mini|hochkant|Die spätromanische Pfarrkirche St. Viktor in Oberbreisig mini|Blick auf Bad Breisig mini|Bad Breisig aus nordöstlicher Richtung mini|Panoramabild: Bad Breisig und Bad Hönningen mini|Burg Rheineck (und Bad Hönningen)

Bad Breisig ist eine Kurstadt und ein staatlich anerkanntes Heilbad im Landkreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz. Sie ist Verwaltungssitz der gleichnamigen Verbandsgemeinde, der die Stadt angehört. Bad Breisig ist gemäß Landesplanung als Grundzentrum ausgewiesen.

Geographie Lage Die Stadt liegt linksrheinisch am nördlichen Mittelrhein, ca. 30 Kilometer südöstlich von Bonn. Sie gliedert sich in die Stadtteile Oberbreisig, Niederbreisig und Rheineck. Zum Stadtteil Niederbreisig gehören auch die Wohnplätze Auf dem hohen Rech, Glasfabrik, Haus Mohr, Kesselberg, Wohnplatz Weiler, Haus Rabenkopf und Goldene Meile; zum Stadtteil Oberbreisig die Wohnplätze Heiligental, Lieshof, Mönchsheide, Auf Wallers und Josefshof; zum Stadtteil Rheineck die Burg Rheineck und das Waldgut Rheineck.

In Bad Breisig mündet der Frankenbach in den Rhein.

Quellen Der Titel Quellenstadt rechtfertigt sich aus der reichen Anzahl an Quellen in Bad Breisig.

Geyrsprudel – 1914 erbohrte Heilwasserquelle, siehe Kurbad und Kuranlagen Gertrudisquelle – 1925 erbohrte Heilwasserquelle Mariensprudel – 1927 erbohrte Heilwasserquelle Ludgerussprudel – 1914 erbohrte Heilwasserquelle Rudolph-Halpaus Quelle – 1957 erbohrte Mineralwasserquelle, siehe Bronni (Mineralwasser) Michaelisquelle – 1959 erbohrte Heilwasserquelle, siehe Bronni (Mineralwasser)

Geschichte Bad Breisig liegt nördlich der Mündung des Vinxtbaches, des Grenzbachs zwischen den beiden römischen Provinzen Nieder- und Obergermanien, in den Rhein. Frühe Besiedlungsspuren stammen aus der späten Altsteinzeit wie Ausgrabungen des Forschungsbereichs Altsteinzeit des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (Mainz) zeigten.G. Waldmann, O. Jöris, M. Baales: Nach der Flut. Ein spätallerødzeitlicher Rückenspitzen-Fundplatz bei Bad Breisig. In: Archäologisches Korrespondenzblatt. 31, 2001, S. 173–184.M. Baales, O. Jöris: Zwischen Nord und Süd. Ein spätallerødzeitlicher Rückenspitzen-Fundplatz bei Bad Breisig, Kr. Ahrweiler (Mittelrhein, Rheinland-Pfalz). In: Die Kunde. N. F. 52, 2001, S. 275–292.S. B. Grimm: Ein spätallerødzeitlicher Fundplatz bei Bad Breisig, Kreis Ahrweiler. In: Berichte zur Archäologie an Mittelrhein und Mosel. 9, 2004, S. 11–32.

Der Name „Breisig“ (lat. Brisiacum) ist keltischen Ursprungs.Liste keltischer Orts- und Gewässernamen im deutschen Sprachraum Reiche Funde aus zwei Gräberfeldern weisen auf die Bedeutung des Siedlungsplatzes Oberbreisig zur Zeit der Landnahme der Franken hin.

Ein „Brismike“, das in einer Schenkungsurkunde König Zwentibolds, König von Lotharingien, an das Reichsstift Essen unter der Äbtissin Wicburg erwähnt wurde, meint nicht Breisig, sondern – mit anderen Dörfern zusammen – ein Gebiet in der Gegend um das heutige Erkelenz. Gesichert ist, dass das „Breisiger Ländchen“ dem Stift zur Zeit der Äbtissin Mathilde (971–1011) geschenkt wurde.Philipp de Lorenzi: Beiträge zur Geschichte sämtlicher Pfarreien der Diöcese Trier, Bischöfliches General-Vikariat, 1887, S. 393 Online Das „Ländchen“, zu dem die Orte Niederbreisig, Oberbreisig, Gönnersdorf, Niederlützingen, Oberlützingen, Brohl und ein Teil von Rheineck gehörten, war territorial selbständig, doch der Herzog von Jülich übte seit dem Spätmittelalter die Vogtrechte aus.

