Travemünde () ist ein Stadtteil der Hansestadt Lübeck in Schleswig-Holstein. Das Seebad ist jährlich Ziel von mehr als einer Million Übernachtungs- und Tagesgästen. Neben Promenaden und Badestränden befindet sich in Travemünde mit dem Skandinavienkai auch der bedeutendste deutsche Ostseefährhafen. Zum Stadtteil im politischen Sinn gehören neben dem Stadtbezirk Alt-Travemünde auch die Stadtbezirke Priwall, Brodten, Teutendorf und Ivendorf. Bei den drei letzteren handelt es sich um kleine Dörfer, die 1935 eingemeindet wurden.

Geographie Lübeck-Travemünde liegt direkt an der Mündung der Trave in die Lübecker Bucht als Teil der Ostsee, etwa 15 Kilometer Luftlinie nordöstlich vom Lübecker Zentrum. Der größte Teil des Stadtteils liegt westlich der Trave. Die an der Mündung in die Ostsee gelegene Halbinsel Priwall auf dem Ostufer gehört ebenfalls zu Travemünde und konnte bis 1990 nur mit der Fähre erreicht werden.

Das Gebiet des Stadtteils ist 41,3 Quadratkilometer groß. Ende 2024 lebten rund 13.900 Menschen in Travemünde, also 337 Einwohner je Quadratkilometer.Hansestadt Lübeck: Statistische Nachrichten 66 (2024). Die meisten Bewohner leben im Stadtbezirk Alt-Travemünde. In den drei weiteren Dörfern Brodten, Teutendorf und Ivendorf, die zum Stadtteil gehören, leben nur jeweils zwischen 100 und 300 Einwohner.

Geschichte mini|Foto von Travemünde um 1900|links mini|1872: Hochwassermarke am alten Travemünder Leuchtturm

Travemünde wurde 1187 gegründet. Bereits mit dem Lübecker Reichsfreiheitsbrief von 1226 hatte sich die Stadt Lübeck von Kaiser Friedrich II. die Rechte an Travemünde zusichern lassen. Im selben Jahr kam der Priwall zu Travemünde. 1329 wurde Travemünde dann durch Kauf endgültig Teil des damaligen Lübecker Stadtstaates. Travemünde war seit den Zeiten Heinrichs des Löwen stark befestigt. Während des Dänisch-Lübischen Krieges wurde 1510 ein dänischer Angriff abgewehrt.

Im Jahr 1802 wurde Travemünde als zweiter Ort an der deutschen Ostseeküste als „Seebad“ anerkannt.Sven Rohde: Die ältesten Seebäder: Monte Carlo des Nordens. shz.de vom 15. Juli 2015, abgerufen am 18. Mai 2020Ab nach Travemünde. In: Hamburger Abendblatt vom 17. Juli 2010, Magazin S. II.

Die Befestigungen Travemündes wurden 1807 geschleift.

Von 1811 bis 1813 war Travemünde, wie Lübeck, Teil des französischen Kaiserreichs und damit dessen nordöstlichster Ort (→ Lübecker Franzosenzeit). Zu dieser Zeit wurde zur Durchsetzung der Kontinentalsperre das Fort Travemünde errichtet.

1872 wurde Travemünde durch das Ostseesturmhochwasser stark geschädigt, zahlreiche Häuser fielen den Fluten zum Opfer. Spuren der Sturmflut sind noch heute vereinzelt erkennbar.

1913 wurden die bis dahin im Lübecker Stadtstaat selbständige Stadt Travemünde und Kücknitz in die Stadt Lübeck eingemeindet.

Politik Travemünde hat einen informellen Ortsrat, der eine Beratungsfunktion gegenüber der Verwaltung und Politik der Hansestadt Lübeck hat, aber keine eigenen Entscheidungsbefugnisse besitzt. 15 der 20 Vertreter werden von den politischen Parteien entsprechend dem jeweiligen Travemünder Wahlergebnis zur Bürgerschaftswahl bestimmt. Zusätzlich sind dem Ortsrat weitere fünf Vertreter des öffentlichen Lebens zugeordnet.Selbstporträt des Travemünder Ortsrates, abgerufen am 18. April 2017

Literarischer Schauplatz Travemünde wurde von bedeutenden Schriftstellern besucht und auch beschrieben. Aus Russland kamen dereinst, nicht zuletzt des Glücksspiels wegen, Dostojewski, Gogol und Turgenjew. Franz Kafka saß im Sommer 1914 barfuß am Strand und hatte das Gefühl, damit als „unanständig aufzufallen“. Thomas Mann kam schon als Schüler aus Lübeck in sein erklärtes „Kindheitsparadies“ und verbrachte regelmäßig seine Sommerferien hier. In seinem Roman Buddenbrooks hat er dem Ort ein bleibendes Denkmal gesetzt; auch in anderen Werken wie Tonio Kröger und Felix Krull taucht das Seebad als Schauplatz auf. In seinem Buch Eine Liebe fürs Leben hat Volker Hage das Verhältnis des Dichters zu Travemünde ausführlich dargestellt.

