Die Eisenzeit ist eine nach dem verwendeten Material (Eisen) zur Herstellung schneidender Waffen und Gerätschaften benannte Periode der Ur- und Frühgeschichte. Sie ist nach der Steinzeit und der Bronzezeit die dritte große Periode in der einfachen zeitlichen Gliederung des Dreiperiodensystems. Die Eisenzeit beginnt im Nahen Osten um 1200 v. Chr. mit dem Untergang des hethitischen Reiches, in Nordeuropa reicht sie von etwa 750 v. Chr. bis 1025 n. Chr. Im Mittelmeerraum geht die Eisenzeit über in die Zeit der Antike.
Überblick In den meisten Regionen der Erde beginnt eine erste, vereinzelte Verwendung von Eisen deutlich vor der jeweiligen Eisenzeit.Vgl. Siehe auch hier unter den jeweiligen Abschnitten. In diesem Zeitalter findet Eisen als Werkstoff eine breite Verwendung und schlägt sich entsprechend im archäologischen Fundgut nieder und ist damit zur Periodisierung geeignet. Nach dem ursprünglichen Konzept gilt die Eisenzeit als letzter Abschnitt der Urgeschichte vor dem Übergang zu historischen Zeiten. In vielen Fällen stehen schriftliche Quellen zur Verfügung, die belegen, dass die Eisenzeit der Frühgeschichte zugerechnet werden kann. Insbesondere in der englischsprachigen Forschung kommt auch der Begriff der „Historischen Eisenzeit“ (Historic Iron Age) zur Anwendung, wenn Schriftquellen zur Verfügung stehen.
Stark vereinfachter zeitlicher Vergleich der Eisenzeit in ausgewählten Kulturregionen:nach den jeweils im Artikel angegebenen Daten
Naher Osten Anatolien Dolch aus Gold und Eisen, Alaca Höyük, um 2500 v. Chr.|miniatur Obwohl in Anatolien bereits im 3. Jahrtausend v. Chr. vereinzelt Eisen bearbeitet wurde,Michael Zick: Türkei – Wiege der Zivilisation. Theiss, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-8062-2110-7, S. 151–152.Ernst Pernicka: Metalle machen Epoche – Bronze, Eisen, Silber. In: Troia. Traum und Wirklichkeit. Theiss, Stuttgart 2001, ISBN 3-8062-1543-X, S. 369–372. beginnt die Eisenzeit als archäologische Periode um 1200 v. Chr. mit dem Untergang des Hethiterreiches. Die anatolische Eisenzeit wird üblicherweise in drei Phasen unterteilt:
Frühe Eisenzeit: „Dunkle Jahrhunderte“ Mittlere Eisenzeit: Phrygische und urartäische Zeit Späte Eisenzeit: Persische Zeit
Zusätzlich oder alternativ werden je nach Region einzelne Zeitabschnitte nach den jeweils herrschenden Mächten benannt (vor allem neo-hethitische, assyrische, lydische Zeit).Uwe Müller: Die eisenzeitliche Keramik von Lidar Höyük. Dissertation an der Universität Heidelberg. Heidelberg 1996, S. 11. (PDF bei HeiDOK)Hermann Genz: Ein neues Metall macht Furore – Die frühe Eisenzeit in West- und Zentralanatolien. In: Manfred Korfmann (Hrsg.): Troia. Archäologie eines Siedlungshügels und seiner Landschaft. Zabern, Mainz 2006, ISBN 3-8053-3509-1, S. 71–80.Charles Brian Rose: Am Schnittpunkt von Ost und West – Das westliche Kleinasien in griechischer und römischer Zeit. In: Manfred Korfmann (Hrsg.): Troia. Archäologie eines Siedlungshügels und seiner Landschaft. Zabern, Mainz 2006, ISBN 3-8053-3509-1, S. 81–104.
