Die Altstadt von Frankfurt am Main bildet einen Stadtteil am nördlichen Mainufer. Die Altstadt besteht aus dem mittelalterlichen Stadtkern, der mit der Staufenmauer befestigt war. Er wird vom Stadtteil Innenstadt umgeben, der im 14. Jahrhundert entstandenen Neustadt innerhalb der Wallanlagen. Auf der gegenüberliegenden Mainseite befindet sich der Stadtteil Sachsenhausen, der ebenfalls schon seit dem Mittelalter zur Stadt Frankfurt gehört.

Die historische Frankfurter Altstadt galt bis zur weitgehenden Vernichtung im Zweiten Weltkrieg mit ihren rund 1250 größtenteils aus dem Mittelalter stammenden Fachwerkhäusern als eine der größten Fachwerkstädte Deutschlands.Manfred Gerner, Fachwerk in Frankfurt am Main. Frankfurter Sparkasse von 1822 (Polytechnische Gesellschaft) (Hrsg.), Verlag Waldemar Kramer, Frankfurt am Main 1979, ISBN 3-7829-0217-3. Sie war zugleich einer der bedeutendsten Anziehungspunkte für Deutschlandtouristen. Die historische Altstadt wurde durch die Luftangriffe auf Frankfurt am Main 1944 weitgehend zerstört. Die Straßenzüge sowie der gesamte Stadtteil sind heute überwiegend von schnell und einfach errichteten Gebäuden der 1950er und -60er Jahre geprägt. Mehrere markante Gebäude und einige wichtige Stadtplätze wurden jedoch wiederhergestellt oder rekonstruiert, vor allem rund um den Hauptplatz, den Römerberg.

Unter dem Namen Dom-Römer-Projekt entstand von 2012 bis 2018 zwischen dem Kaiserdom und dem Rathaus Römer, nach dem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung aus dem Jahr 2007, auf 7.000 Quadratmetern ein neues Altstadtviertel. Die ehemaligen Straßenzüge und Plätze wurden wiederhergestellt, vor allem der historische Krönungsweg deutscher Kaiser, die Straße Alter Markt, sowie der Hühnermarkt und Hinter dem Lämmchen. Neben dem Stadthaus am Markt über dem Archäologischen Garten entstanden nach einer strengen Gestaltungssatzung 35 Häuser, darunter 15 als schöpferische Nachbauten bezeichnete Rekonstruktionen zerstörter Gebäude und 20 neu entworfene Bauten.Internetseite der Dom-Römer GmbH.

Allgemeines Fläche und Bevölkerung mini|Der Stadtteil südlich der Berliner Straße, im Vordergrund das Karmeliterkloster, vom Commerzbank Tower gesehen (August 2010). Der Bereich vor dem Dom ist das Herzstück der Neuen Frankfurter AltstadtMit einem halben Quadratkilometer Fläche ist die Altstadt der kleinste Stadtteil Frankfurts. Sie entspricht in etwa der städtischen Bebauung, die gegen Ende des 12. Jahrhunderts erreicht und durch die noch teilweise erhaltene Staufenmauer begrenzt war.

Die Gemarkungsfläche ist vollständig bebaut; außer dem Main, dem Mainufer, Straßen, Plätzen und Innenhöfen gibt es keine Freiflächen. Die Bebauung entstammt überwiegend der Wiederaufbauphase der Nachkriegszeit; darüber hinaus gibt es zahlreiche, teilweise nach Kriegszerstörung rekonstruierte, historische Bauwerke.

Von den Einwohnern der Altstadt sind etwa Prozent Ausländer. Dies liegt über der Quote der Gesamtstadt (rund Prozent), aber teils deutlich unter dem Anteil anderer zentraler Stadtteile.

In der westlichen Altstadt dominieren kulturelle (Museen, Theater) und Dienstleistungsnutzungen, letztere vor allem entlang der Weißfrauen- und Berliner Straße. Im Viertel um das Karmeliterkloster und am Mainufer gibt es auch Wohnbebauung. Die zentrale Altstadt dient vor allem dem Tourismus rund um die bedeutendsten Sehenswürdigkeiten wie die Paulskirche, den Römerberg und den Kaiserdom sowie als Sitz der Stadtverwaltung administrativen Zwecken. In der nördlichen Altstadt ist der Einzelhandel stark vertreten, vor allem in den Straßen Neue Kräme und Töngesgasse. In der östlichen Altstadt dominiert die Wohnnutzung, das Viertel ist außerdem Zentrum des Frankfurter Kunsthandels (Braubachstraße und Fahrgasse).

