Halstenbek (niederdeutsch: Halstenbeek) ist eine amtsfreie Gemeinde im Kreis Pinneberg im Süden Schleswig-Holsteins. Die offiziellen Ortsteile sind Halstenbek-Ort, Krupunder und Brande (mit Nienhöfen).

Geografische Lage Halstenbek liegt im Süden des Kreises Pinneberg, etwa 15 Kilometer vom Hamburger Stadtzentrum entfernt. Halstenbek grenzt im Osten an Hamburg-Eidelstedt und Hamburg-Lurup, im Süden an Schenefeld, im Westen an Pinneberg und im Norden an Rellingen. Durch das Gemeindegebiet fließen die Bäche Burbek (östlich des Krupunder Sees) und Ballerbek (westlich davon) in die Düpenau, die die westliche Grenze der Gemeinde bildet. Das Gemeindegebiet liegt in einer mittlerweile kultivierten Moor- und Heidelandschaft, die jetzt von Siedlungs- und landwirtschaftlich genutzten Flächen, hier vor allem Baumschulen und Ackerbau, dominiert wird.

Geschichte Gelegentliche Funde von Feuersteinklingen, Steinäxten und Kernsteinen deuten an, dass Menschen schon seit der frühen Steinzeit hier lebten. Die frühesten gesicherten Besiedlungsspuren wurden in Halstenbek in den 1920er und 1930er Jahren ausgegraben, dabei wurden Urnengräber aus der Steinzeit, Bronze- und Eisenzeit, sowie Reste frühmittelalterlicher Raseneisenerzverhüttungsplätze und einer Feldschmiede des 12. Jahrhunderts gefunden.Claus Ahrens: Vorgeschichte des Kreises Pinneberg und der Insel Helgoland. Wachholtz, Neumünster 1966. Erstmals wird Halstenbek am 15. Mai 1296 in einem Hamburger Schuldbuch erwähnt, wonach sich ein Hamburger Bürger von einem Hartwicus aus Halstenbeke 30 Mark lieh. Zu dieser Zeit bestand Halstenbek bereits als Dorf. Die nächste schriftliche Erwähnung stammt aus dem Testament des Marquard Potekouwe aus dem Jahr 1309. Die Namensform Halstenbeke erscheint noch mehrfach in späteren Aufzeichnungen. Das Dorf Halstenbek stand unter der Verwaltung der Grafschaft Holstein-Pinneberg, die seit 1460 selbst unter der Verwaltung des dänischen Königreiches stand.

Im Zuge des Dreißigjährigen Krieges in den Jahren 1625 bis 1627 suchten dänische Soldaten das Dorf heim. Danach wurden die Bewohner des Dorfes Halstenbek in den so genannten Schweden- und Pollakenkriegen im Zweiten Nordischen Krieg (1658–1660) und dem Spanischen Erbfolgekrieg (1701–1714) heimgesucht. Bis zur Industriellen Revolution am Anfang des 19. Jahrhunderts begann der Aufschwung des bislang von kleinbäuerlicher Wirtschaft geprägten Dorfes. Die Landwirtschaft spezialisierte sich im Kreis Pinneberg auf Baumschulen, da die Stadt Hamburg nach dem verheerenden Brand im Jahre 1842 große Mengen an Bäumen zum Hausbau und zur Aufforstung von Parks und Straßenbäumen benötigte.

Nach dem Sieg Preußens und Österreichs im Deutsch-Dänischen Krieg im Jahr 1864 fiel Holstein, und damit auch Halstenbek, an Österreich und mit der Gründung des Norddeutschen Bundes und des Kreises Pinneberg im Jahr 1867 unter preußische Verwaltung. Die direkte Verwaltung saß in der Drostei in Pinneberg. Im Jahre 1883 erhielt Halstenbek einen Anschluss an das Eisenbahnnetz mit eigenem Güterbahnhof, der den Absatz der Halstenbeker Baumschulen erheblich förderte. Seit der Jahrhundertwende stieg die Einwohnerzahl Halstenbeks kontinuierlich an. Der nächste große wirtschaftliche Einbruch der Gemeinde kam mit dem Ersten Weltkrieg.

Mit dem „Dritten Reich“ wurde auch in Halstenbek die Verwaltung gleichgeschaltet. Die Baumschulen fanden neue Absatzmärkte und lieferten Bepflanzungen für die Grünstreifen der neuen Autobahnen. Später im Zweiten Weltkrieg, als sich die Versorgungslage bei Lebensmitteln verschlechterte, mussten die Baumschulen einen Teil ihrer Produktion auf den Lebensmittelanbau umstellen. Dennoch lieferten sie auch weiterhin Pflanzen, jetzt aber zu Tarnzwecken. Auf dem Halstenbeker Güterbahnhof standen am Anfang des Krieges schwere Flakbatterien. Später wurden in dem Baumschulgelände Höhe Lübzer Straße vier Flakstellungen mit Vierlingsflaks errichtet. Gegen Ende des Krieges wurde Halstenbek im Zuge der Bombardierungen von Hamburg mit betroffen und der Güterbahnhof wurde zerstört. Als Hamburg zur Festung erklärt wurde, verlief der „Festungsring“ zwischen den Ortsteilen Halstenbek und Krupunder. Südlich der Bahnstrecke wurde in etwa parallel zur heutigen Lübzer Straße ein Panzergraben errichtet. Nördlich der Bahnstrecke verlief der Panzergraben parallel zur Bahn. Der südliche Panzergraben wurde von männlichen Häftlingen des KZ Neuengamme gebaut, den nördlichen Graben errichteten jüdische Frauen aus der KZ-Außenstelle Lurup. Nach dem Krieg kam die Gemeinde unter britische Besatzung. Es wurden neue Verwaltungsstrukturen eingerichtet. Zunächst musste Wohnraum für Flüchtlinge geschaffen werden.

