mini|Kloster des Heiligen Antonius in Ägypten (gegründet 356)
Ein Kloster ist eine bauliche Anlage, die von einer religiösen Lebensgemeinschaft (Ordensgemeinschaft) genutzt wird oder wurde. Christliche Klöster, denen eine Äbtissin oder ein Abt vorsteht, nennt man Abtei.
Die in manchen Orden Mönche beziehungsweise Nonnen genannten Bewohner leben in einer auf die Ausübung ihres Glaubens konzentrierten Lebensweise in Klosteranlagen zusammen. Diese bestehen in der Regel aus Kult-, Wohn- und Wirtschaftsgebäuden und eventuell noch weiteren Bauwerken.
Im westlichen Kulturraum sind insbesondere christliche Klöster bekannt, die größtenteils der katholischen Kirche und den orthodoxen Kirchen zugehören. Es gibt auch protestantische (beispielsweise das Kloster Amelungsborn) und ökumenische Klostergemeinschaften (wie die Communauté de Taizé). Daneben bezeichnet man auch Klosteranlagen asiatischer Religionen, insbesondere die Wohnanlagen buddhistischer Mönche sowie die Gebets- und Meditationszentren hinduistischer Gemeinschaften, als Klöster.
Christliche Tradition Grundbegriffe Die Benennung Kloster stammt vom lateinischen claustrum, was „verschlossener Ort“ bedeutet (vgl. auch: Klausur). Später wurde mit claustrum insbesondere der für die abendländische Klosterarchitektur typische, im Deutschen „Kreuzgang“ genannte Innenhof eines Klosters bezeichnet. Im Englischen (cloister), Französischen (cloître), Italienischen (chiostro), Spanischen (claustro) und in anderen Sprachen lebt die lateinische Wurzel bis heute in dieser spezifischen Bedeutung fort. Im Deutschen, Niederländischen (klooster), Ungarischen (kolostor), Estnischen (klooster), Polnischen (klasztor), Tschechischen (klášter) und in den skandinavischen Sprachen (kloster) wurde die Benennung dagegen generalisiert und bezeichnet das Klosterbauwerk als Ganzes bzw. das Kloster als Einrichtung an sich.
Die klösterliche Lebensform christlicher Ordensleute wird teilweise als monastisch bezeichnet, was sich aus dem griechischen Wort für „Mönch“ (μοναχός, monachós) ableitet. Von dem davon abgeleiteten μοναστήριον monastḗrion (lateinisch Monasterium) stammen die dem deutschen Begriff „Kloster“ entsprechenden Benennungen in vielen anderen Sprachen: monastery (engl.), Монастырь (russ.), monastère (franz.), monasterio (span.). Diese Wurzel hat sich im Deutschen auch in dem Wort Münster (ahd. munistri, munsri) erhalten.
Im westkirchlichen Bereich sind Klosterbewohner heute in der Regel Angehörige einer Ordensgemeinschaft und werden in den kontemplativen Orden Mönche und Nonnen genannt. Kennzeichnend für die Lebensweise der klösterlichen Orden ist das gemeinschaftliche Leben (Vita communis), das aus dem frühchristlichen Koinobitentum entstanden ist. Es gibt allerdings weiterhin auch Klöster, deren Insassen eine stärker eremitische Lebensweise pflegen (zum Beispiel Kartäuser).
Als Konvent wird in der Regel die gesamte Gemeinschaft der Religiosen bezeichnet, die in einem Kloster lebt, besonders bei den Bettelorden. Der Ausdruck wird manchmal auch für den Wohnbereich des Klosters selbst verwendet. Im engeren Sinne bezeichnet Konvent die Versammlung der Konventualen, der stimmberechtigten Mitglieder der Gemeinschaft.Manfred Heim: Von Ablass bis Zölibat: Kleines Lexikon der Kirchengeschichte. (=Beck’sche Reihe. Band 1857), C. H. Beck, München 2008, ISBN 978-3-406-57356-9, S. 251 (Digitalisat). Klöster, denen regulär ein Abt oder eine Äbtissin vorsteht, nennt man Abtei. Weitere Begriffe für Niederlassungen verschiedener Orden sind Priorat, Residenz, Hospiz, Haus, Kommunität oder Fraternität. Eine Besonderheit ist die Bezeichnung Karmel für ein Kloster der Karmeliten oder Karmelitinnen nach dem Karmelgebirge in Israel.
