfolger seines Vaters, Ismail I. (1501–1524), zum zweiten Schah der Safawidendynastie gekrönt worden.

Unter Abbas I. (1571–1629), der zeitweise in Teheran residierte, entstanden breite Straßen und Alleen. Auch Karim Khan-e Zand (1705–1779), Gründer der kurzlebigen Dynastie der Zand-Fürsten, nutzte die Stadt zeitweilig als Residenz. Er ließ einen Palast bauen und die Stadtmauer wegen der Bedrohung durch die Kadscharen verstärken. Trotz militärischer Erfolge gegen die Kadscharen – er tötete deren Anführer Mohammed Hassan Khan und nahm seinen Sohn Agha Mohammed Khan (1742–1797) als Geisel – verlegte er seine Residenz aus Sicherheitsgründen wieder zurück nach Schiras.

Kadscharen mini|Meydan-e maschq Trotz der Umwallung unter den Safawiden und Zand-Fürsten blieb Teheran zunächst eine Provinzstadt. Dies änderte sich schlagartig mit dem Tod von Karim Khan 1779. Aga Mohammed Khan konnte sich nun aus der Gefangenschaft befreien und mit Hilfe der Kadscharen die Macht übernehmen.

1788 nahm er den letzten Regenten der Zand-Dynastie, Lotf Ali Khan (1769–1794), gefangen und tötete ihn. Ein Jahr später verlegte er seine Residenz nach Teheran. Dort krönte er sich im Frühjahr 1796 zum Schah und begründete damit die Kadscharen-Dynastie. Um das Jahr 1800 zählte man etwa 15.000 Einwohner.

Unter seinem Nachfolger Fath Ali (1762–1834) entstanden zahlreiche Moscheen, Medressen und Paläste, unter anderem auch der Golestanpalast. Auch die Befestigungsmauer um die Stadt wurde teilweise restauriert. Der Kadscharenherrscher Nāser ad-Din Schāh (1831–1896) vergrößerte während seiner Regierungszeit das ursprüngliche Stadtgebiet um das Fünffache. Er ließ die alte Stadtmauer abreißen und durch eine neue mit prächtigen Stadttoren ersetzen. 1883 zählte man über 100.000 Einwohner. Damit wurde Teheran zur größten Stadt Persiens, bedingt auch durch die starke Zentralisierung des Landes.

Pahlavis mini|Von links nach rechts: Stalin, Roosevelt und Churchill 1943 in Teheran