Sendai (jap. ) ist eine Großstadt und Verwaltungssitz der japanischen Präfektur Miyagi.
Sendai ist die größte Stadt in der Region Tōhoku und liegt auf dem schmalen Landstreifen zwischen der Küste des Pazifiks (Sendai-Bucht) und den Bergen.
Geographie
Stadtgliederung Die Stadt Sendai ist in 5 Bezirke (Ku) aufgeteilt. Dieses sind: links|mini|Karte der fünf Bezirke in Sendai
Codemit PrüfzifferNameFläche (in km²)BevölkerungBevölkerungs-dichte (Ew./km²)Rōmaji, Kanji01.10.201801.10.201801.10.2015 04101-7Aoba-ku302,24311.047310.1831026,3 04102-5Miyagino-ku58,19196.578194.8253348,1 04103-3Wakabayashi-ku50,86137.494133.4982624,8 04104-1Taihaku-ku228,39229.664226.855993,3 04105-0Izumi-ku146,61213.886216.7981478,7 04100-9Sendai-shi786,301.088.6691.082.1591376,3
Die Stadtbezirke Miyagino-ku und Wakabayashi-ku liegen an der Küste. Der Stadtbezirk Taihaku-ku erstreckt sich über den gesamten südlichen Teil der Stadt und reicht bis zu einer Entfernung von drei Kilometer an die Küste heran.
Das dicht besiedelte, urban entwickelte Gebiet der Stadt beginnt mehr als 4 km landeinwärts von der Küste, und das Stadtzentrum ist 12 km von der Küste entfernt. Bei dem Großteil des Landes, das zwischen der Küste und der Tōhoku-Autobahn (Tōhoku Expressway) liegt, die den östlichen Teil der Stadt von Norden nach Süden unterteilt, handelt es sich um landwirtschaftliche Flächen.
Geschichte Sendai wurde als Burgstadt von dem mächtigen Feudalfürsten Date Masamune gegründet. Aus Gründen für einen Verteidigungsfall ließ Masamune die Burg Sendai (Aobajō/, „Burg der Grünen Blätter“) im Jahr 1601 einhundert Meter über der Stadt auf der Erhebung Aoba errichten., (Keynote Presentation, URL: https://www.jaee.gr.jp/event/seminar2012/eqsympo/proceedings.html; Gesamtdownload: https://www.jaee.gr.jp/event/seminar2012/eqsympo/Proc_GEJES.zip). Neben der Erhebung fließt der Fluss Hirose.
Im Jahr 1611 wurde die Burg Sendai durch das Keichō-Erdbeben, dem ein Tsunami folgte, beschädigt.
In der Edo-Zeit verzeichnet die Chronologie sechs Mal den Einsturz der Steinmauern der Burg Sendai (1611, 1646, 1668, 1717, 1835 und 1855). Zudem wurden Beschädigungen der Burgstadt für die Jahre 1731, 1736, 1793 und 1861 verzeichnet.
Auf das Jahr 1639 geht die St.-Ursula-Gakuin-Eichi-Grund-, -Mittel- und -Oberschule zurück.
mini|links|Karte der Kreise (-gun) Miyagi und Natori nach der Großen Meiji-Gebietsreform 1889. Mit * markiert: die aus dem bisherigen Stadtkreis Sendai (Sendai-ku) 1889 entstandene Stadt Sendai (Sendai-shi), nummeriert die neuen Gemeinden 1889 im Landkreis Miyagi. In lila das heutige Stadtgebiet von Sendai das sich seit den 1940er Jahren auch in den ehemals südlich angrenzenden Kreis Natori erstreckt. In der Meiji-Zeit wurde die aus dem Fürstentum (-han) Sendai entstandene Präfektur (-ken) Sendai bei ihrer Vergrößerung um Teile weiterer Ex-Fürstentümer/Präfekturen 1871/72 nach dem Landkreis, in dem sich ihr Verwaltungssitz befand, in Miyagi umbenannt. Der Stadtkreis Sendai (, Sendai-ku) wurde 1878 vom Landkreis Miyagi getrennt. Aus ihm entstand 1889 bei der Einführung der heutigen Gemeindeformen in der Großen Meiji-Gebietsreform die heutige kreisfreie Stadt (-shi) Sendai mit damals 86.352Stadt Sendai: Einwohnern. Weil Sendai bereits damals die größte Stadt in der Region Tōhoku war, wurde die Stadt ein Hauptort von Handel, Erziehung und Politik. Am Ort der damaligen Burg befanden sich eine Garnison und die Universität Tōhoku.
