Die Steinzeit ist die früheste Epoche der Menschheitsgeschichte. Sie ist durch erhalten gebliebenes Steingerät gekennzeichnet und begann – nach heutigem Forschungsstand – mit den ältesten als gesichert geltenden Werkzeugen der Oldowan-Kultur vor 2,6 Millionen Jahren.Sileshi Semaw: The World’s Oldest Stone Artefacts from Gona, Ethiopia: Their Implications for Understanding Stone Technology and Patterns of Human Evolution Between 2·6–1·5 Million Years Ago. In: Journal of Archaeological Science. Band 27, 2000, S. 1197–1214, doi:10.1006/jasc.1999.0592, (PDF; 1 MB) Als Produzenten von Steingeräten gelten die frühen, nur fossil überlieferten Menschen-Arten Homo rudolfensis und Homo habilis sowie alle späteren wie zum Beispiel Homo ergaster / Homo erectus, die Neandertaler und auch der anatomisch moderne Mensch (Homo sapiens).

Die Bezeichnung Steinzeit wurde 1836 von Christian Jürgensen Thomsen mit dem Dreiperiodensystem eingeführt, als er die Urgeschichte Dänemarks nach vorrangig genutzten Werkstoffen für Werkzeuge, Waffen und Schmuck in Steinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit gliederte. Die Steinzeit Europas wird heute zusätzlich unterteilt in Altsteinzeit, Mittelsteinzeit und Jungsteinzeit. Für Afrika südlich der Sahara gibt es eine eigene Gliederung der Epoche, bestehend aus Early Stone Age, Middle Stone Age und Later Stone Age, die von den für Europa gültigen Zeitabschnitten abweicht.

Ans Ende der Steinzeit wird, zeitlich regional sehr unterschiedlich, aber stets beginnend mit dem Aufkommen des Werkstoffs Kupfer, die Kupfersteinzeit gestellt. Erst mit der frühen Bronzezeit wird die Steinzeit in einigen Regionen der Welt abgelöst, in Mitteleuropa etwa um 2200 v. Chr.

Altsteinzeit oder Paläolithikum

Die Altsteinzeit umfasst – wie das Early Stone Age in Afrika – den größten Teil der Menschheitsgeschichte, beide beginnend mit afrikanischen Funden vor etwa 2,6 Millionen Jahren. Die vermutlich erste Auswanderungswelle aus Afrika ist durch Werkzeug- und Fossilienfunde vom altpleistozänen Fundplatz Dmanissi in Georgien belegt, für den ein Alter von 1,8 Millionen Jahren berechnet wurde. In Europa sind die frühesten Nachweise von Homininen vermutlich ca. 1,1 Millionen Jahre altEudald Carbonell et al.: The first hominin of Europe. In: Nature. Band 452, 2008, S. 465–469, doi:10.1038/nature06815 (Sierra de Atapuerca, Spanien), in Mitteleuropa sind sie, belegt durch den Unterkiefer von Mauer, maximal 600.000 Jahre alt. Die Altsteinzeit endete mit dem Übergang vom Pleistozän zum Holozän vor etwa 12.000 Jahren.

Altpaläolithikum mini|Chopping Tool (Hackwerkzeug) mini|Faustkeil aus Hornstein, 26,8 × 12 × 5,5 cm, Acheuléen (ca. 500.000-300.000 Jahre), Naturhistorisches Museum Toulouse

Per definitionem beginnt die Steinzeit mit dem erstmaligen Gebrauch von Werkzeugen aus dem Material Stein durch frühe Vorfahren des anatomisch modernen Menschen (Homo sapiens). Werkzeuge können so definiert werden, dass das Grundmaterial in irgendeiner Form zum Zwecke des Gebrauches verändert wurde. Demnach sind Geröllgeräte des Oldowan, die durch einige wenige Abschläge scharfe Kanten erhielten, die ersten belegten Werkzeuge der Menschheit. Ob diese Veränderungen anfangs bewusst herbeigeführt wurden oder aber durch Zufall entstanden, wird sich wohl nie eindeutig klären lassen. Mindestens aber erkannten ihre Hersteller deren Nutzen und tradierten wohl auch bald die Werkzeuge und deren Herstellungsmethoden. Die ältesten als gesichert geltenden Funde des Altpaläolithikums stammen vom Fundplatz Gona in Äthiopien und sind 2,6 Millionen Jahre alt. Ob auf ein Alter von 3,4 Millionen Jahre datierte Einkerbungen auf Knochen vom äthiopischen Fundplatz Dikika zu Recht als Schnittspuren von Werkzeugen interpretiert wurden,Shannon P. McPherron, Zeresenay Alemseged, Curtis W. Marean et al.: Evidence for stone-tool-assisted consumption of animal tissues before 3.39 million years ago at Dikika. In: Nature. Band 466, 2010, S. 857–860, doi:10.1038/nature09248 ist umstritten.Yonatan Sahle, Sireen El Zaatari und Tim White: Hominid butchers and biting crocodiles in the African Plio–Pleistocene. In: PNAS. Band 114, Nr. 50, 2017, S. 13164–13169, doi:10.1073/pnas.1716317114 Als gesichert gilt, dass Homo habilis bereits Steingerät herstellte, für Homo rudolfensis gilt dies als wahrscheinlich, und möglicherweise stammen einige der frühesten Funde auch von Paranthropus robustus, einer Art aus dem Formenkreis der Australopithecina.

