Lankwitz ist der östlichste der acht Ortsteile des im Südwesten Berlins gelegenen Bezirks Steglitz-Zehlendorf.
Geographie mini|Übersichtskarte Lankwitz
Mit einer Fläche von rund sieben Quadratkilometern grenzt Lankwitz an folgenden Berliner Ortsteile: im Norden an Steglitz mit der Ortslage Südende im Osten an Mariendorf im Südosten an Marienfelde im Westen an Lichterfelde
mini|hochkant=0.5|links|Wappen des Ortsteils Lankwitz
Sowohl in nord-südlicher als auch in ost-westlicher Richtung erstreckt sich der Ortsteil über jeweils rund drei Kilometer.
Lankwitz wird im Norden durch den Teltowkanal begrenzt, der in diesem Bereich auf Lankwitzer Gebiet liegt. Im Osten und Süden ist der Ortsteil durch die Grenze zum Bezirk Tempelhof-Schöneberg bestimmt, die zunächst westlich der Bahngleise der Dresdener Bahn verläuft. Im weiteren Verlauf gehören der Trachenbergring und Friedrichsrodaer Straße sowie der Kreuzkirchhof noch zu Lankwitz. Die Grenze streift in gerader Verlängerung die südlichen Enden der Tambacher Straße und der Tautenburger Straße und kreuzt dann in gerader Verlängerung die Tennstedter und die Trippsteinstraße. Die Hildburghauser und die Zerbster Straße liegen im Folgenden dann schon auf dem Gebiet von Lichterfelde. Die Grenze umläuft westlich den Friedhof Lankwitz, folgt dann der Luisenstraße, kreuzt anschließend die Lankwitzer Straße, die Anhalter Bahn und die Bruno-Walter-Straße. Schließlich verläuft sie an der Ostseite der Gärtnerstraße und an der Westseite des Wiesenweges, wo sie dann in gerader Verlängerung – östlich vorbei am Steglitzer Hafen – wieder auf die Grenze an der Nordseite des Teltowkanals trifft.
Fließ- und Stehgewässer
Parkteich (): 1910/1912 im Beyendorffpark (heute: Gemeindepark) von Carl Rimann als künstlicher Parkteich mit einer Fläche von 4750 m² bei 330 Meter Umfang angelegt. Lankegrabenteich und Lankegraben (): Er liegt an den Straßen Alt-Lankwitz 58, Wedellstraße und In den Neuen Gärten in einem Grünzug und wird vom Lankegraben gespeist. Bei einer Fläche von 780 m² hat er eine mittlere Tiefe von 1,15 Metern und eine maximale Tiefe von zwei Metern. Theodosiusteich (): Auf der Fläche am Dominikuskloster gelegen wurde er in den 1970er Jahren als künstlicher Teich mit Betonabdichtung auf einer Fläche von 500 m² und maximaler Tiefe von zwei Metern angelegt. Alter Upstall Teich (): Vier Teiche auf dem Gelände der ehemaligen Kleingartenanlage ‚Alter Upstall‘, die nur periodisch Wasser führen, wobei der größte (Nr. 1) eine Fläche von 145 m² besitzt. Die Karte der Gemarkung Lankwitz um 1846 zeigt den Upstall als sumpfiges Wiesengelände. Wobei die Teiche wohl durch die Suhlen entstanden. Okengraben (): Seitenkanal des Königsgrabens zwischen Waltershauser Straße und Trippsteinstraße. Gasgraben (): Ehemaliger Lankwitzer Hauptgraben, im Alten Upstall/Freymüllerweg mit einigen Tümpeln erkennbar.Wolfgang Friese: Der Teltowkanal in Lankwitz. In: Heimatverein Steglitz e. V. (Hrsg.): Steglitzer Heimat, 51. Jg., Nr. 2, Berlin 2006, S. 21–25. Kein Gewässer im Sinn des Berliner Wassergesetzes. Hospitalgraben () im Zuge des Laufs der Lanke. Kämpegraben Am Trachenbergring () Kämpergraben an der Friedrichrodaer Straße () Königsgraben: 1777 erbauter Entwässerungsgraben, der zu keiner Zeit seine Funktion erfüllte. Heute namentlich vor allem aufgrund der Grundschule am Königsgraben sowie der gleichnamigen Gartenkolonie bekannt. Der Teltowkanal liegt zwischen Prinzregent-Ludwig-Brücke und vor der Eisenbahnbrücke der Dresdener Bahn auf Lankwitzer Flur, wobei die Lankwitzer Gemarkungsgrenze nördlicher lag und den Hauptgraben mit seinem sumpfigen Ufergelände einschloss.
