Geisenheim ist eine Kleinstadt im Rheingau-Taunus-Kreis in Hessen. Sie liegt am Rhein zwischen Wiesbaden und Rüdesheim und ist als Wein-, Schul-, Dom- und Lindenstadt bekannt. Sie ist Sitz der Hochschule Geisenheim und trägt daher seit dem 26. Oktober 2015 die amtliche Zusatzbezeichnung Hochschulstadt.Hessisches Ministerium des Innern und für Sport (Hrsg.): vom 19. Oktober 2015 (Zugegriffen 21. Oktober 2015)

Geografie Geografische Lage Das Stadtgebiet zieht sich ungefähr in Süd-Nord-Richtung von der Fahrrinne des Rheins aus in einem etwa drei Kilometer breiten Streifen die Südhänge des Rheingaugebirges zum Taunushauptkamm empor. Der untere Teil der Gemarkungen von Geisenheim und Johannisberg um die bebaute Ortslage besteht bis auf eine Höhe von 250 Meter überwiegend aus Weinberglagen; der nördlich anschließende Teil ist bewaldet. Am Waldrand liegen das Wallfahrtskloster und die Trabantensiedlung Marienthal. Weiter oben auf einer Rodungsinsel findet sich Stephanshausen. Höchster Berg Geisenheims ist der Hörkopf mit 474 Meter. Hinter dem Taunushauptkamm hat Geisenheim Anteil am Hinterlandswald mit dem unteren Ernstbachtal und dem linken Wisperufer nahe der Kammerburg und der Lauksburg. Vom Rhein bis zur Wisper ist das Stadtgebiet 13 Kilometer lang.

Durch die Weinbergslage „Schloss Johannisberg“ zieht sich knapp südlich des Johannisberger Schlosses der 50. nördliche Breitengrad und ist mit zwei schmiedeeisernen Markierungen auf gemauertem Sockel kenntlich gemacht.

Der Stadt vorgelagert liegt die Schönborn’sche Aue, eine verlandete Rheininsel, die im Zuge einer Renaturierung wieder vom Festland gelöst wurde.

Nachbargemeinden Geisenheim grenzt im Norden an die Stadt Lorch, im Osten an die Stadt Oestrich-Winkel, im Süden an die Städte Ingelheim und Bingen (beide Landkreis Mainz-Bingen in Rheinland-Pfalz) sowie im Westen an die Stadt Rüdesheim.

Stadtgliederung Die Stadt Geisenheim ist in vier Stadtteile aufgeteilt: „Kernstadt“, Johannisberg (Grund, Berg, Schloßheide), Marienthal und Stephanshausen.

Johannisberg ist wohl der bekannteste Stadtteil von Geisenheim, ist er doch die Geburtsstätte der Spätlese (genauer: der systematischen Erzeugung von Auslesen) und für seine Weinlage weltbekannt. Im Schloss Johannisberg erinnert eine Statue an den unbekannten Spätlesereiter. Fürst von Metternich erhielt die Schlossdomäne 1816 nach dem Wiener Kongress aus den Händen Kaiser Franz I. zum Geschenk.

Marienthal erhielt seinen Namen nach dem nahegelegenen Kloster Marienthal. Das Kloster ist bekannt wegen seiner Marienwallfahrt, und hier gab es die erste Klosterdruckerei der Welt.Website des Franziskanerklosters Marienthal

Klima In Geisenheim unterhält der Deutsche Wetterdienst eine Außenstelle der Abteilung Agrarmeteorologie. In der dortigen Wetterstation werden Klimadaten seit 1884 fortlaufend aufgezeichnet.Deutscher Wetterdienst – Außenstelle Geisenheim

Geschichte Ortsgeschichte mini|Mahnmal zum Gedenken an die gefallenen Jagdflieger aller Nationen nach Plänen des Bildhauers Klaus Seelenmeyer (1959) mini|Funde aus frühmittelalterlichen Gräbern in Geisenheim, 6.–7. Jh. Museum Brömserburg in Rüdesheim am Rhein

