mini|hochkant|Das Hauptschiff des Speyerer Doms mini|Notre-Dame-la-Grande in Poitiers

Der Begriff Romanik (auch: romanischer/vorgotischer Stil) beschreibt die kunstgeschichtliche Epoche in der europäischen mittelalterlichen Kunst zwischen der Vorromanik und der nachfolgenden Gotik in Malerei, Bildhauerkunst und Architektur.

Die romanische Architektur beginnt etwa um 950/960 und tritt in ganz Europa auf. Sie wird in Frankreich ab den 1140er Jahren von der Gotik abgelöst, nördlich der Alpen sowie in Spanien und Italien jedoch erst im Lauf des 13. Jahrhunderts. Regionale Ausprägungen der italienischen Romanik werden teilweise auch als Protorenaissance bezeichnet. Über die Normandie gelangten im 11. Jahrhundert romanische Bauformen als Norman Style auf die britischen Inseln und lösten die dortige vorromanische angelsächsische Architektur ab.

Die Romanik gilt als erste große gesamteuropäische Kunstepoche seit dem Untergang Roms im 5. Jahrhundert und damit dem Ende der Antike. Als typische Erkennungsmerkmale romanischer Bauten gelten Rundbögen, Rundbogenfenster, Säulen mit blockartigen Kapitellen und Wände mit betont wuchtigen Steinmassen. Grundrisse und Baukörper folgen einfachen geometrischen Formen.Elmar Worgull: Steinerne Geometrie. Das gleichseitige Dreieck als Bauprinzip für die romanische Kirche des Augustiner-Chorherrenstifts in Frankenthal. (Hartmut Biermann zum 80. Geburtstag). Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 2005. ISBN 3-88462-214-5.

Wortschöpfung mini|Merowingische Krypta der Abtei Jouarre nordöstlich von Paris(Säulen römisch, Kapitelle 7. Jh., Gewölbe 10. Jh. oder jünger)

Die Bezeichnung art roman („romanische Kunst“, in Lautabwandlung von romain – „römisch“) wurde erstmals im Jahre 1818 von dem französischen Gelehrten Charles de Gerville (1769–1853) für den Rundbogenstil bzw. Gewölbe vor den Rippengewölben verwendetL'Institut national d'histoire de l'art: GERVILLE, Charles (de) und bereits 1819 in England von William Gunn (engl.: „romanesque“) eingesetzt.Andreas Hartmann-Virnich: Was ist Romanik? Geschichte, Formen und Technik des romanischen Kirchenbaus. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2004, S. 74. Der Begriff wurde als Hinweis auf die Verwandtschaft zur römischen Architektur gewählt, von der Rundbogen, Pfeiler, Säulen und Gewölbebau übernommen waren. Er ist analog zum Begriff der „romanischen Sprachen“ gebildet, der die im Mittelalter aus der römisch-lateinischen Sprache hervorgehenden Volkssprachen bezeichnet.

Zeitrahmen mini|hochkant|Chorumgang der Basilica Saint-Denis, Ausgangspunkt der Gotik

Der Romanik gingen die als Vorromanik zusammengefassten Stilepochen voraus. Diese waren aber regional recht unterschiedlich. Darunter fallen die byzantinisch geprägte Spätantike (byzantinische Architektur), die Baustile der Ostgoten und der Westgoten (westgotische Architektur) sowie der Langobarden. In deren Anschluss bildete sich in Westeuropa das Fränkische Reich heraus, dessen Stilepochen nach den Herrscherdynastien in eine merowingische und eine karolingische (Karolingische Renaissance) getrennt werden. Zeitgleiche regionale Ausprägungen gab es in Asturien und in Teilen Kroatiens. Die Jahrzehnte um das Jahr 900 haben nur wenige kleine Steinbauten und archäologische Spuren hinterlassen, da die Zeit von den Einfällen der Normannen an Küsten und schiffbaren Flüssen und denen der Madjaren (Ungarnsturm) aus dem Osten geprägt war.