Für viele Jahrtausende änderte sich am Inventar wenig. Vor etwa 600.000 Jahren entwickelte sich dann die Werkzeugkultur weiter, das Acheuléen mit seinen Faustkeil-Industrien begann, wiederum zuerst in Afrika. Auch in diesem Zeitalter änderte sich sehr lange nichts, das Acheuléen lässt sich bis vor etwa 100.000 Jahren finden und ist in Europa mit den Neandertalern verbunden.

Erstmals wurde im Altpaläolithikum das Feuer genutzt – eine wichtige Voraussetzung, um auch kältere Regionen zu besiedeln und Nahrung für die Verdauung des Menschen bekömmlicher zu machen.Peter S. Ungar (Hrsg.), Evolution of the human diet: the known, the unknown, and the unknowable. Oxford: Oxford University Press 2007 Die ältesten gesicherten Feuerstellen, die zweifelsfrei durch Menschen angelegt wurden, stammen aus der Wonderwerk-Höhle in Südafrika und sind etwa 1,7 Millionen Jahre alt. Als Indiz dienen verbrannte Knochensplitter und Pflanzenreste im tiefen Inneren der Höhle.Peter B. Beaumont: The edge: More on fire-making by about 1.7 million years ago at Wonderwerk Cave in South Africa. In: Current Anthropology. Band 52, Nr. 4, 2011, S. 585–595, doi:10.1086/660919.

Mittelpaläolithikum

Die Faustkeile des Acheuléen veränderten sich vor etwa 130.000–120.000 Jahren, wurden asymmetrisch (sogenannte Faustkeilmesser). Man spricht nun vom Mittelpaläolithikum und seiner ersten Stufe, dem Micoquien, gleichzeitig entwickelte sich eine ganz neue Form der Werkzeugbearbeitung: Abschläge vom Kernstein wurden erzeugt, die kleiner und leichter waren und flexibler gehandhabt werden konnten (Moustérien mit Levalloistechnik). Im Allgemeinen wird das Mittelpaläolithikum mit dem Neandertaler assoziiert, allerdings fanden sich seit etwa 90.000 Jahren im Nahen Osten auch anatomisch moderne Menschen. Die Menschen waren weiterhin Jäger und Sammler, besonders Großwild wurde gejagt, zusammengesetzte Waffen (Holz und Stein, verbunden durch einen Klebstoff aus Birkenpech) und Feuer waren bekannt. Erste Kunstwerke (Venus von Berekhat Ram)F. d’Errico, A. Nowell: A new look at the Berekhat Ram figurine: implications for the origins of symbolism. In: Cambridge Archaeological Journal. Band 10, 2000, S. 123–167 entstanden, die Menschen begruben ihre Toten (Shanidar, Teschik-Tasch) und gaben ihnen wahrscheinlich auch schon Grabbeigaben mit in die Gräber, was eine Vorstellung über ein Leben nach dem Tode impliziert. Holz-, Knochen- und Geweihgeräte wurden wahrscheinlich intensiv genutzt, wovon sich aber fast nichts erhalten hat.

Jungpaläolithikum

Der Beginn des Jungpaläolithikums fällt zusammen mit den frühesten Belegen für die Anwesenheit des anatomisch modernen Menschen (Homo sapiens) in Europa und wird daher heute annähernd 45.000 Jahre vor unserer Zeit angesetzt. Erstmals kann man regionale Unterschiede in der Entwicklung feststellen – die es eventuell auch vorher bereits gab, mangels Fundinventars aber nicht nachweisbar sind. Lange, schmale Klingen und Messer tauchen im Aurignacien in Mittel-, West- und Südeuropa auf, deren Träger nunmehr der moderne Mensch ist. Frühe Höhlenmalerei aus dem jüngeren Aurignacien ist in Frankreich belegt. Das älteste Beispiel einer aufwendigen Bestattung wurde in Sungir (Russland) mit den ca. 30.000 Jahre alten Gebeinen eines Mannes und zweier Kinder entdeckt. Auch Geräte aus organischer Substanz sind nunmehr weit häufiger überliefert.

mini|Löwe/Leopard aus Mammutelfenbein, 40.000 bis 30.000 Jahre alt, Vogelherd-Höhle, Baden-Württemberg