Geschichte mini|Dorfkirche Lankwitz mini|hochkant=0.78|Dreifaltigkeitskirche (umgangssprachlich Lankwitz-Kirche)
mini|hochkant|Lanke-Stein an der alten Ratswaage mini|Gedenkstein 750 Jahre Dorf Lankwitz (1239–1989)
Das Dorf Lankwitz entstand aus einer slawischen Siedlung in Hufeisenform, deren Schenkel am Lankegraben endeten. Der Name geht auf das alt-slawische Lankowice zurück und bedeutet Ort an der Uferaue, vgl. Lanke. Er verweist auf den Wiesenbach Lanke, der einst durch diesen Ort führte. Die Lanke existiert noch, ist allerdings in ihrem gesamten Verlauf kanalisiert oder im Teltowkanal aufgegangen. Die Quelle ist durch den Lanke-Stein an der Ratswaage, Charlotten-/Elisabethstraße, gekennzeichnet. Von dort floss sie nach Nordosten über die heutige Bruchwitzstraße zur Mühlenstraße, wo sie sich zu einem Teich erweiterte, der im Volksmund Karpfenteich genannt wurde. In einem östlichen Bogen umschloss sie das Dorf und mündete am alten Upstall in den Lankwitzer Hauptgraben (heute: Teltowkanal). Der Graben leitete das Wasser am morastigen Birkbusch (Birkbuschstraße) zur ehemaligen und gleichfalls weitgehend im Teltowkanal aufgegangenen Bäke, die das Wasser über den Griebnitzsee der Havel zuführte.
Lankwitz wurde erstmals 1239 urkundlich erwähnt: die älteste urkundliche Erwähnung eines Dorfes im heutigen Stadtgebiet von Berlin. 1239 schenkten Johann I. und sein Bruder Otto III. die Gemarkung Lankwitz dem Benediktinerinnenkloster St. Marien zu Spandau, das zum Bistum Brandenburg gehörte. Die Bevölkerung bestand hauptsächlich aus Bauern. Das Dorf wurde mit 44 Hufen erwähnt, war also bereits vermessen („verhuft“) worden, was auf eine deutsche Übernahme vor 1239 hindeutet.
Der Kern des Angerdorfes Lankwitz befindet sich im Nordosten des Ortsteils. Ursprünglich handelte es sich um einen Sackanger, der, am Rande eines slawischen Handelsweges längs der Bäke zwischen Teltow und Köpenick gelegen, nur von Nordwesten her zugänglich und ansonsten von Wasser und Feldern umgeben war. Dieser Sackanger wurde im 14. Jahrhundert in ein Straßenangerdorf umgewandelt, dessen Anger noch heute als Alt-Lankwitz im Bereich der Dorfkirche Lankwitz erkennbar ist.
Der Bau der Dorfkirche stand im Zusammenhang mit der Besitzübernahme durch die Benediktinerinnen aus Spandau. Mit dem Zuzug deutscher Siedler wird wie üblich eine Holzkirche errichtet worden sein. Üblicherweise vergingen 30 Jahre bis zum Bau einer erheblich teureren Steinkirche, bis die Siedler aus Erträgen der Getreideernte genug Geld angespart hatten. Diese Zeit konnte in Lankwitz wegen des Vermögens des Klosters verkürzt werden. Die Kirche entstand wahrscheinlich um 1250.
Lankwitz wird 1265 als Pfarrdorf erwähnt. Das Landbuch Karls IV. weist für Lankwitz 33 Hufen aus, davon vier Pfarrhufen. Die Differenz zwischen 44 Hufen (1239) und 33 Hufen (1375) erklärt sich vermutlich dadurch, dass elf Hufen wüst lagen, denn 1450 werden wieder 40 Hufen erwähnt. Später ist zu den Pfarrhufen noch eine Kirchenhufe hinzugekommen. 1313 wird urkundlich der erste Seelsorger der Gemeinde Lankwitz erwähnt, Arnold Weyger, der aus der Kalandbruderschaft am Benediktinerinnenkloster Spandau stammte und nach dem heute eine Straße in Lankwitz benannt ist. Für das Dorf wird schon 1375 ein Krug erwähnt sowie ein Schulze. Auf das slawische Element deuten fünf Kossäten hin.
