mini|hochkant=1.4|Die Antarktis mit Darstellung der antarktischen Konvergenz und Abgrenzung zu anderen Ozeanen mini|hochkant=1.4|Der antarktische Kontinentalsockel mit Umrisslinie mini|hochkant=1.4|Karte der subglazialen (unter dem Eis befindlichen) Topografie und Bathymetrie der AntarktisOzeangebiete: dunkelblauSchelfeisgebiete mittelblauJede Skalen-Farbstufe = 2.500 Fuß (762 m)Dicke durchgezogene Linie = Umriss des Kontinents,Dünne gestrichelte Linie = Rand des Schelfeises
Die Antarktis (von ; auch Südpolargebiet und Südpolgebiet) umfasst die um den Südpol gelegenen Land- und Meeresgebiete, also im Groben den Kontinent Antarktika und den Südlichen Ozean (Südpolarmeer, Antarktik). Sie ist damit eines der beiden Polargebiete. Als geographisch-astronomische Zone wird sie durch den südlichen Polarkreis begrenzt und reicht somit vom Südpol bis 66° 33′ südlicher Breite. Als ozeanografische Grenze gilt die antarktische Konvergenz bei etwa 50° südlicher Breite, wo das kalte antarktische unter das wärmere subtropische Oberflächenwasser absinkt. Seit dem Antarktisvertrag von 1959 gilt der 60. südliche Breitengrad als politische Grenze der Antarktis. Die Zone zwischen 46° and 60° Süd wird auch als subantarktisch bezeichnet. Seit der Definition des Südlichen Ozeans mit dem 60. Breitengrad (2000) beginnt sich diese Grenze auch auf den Antarktisbegriff auszuwirken. Die Subantarktis bildet jeweils die Südzone der umgebenden Meeresgebiete Südatlantik, Südpazifik und Südlicher Indischer Ozean.
Die Antarktis wurde ab 1820 von verschiedenen Forschern und Seefahrern befahren und untersucht. Sie ist die Antipodin der auf der Nordhalbkugel über dem Nordpol liegenden Arktis. 1959 wurden im Antarktisvertrag Regeln für die friedliche Nutzung und Forschung für alle Gebiete, die sich zwischen 60 und 90 Grad südlicher Breite befinden, aufgestellt. Seitdem gilt die Antarktis als das größte Naturschutzgebiet des Planeten.Léa de Gobert, Maya Schrödl und Géraldine Mertens, L’Antarctique: explorations belges d’hier et d’aujourd’hui. In: Science connection Nr. 58 (Oktober-November 2018) (PDF; 4,3 MB), S. 6–9 (französisch). Dies ist besonders deshalb bemerkenswert, weil es in der Antarktis viele wichtige Rohstoffe gäbe.Klaus Dieter Wolf: Die Antarktis. Letztes unerschlossenes Rohstofflager oder erstes Beispiel für einen ökologischen Neuanfang? In: Berthold Meyer und Christian Wellmann (Redaktion): Umweltzerstörung: Kriegsfolge und Kriegsursache. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1992, edition suhrkamp, S. 254–272, ISBN 978-3-518-11774-3.
Der Festlandbereich der Antarktis bildet die größte Eiswüste der Erde. Nur in sehr wenigen küstennahen Bereichen gehen die Eiswüstenklimate in Tundrenklimate über.
Geografie Als letzte von drei Seekarten der Südpol-Region veröffentlichte das deutsche Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) Ende März 2017 die Karte des internationalen Seegebiets Weddellmeer und des Gebiets vor Königin-Maud-Land. Sie wurde mit Hilfe von Daten des Forschungsschiffs Polarstern sowie Echolot- und Satellitendaten erstellt. Deutschland hatte die Verpflichtung zur aktuellen Kartografierung des Südpols 1991 im Protocol on Environmental Protection to the Antarctic Treaty („Umweltschutzprotokoll zum Antarktis-Vertrag“) übernommen.DLF24, 28. März 2017: (28. März 2017).bsh.de, Pressemitteilung, 27. März 2017: (28. März 2017).
Übersicht mini|Größenvergleich Europa-Antarktika
Die Antarktis als geografisch-astronomische Polarkreiszone polwärts von 66,6° südlicher Breite umfasst 21,2 Millionen km²; die Region bis 50° südlicher Breite ist 52 Millionen km² groß. Davon ist aber der größte Teil Ozean; nur wenige Landteile der Antarktischen Halbinsel ragen über den 66. Breitengrad hinaus, ebenso kleine Teile von Ostantarktika. Der Kontinent Antarktika ist mit fast 13,62 Millionen km² um etwa 3,1 Millionen km² größer als Europa. Die exakte Fläche des Festlandsbereiches ist nicht bekannt, weil große Teile der dauerhaften Eisbedeckung am Rande aus Schelfeis bestehen, das Wasserflächen wie z. B. Meeresbuchten überdeckt.