Nach dem Niedergang der Karolinger und der Teilung des Reiches blühten im Ostfränkischen Reich Kunst und Architektur erst wieder auf, als die seit 919 regierenden Ottonenkaiser in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts politisch erstarkten. In ihren Stammgebieten entwickeln sich die nordöstlichen Kunstzentren (Magdeburg und Hildesheim). Treibende Kraft für Bautätigkeit und Kunstproduktion der Ottonischen Renaissance, mit der die Romanik beginnt, werden nun die Klöster. Der epochalen Eigenständigkeit der ottonischen Kunst entspricht in den meisten übrigen europäischen Ländern keine eigene Stilstufe. In Italien entwickelte die Lombardei eine nach Nordspanien und punktuell über die Alpen nach Norden wirkende Strahlkraft. Eine der Leistungen der lombardischen Präromanik war die Wiederbelebung und Weiterentwicklung des Backsteinbaus. In Frankreich setzt man den Beginn der ersten Phase der Romanik nach dem Machtantritt der Kapetinger (971) um die Wende vom 10. zum 11. Jahrhundert an. Damit begann dort eine Entwicklung, die schließlich zur Gotik hinführte.

Unter den Salischen Kaisern begann am Ende der 1060er Jahre die zweite Phase der Romanik.Ob man die ottonische begrifflich von der romanischen Kunst abgrenzt oder in diese einschließt, wird unterschiedlich gehandhabt. Vgl. den Artikel Vorromanik. In Deutschland wird sie als Hochromanik bezeichnet, in Norditalien als Lombardische Romanik. In Polen begann die Romanik mit der Krönung von Kasimir I. dem Erneuerer, im Jahre 1038. Mit der Errichtung der Kreuzfahrerstaaten erreichte die Romanik aber auch die Levante.

Mit der Errichtung des Chors der Abteikirche (heute Kathedrale) von Saint-Denis 1140 bis 1144 begann die Gotik in Frankreich, in Deutschland hingegen erst um 1180 (gotischer Umbau des Limburger Doms) bzw. 1209 (Neubau des Magdeburger Doms). Die zwischen diesen Jahren und auch noch danach errichteten romanischen Bauwerke in Italien, Deutschland und anderen Ländern werden der Spätromanik zugerechnet.

Der Stilwechsel fiel östlich der Maas in eine Zeit intensiver Bautätigkeit. Dadurch weisen zahlreiche Bauwerke sowohl romanische als auch gotische Stilelemente auf. Für entsprechende Kirchenbauten im Rheinland, die noch bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts entstanden, ist der Begriff Rheinischer Übergangsstil eingeführt; eine Gruppe niederländischer Bauten zwischen Niederrhein und Friesland wird dort als Romanogotik klassifiziert.

Romanische Baukunst mini|hochkant|Kreuzgratgewölbe der Kirche St. Jakob und St. Dionysius in Gadebusch

Allgemeines Typisch für die romanische Baukunst sind Rundbögen und dicke, festungsartige Mauern (besonders in den Westbauten) mit kleinen Fenstern. Die Kirchenräume sind oft noch mit offenen Dachstühlen oder flachen Holzdecken geschlossen, später werden immer weiter gespannte Tonnen- oder Kreuzgratgewölbe gebaut. Die Kapitelle, auch wenn sie vegetabil oder figürlich ausgestaltet sind, bleiben doch blockhaft kompakt. Ihre Grundform ist oft das Würfelkapitell.

In einigen romanischen Bauwerken finden sich Spolien, wiederverwendete Materialien aus antiken Bauten. Das reicht von einfachen Mauersteinen und Mauerziegeln bis zu erlesenen Bauteilen wie Kapitellen oder Säulen. Manche stammen aus römischen Ruinen der Umgebung. Insbesondere Säulen wurden auch von weit her importiert.

Romanische Kirchgebäude Weiterentwicklungen der Basilika mini|links|Basilika Saint-Sernin in Toulouse

Schon in der Spätantike hatte man die Bauform der Basilika, die vor dem Aufstieg des Christentums zur Staatsreligion ein Profanbau war, für Kirchenbauten verwendet. In der Romanik wurde dieser Bautyp weiterentwickelt. Das Querschiff, in der Spätantike nicht länger als das dreischiffige Langhaus breit und von diesem durch einen Triumphbogen getrennt, wurde nun mit dem Mittelschiff durch die Vierung verbunden, in der beide sich kreuzten. Die Querschiffsarme ließ man nun gerne seitlich über die Seitenschiffe hinausragen, wodurch der Grundriss des Gebäudes die Form eines lateinischen Kreuzes bekam.

