mini|hochkant|László Moholy-Nagy, porträtiert um 1930 von Hugo Erfurth rahmenlos|zentriert|klasse=notpageimage skin-invert-image|hochkant=0.8|Unterschrift László Moholy-Nagy
László Moholy-Nagy (IPA: )Aussprache wie Moholi-Nagy also und nicht wie normalerweise im Ungarischen für die Buchstabenkombination ly, da er seinen Namen nach dem Ort Mohol (heute Mol in Serbien) aussuchte (geborener László Weisz; * 20. Juli 1895 in Bácsborsód, Österreich-Ungarn; † 24. November 1946 in Chicago), war ein ungarischer avantgardistischer Maler, Fotograf, Typograf und Bühnenbildner, der von 1923 bis 1928 am Bauhaus in Weimar und Dessau als prägender Lehrer tätig war. Er zählt zu den wichtigsten und einflussreichsten Künstlern der Klassischen Moderne.
Leben Österreich-Ungarn 1895–1920 mini|hochkant|Selbstporträt (1918)
László Weisz war ein Sohn des jüdischen Gutsbesitzers Lipót Weisz und von Karolin, geborene Stern, einer Cousine (zweiten Grades?) des bekannten Dirigenten Georg Solti, im südungarischen Dorf Borsód (Borschod). 1896 trennten sich die Eltern und die Mutter zog mit ihren drei Söhnen nach Mohol (jetzt Mol) zu ihrem Onkel, dem Rechtsanwalt Gustáv Nagy., ausführliche Biographie , biographische Details, besonders ab 1920 Ab 1905 besuchte László ein Gymnasium in Szeged, 1910 änderte die Mutter den Familiennamen in Nagy. 1911 erschienen erste Gedichte von ihm in lokalen Zeitungen. Nach seinem Abitur 1913 zog die Familie nach Budapest, wo er ein Jurastudium begann. 1915 wurde er in die österreichisch-ungarische Armee als Offizier bei der Artillerie eingezogen. Aus dieser Zeit sind einige Zeichnungen und Texte von ihm erhalten. 1917 wurde er verletzt und kam zur Genesung nach Budapest. Dort veröffentlichte er kurze Texte in der Literaturzeitschrift Jelenkor.
Nach seiner Entlassung aus dem Militärdienst im Oktober 1918 nahm László Nagy kurzzeitig sein Jura-Studium wieder auf, brach dieses jedoch bald endgültig ab. Er besuchte Abendkurse bei dem Maler Róbert Berényi, bei dem er mit wichtigen Werken alter Meister, des deutschen Expressionismus und der russischen Avantgarde vertraut gemacht wurde. In diesem Jahr konvertierte er zur ungarisch-reformierten Kirche. 1919 sympathisierte er mit der jungen ungarischen Räterepublik, wurde aber wegen seiner großbäuerlichen Herkunft und seiner Vergangenheit als Offizier nicht in die Kommunistische Partei aufgenommen. Nach deren Niederschlagung im August 1919 zog er zunächst nach Szeged und im Dezember nach Wien. Dort publizierte er Texte (und Grafiken?) in der ungarischen Kunstzeitschrift MA. Etwa seit dieser Zeit nannte er sich László Moholy-Nagy.
Deutschland 1920–1934
Im Januar 1920 zog er nach Berlin, wo er mit avantgardistischen Künstlern bekannt wurde, darunter auch mit den Ungarn Alfréd Kemény, Ernő (Ernst) Kállai und László Péri. 1921 heiratete er die Fotografin Lucia Schulz. 1922 hatte er seine erste Einzelausstellung (zusammen mit Laszlo Peri) in der Galerie Der Sturm in Berlin. Dort begegnete er Walter Gropius. Ab 1923 unterrichtete er an dessen Bauhaus als Leiter des Vorkurses und Formmeister der Metallwerkstatt. In den folgenden Jahren prägte er dessen Profil wesentlich mit. Ab 1924 gab er mit Walter Gropius die Bauhausbücher und die Zeitschrift bauhaus heraus. Zu seinen Schülern gehörte dort Marianne Brandt (Künstlerin).
1928 verließ László Moholy-Nagy das Bauhaus in Dessau und gründete ein eigenes Atelier in Berlin. 1929 trennte er sich von seiner Frau Lucia. 1932 heiratete er die Schauspielerin und Dramaturgin Sibyl Pietzsch in London.Ann Lee Morgan: The Oxford Dictionary of American Art and Artists. Oxford Univ. Press 2007, ISBN 978-0-19-512878-9, S. 316.
Emigration 1934–1946 1934 emigrierte Lászlo Moholy-Nagy mit seiner Familie zunächst nach Amsterdam, 1935 dann nach England (London) und 1937 in die USA. In Chicago gründete und leitete er das New Bauhaus und nach dessen Schließung 1938/1939 das Nachfolgeinstitut School of Design. Er starb dort im November 1946 an Leukämie und wurde auf dem Graceland Cemetery bestattet.
miniatur|Grabstein in Chicago László Moholy-Nagy und seine zweite Frau Sibyl hatten zwei Töchter Hattula (1933–2024Hattula Moholy-Nagy. Obituary In: chicagotribune.com, 8. Dezember 2024.), die später den Nachlass verwaltete, und Claudia (1935–1971).
