mini|hochkant=1.5|alt=Schematische Zeichnung der Geschlechtsorgane der Frau inklusive Vagina|Die menschliche Vagina im Verhältnis zu den übrigen Geschlechtsorganen

Die Vagina des Menschen, deutsch Scheide (des Menschen) genannt, ist ein mit einer Schleimhaut ausgekleidetes, primäres, inneres, zum Teil äußeresDetlef Kießling, Sabine Stannat: Anatomie am Lebenden (= Exa-Med. Band 4b). Jungjohann, Heidelberg 1981, ISBN 3-88454-104-8, S. 99. Geschlechtsorgan (Genital) der Frau. Sie verbindet, wie die Vagina anderer Säugetiere, die Gebärmutter (den Uterus) über den Gebärmutterhals (die Zervix) mit dem Scheidenvorhof (Vestibulum vaginae). Am Übergang zu letzterem befindet sich der Hymen (Jungfernhäutchen). Die Vagina ist Teil des Geburtskanals.

Anatomie Makroskopische Anatomie mini|alt=Schematische Zeichnung der Geschlechtsorgane der Frau, Sagittalschnitt|Schematische Darstellung der Geschlechtsorgane der Frau im Sagittalschnitt mini|Video: Anatomie der menschlichen Vulva und Vagina

Die Vagina ist ein dehnbares, muskulös-bindegewebiges, mit einer Schleimhaut ausgekleidetes Organ im Bauchraum. Sie liegt etwa in der Beckenachse und durchquert hier den Beckenboden. Die Vagina verbindet den Scheidenvorhof mit der Gebärmutter (Uterus). Der Gebärmutterhals ist um etwa 90 Grad nach vorn abgeknickt und folgt damit nicht der durch die Vagina vorgegebenen Richtung.

Länge Die Länge ist individuell verschieden. In einer Studie (2006) wird der Mittelwert im Ruhezustand bei erwachsenen Frauen mit 6,27 cm angegeben, die Längen variieren zwischen 4,1 und 9,2 cm. Im gedehnten Zustand liegt der Mittelwert bei 13 cm (± 3 cm).Fred T. Given Jr., Kenneth Muhlendorf, Gary M. Browning: Vaginal length and sexual function after colpopexy for complete uterovaginal eversion. In: American Journal of Obstetrics and Gynecology. Band 169, Ausgabe 2, 1993, S. 284–288.Kurt T. Barnhart, Adriana Izquierdo, E. Scott Pretorius et al.: Baseline dimensions of the human vagina. In: Human Reproduction. Band 21, Ausgabe 6, Juni 2006, S. 1618–1622.Arne Schäffler, Nicole Menche: Mensch – Körper – Krankheit. Biologie, Anatomie, Physiologie. 3., überarbeitete Auflage. Urban & Fischer, München 1999, ISBN 3-437-55192-2, S. 396.

Hintere und vordere Vaginawand Die hintere Vaginawand (Paries posterior vaginae) ist durch die Lage des Uterus etwas länger als die vordere Vaginawand (Paries anterior vaginae).Thomas Löning, Lutz Riethdorf: Pathologie der weiblichen Genitalorgane III: Pathologie des Uterus, der Vagina und Vulva. (= Spezielle pathologische Anatomie. Band 20, Nr. 3). Springer, Heidelberg / Berlin 2001, ISBN 3-540-66372-X, S. 117 ff. Im ungedehnten Zustand ist sie durch das Parakolpium abgeflacht, die vordere und die hintere Wand berühren sich, sie werden von den Nachbarorganen komprimiert, und umschließen das Lumen der Vagina, das einen H-förmigen Spalt bildet und dadurch eine Entfaltung ermöglicht, ohne große Spannung zu erzeugen.W. Kahle, H. Leinhardt, W. Platzer (Hrsg.): Taschenatlas der Anatomie für Studium und Praxis. Band 2: Innere Organe. 5. Auflage. Thieme, Stuttgart 1986, , S. 302–303. Die Hinterwand (Dorsalwand) der Vagina ist durch Bindegewebe (Septum rectovaginale) mit dem Mastdarm und die Vorderwand über das Septum vesicovaginale und das Septum urethrovaginale mit der Harnblase und der Harnröhre verbunden. An der vorderen und hinteren Vaginawand befinden sich zudem Querfalten, die als Scheidenrunzeln (Rugae vaginales) bezeichnet werden und eine vordere und eine hintere Runzelsäule bilden (Columnae rugarum anterior et posterior). Diese verstärken beim Geschlechtsverkehr die Reizwirkung und stellen zugleich eine Dehnungsreserve für die Geburt dar.Walther Graumann: CompactLehrbuch Anatomie 3. Schattauer, Stuttgart / New York 2004, ISBN 3-7945-2063-7, S. 318.