Promenaden und Badebetrieb Travepromenade und Priwallpromenade Die Travepromenade führt am westlichen Ufer entlang der Trave bis zur Mündung in die Ostsee. Hier liegen Segelboote, die Lotsenboote und die Seenotrettungsboote der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. Die Personenfähre fährt hier zur gegenüber am Passathafen gelegenen Priwallpromenade ab. Der Passathafen ist ein ehemaliger U-Boot-Hafen und wird heute als großer Yachthafen genutzt. Die Promenade auf dem Priwall am östlichen Ufer der Travemündung wurde 2020 eröffnet.

Strandpromenade Nach einem Besuch Kaiser Wilhelms II. im Jahr 1894 wurde in den Jahren 1898 bis 1904 die 1,7 km lange und bis zwanzig Meter breite Strandpromenade entlang der Ostsee angelegt. Die besondere Atmosphäre ergibt sich durch die großzügigen Dimensionen, den Badebetrieb auf dem breiten Sandstrand und den Blick auf den internationalen Fährverkehr. Von Ende 2010 bis Mitte 2012 wurde die Strandpromenade abschnittsweise mit einem sturmsicheren Unterbau aus Asphalt und Granitpflaster versehen. Geblieben sind die schmiedeeisernen Geländer zwischen Promenade und Strand. Neu hinzu kamen barrierefreier Strandzugang, Spielzonen für Kinder, eine Seeterrasse und eine Strandbar. Die Strandpromenade geht am nördlichen Ende hügelaufwärts in die weitgehend naturbelassene Landschaft des Brodtener Steilufers mit dem Aussichtspunkt Hermannshöhe oder strandnah in einen Fußpfad zum Mövenstein über.

Badestrände mini|Strandpromenade, Strandkörbe und Ostsee

Travemünde hat zwei ausgewiesene Badestrände zur Ostsee hin: den rund einen Kilometer langen Sandstrand an der Strandpromenade mit dem anschließenden Grünstrand und den ca. 1,2 km langen Sandstrand am Ostseeufer des Priwalls. Insgesamt kann an einem Küstenbereich von rund vier Kilometern gebadet werden. Die Haupt-Badesaison ist von Juli bis August mit Wassertemperaturen um die 20° Celsius.

An den feinsandigen Stränden in Travemünde sind in der Saison bis zu 1500 Strandkörbevgl. Kurbetrieb Travemünde verfügbar. Es gibt einige Beobachtungstürme der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Die Wasserrettung der DLRG-Wasserrettungs-Station ist nur im Dienst, wenn ein quergestreifter rot-gelber Wimpel oben am Fahnenmast gehisst ist. Ist zusätzlich darunter eine gelbe Fahne gehisst, so ist Baden und Schwimmen gefährlich. Ist stattdessen zusätzlich darunter eine rote Fahne gehisst, so ist das Baden und Schwimmen verboten.Informationen für unsere Strandgäste. DLRG Lübeck e. V., Faltblatt von ca. 2015.

Bei nordöstlichen starken Winden können lebensgefährliche Unterströmungen entstehen, die die Schwimmer ins Meer hinausziehen.Oliver Vogt: Riskanter Spaß: Baden in stürmischer See. In: Lübecker Nachrichten, 12. Juli 2014, S. 6. Ein Indiz dafür ist, wenn das Seewasser vom Strand bis zum Horizont Wellen mit Schaumkronen aufweist. alternativtext=High End, Maritim und Aja Hotel|mini|High End Apartments, Maritim und Aja Hotel

„High End“-Areal Im Zuge der Umgestaltung des Traveufers verkaufte die Stadt Lübeck das Areal zwischen Maritim-Hochhaus, Strandpromenade und Leuchtturm an den dänischen Investor Sven Hollesen und dessen deutsch-dänische Gesellschaft Planet Home und genehmigte dort zwei siebengeschossige, breitgelagerte Neubauten mit Blick auf die Travemündung (ein Hotel und ein Gebäude mit Ferienwohnungen). Die Architekturkritikerin Ursula Baus kritisierte 2017 die „in die Liga des Banalen, Ortsuntypischen“ gehörenden Neubauten als Verbauung eines öffentlichen Freiraums und eine „Verbarrikadierung“ des Uferbereichs.

