mini|hochkant|Einzelbett aus Holz mit Auflagen

Der Begriff Bett bezeichnet ein Möbelstück, das dem Schlafen, Liegen oder Ruhen dient. Ein einfaches Bett besteht heute in der Regel aus einem Rahmen oder Gestell, auf dem eine Matratze liegt. Zum Teil sind Matratzen auch selbsttragend ausgeführt (beispielsweise bei manchen Französischen Betten). Zum „europäischen“ Bett gehören in der Regel auch Bettdecke und Kopfkissen sowie die dazugehörigen Bezüge und das (oder auch zwei) Bettlaken (siehe Bettwäsche und Bettware). Liegemöbel (Couch, Kanapee, Diwan, Bettbänke), die auch als Sitzmöbel verwendet werden, sind im Artikel Sofa beschrieben. mini|Modernes Doppelbett mini|Doppelstockbett in Hong Kong mini|Ein Wasserbett Geschichte mini|Bett mit Nachttopf darunter Prähistorik Archäologische Funde belegen, dass bereits vor 200.000 Jahren Menschen in Afrika auf Grasbetten schliefen. Die unter den Grasschichten gefundenen Überreste von insektenrepellenten Pflanzen und Asche – oft Überreste von zuvor verbrannten Betten – könnten laut Autoren der Studie für ein schmutzfreies, dämmendes und insektenabweisendes Fundament benutzt worden sein und legen nahe, dass diese Schlafunterlagen auch erneuert wurden.People slept on comfy grass beds 200,000 years ago, Ars Technica, 14. August 2020.Fire and grass-bedding construction 200 thousand years ago at Border Cave, South Africa in Science, Vol. 369, Issue 6505, 14. August 2020, S. 863–866, DOI:10.1126/science.abc7239, beides abgerufen am 19. August 2020.

Antike mini|Nachbildung eines altägyptischen Bettes, ca. 2575–2528 v. Chr., Museum of Fine Arts, Boston mini|Kline (im Hintergrund) aus Bronze im Keltenmuseum Hochdorf, um 550 v. Chr.

Im alten Ägypten gab es kunstvoll verzierte Liegen, sie wurden, wie später bei den Griechen und Römern, nicht nur zum Schlafen, sondern auch als Liege bei Tisch verwendet, da es unüblich war, Schlaf- und Wohnbereich zu trennen. Die alten Ägypter hatten hochbeinige Bettgestelle, welche mittels eines Trittes bestiegen werden mussten, mit Polstern belegt und mit einem Mückennetz ringsum abgeschlossen waren. Charakteristisch sind die aus Stein, Holz oder Metall gearbeiteten halbkreisförmigen Kopfstützen. Assyrer, Meder und Perser hatten ähnliche Betten mit bunten, prächtigen Teppichen und allerlei Zierrat aus Metall, Perlmutter, Elfenbein.

Das Bett des Odysseus war nach der homerischen Überlieferung ein verziertes vierfüßiges Rahmenwerk, bespannt mit Riemen aus purpur schimmernder Stierhaut und bedeckt mit Fellen und Teppichen. Ein leinener Überzug und ein wolliger Mantel dienten als Decke. Die Griechen der Antike hatten hölzerne Bettstellen, oft mit reich verzierten Füßen und lehnenartiger Erhöhung am Kopfende. Auf Gurten ruhten die mit Wolle oder Pflanzenfasern gefüllte Matratze und ein rundes Kopfpolster, welche mit Leinentüchern, wollenen Decken, Fellen oder einem Lederüberzug bedeckt wurden.

Das Bett der Römer (lectus cubicularis) war ähnlich konstruiert und oft mit großem Luxus ausgestattet. Ein Gestell aus Holz oder Bronze stand auf meist bronzenen Füßen, die mit kostbarem Metall oder Elfenbein verziert waren, und trug auf Gurten die mit Schilf, Heu, Wolle oder Federn von Gänsen oder Schwänen gefüllte Matratze [culcita oder culcitra (Federkissen; etymologisch nicht völlig klar) – wörtlich: Kissen, Polster; torus – wörtlich: Polster, Lager, Sofa, Bett, Ehebett, Liebe und dementsprechend schließlich Ehe! Weitere Möglichkeiten: stratum, stragulum]; am Kopfende lagen kleine Kissen (pulvinus – Sitz- oder Kopfkissen; cervical – nur in der Bedeutung des Kopfkissens). Über die Matratze breitete man Decken (stragula – lat. Plural von stragulum; tegumenta, operimenta, velamenta) aus kostbaren Stoffen, oft mit reichen Stickereien und in purpurner Farbe. Ebenso reich waren die Behänge (toralia; Singular: toral – wörtl.: Sofa-, Bettdecke), welche von der Matratze bis auf den Fußboden reichten. Die hintere Seite des Bettes war oft mit einer Lehne (pluteus – im Allgemeinen die eines Speisesofas, aber auch das Speisesofa selbst wurde mit dieser Bezeichnung auch fallweise tituliert) versehen.