Mesopotamien mini|Die Verbreitung des Neuassyrischen Reiches In Mesopotamien wird der Zeitraum ab Beginn der Isin-II-Zeit (1160–1026 v. Chr.) bis zum Beginn des Hellenismus als Eisenzeit bezeichnet. Sie ist geprägt von mehreren altorientalischen Großreichen:
Neuassyrische Zeit (1000–600 v. Chr.) Neubabylonische Zeit (1025–627 v. Chr.) Spätbabylonische Zeit (626–539 v. Chr.) Achämenidenzeit (539–330 v. Chr.)
Levante mini|Die südliche Levante um 830 v. Chr. In der Levante geht mit den Umbrüchen um 1200 v. Chr. (vgl. „Seevölker“) die Bronzezeit in die Eisenzeit über:
Eisenzeit I (1200–1000 v. Chr.) I A (1200–1150 v. Chr.) I B (1150–1000 v. Chr.) Eisenzeit II (1000–586 v. Chr.) II A (1000–925 v. Chr.) II B (925–700 v. Chr.) II C (700–586 v. Chr.) Eisenzeit III (586–332 v. Chr.) Babylonische Zeit (586–539 v. Chr.) Achämenidische Zeit (539–332 v. Chr.)
Da in der babylonischen und vor allem der persischen Zeit auch für die Levante schriftliche Quellen zur Verfügung stehen und Münzprägung vorhanden war, handelt es sich hierbei nicht mehr um rein urgeschichtliche Perioden. Die Eisenzeit endete spätestens 332 v. Chr. mit der Eroberung durch Alexander den Großen und dem Beginn des Hellenismus.Margreet L. Steiner, Ann E. Killebrew (Hrsg.): The Oxford Handbook of The Archaeology of the Levant c. 8000–332 BCE. Oxford University Press, Oxford 2014, ISBN 978-0-19-921297-2, S. 44–65, 70.
Zypern Auf Zypern verlief die Eisenzeit ähnlich wie in Griechenland. Zum Ende der Bronzezeit bestand hier ein großer Einfluss der mykenischen Kultur:
Zyprisch-geometrische Zeit (1050–750 v. Chr.) Zyprisch-archaische Zeit (750–475 v. Chr.)
Im Laufe der archaischen Zeit geriet Zypern immer wieder unter den Einfluss seiner Nachbarn. Ab dem 9. Jahrhundert v. Chr. entstanden Siedlungen der Phönizier, später war die Insel Teil der Herrschaftsgebiete von Assyrien (707–612 v. Chr.), Ägypten (570–526/525 v. Chr.) und Persien (ab 526/525 v. Chr.).
Ägypten In der Chronologie des Alten Ägypten besteht durch die bekannten Herrscherlisten und die davon abgeleiteten Periodisierungen kein Anlass für die Verwendung des Begriffes „Eisenzeit“. Unter den ältesten Fundstücken aus Eisen ist vor allem ein Dolch aus dem Grab Tutanchamuns bekannt, der wahrscheinlich aus Meteoreisen gefertigt wurde. Verbreitetere Verwendung fand Eisen in Ägypten jedoch erst nach der Eroberung durch die Assyrer im 7. Jahrhundert v. Chr.
Europa Griechenland In Griechenland begann nach dem Ende der spätbronzezeitlichen mykenischen Kultur (ca. 1600–1050 v. Chr.) und einer in vielen Regionen nachgewiesenen submykenischen Phase (ca. 1050/1030–1020/1000 v. Chr.Penelope A. Mountjoy: Mycenaean Pottery – An Introduction, Oxford University School of Archaeology, 2. Auflage. 2001, ISBN 0-947816-36-4, S. 28–30; 114–118.) um die Jahrtausendwende die Eisenzeit. Diese wird nach Kunst-/Keramikstilen unterteilt in:
Protogeometrische Zeit (1050/1000–900 v. Chr.) Geometrische Zeit (900–700 v. Chr.) Orientalisierende Periode (um 700 v. Chr.)