Aufbau mini|links|Plan eines Zisterzienserklosters: 1 Mönchschor und 3 Laienchor – dazwischen der Lettner, 6 Brunnen, 7 Kapitelsaal, 8 Parlatorium, 9 Mönchssaal, 11 Wärmeraum, 12 Mönchsrefektorium, 14 Laienrefektorium mini|Kreuzgang im Stift Lilienfeld, Niederösterreich (gegründet 1202) Der idealtypische bauliche Grundriss eines frühmittelalterlichen Klosters lässt sich am St. Galler Klosterplan ablesen. Die Klosterkirche bildet in der Regel den räumlichen und geistlichen Mittelpunkt einer Klosteranlage. Der Klosterhof ist die meist quadratische und von einem Kreuzgang umgebene Zentralfläche eines Klosters, um die sich Klosterkirche, Refektorium (Speisesaal), Dormitorium (Schlafräume) und Kapitelsaal (Versammlungsraum), manchmal ein Infirmarium (Krankenabteilung) sowie das Necessarium (Bedürfnisraum) gruppieren. Je nach Ausrichtung des Klosters gab es eine Schreibstube (Skriptorium). In der Regel auch eine Bibliothek und ein Gästehaus. Daneben gehören häufig eine Reihe von Neben- und Wirtschaftsgebäuden zur Klosteranlage, etwa für die Landwirtschaft und bei den Zisterziensern für die Fischzucht. Klostermauern und Klostertor mit Pforte verhinderten unerlaubtes Verlassen oder Eindringen in das Kloster.
Für Priestermönche und Laienmönche (Konversen) bestanden in vielen Abteien getrennte Räumlichkeiten mit eigenen Arbeitsräumen (siehe Fraterie), Refektorien, Schlafsälen und Infirmarien.
Bei den Bettelorden war das Raumprogramm einfacher. Die Klöster und Kirchen lagen in den Städten und nicht, wie meist bei Benediktinern und Zisterziensern, auf dem Land, woraus sich eine beengte innerstädtische Bauweise ergab. Im Mittelalter herrschte jedoch auch hier der Typus von Klostergebäuden vor, die um einen Innenhof gruppiert waren und unmittelbar an die Bettelordenskirche anschlossen.
Klosterleben Für klassische Klöster ist die monastische (mönchische) Lebensform bestimmend. Sie ist durch gemeinschaftliches und individuelles Gebet, Einkehr, Stille, Kontemplation und Abgeschiedenheit von der Welt, körperliche Arbeit, geistiges und geistliches Studium und Gastfreundschaft gekennzeichnet. Für monastische Orden ist darüber hinaus typisch die lebenslange Bindung des Mönchs oder der Nonne an das Kloster, in das er oder sie eingetreten ist. Bei anderen Orden, etwa die Bettelorden, ist die Möglichkeit einer Versetzung von einem Kloster in ein anderes üblich.
Ein Kloster ist im Westen meist einer Ordensgemeinschaft zugeordnet, deren Regel das Leben im Kloster bestimmt. Monastische Orden, die klausuriert in Klöstern leben, sind etwa Benediktiner, Zisterzienser, Trappisten, Kartäuser sowie die Karmelitinnen und die Klarissen. Ordensleute, die auch, aber nicht ausschließlich in Klöstern leben und kein streng monastisches Leben führen, sind etwa die Bettelorden (zum Beispiel Franziskaner, Dominikaner und Karmeliten) oder die Regularkanoniker (zum Beispiel Prämonstratenser).
mini|Benediktinerinnen-Kloster St. Johann, Müstair, Kanton Graubünden, Schweiz (gegründet vor 800)
In der östlichen Tradition sind Klöster weitaus eigenständiger als in der Westkirche. Sie sind entweder ganz autonom oder zu lockeren Verbänden, nicht aber wie in der Westkirche Orden oder zu klösterlichen Kongregationen gruppiert. Zugleich spielen Klöster für das religiöse und kirchliche Leben der orthodoxen Kirchen eine höchst bedeutsame Rolle. Nahezu der gesamte höhere Klerus dieser Kirchen entstammt dem Mönchtum.