Wirtschaft mini|Der Römer am Römerberg ist seit 1405 Sitz der Stadtverwaltung Frankfurts (März 2011). Der mit Abstand größte Arbeitgeber in der Altstadt ist die hier ansässige Stadtverwaltung. Seit dem 13. Jahrhundert ist der Stadtteil das politische Zentrum Frankfurts. Oberbürgermeister, Magistrat und Stadtverordnetenversammlung sowie ein wesentlicher Teil der städtischen Ämter haben seit über 600 Jahren ihren Sitz im Römer oder in angrenzenden Liegenschaften. Mit dem Abriss des Technischen Rathauses ab 2010 zog das Stadtplanungsamt in ein Gebäude an der nicht weit entfernten Kurt-Schumacher-Straße um.

Zwei weitere große Einrichtungen verließen die Altstadt (und Frankfurt am Main) Anfang des 21. Jahrhunderts: der Bundesrechnungshof in der Berliner Straße verlegte seinen Sitz nach Bonn, die 1873 in der Stadt gegründete Degussa in der Weißfrauenstraße zog nach Düsseldorf um. Während das denkmalgeschützte Gebäude des Bundesrechnungshofs in Frankfurt am Main zu einem Hotel- und Geschäftskomplex namens Kornmarkt-Arkaden umgestaltet wurde, entstand auf dem Degussa-Areal ein Neubauviertel unter dem Projektnamen Maintor.

Weitere wichtige Wirtschafts- und Arbeitsplatzfaktoren sind der Einzelhandel und der Tourismus. Während es bis zum Zweiten Weltkrieg noch zahlreiche kleine Gewerbebetriebe in den engen Gassen gab, überwiegt heute der Einzelhandel. Insbesondere in der Neuen Kräme und der Töngesgasse sowie entlang der Berliner Straße finden sich zahlreiche zum Teil alteingesessene Fachgeschäfte. Das Viertel um den Weckmarkt am Dom und insbesondere die Fahrgasse sind trotz eines gewaltigen Bedeutungsverlustes gegenüber der Vorkriegszeit ein Zentrum des Antiquitätenhandels in Frankfurt.

Verkehr mini|U-Bahnhof Dom/Römer (Juli 2008) Die Altstadt ist hervorragend durch den Öffentlichen Nahverkehr erschlossen. Der 1974 eröffnete U-Bahnhof Dom/Römer der Linien U4 und U5 liegt zentral unter dem historischen Kern der Stadt. Der Bau der Strecke und der Station in den Jahren 1968 bis 1974 stellte eine besondere technische Herausforderung dar. Der Umsteigebahnhof Willy-Brandt-Platz erschließt Teile der westlichen Altstadt, die Schnellbahnknoten Hauptwache und Konstablerwache den Norden des Stadtteils.

mini|links|Straßenbahn der Linie 11 in der Braubachstraße, Blick auf den Rathausturm „Langer Franz“ mit Notdach (Mai 2009) Auf dem zentralen Straßenzug Bethmannstraße–Braubachstraße–Battonnstraße, der „Altstadtstrecke“, verkehren außerdem die Straßenbahnlinien 11, 12 und 14. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden zwei Straßenbahnlinien durch die Altstadt gebaut, die eine – die sogenannte Dienstmädchenlinie – von der Zeil her über Im Trierischen Hof in Richtung Dom, die andere entlang des neu angelegten Straßendurchbruchs der Braubachstraße in Ost-West-Richtung.

Während die Dienstmädchenlinie niemals erfolgreich war und schon nach dem Ersten Weltkrieg stillgelegt wurde, blieb die Ost-West-Linie, die sogenannte Altstadtstrecke bis heute in Betrieb. 1986 war ihre Stilllegung bereits beschlossen, wurde aber auf Intervention des Regierungspräsidenten in Darmstadt zurückgezogen. Inzwischen hat die Altstadtstrecke wieder einen festen Platz im Frankfurter öffentlichen Personennahverkehr. Zudem dient sie noch als Strecke einer Frankfurter Touristenattraktion, des Ebbelwei-Expreß.

Für den Individualverkehr sind die nach dem Zweiten Weltkrieg angelegten Straßen Berliner Straße (1952–1954) und Kurt-Schumacher-Straße sowie der Mainkai die wichtigsten Verkehrsachsen. Vor allem im nördlichen Teil der Altstadt gibt es zahlreiche Parkhäuser, im Zentrum das zweigeschossige unterirdische Parkhaus Dom-Römer zwischen Dom und Römer.

Vom Gebiet der Altstadt führen drei Brücken über den Main: die wohl spätestens Anfang des 13. Jahrhunderts entstandene Alte Brücke, die auf das Jahr 1868 zurückgehende, reine Fußgängerbrücke Eiserner Steg und die 1872–1874 als zweite Straßenbrücke errichtete Untermainbrücke.