Im Zuge des Wiederaufbaus stieg der Bedarf an Forstpflanzen auch stetig an und somit eine der wichtigen Lebensgrundlagen der Gemeinde. Die Mehrzahl der neuen Halstenbeker arbeiteten jetzt nicht mehr in der Gemeinde, sondern im nahe gelegenen Hamburg. In den 1970er Jahren wurden neue Gewerbegebiete eingerichtet und an der aus der Bundesstraße B 5 neu gebauten Bundesautobahn 23 entwickelte sich die so genannte „Wohnmeile Halstenbek“ oder kurz auch die „Möbelmeile“.

Etymologie des Namens Halstenbek mini|Ausschnitt aus Johannes Mejers Landtcarte von dem Fürstenthumbe Stormarn von 1650. Halsebeck nordöstlich der Bildmitte. mini|Eine Karte zeigt Halstenbek zur Zeit von 1877, einige Jahre nachdem sich der historische Ortskern in den Jahren nach 1842 bildete. Der Name Halstenbek lässt sich in der Namensform Halstenbeke bis auf das Jahr 1296 zurückverfolgen, daneben erscheinen immer wieder abweichende Schreibweisen, wie auf Johannes Mejers Landtcarte von dem Fürstenthumbe Stormarn von 1650 als Halsebeck, oder auf Johann Baptist Homanns Tablua Generalis Hosatiae von 1730 Halsebek. Der Name setzt sich aus drei Teilen zusammen. Bei Halsten handelt es sich um eine Wortverdopplung aus dem gotischen Hal oder Hallus (altenglisch Haell und dänisch Hald) in der ersten Silbe und dem plattdeutschen Begriff Sten in der zweiten Wortsilbe, wobei alle Begriffe für Stein stehen. Der Begriff Bek bezeichnet im Plattdeutschen Bach. Demnach würde der Name Halstenbek für Steinbach (genauer Steinsteinbach) stehen. nach

Einwohnerentwicklung Die Einwohnerzahl von Halstenbek war lange Zeit auf dörflichem Niveau und stieg erst ab der Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert und besonders nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges erneut erheblich an. Bis in das 18. Jahrhundert wurden nur die Zahl der steuerpflichtigen Bürger und für das Jahr 1788 die Zahl der in Halstenbek ansässigen Familien überliefert:

mini|300px|Rathaus Politik Gemeindevertretung

Ergebnis der Kommunalwahl vom 14. Mai 2023: Partei Stimmen Prozent Sitze CDU 2.610 38,7 % 12 Bündnis 90/Die Grünen 1.944 28,9 % 9 SPD 1.446 21,5 % 6 FDP 738 11,0 % 3 Wahlbeteiligung: 48,7 %

Die CDU errang 2 Überhangmandate, dadurch erhielten die Grünen 1 Ausgleichsmandat. Somit erhöhte sich die Zahl der Abgeordneten von 27 auf 30.

Bürgervorsteherin ist seit 2023 Katrin Ahrens (CDU).

Die Ergebnisse vorheriger Kommunalwahlen sind der folgenden Tabelle zu entnehmen:

Parteien und Wählergemeinschaften Stimmen 2018 % 2018 Sitze 2018 Stimmen 2013 % 2013 Sitze 2013 Stimmen 2008 % 2008 Sitze 2008 Stimmen 2003 % 2003 % 1998 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 2.230 34,3 9 2.086 36,1 13 2.071 35,2 14 3.128 47,341,0 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 1.668 25,6 7 1.645 28,5 10 1.441 24,5 9 1.583 23,9 37,3 GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 1.843 28,3 8 1.591 27,5 10 1.616 27,5 10 1.311 19,8 14,4 FDP Freie Demokratische Partei 671 10,3 3 455 7,9 3 707 12,0 4 595 9,0 7,3 kWGp Kreis Wählergemeinschaft Pinneberg 93 1,4 0 Gesamt 6.505 100 27 100 36 99,2 37 6.617 100 100 Wahlbeteiligung 46,4 % 42,7 % 52,0 % 62,5 % Nachdem Doris von Haaren, die als CDU-Direktkandidatin gewählt worden war, aus der CDU-Fraktion in die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen gewechselt war, verfügte die CDU von 2020 bis zur Wahl 2023 nur noch über acht, die Grünen dagegen über neun Mandate.

