Der Stadtbezirk Vohwinkel ist nach Elberfeld und Barmen der drittgrößte Stadtteil Wuppertals in Nordrhein-Westfalen und war bis 1929 eine selbständige Stadt. Vorher gehörte Vohwinkel zum Kreis Mettmann und war von 1877 bis 1929 Verwaltungssitz des Landkreises. Vohwinkel hat 31.429 Einwohner. (Stand 2022)

Geographie Vohwinkel gehört zum sogenannten niederbergischen Land und ist somit Bestandteil des rheinischen Schiefergebirges, das im mittleren und jüngeren Paläozoikum entstand. Im Wesentlichen gehören die geologischen Bänder des Raumes von Süden nach Norden einer immer jüngeren Periode der Erdgeschichte an. Schiefer des Mitteldevon bilden im Süden eine bis zwei Kilometer breite Zone, an die sich im Norden eine fast drei Kilometer breite Kalkzone des Devon anschließt. Im Bereich der sogenannten Vohwinkeler Senke zwischen Krutscheid und der Wupper wird der Kalk von Quarzsanden, Kiesen und Tonen und geringfügig von Lehmen überlagert und tritt nur selten an die Oberfläche. Im Süden befindet sich zwischen Wibbeltrath und der Wupper ein Höhenzug, der bei der Roßkamper Höhe mit 270 m den höchsten Punkt erreicht. Im Südosten neigt sich der Höhenzug nach dem Sonnenberg zur Wupper, die zwischen Hammerstein und dem Austritt aus dem Vohwinkeler Raum von 130 m auf 120 m, dem niedrigsten Punkt im Vohwinkeler Raum, abfällt.

Gliederung in Quartiere Stadtbezirk 3 Vohwinkel 30 Vohwinkel-Mitte 31 Osterholz 32 Tesche 33 Schöller-Dornap 34 Lüntenbeck 35 Industriestraße 36 Westring 37 Höhe 38 Schrödersbusch 170px|Einteilung in Quartiere

Gewässer Vohwinkel liegt zwischen den Flusssystemen von Düssel und Wupper, die alle fließenden Gewässer aufnehmen. Quellen gibt es ausschließlich in den Schiefergebieten. Die Wasserscheide verläuft von Kluse über Krutscheid und Tesche nach Katernberg.

Wupper Kleine Düssel, 4,3 km langer Zufluss der Düssel, entspringt östlich der Gemarkung Bolthausen. Krudtscheider Bach Lüntenbeck Rottscheidter Bach Stackenberger Bach

Geschichte mini|Verkaufsurkunde des Gutes Vowynkele vom 18. Februar 1356 mini|Die Stadt Vohwinkel und ihre Eingliederung nach Wuppertal 1929 (rot umrandet) mini|Schloss Lüntenbeck

Der Kern Vohwinkels bestand ursprünglich aus mehreren, vom Oberhof Lüntenbeck abhängigen Höfen, diese lagen auf Höhe des heutigen Lienhardplatzes. Fälschlicherweise wird die Nennung eines Hofes „vouinkel“ im Verzeichnis der Wachszinsigen des Stiftes Gerresheim aus dem Jahre 1312 für eine Erwähnung Vohwinkels gehalten, hier war aber höchstwahrscheinlich Vonkeln in Wuppertal-Cronenberg gemeint. 1356 wurde Vowynkele vom Ritter Heinrich von Schönrode an das Kloster Gräfrath (bei Solingen) verkauft, diese Urkunde gilt heute als erste urkundliche Erwähnung Vohwinkels.

Nach 1800 erfuhr das Gut durch den Straßenbau und vor allem durch die gute Eisenbahnanbindung eine funktionale Wandlung. Es wurde zunehmend zur Wirtschafts- und Fuhrmannsherberge. Vohwinkel wuchs nach dem Bau der Bahnstrecke nach Düsseldorf (1841) und der Bahnstrecke nach Essen (1847) zu einer größeren Siedlung heran. Zunächst war es ein Bestandteil der Gemeinde Sonnborn in der Bürgermeisterei Haan, dann gehörte es zu der 1867 von Haan abgetrennten Bürgermeisterei Sonnborn und wurde erst 1888 eine eigenständige Bürgermeisterei und Landgemeinde, nachdem Sonnborn unter Gebietsabtretungen an Elberfeld aufgelöst wurde und das verbleibende Bürgermeistereigebiet mit dem Kernort in Vohwinkel umbenannt wurde. Zuvor wurde 1887 die Bahnstrecke Solingen–Vohwinkel („Korkenzieherbahn“) nach Solingen eröffnet. Am 12. Februar 1921 erhielt Vohwinkel schließlich das Stadtrecht gemäß der Rheinischen Städteordnung.