Außer diesen Schlafbetten hatten die Römer das Ehebett (lectus genialis), das niedrige Krankenlager (lectus aegrotantis, scimpodium), das Schaubett der Toten (lectus funebris), das Ruhebett (lectus lucubratorius), auf welchem man las, meditierte oder liegend schrieb, und das niedrige, sofaartige Speisebett (lectus, triclinium – ein griechisches Lehnwort).

Die angeführten lateinischen Begriffe sind teilweise sehr uneindeutig und vielseitig. Ein Beispiel für die Varianz der Semantik sei lectus. Dieser wird oder wurde – etwaige Attribute nicht einbezogen – u. a. für die Beschreibung der Begriffe Bett, Lager, Ruhebett, Braut- bzw. Ehebett, Speisesofa und Leichenbett verwendet. Hier wurden nach Möglichkeit die jeweils gebräuchlichsten Bezeichnungen genannt, doch die Überschneidungen sind zahlreich und somit kommt es auf Nuancen an, welches Wort zu bevorzugen ist.

Betten waren zu diesen Zeiten der reichen Oberschicht vorbehalten. Für die breite Masse der Bevölkerung waren Betten Luxus, sie schliefen auf dem Boden, hatten einfache Lager aus Laub- oder Strohsäcken oder einfachen Matratzen.

Mittelalter mini|Himmelbett auf der Burg Vianden in Luxemburg

Im Mittelalter kamen Himmelbetten in Mode. Das vierpfostige Bett mit Himmel (Baldachin) und Vorhängen diente tagsüber als Sitzgelegenheit, nachts wurden die Vorhänge zugezogen und es bildete sich ein Alkoven. Die Betten wurden von nun an immer größer und geräumiger, die Stoffe wurden feiner, die Materialien exquisiter und die Schnitzereien kunstvoller.

Noch im frühen Mittelalter bedeckte man auch oft den Fußboden mit Teppichen, belegte diese mit Kissen, welche mit Federn (plumit) oder fester mit Wolle oder Haaren gestopft waren (matraz), und benutzte Pelze als Decken. Die Bettstellen waren ursprünglich den römischen sehr ähnlich und aus Bronze gefertigt. Man legte sich damals meist nackt ins Bett und hüllte sich in das große, über die Kissen gebreitete Leintuch (Leilachen, linde Wat, Linten).

Vom 13. Jahrhundert an entwickelte sich größerer Luxus, die hölzernen Bettstellen wurden mit eingelegter Arbeit verziert, geschnitzt und bemalt. Damals entstanden auch bereits die Spannbetten, die am Tag als Sofa dienten. Auf einem vierfüßigen, mit Stricken überspannten Gestell lag das lederne, mit seidenen Stoffen überzogene und mit Federn gefüllte Unterbett, welches mit der gesteppten Decke (Kulter) bedeckt wurde. Auf dieses Möbel wurden für die Nacht ein leinenes Betttuch (Lilachen) gebreitet und einige Kissen, namentlich die so genannten Ohrkissen, hinzugefügt. Zum Füllen der Kissen dienten zur Zeit der Minnesänger besonders Eider- und Adlerdaunen. Als Zudecken dienten seidenbezogene, pelzgefütterte Decken.

Bei den gewöhnlichen Betten benutzte man als Unterlage bis in das 12. Jahrhundert hinein nur Stroh. Unterbetten und Matratzen findet man erst viel später. Ein eigenes Bett benutzten damals nur ganz vornehme Leute; das Gefolge, die Ritter, mussten zu zweien oder dreien ein schmales Lager teilen.

Das Hauptbett für das Ehepaar bildete das hervorragendste Möbel der Kemenate. Bereits damals wurden die Vorhänge und die Betthimmel Mode, und an Letzteren befestigte man Hängelampen als Nachtlicht. Das Kopfende des Bettes wurde stets an die Wand gestellt, so dass man von beiden Seiten in das Bett steigen konnte. Dabei aber ließ man zwischen Bett und Wand an der einen Seite einen nicht zu breiten Raum (la ruelle) als Empfangsort für intime Freunde, der Anfang des späteren Boudoirs (ein kleines, elegantes Damenzimmer).