Vaginalöffnung Die Vagina mündet mit ihrer Öffnung (Ostium vaginae oder Introitus vaginae) in den Scheidenvorhof der Vulva. An der Vaginalöffnung gibt es eine Ansammlung von Schleimhautfalten, meist in Form eines Kranzes (vaginale Corona), die als Hymen bezeichnet werden.

Sekretabsonderung Durch die Vagina transportiert das Menstruationsblut abgestorbene Zellen aus dem Uterus nach außen. Während des weiblichen Zyklus sondert die Vagina jederzeit Sekrete unterschiedlicher Konsistenz ab, abhängig vom Zeitpunkt im Hormonzyklus.

Gebärmutteröffnung Uterusseitig ragt die Portio vaginalis uteri des Gebärmutterhalses in die Vagina vor. Diese wird von der Vagina so umfasst, dass sie zwischen dem tiefen, hinteren (dorsalen), sowie dem kleineren seitlichen und dem vorderen (ventralen) flachen Scheidengewölbe (Fornix vaginae) liegt. Das hintere Scheidengewölbe reicht bis an den Douglas-Raum heran, einer taschenförmige Aussackung des Bauchfells und damit der tiefste Teil des Bauchraums zwischen Mastdarm und Uterus.

Muskulatur, Blutversorgung und Nerven Neben der glatten Muskulatur in der Vaginawand wird die Vagina von quergestreiften Muskeln umgeben, die gitterartig angeordnet sind. Der Musculus pubococcygeus, ein Anteil des Musculus levator ani, ist ein Muskel des Beckenbodens. Die Muskeln beider Seiten (Levatorschenkel) umfassen die Vagina wie eine Schlinge und ermöglichen eine willkürliche Verengung derselben.

Die Blutversorgung der Vagina erfolgt über die Arteria vaginalis aus der Arteria iliaca interna, die unterhalb der Arteria uterina entspringt. Hinzu kommen Versorgungsäste der Arteria vesicalis inferior und der Arteria pudenda interna. Das die Vagina umgebende Venengeflecht (Plexus venosus vaginalis) wird über die Vena uterina abgeleitet. Die Lymphe des oberen Teils der Vagina fließt über die Nodi lymphatici iliaci interni in die Lendenlymphknoten, vom unteren Teil in die Leistenlymphknoten (Nodi lymphatici inguinales superficiales).

Die Nervenversorgung der Vagina erfolgt durch den Plexus uterovaginalis.Per Olov Lundberg: Die periphere Innervation der weiblichen Genitalorgane. In: Sexuologie. Band 9, Nr. 3, 2002, S. 98–106 (Volltext als PDF).

Mikroskopische Anatomie der Vagina, Wandaufbau mini|alt=Mikroskopischer Schnitt durch die Vaginalwand der Frau|Mikroskopischer Schnitt durch die Vaginalwand der Frau. Zu sehen ist eine in Hämatoxylin-Eosin-Färbung dargestellte Tunica mucosa vaginae mit der zugehörigen Oberflächenepithelschicht und die darunterliegende Bindegewebsschicht Lamina propria. mini|alt=Histologien einer prämenopausalen und einer postmenopausalen Vaginalmucosa|Histologien zweier Vaginalmucosae: Links prämenopausal, rechts postmenopausal

Die Vaginalwand ist mit einer Wandstärke von etwa drei Millimetern sehr dünn. Die Vaginalschleimhaut (Tunica mucosa vaginae) trägt ein mehrschichtiges, unverhorntes Plattenepithel (Vaginalepithel), das nur eine minimale Präkeratinbildung zeigt. Sie ist glykogenreich und drüsenlos (kutane Schleimhaut). Das Epithel liegt auf einer Lamina propria, die reich an elastischen Fasern und weitlumigen Venen ist. Das Epithel unterliegt im Verlauf des Sexualzyklus ständigen Umbauprozessen (→ Vaginalzytologie), die durch Estrogene und Progesteron gesteuert werden.

Im Querschnitt zeigt die Vagina von innen nach außen folgenden Wandaufbau: Schleimhaut, Muskelschicht und Bindegewebsschicht.