Geschichte und kulturelle Bedeutung mini|syrisch-orthodoxes Kloster Mor Gabriel (gegründet 397) mini|hochkant|Cluny: einst ein einflussreiches Kloster (gegründet 910) Die ersten Klöster sind im 4. Jahrhundert aus Einsiedlerkolonien hervorgegangen (Ägypten und Palästina).
Das von 361 bis 363 in Ägypten errichtete koptische Antoniuskloster (Antonius dem Großen gewidmet) wird als das älteste christliche Kloster der Welt angesehen. Ebenfalls sehr alt ist das noch bestehende Kloster Mor Gabriel im Tur Abdin (Türkei), das im Jahr 397 von Shmuel (Samuel) und seinem Schüler Shem’un (Simon) gegründet wurde. Das bedeutet, dass die Mönche und Nonnen eine seit 1600 Jahren ununterbrochen andauernde Tradition fortführen.
Zu den ersten westlichen Klöstern zählen das Kloster Marmoutier an der Loire, das vom heiligen Martin von Tours gegründet worden sein soll, sowie auf deutschem Boden die Abtei St. Maximin in Trier. Die Abtei Saint-Maurice, die 515 von König Sigismund von Burgund errichtet wurde, ist das älteste ohne Unterbrechung bestehende Kloster in Westeuropa. Benedikt von Nursia gründete im Jahr 529 mit der Abtei Montecassino sozusagen den Prototyp des abendländischen Klosters und stellte für das Zusammenleben im Kloster eine Regel zusammen, die Regula Benedicti, die über viele Jahrhunderte die Entwicklung der Klöster geprägt hat. Das darauf fußende benediktinische Mönchtum ist bis heute die prägende monastische Richtung der abendländischen Christenheit. Die orthodoxen und orientalischen Klöster der östlichen Tradition folgen dagegen mehrheitlich der Mönchsregel des Basilius von Caesarea oder der des Theodoros Studites.
Von Anfang an waren die Klöster nicht nur Orte geistlichen Lebens, sondern auch Zentren der handwerklichen und landwirtschaftlichen Kunst sowie der Erforschung und Sammlung von Wissen (Klosterbibliothek). Sie spielten damit eine wichtige Rolle für den Erhalt oder Wiedererwerb des seit der Antike verloren gegangenen Wissens und dessen Verbreitung. Hervorzuheben ist hier insbesondere das von Cassiodor um 554 in Süditalien gegründete Vivarium.
mini|Stift Melk (gegründet 1089) mini|links|Ein Stadtkloster: Franziskaner in Düsseldorf (2017 abgerissen) mini|Zisterzienserkloster Zirc, Ungarn mini|links|Orthodoxes Kloster in Zentral-Ikaria
Im Mittelalter waren Klöster bedeutsam für die Ausbildung der abendländischen Kultur und Zentren der Bildung. Kulturelle Arbeiten fanden fast ausschließlich in Klöstern statt. Mönche kopierten alte Bücher, fertigten Kunstwerke und Kulturgüter wie beispielsweise die Reichskleinodien des Heiligen Römischen Reiches an und unterhielten Klosterschulen für ihren Nachwuchs. Grundlegende Kulturtechniken wie das Lesen und Schreiben waren über lange Zeit praktisch nur in den Klöstern verbreitet. Diese führten auch eigene handwerkliche und landwirtschaftliche Betriebe und entwickelten praktische Techniken im Landbau, in der Pflanzenzucht oder der Kräuter- und Heilkunde (Klostergarten), die sie mitunter auch an die Bevölkerung weitergaben. Damit fungierten die Klöster als Stützpunkte der Mission und Kultivierung und wurden zu wichtigen Entwicklungszentren. Umsichtige Landesherren erkannten dies. Sie gründeten Klöster oft in unterentwickelten Gegenden und statteten sie mit großen Ländereien aus. Die Bezeichnung Stift, die an die Stiftung durch einen weltlichen Herrn erinnert, ist daraus entstanden. Ein typischer Kolonisationsorden waren die Zisterzienser, die vor allem im Norden und Osten Europas umfangreiche Waldgebiete rodeten und zur Erschließung durch Siedler vorbereiteten.