Zum hundertjährigen Jubiläum der Einrichtung der Stadt Sendai wurde sie 1989 zur seirei shitei toshi, einer „Großstadt per Regierungserlass“, ernannt und damit in Bezirke unterteilt.
mini|links|Nach dem Bombardement 1945 Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt im Juli 1945 mehrfach durch die United States Army Air Forces (USAAF) bombardiert. Der folgenschwerste Angriff war ein Flächenbombardement mit Napalmbomben am 19. Juli 1945. Die Angriffe zerstörten rund 22 % des Stadtgebietes und forderten 2.755 Tote und 57.321 Verletzte. Durch die Brandbomben wurden rund 13 km2 der Stadt niedergebrannt (siehe Luftangriffe auf Japan).
Der Absturz einer Cessna 208B im Pazifischen Ozean ereignete sich am 27. September 2018 in ca. 120 km Entfernung.
Tsunamis mini|Links:Torii-Tor zum Namiwake-Schrein in Sendai-Wakabayashi. Sein Name gilt als Symbol der Tsunamiverhütung (nami/波 bedeutet „Ozeanwelle“ und wakeru/ „teilen“, namiwake also „Wellenspalter“). Beim Keichō-Tsunami 1611, als Tsunamis noch als vom Meeresgott geschaffen galten, hatte sich die von Osten nähernde Tsunamiwelle an einem Ort in Nord-Süd-Richtung aufgespalten. (Online veröffentlicht am 7. Juli 2012), hier: S. 1015, Figure 32. Lizenz: Creative Commons Attribution 2.0 Generic (CC BY 2.0).Rechts: Erwartetes (rot) und tatsächlich vom Tōhoku-Tsunami 2011 überflutetes Gebiet (gelb) mit dem Namiwake-Schrein (roter Pfeil), vor dem der 5 km in das Landesinnere vorgedrungene Tsunami haltmachte., 総務省消防庁 (Fire and Disaster Management Agency), März 2013, hier in Kapitel 2 () das Unterkapitel 2.2 (2.2 (4)) (), S. 63, Abb. 13.
Historische Tsunami-Erfahrungen Die lokale Geomorphologie der Stadt Sendai und ihrer Vorstadtgebiete ist durch ein fluviales Tiefland und eine reliefarme, durch die Flüsse Abukuma, Natori und Nanakita geformte Küstenebene gekennzeichnet, wo Tsunamiwellen teilweise weit in das Landesinnere vorstoßen können. (Online veröffentlicht am 27. September 2011).
In der Vergangenheit war es in dem Sendai-Gebiet bereits zu zahlreichen Flut- und Tsunami-Katastrophen gekommen. Wie aus dem Nihon Sandai Jitsuroku belegt ist, überflutete der Jōgan-Tsunami im Jahr 869 die Küstenebene von Sendai großflächig und tötete über 1.000 Menschen, doch sind bisher keine historischen Informationen bekannt, die die Tsunamihöhe oder die Größe der Tsunamiüberflutungsgebiete im Falle des Jōgan-Tsunamis und des Keichō-Tsunamis quantifizieren können.
1835 wurde in einer Entfernung von 5,5 km von der Küste in einem tiefliegenden Gebiet des Wakabayashi-Bezirks (仙台市若林区) der Stadt Sendai der Namiwake-Schrein (浪分神社) errichtet, um vor einem künftigen Tsunami zu „schützen“. 200 bis 300 Meter vor dem Schrein konnten Ablagerungen des Jōgan-Tsunamis aus dem Jahr 869 gefunden werden. Ursprünglich war der Namiwake-Schrein 1703 an einer anderen Stelle erbaut worden, die jedoch vom Keichō-Sanriku-Tsunami 1611, der etwa 1.700 Menschenleben gefordert hatte, überflutet worden war.
Tōhoku-Katastrophe von 2011 Ausmaß der Überflutung und Schäden Während für den Fall eines Tsunamis im Sendai-Gebiet nur ein schmaler Küstenstreifen als Überflutungsgebiet erwartet worden war, drang der am 11. März 2011 durch das Tōhoku-Erdbeben ausgelöste Tsunami in der Küstenebene Sendais um ein Vielfaches tiefer – mehr als 5 km – in das Landesinnere vor, unter anderem bis kurz vor den Namiwake-Schrein in Sendai-Wakabayashi. Obwohl der Tōhoku-Tsunami 2011 stärker als erwartet ausgefallen war, überlebte der Namiwake-Schrein somit das Erdbeben und den Tsunami von 2011. (Online veröffentlicht am 7. Juli 2012).