Erstmals 1215 ist in „Brysich“ eine Niederlassung der Tempelritter anlässlich einer Schenkung vom Florinsstift zu Koblenz erwähnt. Diese entwickelte sich in den kommenden Jahrzehnten zu einer der wichtigsten Kommenden des Ordens. In der Donatuskapelle des Ordens befand sich eine Kreuzreliquie, die die Templer aus Outremer mitgebracht hatten, und die heute in der Pfarrkirche St. Marien verwahrt wird. Mit der Verfolgung und Aufhebung des Ordens von 1307 bis 1312 gingen die Besitzungen ins Kirchengut über, die Johanniter übernahmen für die nächsten 500 Jahre die Besitzungen der Templer. Erhalten hat sich lediglich die Bezeichnung eines Hauses an der Koblenzer Straße als Templerhof.

Unter der Fürstäbtissin Berta von Arnsberg (1241–1292) wurde der Ort gegen 1280 mit Graben und Ringmauer befestigt. Das erste Breisiger Siegel ist für 1356 bekundet. 1374 erhielt Breisig von Kaiser Karl IV. Marktrechte. Die Pfarrkirche war zu dieser Zeit die Kirche St. Viktor in Oberbreisig.

Im Herbst 1568 wird Breisig in die Kriegswirren des Unabhängigkeitskrieges der Niederlande gegen die spanische Fremdherrschaft hineingezogen. Breisig diente als Rückzugsort für die Truppen des Prinzen von Oranien.Das Buch Weinsberg. 5. Aufl., Hrsg. J. J. Hässlin, Bachem Verlag, Köln 1997, S. 361

Das Breisiger Ländchen verblieb bei Essen und Jülich bis zum Einmarsch der französischen Revolutionstruppen 1794. Nach dem Wiener Kongress 1815 wurde es preußisch.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen die heute zu Bad Breisig gehörenden Ortschaften zum damals neu gebildeten Land Rheinland-Pfalz. In Niederbreisig kamen im Sommer 1949 etwa 150 Flüchtlinge und Heimatvertriebene, die dem Land Nordrhein-Westfalen zugeteilt waren, in dem dafür instandgesetzten Niederbreisiger Rheinhotel unter. Sie arbeiteten in Bad Godesberg und hatten zuvor im dortigen Rheinhotel Dreesen gewohnt, das für das französische Hochkommissariat geräumt werden musste.Helmut Vogt: Rheinland-Pfalz, Nachbar der jungen Bundeshauptstadt. In: Bonner Geschichtsblätter. Band 49/50, 1999/2000 (2001), , S. 501–502.

Am 5. Mai 1958 erhielt Niederbreisig den Titel „Bad“, die Kuranlagen gehen jedoch bereits auf die Erbohrung der warmen Quellen 1914 zurück. Bad Breisig wurde am 7. Juni 1969 aus den bis dahin selbständigen Gemeinden Bad Niederbreisig (3718 Einwohner), Oberbreisig (1616) und Rheineck (251) neu gebildet. Am 2. Mai 1970 erhielt Bad Breisig die Stadtrechte.

Im Jahr 1972 wurde der geplante Bau eines Kernkraftwerkes im Großraum Koblenz bekannt, als einer der möglichen Standorte wurde dabei auch die Goldene Meile zwischen Bad Breisig und Sinzig genannt. Aus Gründen des Trinkwasserschutzes musste diese Planung allerdings später aufgegeben werden, stattdessen wurde das Kernkraftwerk Mülheim-Kärlich realisiert.

Die Stadt lebt vom Kurbetrieb und Tourismus. Sie profitiert von ihrer Lage am Rhein und ihrer geografischen Nähe zu Koblenz und Bonn sowie Köln; insoweit ist sie auch beliebtes Tagesausflugsziel. Der traditionelle Kurbetrieb befindet sich in Umgestaltung zu einem zeitgenössischen Ansprüchen entsprechenden Erholungszentrum mit Wellness-, Fitness- und Sportangeboten.

Einwohnerstatistik Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Bad Breisig, bezogen auf das heutige Stadtgebiet. Die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:

Konfessionsstatistik Mit Stand 30. Juni 2005 waren von den Einwohnern 53,7 % römisch-katholisch, 17,9 % evangelisch und 28,4 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Bad Breisig Stichtag: 30. Juni 2005 Die Anteil der Katholiken und Protestanten an der Gesamtbevölkerung ist seitdem beträchtlich gesunken. Ende Oktober 2025 hatten 34,2 % der Einwohner die katholische und 11,8 % die evangelische Konfession. 54,0 % gehörten entweder einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder waren konfessionslos.Gemeindestatistik Bad Breisig, abgerufen am 21. November 2025

Politik Stadtrat Der Stadtrat in Bad Breisig besteht aus 24 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Stadtbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Stadtrat: Wahl SPD CDU Grüne AfD FDP Linke FWG Gesamt 2024 5 9 2 2 1 – 5 24 Sitze 2019 7 8 – – 2 1 6 24 Sitze 2014 8 11 – – 1 – 4 24 Sitze 2009 6 12 – – 2 – 4 24 Sitze 2004 8 11 – – 2 – 3 24 Sitze FWG = FWG Freie Wählergruppe Verbandsgemeinde Bad Breisig e. V.