Die Zeit von ca. 1050 v. Chr. bis 700 v. Chr. wird aufgrund der vergleichsweise geringeren Zahl an Quellen auch „Dunkle Jahrhunderte“ genannt.Birgitta Eder: Das frühe Griechenland. Die Welt der Ägäis in den Bronze- und Eisenzeiten (3000–700 v. Chr.). In: Wolfgang Hameter, Sven Tost (Hrsg.): Alte Geschichte. Der Vordere Orient und der mediterrane Raum vom 4. Jahrtausend v. Chr. bis zum 7. Jahrhundert n. Chr. VGS Studientexte, Band 3. Wien 2012, S. 77 f. Die folgende archaische Zeit (700–490/480 v. Chr.) zählt bereits zur Antike.Der Brockhaus Archäologie. F. A. Brockhaus, Leipzig/Mannheim 2009, ISBN 978-3-7653-3321-7, Einträge Eisenzeit, S. 170–172; griechische Kunst, S. 238–245; orientalisierender Stil, S. 456–457.
Italien Unter dem Einfluss der Urnenfelderkultur entwickelten sich in Italien nach einer Übergangszeit ab dem 10./9. Jahrhundert v. Chr. eisenzeitliche Kulturen (Este-Kultur, Golasecca-Kultur, Villanovakultur und andere), später vor allem die etruskische Kultur (8.–1. Jahrhundert v. Chr.). Mit der Ausbreitung der Römer ging die Eisenzeit in die Antike über.Der Brockhaus Archäologie. F. A. Brockhaus, Leipzig/Mannheim 2009, ISBN 978-3-7653-3321-7, Einträge Eisenzeit, S. 170–172; Estekultur, S. 185; etruskische Kultur, S. 185–189; italische Kunst, S. 297–298; Villanovakultur, S. 650.
Mitteleuropa
Verbreitung der Hallstatt-Kultur (gelb) und der La-Tène-Kultur (grün)|miniatur Archäologische Erkundung eisenzeitlicher Siedlungen am Traunsee in Österreich|mini|thumbtime=3
Das älteste in Mitteleuropa bekannte Artefakt aus Eisen ist eine Messerklinge aus Gánovce (Ostslowakei), die der bronzezeitlichen Otomani-Kultur zugeordnet und um 1500 v. Chr. datiert wird. Es handelt sich vermutlich um ein Importstück aus dem Kaukasusgebiet oder dem Nahen Osten.Otto H. Urban: Der lange Weg zur Geschichte. Die Urgeschichte Österreichs bis 15 v. Chr. Ueberreuter, Wien 2000, ISBN 3-8000-3773-4, S. 225, 413.
Im Raum nördlich der Alpen entwickelte sich um 800 v. Chr. aus der Urnenfelderkultur die Hallstattkultur. Die damit beginnende Eisenzeit wird unterteilt in: Frühe Eisenzeit (Ältere Eisenzeit) (800–450 v. Chr.): Hallstattkultur Ha C: ältere Hallstattkultur Ha D: jüngere Hallstattkultur Späte Eisenzeit (Jüngere Eisenzeit) (450 v. Chr. – Ende 1. Jahrhundert v. Chr.): La-Tène-Kultur LT A–B: Frühlatène LT C: Mittellatène LT D: Spätlatène
Das Ende der Eisenzeit und der Übergang zur Römischen Kaiserzeit (als Teil der Antike) wird üblicherweise mit der Eingliederung des jeweiligen Gebietes ins Römische Reich angegeben und unterscheidet sich entsprechend je nach Provinz (zum Beispiel Noricum 15 v. Chr.Otto H. Urban: Der lange Weg zur Geschichte. Die Urgeschichte Österreichs bis 15 v. Chr. Ueberreuter, Wien 2000, ISBN 3-8000-3773-4, S. 11, 368.).