Schleimhaut Die Schleimhaut (Tunica mucosa vaginae) bestimmt die Oberflächenbeschaffenheit und sorgt für ein saures Milieu (pH-Wert 4 bis 4,5) durch die abgestorbenen Zellen des Vaginalepithels, die aufgrund des sehr hohen Glykogenanteils ein gutes Substrat für Milchsäurebakterien (Döderlein-Bakterien) darstellen und zur Ausbildung der speziellen Vaginalflora führen, was der Ansiedlung von Bakterien entgegenwirkt. Zur Tunica mucosa vaginae werden das eigentliche Vaginalepithel und die darunter liegende Lamina propria gezählt. Das Epithel der Vagina ist ein mehrschichtiges, unverhorntes Plattenepithel, das sich weiter in vier Schichten differenziert: Basalzellschicht (Stratum basale) Parabasalschicht (Stratum parabasale) Intermediärschicht (Stratum intermedium) Superfizialschicht (Stratum superficiale)

Diese Schichten sitzen der Lamina propria auf, die aus lockerem Bindegewebe besteht, das reich an elastischen Fasern und Lymphozyten ist. In der Lamina propria finden sich Kapillaren und Lymphgefäße, aus denen bei sexueller Erregung ein Transsudat durch das Epithel in die Vagina abgepresst wird, sowie der Plexus venosus vaginalis. Die nervale Innervation der Vagina beziehungsweise ihre Sensibilität ist nur gering. So finden sich nur wenige freie Nervenendigungen, sensorische Fasern fehlen gänzlich.

Muskelschicht Die Muskelschicht (Tunica muscularis vaginae) lässt innen eine Ringmuskulatur, nach außen eine Längsmuskulatur erkennen. Durch sie kann sich die Vagina bei Erweiterung wieder ringförmig und längs zusammenziehen. Bei diesen Muskeln handelt es sich um glatte Muskulatur, eingebettet in ein bindegewebiges Gerüst. Die maschen- oder gitterartige Anordnung der glatten Muskelfaserzüge hat einen zirkulären, an der Vorderwand auch längsgerichteten Verlauf. Diese Muskulatur setzt sich in der Muskulatur an der Zervix und des Dammes fort. Das vorhandene Bindegewebe ist scherengitterartig angeordnet und besteht aus kollagenen aber auch zahlreichen elastischen Fasern. Durch diesen Aufbau ist biomechanisch eine starke Dehnung der Vagina möglich.

Bindegewebeschicht Die Bindegewebsschicht (Tunica adventitia vaginae) enthält viele elastische Fasern und ist mit den Bindegewebshüllen von Beckenboden, Harnröhre und Harnblase verbunden. Sie wird auch als Parakolpium bezeichnet. Die dichte Hüllstruktur aus Bindegewebe verbindet die Vagina mit ihrer Umgebung besonders mit der Harnröhre. Sie enthält zahlreiche elastische Fasern und grenzt kopfwärts (kranial) an das Parametrium.

Physiologie Vaginalmilieu Das in der Vagina vorhandene Sekret besteht aus dem in den Zervixdrüsen des Muttermundes gebildeten Zervixschleim und dem aus der Vaginawand austretenden Transsudat. Hinzu kommen abgestorbene Zellen des Vaginalepithels, die aufgrund des sehr hohen Glykogenanteils ein gutes Substrat für Milchsäurebakterien (Döderlein-Bakterien) und einer speziellen Vaginalflora darstellen. Die Organismen wandeln das Glykogen in Milchsäure um, die in einer Konzentration von etwa 0,5 Prozent vorhanden ist.

Durch die Milchsäurebakterien ist das Vaginalsekret sauer (pH-Wert 4 bis 4,5) und dient dem Schutz des weiblichen Genitaltraktes vor aufsteigenden Infektionen. Bei jungen Mädchen vor der Pubertät erfolgt die Besiedelung dagegen vor allem durch apathogene Staphylokokken und Streptokokken, die nur einen geringen Schutz gegen Krankheitskeime bilden.

Sexuelle Erregung und Geschlechtsverkehr Lubrikation mini|alt=Medizinische Zeichnung der Klitoris|Schematische Zeichnung der Klitoris: Die Vaginalöffnung (6) ist umgeben von den für die sexuelle Erregung bedeutsamen Schwellkörpern (2). 1) Klitoriseichel; 2) Schwellkörper; 3) Kitzlerschenkel; 4) Harnröhrenmündung; 5) Vorhofschwellkörper; 6) Vaginalöffnung.

Während der sexuellen Erregung wird das Vaginalmilieu verändert. Durch die vaginale Lubrikation und der Produktion und Sekretion von dünnflüssigem Schleim in den Zervixdrüsen wird das Sekret pH-neutral. Die in den Scheidenvorhof mündenden Bartholinschen Drüsen sondern zudem bei Erregung ein schleimhaltiges Sekret ab und befeuchten den Vorhof.Arne Schäffler, Nicole Menche: Mensch – Körper – Krankheit. 3. Auflage. Urban & Fischer, München 1999, S. 401. Eine mangelnde Befeuchtung wird als Lubrikationsmangel oder Scheidentrockenheit bezeichnet.

Vaginaler Geschlechtsverkehr