Durch das Gesetz über die kommunale Neugliederung des rheinisch-westfälischen Industriegebiets vom 29. Juli 1929 wurde Vohwinkel zusammen mit den Städten Barmen, Cronenberg, Elberfeld und Ronsdorf zunächst zu Barmen-Elberfeld vereinigt. Noch im selben Jahr beschloss die Stadtverordnetenversammlung der neu gegründeten Gemeinde, dem Preußischen Staatsministerium vorzuschlagen, die Stadt in Wuppertal umzubenennen. Dem Vorschlag wurde im Januar 1930 stattgegeben.

Am Abend des 1. Januar 1945 warfen alliierte Bomber Bomben über Vohwinkel ab. 97 Menschen starben, 200 wurden verwundet und 185 verschüttet. Am 16. April 1945 war Vohwinkel von US-Truppen besetzt.Das historische Vohwinkel: Luftangriffe. vohwinkel.net Vohwinkel gehörte zur Britischen Besatzungszone. Wie überall gab es zahlreiche Entnazifizierungsverfahren.Das historische Vohwinkel: Entnazifizierung und Wiedereintritt in die Kirche. vohwinkel.net Zahlreiche Heimatvertriebene aus den Ostgebieten siedelten sich an bzw. wurden angesiedelt, z. B. in der Siedlung Bremkamp. Nach dem Volksaufstand in der DDR (17. Juni 1953) kamen viele Flüchtlinge von dort.Das historische Vohwinkel: Das Flüchtlingsproblem in Vohwinkel. vohwinkel.net

Bürgermeister

Name Amtszeit Lebensdaten Gottlieb Heinrich 1. Juli 1888 bis 30. September 1888 * 24. Januar 1856; † 3. April 1927 Heinrich Bammel 1. Oktober 1888 bis 30. Juni 1919 * 10. Dezember 1855; † 7. März 1929 Albrecht Landwehr 1. Juli 1919 bis 31. Juli 1929 * 7. Mai 1881; † 25. März 1966

Einwohnerentwicklung

mini|400px|Einwohnerentwicklung von Vohwinkel von 1888 bis 2016

+ Einwohnerentwicklung als Gemeinde 1888 3.315 1895 7.740 1900 9.039 1905 12.763 1910 14.730 1925 16.093

+ Einwohnerentwicklung als Teil von Wuppertal 1929 17.518 1939 17.453 1946 21.702 1950 25.148 1970 28.520 1988 33.350 2000 33.329 2010 30.969 2012 30.484 2014 30.740 2016 31.141202231.429

Wappen mini|Wappen der Stadt Vohwinkel

Die von 1921 bis 1929 selbstständige Stadt Vohwinkel führte seit dem 16. Dezember 1926 das durch das Preußische Staatsministerium genehmigte Stadtwappen.

Im Jahre 1889 hatte der damalige Bürgermeister der Gemeinde Vohwinkel eine Anfrage an das Preußische Heroldsamt in Berlin gerichtet zwecks Genehmigung eines Wappens. Es war ein Entwurf ausgearbeitet, in dem der Bergische Löwe, der Preußische Adler und ein aus einer Höhle kriechender Fuchs dargestellt war. Dies Wappenbild nahm unter anderem auch auf einen etymologischen Erklärungsversuch des Wortes Vohwinkel als „Fuchswinkel“ Bezug. Der Entwurf, der nicht den heraldischen Grundsätzen in allen Teilen entsprach, wurde vom Gemeinderat dennoch angenommen. Der Minister des Innern jedoch trug Bedenken, die Genehmigung bei der Krone nachzusuchen, weil ein Wappen für Landgemeinden im Allgemeinen nicht üblich wäre (Reg.-Vfg. vom 12. Dezember 1889). Nach Jahren, durch Beschluss vom 30. September 1926, wurde die Verwaltung ersucht, ein Stadtwappen an zuständiger Stelle erneut zu beantragen. Es wurde eine, nach heraldischen Gesichtspunkten, bessere Lösung der Darstellung gefunden:

Das Wappen ist ein redendes. Zugleich versinnbildlicht der Winkel die Lage der Stadt am Knie der Wupper. Als Farben sind die bergischen (rot-weiß) und die rheinischen (grün-weiß) gewählt. Ein auf historischer Grundlage beruhendes Wappen konnte nicht in Betracht kommen, weil dem Ort die Historie fehlte. Der Erlass, der dann das Wappen genehmigte, lautet:

1929, nur drei Jahre später, wurde durch die Eingemeindung Vohwinkels in die neu gegründete Stadt Wuppertal die offizielle Verwendung des Wappens hinfällig.