Im Jahr 1558 ging Lankwitz als Folge der Reformation aus dem Besitz des Klosters in Spandau in den Besitz des Amtes Spandau über. 1590 umfasste das Lehnschulzengut vier Lehnhufen und zwei Zinshufen. Das Lehnschulzengut war ab 1786 im Besitz der Adelsfamilie von Pfuel.
Der brandenburgische Kurfürst Johann Georg ordnete 1574 an, dass die Lankwitzer Kirche als Tochterkirche von Schöneberg geführt wird. Sein Nachfolger Joachim Friedrich machte die Lankwitzer Kirche 1602 zur Filialkirche von Schöneberg. Der Priesterweg zwischen Alt-Schöneberg und Lankwitz wurde von den Schöneberger Pfarrern damals benutzt, um nach Lankwitz zu gelangen. 1894 wurde Lankwitz eine eigenständige Pfarrei. „Von den Schöneberger Pfarrern benutzter Weg zum Filialdorf Lankwitz“
Ende des 19. Jahrhunderts wurde zunächst das nordwestlich des Bahnhofs Lankwitz gelegene, sogenannte Rosenthalsche Viertel mit Villen bebaut; heute wird es wegen der dort vorherrschenden Straßennamen als Komponistenviertel bezeichnet. In den darauf folgenden Jahrzehnten folgte südlich des Komponistenviertels das Zietenmannsche Viertel, das wegen der einfacheren Bebauung auch als Klamottenviertel bezeichnet wurde. Noch weiter südlich folgte dann das Thüringer Viertel, das im Berliner Volksmund Kleinkleckersdorf genannt wurde, da der Ausbau nur stockend voranging.
Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich das katholische Leben in Lankwitz durch den Zuzug von katholischen Arbeitern, insbesondere aus Galizien, für den Bau des Teltowkanals und die Ansiedlung karitativer Einrichtungen wieder. Ab 1911 gehörte Lankwitz zur römisch-katholischen Kuratie Mater Dolorosa, die noch zur Pfarrei Heilige Familie in Lichterfelde gehörte. Ab 1921 war Mater Dolorosa eine eigenständige Pfarrei, die in Teilen von Lankwitz noch die beiden Tochtergemeinden Sankt Benedikt und Von der Auferstehung Christi gründete. Seit Anfang 2022 gehört Lankwitz zur Großpfarrei St. Maria – Berliner Süden.
Zum 1. Oktober 1920 wurde die vormals zum Landkreis Teltow gehörende Gemeinde Lankwitz als Ortsteil des Bezirks Steglitz nach Groß-Berlin eingemeindet. 1932 richtete Ludwig Mies van der Rohe nach der Schließung des Bauhauses in Dessau in der Birkbuschstraße in Lankwitz das Bauhaus Berlin als private Architektenschule ein, das allerdings schon 1933 nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten schließen musste.
In der Nacht vom 23. zum 24. August 1943, der Lankwitzer Bombennacht, wurden das Rathaus, die Dreifaltigkeitskirche, die Dorfkirche, das Schloss, die Villa Louise, das gelbe Schulhaus (Alt-Lankwitzer Grundschule), die Kirche Mater Dolorosa und viele andere Gebäude zerstört. Bei alliierten Luftangriffen im Zeitraum der Lankwitzer Bombennacht bis zum 4. September 1943 wurde Lankwitz zu rund 85 Prozent zerstört. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden allmählich alle Baulücken geschlossen, sodass es heute in Lankwitz keine landwirtschaftlich genutzten Flächen und kaum noch Brachflächen gibt.
Das Berliner Tierheim, heute in Falkenberg, befand sich von 1901 bis 2001 in der Dessauerstraße.
Von 1949 bis 2017 hatte die Berliner Synchron, das größte deutsche Synchronunternehmen, in der Mühlenstraße ihren Standort, bevor das Gebäude abgerissen wurde und das Unternehmen nach Berlin-Schöneberg umzog.
Seit dem Jahr 2001 ist Lankwitz der östlichste Ortsteil des neu gebildeten Bezirks Steglitz-Zehlendorf.
Trockenlegung mini|hochkant|Hospitalgraben bei der Peter-Frankenfeld-Schule im Verlauf der ehemaligen Lanke