Die nächstgelegenen größeren Landmassen sind Feuerland an der Südspitze Südamerikas, das Kap Agulhas in Südafrika sowie die Inseln Tasmanien und Neuseeland.
Antarktika
mini|Antarktika: Mosaik aus Satellitenfotos
Antarktika bezeichnet den Kontinent, der oft umgangssprachlich als „Antarktis“ bezeichnet wird. Vom 13. November 1989 bis zum 12. Februar 1990 durchquerten ihn Reinhold Messner und Arved Fuchs als Erste als Ganzes über den Südpol – in 92 Tagen zu Fuß. 2001 folgten ihnen die beiden Antarktis-Abenteurerinnen Ann Bancroft und Liv Arnesen auf Skiern.
Antarktischer Eisschild
Der Antarktische Eisschild (auch Antarktisches Inlandeis) ist eine der beiden polaren Eiskappen. Er ist die größte eigenständige Eismasse der Erde und bedeckt den antarktischen Kontinent (Antarktika) nahezu vollständig. Die Fläche des Eisschildes wird auf 13,856 Millionen Quadratkilometer geschätzt, das Eisvolumen auf 26,37 Millionen Kubikkilometer (Stand 2005).Christoph Meyer, Hans Oerter: Die Massenbilanzen des Antarktischen und Grönländischen Inlandeises und der Charakter ihrer Veränderungen. In: José Lozan et al. (Hrsg.): Warnsignale aus den Polarregionen. Wissenschaftliche Auswertungen, Hamburg 2006 (Auszug). Für die durchschnittliche Eisdicke wird ein Wert von 2.160 Metern angenommen, die maximale bekannte Eisdicke wurde mit 4.776 Metern in Adélieland gemessen.The Australian Antarctic Division: , abgerufen am 5. Januar 2013 (englisch). Eine neuere Messung/Schätzung (Stand 2013) gibt eine Oberfläche des Eisschilds von 13,924 Millionen km² und ein Volumen von 26,92 Millionen km³ an.P. Fretwell, H. D. Pritchard u. a.: Bedmap2: improved ice bed, surface and thickness datasets for Antarctica. In: The Cryosphere. 7, 2013, S. 375, doi:10.5194/tc-7-375-2013.
Eisberge Typisch für die Antarktis sind gigantische Tafeleisberge, die regelmäßig vom Schelfeis oder von Gletschern abbrechen und auf dem Meer treibend tausende Kilometer zurücklegen können. Es kann mehrere Jahre dauern, bis ein großer Eisberg vollständig geschmolzen ist; allerdings kann er dabei leicht in mehrere kleine auseinanderbrechen, zum Beispiel durch differenzielle Meeresströmungen. Diese Langlebigkeit großer Eisberge lieferte auch die Grundlage futuristischer Vorhaben, sie als Süßwasserspeicher, etwa mit Schleppern, nach Afrika oder in andere Trockengebiete zu transportieren.
Am 30. April 1894 wurde mitten im Atlantischen Ozean bei (südöstlich der brasilianischen Insel Trindade, die sich ungefähr auf dem Breitengrad von Joinville befindet) ein Eisberg gesichtet; es war die nördlichste Position eines antarktischen Eisberges, die je aufgezeichnet wurde.
Meere mini|Glaziologische und ozeanografische Prozesse an der antarktischen Küste
Antarktika ist umgeben vom Südlichen Ozean. In Küstennähe gibt es eine Reihe von Randmeeren, darunter: Amundsensee Bellingshausensee Davissee McMurdo-Sund Rossmeer Weddellmeer
Schelfeisgebiete
Die Küste Antarktikas besteht zu einem großen Teil aus Schelfeis. Die zwei größten Schelfeise, das Filchner-Ronne-Schelfeis und das Ross-Schelfeis, bedecken eine Fläche, die jeweils größer als Deutschland ist. Ein weiteres großes Schelfeis ist das Larsen-Schelfeis an der Ostküste der Antarktischen Halbinsel.
Subglaziale Seen mini|Radaraufnahme (Radarsat-1) des subglazialen Wostoksees aus dem All:Das Eis über dem See besitzt eine glatte Oberfläche
Als subglaziale Seen werden Seen bezeichnet, die unter einem Eispanzer oder Gletschern liegen. Insgesamt wurden unter der polaren Eiskappe der Antarktis mittels eisdurchdringendem Radar und Satellitenaufnahmen bisher mehr als 400 subglaziale Seen gefunden, von denen etliche miteinander in Verbindung stehen.