Politik

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Vohwinkeler Rathaus mini|Kaiserstraße mit Schwebebahn mini|Gründerzeit-Villen Gräfrather Straße 13/13a

Bauwerke Das historische Rathaus Vohwinkel in der Rubensstraße wurde 1897 bis 1898 erbaut. Das Rathaus diente als Sitz der Gemeindeverwaltung, Sparkasse, Dienstwohnung des Bürgermeisters und Polizeigefängnis. Heute wird das Gebäude für die Bezirksverwaltungsstelle Vohwinkel mit Bezirksvertretung, Sozialer Dienst, Einwohnermeldestelle und Stadtbibliothek genutzt. Das sogenannte Gebhardgebäude der ehemaligen Seidenweberei Gebhard & Co. AG an der Kaiserstraße wurde 1875 erbaut. Die Gebhard & Co. AG wurde 1859 in Elberfeld gegründet und verlegte ihr Hauptgebäude 1875 nach Vohwinkel. Heute beherbergt das Gebäude einen Frisörsalon, Arzt- und Rechtsanwaltspraxen. Der Vohwinkeler Bahnhof im sakralen Baustil mit dem markanten Uhrturm an der Bahnstraße wurde am 1. Dezember 1908 mit Postgebäude und Güterabfertigung eingeweiht. Der Keilbahnhof verknüpft die Bahnstrecke Düsseldorf–Elberfeld und die Bahnstrecke Wuppertal-Vohwinkel–Essen-Überruhr (Prinz-Wilhelm-Eisenbahn). Bis 1989 bestand auch die Bahnstrecke Solingen–Wuppertal-Vohwinkel (Korkenzieherbahn) als reine Güterstrecke nach Solingen. Bis in die 1990er Jahre verband den Bahnhof auch eine Stichbahn zur Bahnstrecke Düsseldorf-Derendorf–Dortmund Süd (Rheinische Strecke oder Wuppertaler Nordbahn). Das ehemalige Kgl. Landratsamt an der Gräfrather Straße () wurde 1877, als Vohwinkel Sitz des Kreises Mettmann wurde, fertiggestellt und am 28. April 1878 bezogen. Heute beherbergt das Gebäude die städtischen Jugendeinrichtungen. 1900 wurde in Erinnerung an den Sieg über Frankreich 1871, ein Verdienst Wilhelms I., von dem ein Reliefmedaillon am Sockel angebracht war, vor dem Landratsamt der sogenannte Siegesbrunnen durch den Düsseldorfer Bildhauer Gustav Rutz errichtet. Die Einweihung des Siegesbrunnens durch das Kaiserpaar am 24. Oktober 1900 war seinerzeit ein beliebtes Postkartenmotiv. Der Brunnen ist heute nicht mehr erhalten. Das Schloss Lüntenbeck ist ein ehemaliger, um das Jahr 1250 erstmals urkundlich erwähnter Rittersitz. Das Gebäude wurde in der Barockzeit zu einem zweieinhalbgeschossigen Schlösschen mit angebautem Turm umgebaut. Die Niederungsburg wird von einer weitläufigen Vorburg mit ihren Wirtschaftsgebäuden umgeben. Das Schloss und seine Außenanlagen werden heute von mehreren Dienstleistungsgewerben genutzt und können nach Terminabsprache besichtigt werden.

Kirchen, Moscheen und Gottesdienststätten Mariä Empfängnis St. Ludger Pfarrkirche Schöller Kirche Gräfrather Straße mit dem gegenüberliegenden Gemeindehaus

Ditib-Moschee, Spitzwegstraße Marokkanische Moschee, Vohwinkler Straße Moschee, Bahnstraße

Ehemalige Kirchen und Gottesdienststätten Ev. Kirche und Gemeindezentrum, Goerdeler Straße 22 (abgerissen und überbaut) Ev. Gemeindezentrum Dasnöckel Ev. Kirche auf dem Bremkamp Ev. Kirche Lessingstr. Ev. Kirche in der Lüntenbeck (jetzt Tanzschule Asfahl)

Sport In Vohwinkel sind zwei größere Sportvereine beheimatet: der an den Sportplätzen Lüntenbeck und Waldkampfbahn beheimatete Fußballverein FSV Vohwinkel 48 e. V. mit insgesamt 29 Fußballteams und der Breitensportverein VSTV Vohwinkel 1865/90 e. V., ansässig an den vereinseigenen Tennisanlagen Zur Waldkampfbahn. Der FC Polonia ist als Fußballverein ebenfalls auf dem Sportplatz Waldkampfbahn beheimatet. Neben den Sportplätzen Waldkampfbahn () und Lüntenbeck () gibt es zahlreiche, meist an Spielplätzen gelegene Bolzplätze. Ein Fitnessstudio bietet Badminton und Squash; auf dem HAKO-Gelände besteht seit dem Jahr 2005 eine Indoor-Soccer-Halle. Die TSG 80 Vohwinkel war nach dem Zweiten Weltkrieg Gründungsmitglied der Fußball-Oberliga West, damals eine Staffel der höchsten deutschen Spielklasse. 1954 fusionierte die TSG mit dem SSV 04 Wuppertal zum Wuppertaler SV. Der ESV Wuppertal West ist mit der Abteilung Faustball, in der deutschen Bundesliga vertreten.

Regelmäßige Veranstaltungen mini|Vohwinkeler Flohmarkt