Grafisches Werk mini|hochkant|LIS (1922) mini|hochkant|Bauhausbücher Band 8 1925 mini|Bühnenbildentwurf für die Miniaturoper Hin und zurück an der Krolloper 1930
László Moholy-Nagy beschäftigte sich vor allem mit nichtgegenständlicher Malerei, beeinflusst von Kasimir Malewitsch. In seinem Berliner Atelier pflegte er auch Kontakt zu dem Lautdichter Kurt Schwitters, und zu den Künstlern Theo van Doesburg, und Lazlar El Lissitzky. Seine Arbeit als Grafikdesigner war stark von der De-Stijl-Bewegung, dem Konstruktivismus und der Merzkunst beeinflusst.
Gestaltend und beratend vereinte er die ästhetischen Forderungen des Bauhauses mit den Bedingungen und Mechanismen der Produktwerbung. Moholy-Nagy erschuf ungegenständlich-konstruktivistische Plastiken, Gemälde, Fotografien und Grafiken. Moholy-Nagy war in den 1920er Jahren einer der wichtigsten Fotogrammkünstler, er erarbeitete die theoretische und experimentelle Grundlage für die Etablierung dieser damals neuen Kunstgattung. Er prägte den Begriff der Fotoplastik als Ausdruck für künstlerische fotografische Arbeiten, die aus der Kombination und Ineinanderschaltung verschiedener grafischer und anderer gestalterischer Elemente mit fotografischen Arbeiten entstehen.L. Moholy-Nagy: fotografie ist lichtgestaltung. In: bauhaus. Heft 1, Dessau 1928, S. 9 – Mit Fotoplastiken meinte Moholy-Nagy nicht Skulpturen. Es entstehen in der Fotoplastik, so Moholy-Nagy, „aus der zusammenfügung von fotografischen elementen mit linien und anderen ergänzungen unerwartete spannungen, die über die bedeutung der einzelnen teile weit hinausgehen … denn gerade die ineinanderschaltung von fotografisch dargestellten geschehniselementen, die einfachen bis komplizierten überlagerungen formen sich zu einer merkwürdigen einheit … diese einheit kann in ihren ergebnissen erheiternd, ergreifend, niederschmetternd, satirisch, visionär, revolutionär usw. wirken.“ Die Arbeit mit Licht und seiner Brechung, Fixierung und Reflexion prägten gleichermaßen sein Interesse an den neuen technischen Medien Fotografie und Film. 1925 erschienen seine programmatischen Überlegungen dazu in der Reihe der bauhausbücher unter dem Titel Malerei Fotografie Film. Im Jahr 1929 konzipierte er den programmatischen Eingangsraum der internationalen Werkbund-Ausstellung Film und Foto, in den Material und theoretische Überlegungen des Buchs eingingen.
Des Weiteren kreierte er mit anderen Künstlern des Bauhauses, u. a. Herbert Bayer, das erste deutsche Lifestylemagazin, die neue linie. Seine Telefonbilder der 1920er Jahre können als frühes Werk der Medienkunst interpretiert werden.
1933 gestaltete er für die Glaswerks Schott & Gen in Jena eine neuartige Werbung für das von Wilhelm Wagenfeld gestaltete Hauswirtschaftsglas.
Während seiner Zeit in London finanzierte sich Moholy-Nagy durch wechselnde Aufträge im Bereich der Schaufenster-Dekoration, Werbung als auch durch Film- und Fotoarbeiten. Seine Eindrücke der urbanen Metropole sind in Fotografieren festgehalten, die gemeinsam mit der Journalistin Mary Benedetta für das durch John Miles Ltd. beauftragte Buch „The Street Markets of London“ 1936 entstanden.
Ehrungen Nach László Moholy-Nagy wurde später die Moholy-Nagy-Universität für Kunsthandwerk und Gestaltung in Budapest benannt (1880 gegründet).