Der Tsunami überflutete die gesamte Sendai-Ebene, die mit ihrem eine Million Einwohner beherbergenden urbanen Zentrum Sendai über die größte Stadt und das am stärksten besiedelte Gebiet in der Tōhoku-Region verfügte. In der Stadt Sendai überflutete er eine Fläche, in der (mit Stand von 2010) 19.580 Menschen in 6.640 Haushalten gelebt hatten, davon 12.830 Menschen in 4.720 Haushalten im Stadtteil Miyagino-ku (宮城野区) und 6.750 Menschen in 1.920 Haushalten im Stadtteil Wakabayashi-ku (若林区). Rund 18 % dieser in den Überflutungsgebieten lebenden Menschen in Sendai waren 2010 65 Jahre oder älter gewesen. Im Vergleich zu anderen, 2011 vom Tsunami überfluteten Regionen in den Präfekturen Iwate und Miyagi, war der Anteil der zuvor in Überschwemmungsgebieten lebenden Bevölkerung (in Higashimatsushima mit 67,1 % besonders hoch) in Sendai mit 1,9 % (und in Miyagino-ku mit 6,7 % bzw. in Wakabayashi-ku mit 5,1 %) weitaus geringer.
Die Zahl der völlig zerstörten Wohngebäude wird mit 30.034, die der teilweise zerstörten mit 109.609 beziffert. (), 総務省消防庁 (Fire and Disaster Management Agency), 157. Bericht, 7. März 2018.
In dem im Südosten Sendais gelegenen und nach Süden an den Fluss Natori grenzenden Stadtbezirk Wakabayashi-ku drang der Tsunami von der Küste aus mehr als 3 km landeinwärts vor, wobei die Höhe der Tsunamispuren allmählich mit der Entfernung der Tsunamiwellen von der Küste abnahm, wie dies auch in anderen zur Sendaiebene gehörenden Städten wie Natori und Watari zu sehen war. Wakabayashi-ku erlitt als Küstenregion schwere Schäden durch den Tsunami, insbesondere um den Distrikt ArahamaDer Arahama-Distrikt (荒浜) im Bezirk Wakabayashi (若林区) der Stadt Sendai (仙台市) ist nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Distrikt (荒浜) in der Stadt Watari (亘理), in dem es wie im erstgenannten Distrikt zu Zerstörungen durch den Tōhoku-Tsunami vom 11. März 2011 kam (Quelle: ) herum. An der nach Osten an den Ozean grenzenden Küstenlinie wurden lokal 6 Offshore-Wellenbrecher eingesetzt.
Die wichtigsten Küstenschutzanlagen bestanden in den Betonblock-Deckwerken entlang des Arahama-Strands. Zusätzlichen Schutz bot ein sich unmittelbar landeinwärts an die Deckwerke anschließender Kiefernwald. Die Betonschutzanlagen am Arahama-Strand versagten jedoch an mehreren Stellen, der Tsunami wusch die Sandfüllung aus und spülte Betonblöcke bis zu 100 m in den küstennahen Kiefernwald fort. Das flache Tiefland förderte das bis zu 5 km landeinwärts reichende Vordringen des Tsunamis. Arahama ist ein etwa 10 km von Sendais Stadtzentrum entfernt gelegenes, unmittelbar an der Pazifikküste beginnendes und sich etwa einen Kilometer landeinwärts erstreckendes Wohngebiet gewesen, in dem etwa 800 Haushalte mit rund 2.200 Einwohnern um den historischen Teizankanal gesiedelt hatten, der von Date Masamune gegründet worden war und in diesem Gebiet der Küstenlinie in einer Entfernung von rund 450 Metern parallel zum Meeresufer verläuft., city.sendai.jp, ohne Datum. Während sich üblicherweise zwischen dem Teizan-Kanal und der Küstenlinie Küstenwälder erstrecken, die ein gewisses Maß an Schutz bieten, dehnen sich die Häuser in Arahama über den Kanal hinaus bis ganz an das Meeresufer aus. In der Nähe der Küstenlinie wurden Überflutungshöhen von 9,32 m und 8,43 m gemessen und viel Treibholz (mit einem Durchmesser bis 70 cm) gefunden, das von den Küstenwäldern zwischen dem Teizan-Kanal und dem Meeresufer stammte. An der Mündung des Flusses Natori, an dessen Ufer sich viel Trümmer anhäuften, wurde eine Überflutungshöhe von 5,44 m gemessen. Die meisten Gebäude in Arahama wurden zerstört, mit Ausnahme weniger Häuser und der Grundschule von Arahama. (Veröffentlicht am 29. März 2012). Viele in Holzkonstruktion erstellte Wohnhäuser brachen völlig zusammen oder wurden später abgerissen.