Der Mainkai war Standort des ältesten Hafens der Stadt, der bei der Restaurierung des Saalhofs 2009 ausgegraben und in das Historische Museum integriert wurde. Heute befinden sich am Mainkai die Anlegestellen der auf Main und Rhein verkehrende Ausflugsschiffe. Der Güterverkehr wird heute in den während der Gründerzeit entstandenen Frankfurter Mainhäfen betrieben.

Geschichte Topographische Vorbedingungen und Vorgeschichte mini|Reste ältester Siedlungsspuren auf dem Domhügel, darunter der römischen Niederlassung sowie im Wesentlichen der Königshalle der karolingischen Pfalz des 9. Jahrhunderts, im sogenannten Archäologischen Garten, vom Domturm aus gesehen, September 2011 Die Altstadt liegt auf dem rechten Mainufer am äußeren Rand eines leichten Flussbogens. Nach Norden begrenzte sie ein oberirdischer fließender, von einem Moor umgebener Nebenarm des Mains, die Braubach, im ungefähren Verlauf der gleichnamigen Straße, in ihrer Verlängerung dann der Bethmannstraße. Topographisch, teilweise auch noch heute, zeichnete sich das südlich der Braubach gelegene Gebiet durch einen starken Wechsel von Anhöhen und Senken aus.

Die Senken waren regelmäßig Überschwemmungen des Mains ausgesetzt und stellten daher für lange Zeit keine geeigneten Siedlungsflächen dar. Bei den Anhöhen handelte es sich im Wesentlichen um den Domhügel, auch Dominsel, an der Stelle der heutigen Kaiserdoms St. Bartholomäus, den Samstagsberg im Bereich des heutigen östlichen Römerberges und den Karmeliterhügel an der Stelle der gleichnamigen Klosteranlage. Eine für Personen und Fuhrwerke passierbare Furt, die der Stadt später den Namen geben sollte, befand sich wahrscheinlich zwischen der Alten Brücke und dem Rententurm. Sie verschwand spätestens bei der Ausbaggerung des Mains im 19. Jahrhundert. Lediglich die Namen des Fahrtors und der Fahrgasse erinnern noch daran.

Das Gebiet zwischen Samstagsberg und Domhügel (spätere Zentralachse: die Straße Markt) war nach den Erkenntnissen der jüngeren Archäologie seit der Jungsteinzeit regelmäßig und spätestens seit der Spätantike durchgehend besiedelt und kann damit als historische Keimzelle der Stadt gelten. Ältester bis heute erhalten gebliebener Rest einer Bebauung ist eine römische Niederlassung auf dem Domhügel, die jedoch entgegen früheren Vermutungen mit Sicherheit kein Zentrum römischen Lebens in der Region darstellte – dieses war im Nordwesten des heutigen Stadtgebietes in Nida angesiedelt.

Nach dem Limesfall endete im frühen 3. Jahrhundert der römische Aufenthalt im Altstadtgebiet: Alamannen zerstörten einen Großteil der Gebäude und ließen sich auf dem Domhügel nieder. Anfang des 6. Jahrhunderts löste die Herrschaft der Merowinger die der Alamannen ab. Aus beiden Zeitepochen hat sich außer Keramik und Münzen wenig erhalten: dem 7. Jahrhundert entstammte eine kleine Marienkirche, die heute weitgehend unter den Fundamenten des Domturms liegt. Nordöstlich davon, also bereits mitten im Langhaus des heutigen Doms, lag ein weiteres kleines Steingebäude mit nachrömischer Hypokaustheizung.

Die Altstadt seit karolingischer Zeit Die Gründungssage der Stadt nennt Karl den Großen als Stadtgründer, was zwar der ältesten erhaltenen urkundlichen Erwähnung anlässlich einer Schenkung an das Kloster St. Emmeran bei Regensburg am 22. Februar 794 entspricht, nicht aber dem archäologischen Befund. Demnach entstand die Königspfalz Frankfurt erst unter dem Sohn des legendären Gründers, Ludwig dem Frommen, wohl zwischen 815 und 822. Dessen Nachkomme, Ludwig der Deutsche, stiftete 852 Salvatorstift und -kirche (später Bartholomäusstift und Dom). Damit waren zwei bedeutende Einrichtungen geschaffen, in deren Umfeld sich die kleine Stadt Franconofurd für Beamte, Handwerker und weitere mit ihnen wechselwirkende Berufe entwickeln konnte.

mini|links|Mauerring um die Kernsiedlung auf dem Samstagsberg(Chromolithografie von Friedrich August Ravenstein von 1862 mit Überlagerung nach archäologischen Befunden)