Stadtbürgermeister Marcel Caspers wurde am 14. Juli 2021 Stadtbürgermeister von Bad Breisig. Bei der Direktwahl am 11. Juli 2021 war er mit einem Stimmenanteil von 82,8 % gewählt worden. Da er bereits Bürgermeister der Verbandsgemeinde ist, führt er die beiden Ämter nun in Personalunion. Bei der Kommunalwahl 2024 wurde Caspers als einziger Bewerber mit 84,3 % der Stimmen wiedergewählt. Die Wahlbeteiligung lag bei 53,9 %.

Der Vorgänger von Caspers, Udo Heuser, hatte 2019 das Amt von Gabriele Hermann-Lersch (CDU) übernommen. Er war bei einer nötigen Neuwahl am 25. August 2019 gewählt worden, nachdem Amtsinhaberin Hermann-Lersch bei der regulären Wahl im Mai nicht die notwendige Mehrheit von 50 Prozent der Stimmen erzielen konnte.Niedrige Wahlbeteiligung: Bad Breisig hat einen neuen Bürgermeister Im April 2021 trat er nach Kritik an seiner Amtsführung mit sofortiger Wirkung zurück.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke Die Pfarrkirche St. Viktor im Ortsteil Oberbreisig wurde 1041 erstmals urkundlich erwähnt. Sie ist die Mutterkirche des „Breisiger Ländchens“. Die heutige spätromanische Kirche entstand zwischen 1220 und 1240. Fresken aus dem 14./15. Jahrhundert sind erhalten, die Ausstattung ist im Übrigen barock.

Die barocke Kirche St. Marien (1717–1725) ist ein einschiffiger Hallenbau in gotisierenden Formen mit quadratischem Turm und Haube.

Im klassizistischen Rathaus (1873/1874), das seit 1988 als solches nicht mehr genutzt wird, ist ein Puppenmuseum mit über 400 Exponaten (größtenteils 1860 bis 1920) eingerichtet.

Die evangelische Pfarrkirche stammt von 1901.

Bad Breisig verfügt über eine Vielzahl denkmalgeschützter Gebäude vom 17. Jahrhundert bis zur Gründerzeit. Das historisch bedeutsamste ist der Templerhof; der bestehende Bau, in dem ein Restaurant eingerichtet ist, stammt von 1657, ein Vorläufer wurde jedoch bereits 1215 urkundlich erwähnt. Historisch in Bad Breisig ist auch die Brücke „Pont de Wagram“ aus der napoleonischen Zeit.

Kurbad und Kuranlagen Die Erbohrung der ersten 34 °C warmen Thermalquelle (stündlich 70.000 Liter Schüttung) gelang im April 1914 nach zweijährigen Versuchen Peter Lang und seinem Sponsor Baron Maximilian von Geyr zu Schweppenburg (nach ihm Geyrquelle genannt). Mit dem Wasser einer zweiten, 1927 erbohrten Quelle (Marienquelle) mit einer Schüttung von 200.000 l stündlich wurde in Rheinnähe 1928 das erste Thermalschwimmbad errichtet und das Kurhaus in den Räumlichkeiten der Villa Oehme, einem ehemaligen Erholungsheim der Breisiger Freimaurer und späteren Residenz eines dänischen Generalkonsuls, eröffnet.

Der Kurpark weist heute noch den historischen Baumbestand der einstigen Villa auf. Die ältesten Exemplare sind bezeichnet und erklärt. Das Kurhaus wurde 1975 umgebaut und erweitert.

Der Kurbetrieb hatte sich 1936 unter dem lokalen Unternehmer Johann Martin Schuh mit der Errichtung des Heilbäderhauses Geyrsprudel anstelle des ursprünglichen kleinen Fachwerk-Badehauses aus der Weimarer Republik erweitert. Sein Sohn Willy errichtete 1961 ein neues Thermalbad, nachdem die Marienquelle im Zweiten Weltkrieg durch Erderschütterungen zugeschüttet worden und das alte Bad nicht mehr nutzbar war (dieses ist heute nicht mehr vorhanden). Das neue Bad von 1961 wurde im Dezember 1991 zu den Römer-Thermen, einem Wellness-Bad mit Saunalandschaft, umgebaut, 2009 erneut modernisiert und mit römischem Ambiente versehen.

Kurhaus und Kurhotel waren 2005 insolvent und mussten geschlossen werden. Im Januar 2011 wurde das historische Kurhaus abgerissen, nachdem die Stadt seine Sanierung als unrentabel verworfen hat. Der Erweiterungsbau von 1975 wurde verkauft und soll einer neuen Nutzung (Eigentumswohnungen, Café und Sitz der Touristeninformation) zugeführt werden.

Regelmäßige Veranstaltungen Die folgenden Feste finden alljährlich in Bad Breisig statt: Karnevalsumzug (Karnevalsgesellschaft von 1892) alle zwei Jahre Brunnenfest (von Christi Himmelfahrt bis zum darauffolgenden Sonntag): Verkaufsoffener Sonntag, Antiquitätenmarkt, Livemusik, Krönung der Brunnenkönigin