Eine umschreibende Bedeutung erfuhr im Mittelalter das Totenbett (lateinisch articulus mortis) in der Bedeutung von „Stunde des Todes“.Robert Damme: Das Stralsunder Vokabular. Edition und Untersuchung einer mittelniederdeutsch-lateinischen Vokabularhandschrift des 15. Jahrhunderts. Köln/Wien 1989 (= Niederdeutsche Studien. Band 34), S. 252.

Neuzeit Wirkliche Alkoven kamen erst im 16. Jahrhundert in Gebrauch.

Allmählich stieg der Luxus, die Ausstattungsstücke der Betten vermehrten sich, und die Größe des Bettes wuchs derart, dass es im 15. Jahrhundert wie ein Haus in der Stube stand, groß genug, eine ganze Familie aufzunehmen. In Bauernhäusern waren auch hölzerne Bettnischen oder Schrankbetten üblich. Wahre Meisterwerke der Holzschnitzkunst sind die Betten der Renaissance.

An den Fürstenhöfen hatte man Paradebetten, welche weniger zum Schlafen als zu Repräsentationszwecken benutzt und in Prunkgemächern aufgestellt waren. Dort wurden gleich- und höhergestellte Persönlichkeiten, wie zum Beispiel fremde Gesandte, empfangen. Im Paradeschlafzimmer wurde Audienz erteilt. Hier fand das öffentliche Aufstehen und Ankleiden (frz. lever) und das Zubettgehen (frz. coucher) als zeremonieller Akt in strengster Hierarchie statt. In der Zeit der französischen Königs Ludwig XIV. wurde das Bett somit das Prunkmöbel schlechthin. Kostbare Stoffe lösten seltene Hölzer, Vergoldungen und Schnitzarbeiten ab. Samt, Satin, Silberstoffe, Brokat, Damast und Stickereien brachten das Holz fast völlig zum Verschwinden. Die Kunst des Dekorateurs übertraf die des Tischlers. Stützposten an den vier Bettenden trugen nicht länger einen Baldachin. Dieser wurde „à la duchesse“ oder „à pavillon“ noch an der Zimmerdecke befestigt. Als „lit d’ange“ ist er bereits kürzer als das Bett darunter und ist freitragend befestigt. Diese Betten waren mit Vasen, Stoffquasten oder Federbüschen bekrönt. Für die Reinigung der Bettgeräthe war die Bett- oder Hofgeräthewäscherin zuständig.HSTA Dresden, Loc 33345 Das Bettenlager in Versailles umfasste rund 400 Betten, viele davon hatten aufgrund ihrer Stickereien gar eigene Namen.

Ludwig XV. besaß nur noch ein einziges Bett. Er hielt zwar noch Audienzen in seinem Schlafzimmer ab, aber regierte normalerweise nicht mehr vom Bett aus. Da Ludwig XV. die Privatsphäre wichtig war, galt es nun als besonders hohe Ehre, die königlichen Schlafgemächer betreten zu dürfen.

Ähnlich, wenn auch mit weniger Luxus ausgestattet, waren die Betten des wohlhabenden Bürgerstandes, der sich zunehmend am Adel orientierte. Allmählich veränderte sich aber die Form des Bettgestells; dasselbe nahm nach und nach die Gestalt eines Kastens an (Bettlade), in welchem dann die Bettstücke aufgetürmt wurden. Im 18. Jahrhundert kamen dann die schweren Federbetten, Plumeaus auf. Als das Bett schließlich in Massenproduktion ging, verschwanden die kunstvollen Verzierungen wieder. Die Betten bestanden nun aus einfachen Materialien wie Eisen oder Holz und wurden nach und nach für jedermann erschwinglich.

Kunstvolle Verzierungen und teure Materialien spielen heute in der Bettenproduktion kaum noch eine Rolle, vielmehr sind Schlafkomfort und ergonomische Aspekte in den Mittelpunkt gerückt.

Bettformen Baby- und Kinderbett mini|Babybett im Krankenhaus

Im Gegensatz zu Betten für Erwachsene sind Babybetten speziell an die Bedürfnisse von Neugeborenen, Babys und Kleinkindern angepasst. So fallen sie mit geläufigen Maßen für die Liegefläche von zum Beispiel 140 cm × 70 cm deutlich kleiner aus. Außerdem schützt ein Rahmen oder Gitter die Säuglinge und Kleinkinder vor dem Herausfallen. Der Abstand zwischen den Stäben eines Gitters sollte vorzugsweise zwischen 4,5 und 6,5 cm liegen. Zudem sollten sich Gitterstäbe nicht verbiegen lassen und somit ausreichend stabil sein. Für einen erleichterten Ein- und Ausstieg und zur Vermeidung von Verletzungen lassen sich bei vielen Babybetten einige beieinander liegende Gitterstäbe herausnehmen. Diese Gitterstäbe nennt man Schlupfstäbe.