Bürgermeister Die Bürgermeister seit 1933 sind unten angeführt. Vor 1933 wurde er als Gemeindevorsteher bezeichnet, vor 1873 als Vogt.Brigitte Wolf: Gemeindechronik Halstenbek, Halstenbek 1991, S. 127 1933–1937: Johannes Meyer (NSDAP) 1938–1945: Albert Kreutz 1945: Henry Bruhn 1945–1946: Carl Gräper 1946: Franz Helms 1946–1948: Ernst Glissmann (SPD) 1948–1950: Hermann Ludt (* 1895, † 1981) 1950–1958: Gerhard Künzer 1959–1979: Wilhelm Kelting (* 1919, † 2008) 1979–1989: Gerhard Flomm (CDU) 1989–2007: Bruno Egge (parteilos) 2007–2017: Linda Hoß-Rickmann (parteilos) 2017–2023: Claudius von Rüden (SPD) seit 2023: Jan Krohn (CDU)

Wappen Das Wappen wurde am 21. Oktober 1969 genehmigt.

Blasonierung: „In Gold auf schwarzem Schildfuß, darin ein silberner Wellenbalken, drei grüne Tannen, die mittlere etwas höher als die beiden anderen, mit goldenen, in den Schildfuß hinabreichenden Wurzeln.“[ Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein]

Das Wappen von Halstenbek wurde aus einem älteren Gemeindewappen entwickelt. Auch heute nennt sich die Gemeinde „Wiege des deutschen Waldes“, 75 % ihrer Anbaufläche dienen allein der Forstbaumzucht. Millionen von Forstpflanzen aller Arten kommen jährlich von Halstenbek aus zum Versand. Allein 60 % aller Forstpflanzen, die zum Anbau des deutschen Waldes jährlich verpflanzt werden, sind in Halstenbek gezüchtet. Außerdem gehen sehr viele Sendungen in andere europäische Länder. Den Ruf einer weltwirtschaftlichen Bedeutung des Ortes bestätigt das Gemeindewappen. Dem Überwiegen der Nadelhölzer als Zuchtpflanze entsprechend ist die Baumschulwirtschaft durch drei Tannen im Wappen dargestellt. Die golden bewurzelten Bäume deuten den geschäftlichen Ertrag an. Der Wellenbalken im Schildfuß soll den zweiten Bestandteil des Ortsnamens „-bek“, bedeutungsgleich mit Bach, wiedergeben und auf den hauptsächlich unterirdisch verlaufenden Dorfbach „Ballerbek“, der nur noch am Halstenbeker Bahnhof ca. 50 m oberirdisch verläuft, verweisen.

Das Wappen wurde von dem Brunsbütteler Heraldiker Willy „Horsa“ Lippert gestaltet.

Flagge Die Flagge wurde am 19. April 1985 genehmigt.

Das Flaggentuch ist in einen breiteren mittleren und je einen schmaleren Streifen oben und unten – der obere grün, der untere schwarz – geteilt. Auf dem gelben mittleren Streifen und in den schwarzen unteren mit den Wurzeln hinabreichend, die drei Tannen des Gemeindewappens, aus der Mitte in Richtung auf den Flaggenstock deutlich verschoben; auf dem unteren Streifen der durchgehende Wellenbalken des Gemeindewappens in flaggengerechter Tingierung.

Städtepartnerschaften Halstenbek unterhält Städtepartnerschaften, seit 1984 mit dem oberösterreichischen HartkirchenPartnergemeinden. Homepage der Gemeinde Hartkirchen, abgerufen am 23. Juni 2016., sowie seit dem 6. Oktober 1990 mit dem mecklenburgisch-vorpommerschen Lübz.

Ehrenamtspreis Seit 2010 wird von der Gemeinde Halstenbek jährlich der Ehrenamtspreis verliehen. Er soll das freiwillige Engagement jener Bürger würdigen, die sich in besonderem Maße für das Wohl ihrer Mitbürger eingesetzt haben. Die zu Ehrenden erhalten ein vom Künstler Rupprecht Matthies gestaltetes persönliches „Wortkunstwerk“ und werden auf der Ehrenamtstafel im Rathaus benannt. Die Gemeindewerke Halstenbek sponsern den Preis mit einem Geldbetrag in Höhe von 500 €. Die Entscheidung über die Auszeichnung trifft der Ausschuss für Soziales, Kultur und Sport der Gemeinde Halstenbek. Bisher wurden folgende Bürger geehrt: 2010: Lore Loerbrocks (sozialer Einsatz) und Joachim Stahl (Jugendsport-Betreuer) 2011: Ursula Lüdemann (AWO) 2012: Dorothea Carstensen, Andreas Stanislaus und Wilfried Bestmann (über 100 Blutspenden) 2013: Hildegard Lunau (Geschichtswerkstatt und Baumschulmuseum) 2014: Helmut Salinger (Naturschutz) 2015: Harald Grelck (70 Jahre Freiwillige Feuerwehr) 2016: Christine Blanckenburg (Willkommenskultur in der Flüchtlingshilfe) und Ude Hintz (sozialer Einsatz)