Die Definition der Unterteilung in Hallstatt- und Latènezeit erfolgte 1874 durch den schwedischen Prähistoriker Hans Hildebrand.Hans Hildebrand: Sur les commencements de l’age du fer en Europe. Congrés internationale d’anthropologie et d’archéologie préhistorique 2, 1874, S. 592 ff (Bericht des Internationalen anthropologisch-archäologischen Kongresses in Stockholm). Paul Reinecke unterteilte die Hallstattzeit weiter in die Stufen Ha A–D und die Latènezeit in die Stufen LT A–D,Der Brockhaus Archäologie. F. A. Brockhaus, Leipzig/Mannheim 2009, ISBN 978-3-7653-3321-7, Eintrag Eisenzeit, S. 171. wobei die Stufen Ha A–B jedoch noch der späten Bronzezeit angehören.
Einige wichtige archäologische Fundstätten sind: der frühkeltische „Fürstensitz“ auf dem Hohenasperg (Baden-Württemberg) der frühkeltische „Fürstensitz“ auf der Heuneburg (Baden-Württemberg) der frühkeltische „Fürstensitz“ mit dem Fund der Fürstin von Vix (nördliches Burgund) das keltische Oppidum von Manching (Bayern) Hallstatt in Oberösterreich der Neuenburger Vorort La Tène der Glauberg und der Dünsberg in Hessen die Schnippenburg im Osnabrücker Land der Magdalenenberg bei Villingen-Schwenningen
Nordeuropa Eisenzeitliche Kulturen des 2./1. Jahrhunderts v. Chr.
|miniatur
In Skandinavien und im nördlichen Mitteleuropa ging die Nordische Bronzezeit ohne starken Bruch in die nordische Eisenzeit über, diese werden auch als Metallzeit zusammengefasst. Deren Abschnitte werden je nach Gebiet etwas unterschiedlich benannt und datiert.
Norddeutschland Vorrömische Eisenzeit („Keltische Eisenzeit“) Ältere vorrömische Eisenzeit (750–480 v. Chr.): Hausurnenkultur, Billendorfer Kultur, Thüringische Kultur Jüngere vorrömische Eisenzeit (480–30/60 v. Chr.): Jastorf-Kultur, Naumburger Gruppe, Przeworsk-Kultur Römische Eisenzeit (Römische Kaiserzeit) Ältere Römische Kaiserzeit (30/60 v. Chr.–160 n. Chr.) Jüngere Römische Kaiserzeit (160–375 n. Chr.) Germanische Eisenzeit (Völkerwanderungszeit, „Nachrömische Eisenzeit“) (375–455 n. Chr.)
Dänemark Vorrömische Eisenzeit (500–1 v. Chr.) Römische Eisenzeit (Römische Kaiserzeit) (1–375 n. Chr.) Germanische Eisenzeit (375–775 n. Chr.) Ältere Germanische Eisenzeit (entspricht der VölkerwanderungszeitReallexikon der Germanischen Altertumskunde. De Gruyter, Berlin 1968–2007, ISBN 3-11-016227-X, Eintrag Völkerwanderungszeit. S. 517–518, Abb. 100.) Jüngere Germanische EisenzeitSteen Hvass; Birger Storgaard: Da klinger i Muld. 25 års arkæologi i Danmark Jysk Arkæologisk Selskab; Det Kongelige Nordiske Oldskriftselskab 1993, ISBN 87-7288-566-1 Wikingerzeit (775–1050 n. Chr.)
Norwegen Ältere Eisenzeit (500 v. Chr.–550 n. Chr.) Vorrömische Eisenzeit (500–1 v. Chr.) Römische Eisenzeit (1–400 n. Chr.) Völkerwanderungszeit (400–550 n. Chr.) Jüngere Eisenzeit (550–1050 n. Chr.) Merowingerzeit (550–800 n. Chr.) Wikingerzeit (800–1050 n. Chr.)
Schweden Vorrömische Eisenzeit (500–1 v. Chr.) (siehe auch: Keramik der älteren Eisenzeit in Schweden) Römische Eisenzeit (1–400 n. Chr.) Völkerwanderungszeit (400–550 n. Chr.) Vendelzeit (550–800 n. Chr.)