Kultur-, Naturdenkmale und Bauwerke

Alter Leuchtturm

mini|Alter Leuchtturm und Hotel Maritim (vor 2017)

Im Jahr 1539 wurde der Alte Leuchtturm Travemünde von holländischen Maurern aus Ziegelsteinen erbaut. Er ist rund 31 Meter hoch und besteht aus acht Etagen, die jeweils im Durchmesser abnehmen. Er ist der älteste erhaltene Leuchtturm in Deutschland und seit 1922 ein technisches Kulturdenkmal. 1827 wurde er von einem Blitz getroffen, wobei die Spitze völlig abbrannte. 1903 wurde das Leuchtfeuer auf elektrisches Licht umgestellt. Deutschlands dienstältester Leuchtturm stellte 1972 den Betrieb ein, weil die Sicht durch den Neubau des Maritim-Hochhauses verdeckt wurde.

Der Alte Leuchtturm Travemünde dient seit 2004 als maritimes Museum für Leuchtfeuertechnik. An den Treppenwänden und auf den acht Etagen sind Bilder von Leuchttürmen und Feuerschiffen sowie Seelaternen und Leuchtfeuer ausgestellt. Auf halber Höhe ist der Lotsenausguck zur Ostsee zu besichtigen. Im obersten Stockwerk ist eine enge Balustrade rund um den Turm angelegt. Von dort ist der Rundblick auf Ostsee, Travemünde, Priwall, Passat und den Schiffs- und Fährverkehr möglich.

Maritim-Hochhaus / Neues Leuchtfeuer

mini|Maritim-Hotel mit altem Leuchtturm Das Maritim-Hochhaus wurde Anfang der 1970er Jahre errichtet. Mit 119 Metern Höhe (125 Meter Gesamthöhe) ist es das höchste Gebäude Schleswig-Holsteins sowie der gesamten deutschen Ostseeküste. Zu seinen Füßen befand sich von 1966 bis 2002 ein Meerwasserhallenbad, heute zwei Hotelanlagen mit öffentlichem Spa-Bereich. Das neue Leuchtfeuer im 36. Stockwerk des Hochhauses wurde am 30. April 1974 in Betrieb genommen und gehört mit 114,7 m Feuerhöhe zu den höchsten Leuchtfeuern Europas. Das weiß/rote Lichtsignal blitzt alle vier Sekunden in einem nach Nordosten zeigendem Sektor Richtung Lübecker Bucht auf.Ein ungewöhnliches Leuchtfeuer – 40 Jahre neuer Leuchtturm Travemünde. In: Leuchtfeuer, Nr. 68, Sommer 2014, Klaus Kern, Rüsselsheim 2014. Das Gebäude wurde im Juli 2019 in die Liste der Kulturdenkmale der Hansestadt Lübeck aufgenommen.

Nordermole Die Nordermole erstreckt sich bis zu dem Punkt, wo die Trave in die Ostsee mündet. Am äußersten Ende befindet sich das Molenfeuer Travemünde, ein grün-weißer Leuchtturm.

Ehemaliges Spielcasino

mini|Einstiges Casino Travemünde

Das Gebäude des ehemaligen Spielcasinos wurde 1913/1914 im Jugendstil als „Städtischer Kursaal“ bzw. „Konversationshaus“ erbaut. Die Außenanlagen wurden im Jahr 1915 von dem bekannten Lübecker Gartenarchitekten Harry Maasz gestaltet. Das Casino Travemünde war von 1949 bis 2012 in Betrieb. Im Hause befindet sich jetzt ein Hotel. Von 2005 bis 2015 gab es das Restaurant „La belle Epoque“, das unter Kevin Fehling 2012 mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnet wurde.

Ehemaliges Kurhaus-Hotel Das ortsbildprägende Kurhaus-Hotel, errichtet 1913 am Kalvarienberg, wurde renoviert und umgebaut und anschließend als A-ROSA Resort neu eröffnet. In seinem Inneren finden sich noch Ausstattungsmerkmale des eingeschossigen Vorgängerbaus, die 1820 im Stil des Klassizismus vom Innenarchitekten Joseph Christian Lillie geschaffen wurden. Die Küche des zum Hotel gehörenden Restaurants wurde seit 2011 unter der Leitung von Christian Scharrer mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet. Im Jahr 2014 kam es zum Wechsel der Küchenleitung. Dirk Seiger, der bis 2011 als Sous-Chef des Restaurants Buddenbrooks tätig war, übernahm die Leitung des Fine-Dining-Restaurants. 2017 wurde das Restaurant für seine Küche mit einem Michelin-Stern und 16 Punkten und zwei Hauben im Gault-Millau-Führer ausgezeichnet.

Strandbahnhof

Der Bahnhof Lübeck-Travemünde Strand der Bahnstrecke wurde 1911–1913 nach den Plänen des Architekten Fritz Klingholz im Jugendstil als Ersatz für einen hölzernen Vorgänger aus dem Jahr 1900 gebaut. 2000 wurde er aufwändig für fast 2,3 Millionen Euro restauriert. Als Besonderheit weist er einen Uhrturm mit bis zum Strand hin sichtbarer Anzeige der nächsten Zugabfahrt auf.

Hafenbahnhof

mini|Hafenbahnhof