Ausstellungen (Auswahl) 1922 Einzelausstellung (mit Laszlo Peri) in Galerie Der Sturm, Berlin, erste Ausstellung 1929 Gestaltung eines Raums, im Martin-Gropius-Bau, Berlin (2019 rekonstruiert)
1997: László Moholy-Nagy. Photograms 1922–1943, bei Fundació Antoni Tàpies, Barcelona. Fundacio Antonio Tapues 2009: László Moholy-Nagy. Auf dem Weg nach Weimar, im Kunsthaus Apolda. 2009/2010: László Moholy-Nagy. Retrospektive, in der Schirn Kunsthalle, Frankfurt am Main. 2010/2011: László Moholy-Nagy. Kunst des Lichts, im Martin-Gropius-Bau, Berlin. 2011: Moholy-Nagy-Ausstellung, Stadtmuseum Den Haag.L László Moholy-Nagy Gemeente museum 2014/2015: sensing the future: lászló moholy-nagy, die medien und die künste, im Bauhaus-Archiv, Berlin.Sensing the future Bauhaus 2019: László Moholy-Nagy und die Neue Typografie. Rekonstruktion einer Ausstellung Berlin 1929, in Kunstbibliothek – Staatliche Museen zu BerlinLászló Moholy-Nagy und die Neue Typografie. Rekonstruktion einer Ausstellung Berlin 1929 – 29. August 2019 bis 15. September 2019, zuletzt aufgerufen am 9. Mai 2019. 2026 Reinventing László Moholy-Nagy, in Collegium Hungaricum, BerlinReinventing Moholy Nagy Culture
Filme Lâszló Moholy-Nagy drehte auch mehrere dokumentarische und experimentelle Kurzfilme
1929 Der Kaufmann von Berlin, Filmteile zur Theateraufführung 1929/1932 Impressionen vom alten Marseiller Hafen (Marseille vieux port) 1931/1932 Berliner Stilleben 1932 Ein Lichtspiel Schwarz-Weiß-Grau 1932 Großstadt-Zigeuner, über Sinti und Roma in Berlin, nur eine informelle Aufführung 1933, danach mehrere ab 1981 1933 Tönendes ABC 1933 Architektenkongreß (?) Lobsters, Ton-Dokumentarfilm
Publikationen (Auswahl)
Zeitgemäße Typographie – Ziele, Praxis, Kritik. In: Aloys Ruppel (Hrsg.): Gutenberg Festschrift zur Feier des 25jährigen Bestehens des Gutenbergmuseums in Mainz. Gutenberggesellschaft, Mainz 1925, S. 307–317. Malerei, Photographie, Film. (= Bauhausbücher. Band 8). Albert Langen, München 1925; 2. Auflage: Langen, München 1927 (Digitalisat). Von Material zu Architektur. (= Bauhausbücher. Band 14). Albert Langen, München 1929 (Digitalisat).
Nachlass László Moholy-Nagys älteste Tochter Hattula Moholy-Nagy (* 1933), eine Archäologin, gründete im Jahr 2003 zusammen mit ihren beiden Söhnen die Moholy-Nagy-Stiftung, die sich um den Nachlass ihres Vaters kümmert und verwaltet. Der Sitz der Stiftung ist Ann Arbor in den Vereinigten Staaten.
Literatur Andreas Haus: Moholy-Nagy, Fotos und Fotogramme. Schirmer-Mosel, München 1978, ISBN 3-921375-16-9.
C. Müller: Typofoto. Wege der Typografie zur Foto-Text-Montage bei Laszlo Moholy-Nagy. (= Neue Bauhausbücher). Gebr. Mann, Berlin 1994, ISBN 3-7861-1720-9. László Moholy-Nagy. Malerei Fotografie Film. (= Neue Bauhausbücher). Mit einer Anmerkung des Herausgebers und einem Nachwort von Otto Stelzer. 3. Auflage. Gebr. Mann, Berlin 2000, ISBN 3-7861-1465-X. Gudrun Wessing: László Moholy-Nagy: Gestalter des bewegten Lichts. Weimarer Verlagsgesellschaft ein Imprint von Verlagshaus Römerweg, Wiesbaden , ISBN 978-3-7374-0254-5. Hans-Michael Koetzle: László Moholy-Nagy. Hirmer, München 2019, ISBN 978-3-7774-3403-2. Jeannine Fiedler (Hrsg.): Moholy Album – László Moholy-Nagy. Steidl Verlag, Göttingen 2019, ISBN 978-3-95829-107-2. Sören Fischer: Streifzüge durch eine Welt der Ungegenständlichkeit. László Moholy-Nagy, Theo van Doesburg, Max Bill. In: Sören Fischer, Dieter Scheid (Hrsg.): Konkret Kunst. Ausst.-Kat. Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern, Kaiserslautern 2023, ISBN 978-3-89422-234-5, S. 8–25.
Weblinks
László Mohoöy-Nagy Moholy-Nagy Foundation (englisch) Fotografien von Laszlo Moholy-Nagy im George Eastman House (englisch) László Moholy-Nagy bei bauhauskooperation.de László Moholy-Nagy bei Google Arts & Culture Der Mann mit Blouson und Bundhose EJournal, über Leben und Werk von László Moholy-Nagy Bild A 7, 1922 von Laszlo Moholy-Nagy, im Museum Kunstpalast, Düsseldorf Moholy-Nagy Steidl Verlag László Moholy-Nagy METROMOD Archiv, von Burcu Dogramaci
Einzelnachweise
Kategorie:Bildender Künstler (Berlin) Kategorie:Maler (Vereinigte Staaten) Kategorie:Künstler des Konstruktivismus Kategorie:Fotokünstler Kategorie:Lichtkünstler Kategorie:Designer Kategorie:Lehrer am Bauhaus Kategorie:Künstler im Beschlagnahmeinventar „Entartete Kunst“