Der größte unter ihnen ist der 1996 unter einem 3.600 Meter dicken Eispanzer ebenfalls mittels Satellitenaufnahmen entdeckte Wostoksee in der Nähe der russischen Station Wostok, welcher sich vor mehreren Millionen Jahren gebildet hat. Bohrkerne aus der Umgebung des Sees deuten auf Lebensformen im See hin. Aus Sorge vor einer Kontamination mit Mikroorganismen sollten Probebohrungen in den See selbst erst dann durchgeführt werden, wenn geeignete technische Mittel zur Verfügung stehen.
Der Lake Ellsworth liegt im westlichen Bereich der Antarktis unter ca. 3.400 m Polareis; seine von einer britischen Expedition im Dezember 2012 begonnene Erbohrung musste wegen technischer Probleme in ca. 300 m Tiefe abgebrochen werden.Marc Kaufman: Race Is On to Find Life Under Antarctic Ice. In: National Geographic Daily News, 27. Dezember 2012 (englisch).
2013 wurde erstmals ein See unter dem antarktischen Eisschild erbohrt: Im in der westlichen Hemisphäre der Antarktis in der Nähe des Ellsworthgebirges unter etwa 800 m Eis gelegenen Lake Whillans fand man Mikroorganismen.
Mittlerweile (April 2020) wurde auch der subglaziale Mercer Lake im ebenfalls westantarktischen Marie-Byrd-Land beprobt, dabei fand man unter der ca. 1.000 m dicken Eisschicht ein überraschend komplexes Ökosystem. Vor zuletzt wohl mindestens zwei Millionen Jahren war der Meeresspiegel hier so hoch, dass das Wasser bis in diese Region reichte. Dieser See unter dem Eis ist etwa so groß wie der Comer See, dabei hat er lt. Satellitenmessungen eine Tiefe von etwa 15 m. Im Wasser herrscht eine Temperatur von ca. 0,7 °Celsius und es besteht Nährstoffmangel. Dieser See ist „hydraulisch aktiv“, d. h., er leert und füllt sich – in einem 10-Jahres-Rhythmus. Hier finden sich ca. 10.000 Bakterienzellen pro Milliliter. Ein Großteil der biologischen Aktivität wird von chemotrophen Organismen erzeugt: Anders als Pflanzen nutzen sie nicht Licht und Kohlendioxid, um organische Materie zu produzieren und zu wachsen, sondern chemische Energie aus Gesteinen, Mineralien und CO2. Damit ähnelt das Ökosystem dem von heißen Methanquellen, den „Black Smokers“ in der Tiefsee.
Auch unter dem Thwaites-Gletscher gibt es, wie 2024 berichtet, eine Reihe bis zu 100 m tiefer subglazialer Seen.Bericht bei der Generalversammlung der European Geosciences Union (EGU), 2024: New insights into the bed beneath remote Antarctic glacier. British Antarctic Survey (BAS), Presseveröffentlichung vom 16. April 2024 ().Landschaft unter Antarktis abwechslungsreich. Auf: orf.at vom 16. April 2024.Nadja Podbregar: Landschaft unter dem Thwaites-Gletscher kartiert. Auf: scinexx.de vom 19. April 2024.
Vulkane Mit dem Mount Erebus befindet sich in der Antarktis der südlichste aktive Vulkan der Erde. Der Bereich zwischen dem Antarktischen Ross-Schelfeis und der Antarktischen Halbinsel soll eine der höchsten Vulkandichten der Erde aufweisen (-> Subglazialer Vulkan). Bis 2017 waren 138 antarktische Vulkane bekannt, es werden jedoch deutlich mehr vermutet. Aufgrund der im Mittel 2 km dicken Eisdecke sind vulkanische Eruptionen von außerhalb kaum erkennbar.
Flora und Fauna mini|Antarktischer Krill mini|Schirmqualle unter antarktischem Eis (Diplulmaris antarctica, Dezember 2015)
Der antarktische Kontinent ist von einer riesigen Packeiszone umgeben, in der sich wegen des sauerstoffreichen Wassers eines der üppigsten Ökosysteme der Welt entwickelt hat. In den Meeren wimmelt es von riesigen Schwärmen antarktischen Krills (Euphausia superba) und anderer Kleinkrebse. Dieser Krill bildet den Anfang der Nahrungskette für die zahlreichen Meeres- und Landtiere, wie Fische, Wale, Kalmare, Ohrenrobben, Seehunde, Pinguine und zahlreiche Meeresvögel.
Infolge des zunehmenden Abschmelzens der polaren Eiskappen im Zuge der menschengemachten globalen Erwärmung finden typische Pionierpflanzen wie Moose auf den immer zahlreicher und öfter zu Tage tretenden Landflächen immer bessere Lebens- und Entwicklungsbedingungen vor.
Artenvielfalt am Meeresboden mini|Meeresboden mit verschiedenen wirbellosen Benthonten (Bodenlebewesen) vor einer Eiswand im McMurdo-Sund vor Viktorialand