Zwischen Vierung und Hauptapsis, bzw. bei Kirchen ohne Querhaus zwischen Kirchenschiff und Hauptapsis, wurde ein Chorjoch eingefügt. Dessen (zumeist westliche) Begrenzung zu den übrigen Kirchenräumen wurde nun als Triumphbogen ausgeführt.

Die Vierung ließ man oft als Turm über die Dächer von Hauptschiff und Querschiff hinaus ragen, mit Fenstern im Turmgeschoss und einer Kuppel als Decke.

Auch einige einschiffige Kirchen wurden mit Querschiff und Vierung ausgestattet, sie bekamen so einen deutlicher kreuzförmigen Grundriss.

Der Kirchenbau, ob mit einfachem Grundriss oder auch mit Langhaus, Querhaus und Chor konnte statt als Basilika (mit in der Höhe gestaffelten Kirchenschiffen) auch mit gleich hohen Schiffen als Hallenkirche ausgebildet werden.

Eine andere Entwicklung mit teilweise ähnlichem Ergebnis waren Emporenbasilika und Emporenhalle: Ähnlich wie es als Zentralbau schon in der Pfalzkapelle zu Aachen gebaut worden war, konnten über den Decken der Seitenschiffe weitere Räume angelegt werden, ebenfalls durch Arkaden zum Mittelschiff hin offen. In weniger großen romanischen Kirchen konnten Emporen der Trennung sozial unterschiedlicher Gruppen dienen. In den ganz großen dienten sie eher der Statik, dem Raumklima und der Demonstration von Reichtum. mini|hochkant=0.7|Baptisterium von Cremona

Zentralbauten

Im Abendland blieb der Longitudinalbau ein Standardtypus der Sakralarchitektur. Daneben gab es auch den Zentralbau. Er konnte aus einem einzigen runden oder polygonalen Raum bestehen, oder aus einem zumeist höheren Zentralraum und einem niedrigeren oder auch durch Emporen mehrgeschossigen Umgang. Als Zentralbau, in der Romanik vorzugsweise achteckig, errichtete man gerne Baptisterien (vor allem in Italien), Burgkapellen und Grabkapellen, sowie Heilig-Grab-Kirchen. Ein repräsentatives Beispiel findet man mit der Abteikirche Ottmarsheim im Elsass.

Apsis und Chor mini|hochkant=0.7|links|San Michele Maggiore, Pavia, Chorjoch und Apsis über der Krypta

Das Wichtigste am Innenraum mittelalterlicher Kirchen war die Umgebung des Hauptaltars im Osten. In frühchristlichen Basiliken hatte die Apsis mit dem Altar direkt an das Querschiff angeschlossen. In romanischen Basiliken setzte man vor die Apsis einen zusätzlichen Raum, der zusammen mit dieser den Chor (-Raum) bildete. Hier nahmen die Kanoniker oder Mönche an der Liturgie teil. Die gleichbleibenden Texte der Heiligen Messe wurden von ihnen „im Chor“ gesungen. (Gemeindegesang kam auch in der katholischen Kirche erst mit der Reformation auf.). In Kirchen ohne Querschiff konnte der Chor durch einen (Triumph-)Bogen vom übrigen Schiff getrennt sein. Bei einem abgegrenzten Altarraum konnte auf eine halbrunde Apsis verzichtet werden. Andererseits bekamen manche Kirchen Nebenapsiden an den Querhausarmen, oder zusätzlich zu dem Chor im Osten einen im Westen. Der Fußboden des Chors lag oft höher als der des Kirchenschiffs. Der Raum darunter, die durchweg mit gemauertem Deckengewölbe versehene Krypta, war Bestattungsort für Heilige und Würdenträger.

Im ländlichen Bereich wurde mancherorts auch zunächst nur eine kleine Kapelle als Witterungsschutz für Altar und Geistlichen errichtet, an die dann später ein Kirchenschiff für die Gemeinde angebaut wurde.Zwei gegenläufige bauhistorische Interpretationen der Dorfkirche in Drakenburg an der Weser: dentweder als romanische Kapelle, die später um ein gotisches Kirchenschiff zur Kirche erweitert wurde, oder als primär gotischen Kirchenbau mit nachträglich angebautem spätgotischen Chor.

Gewölbe mini|Stiftskirche Gandersheim mit Westwerk mini|Liebfrauenkirche in Andernach mit vier Türmen mini|Sainte-Trinité in Caen, Normandie, Vierungsturm und Vorstufe zur gotischen Zweiturmfassade