In Frankreich und Nordspanien findet man gleichzeitig das Châtelperronien (bis vor etwa 34.000 Jahren), dessen Inventar neben den jungpaläolithischen Elementen wie beim Aurignacien (bis vor etwa 28.000 Jahren) auch noch eine deutliche Tradition der Levalloistechnik aus dem Mittelpaläolithikum aufweist. Manche Forscher sehen im Unterschied dieser beiden Kulturen auch den Unterschied zwischen Neandertaler und Homo sapiens in dessen früheuropäischer Form als Cro-Magnon-Mensch. In Ost- und Mitteleuropa kann man gleichzeitig die Kulturen des Bohunicien und des Szeletien unterscheiden. Ab etwa 28.000 bis vor 21.000 Jahren findet sich das Gravettien, Fruchtbarkeitssymbole oder möglicherweise auch Darstellungen von Göttinnen wie die Venus von Willendorf deuten auf religiöse Vorstellungen hin.

Im Gebiet des heutigen Frankreich, Spanien und Portugal dagegen verbreitet sich das Solutréen von etwa 22.000 bis 16.500 Jahren vor unserer Zeit, das sich durch Lamellen und flächenretuschierte Blatt- und Kerbspitzen auszeichnet. Felszeichnungen, gravierte Knochen und Figuren finden sich ebenso. Im Magdalénien, dem letzten Abschnitt der jüngeren Altsteinzeit, geht die letzte Eiszeit langsam zu Ende. Typisch sind Klingenvarianten mit ersten Anzeichen der im Mesolithikum weit verbreiteten Mikrolithisierung. Die bekanntesten Höhlenmalereien (Höhle von Lascaux) stammen aus dem Magdalénien, ebenso eine zunehmende Zahl an kleinen, beweglichen Kunstwerken. Überreste von Zeltbauten fanden sich ebenso wie Lampen mit Docht, verbesserte Jagdwaffen und Schmuck, der bereits weit gehandelt wurde. Der am besten erhaltene Fund in Deutschland aus dieser Zeit sind die ca. 14.000 bis 13.000 Jahre alten Skelette und Kulturbeigaben aus dem Doppelgrab von Oberkassel, das den endpaläolithischen Federmesser-Gruppen zugeordnet ist.

Mittelsteinzeit oder Mesolithikum

Mit dem Ende der letzten Kaltzeit vor ca. 11.700 Jahren und der beginnenden Wiederbewaldung zu Beginn des Holozäns beginnt in Mitteleuropa die Mittelsteinzeit. Mit dem Aussterben der kaltzeitlichen Großwildfauna wurden neue Jagdtechniken erforderlich, um die in den Wäldern lebenden und sich mit ihnen ausbreitenden Tiere zu erjagen. Dies drückt sich nicht zuletzt im Aufkommen kleiner Pfeilspitzen, sogenannter Mikrolithen, aus. Eine frühe nordeuropäische Kultur war die Maglemose-Kultur, eine andere bekannte Kultur war in der Spätphase z. B. die Ertebölle-Kultur. Das mitteleuropäische Mesolithikum endete mit dem Beginn der Linienbandkeramik, die sich ab 6000 v. Chr. in Pannonien und in den folgenden 2000 Jahren bis in den Norden Europas ausbreitete.

Vergleichbare Übergangsperioden beginnen in verschiedenen Weltgegenden zu sehr unterschiedlichen Zeiten. So findet man in der Levante nur eine sehr kurze Übergangszeit bis etwa 9500 v. Chr., die hier auch nicht Mesolithikum, sondern Epipaläolithikum genannt wird.

Jungsteinzeit oder Neolithikum mini|Bandkeramische Gefäße aus Mitteldeutschland im Bestand der ur- und frühgeschichtlichen Sammlung der Universität Jena, die Friedrich Klopfleisch 1882 zur Definition der bandkeramischen Kultur benutzte

Der Beginn der Jungsteinzeit wird heute über den Übergang von der aneignenden zur produzierenden Wirtschaftsweise (neolithische Revolution) definiert, also dem Beginn von Viehhaltung und Ackerbau. Dieser Übergang begann in den Weltregionen zu sehr unterschiedlichen Zeiten. In der Levante z. B. begann die Jungsteinzeit mit dem Präkeramischen Neolithikum etwa 9500 v. Chr., breitete sich nach Anatolien und in den Balkan aus, bis es Mitteleuropa um 5600 v. Chr. erreichte. Manche Bewohner entlegener Regionen befinden sich noch heute im Hinblick auf ihre technische Entwicklung auf dem Niveau der Jungsteinzeit.

Einheitlich zu definierende regionale und zeitliche Kulturräume lassen sich nunmehr weit häufiger aus den archäologischen Funden bestimmen, als das in den vorhergehenden Epochen der Fall ist.