Geisenheim wurde 772 erstmals urkundlich erwähnt. Erste Siedler ließen sich jedoch bereits um 500 in Geisenheim nieder, wie Ausgrabungen in den Jahren 1954 und 2016Landesamt für Denkmalpflege Hessen: belegen, bei denen die Reste eines fränkischen Friedhofes aus der Zeit zwischen den Anfängen des 6. und dem frühen 8. Jahrhundert freigelegt wurden.

Seit dem Mittelalter und in der Frühen Neuzeit gehörte Geisenheim zum Erzbistum Mainz, von 1806 bis 1866 zum Herzogtum Nassau, danach zum Königreich Preußen und seit 1946 zum Land Hessen. Seit 1864 besitzt Geisenheim Stadtrechte.

Während der NS-Zeit wurde am 26. September 1944 in den Werkshallen der Maschinenfabrik Johannisberg GmbH in Geisenheim ein Außenkommando des KZ Natzweiler-Struthof eingerichtet, um die hierhin ausgelagerte Rüstungsproduktion der Friedrich Krupp AG aufrechtzuerhalten. Am 12. Dezember 1944 kamen die ersten weiblichen KZ-Häftlinge nach Geisenheim. 200 Frauen wurden in Baracken untergebracht. Das Lager lag zwischen der Bahnlinie Rüdesheim-Wiesbaden, der Winkeler Straße und der Tankstelle Reutershan. Die Mehrzahl der Häftlinge waren polnische Jüdinnen, die aus dem Ghetto Lodz stammten und zuvor im KZ Auschwitz als „arbeitsfähig“ selektiert worden waren. Am 18. März 1945 mussten die Frauen den Marsch zum Dachauer KZ-Außenlager München-Allach antreten. Dort wurden sie schwer misshandelt und schließlich Anfang Mai von US-Amerikanern befreit. Auch gab es auf dem Werksgelände ein firmeneigenes Lager mit 25 sowjetischen Kriegsgefangenen (Stand 1943).

Historische Namensformen In historischen Dokumenten ist der Ort im Laufe der Jahrhunderte unter wechselnden Ortsnamen belegt:

Gisenheim (772) Gysenheim (788) Gisenheim (776–796 (789/94?)) Gysenheim (954–984) Gysinheim (1107) Gysenheim (1108) Gisenheim (1128) Gisenheim (1133–1137) Gisenheim (1144) Gisenheim (1215) Gysinheym (1350) Gysenheym (1408)

Hessische Gebietsreform Im Zuge der Gebietsreform in Hessen fusionierten zum 31. Dezember 1971 auf freiwilliger Basis die zuvor selbstständige Gemeinde Johannisberg und die Stadt Geisenheim zur erweiterten Stadt Geisenheim. Am 1. Januar 1977 wurde kraft Landesgesetz die zuvor selbstständige Gemeinde Stephanshausen nach Geisenheim eingegliedert. Für die Stadtteile Talstadt, Marienthal, Johannisberg und Stephanshausen wurden Ortsbezirke errichtet.

Politik Stadtverordnetenversammlung Für die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Geisenheim erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:

Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 28,3 11 26,5 10 31,4 12 37,0 14 39,7 15 38,2 14 20,0 7 21,3 8 30,4 11 32,8 12 35,0 13 36,6 14 17,9 7 21,9 8 11,3 4 18,3 7 8,9 3 10,7 4 14,3 5 – – – – – – – – – – ZfB Zeit für Bürger 10,8 4 19,9 7 17,7 7 – – – – – – 8,7 3 10,4 4 9,2 3 12,0 4 13,2 5 11,0 4 – – – – – – – – 3,3 1 – – – – – – – – – – – – 3,5 1 Gesamt 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37 Wahlbeteiligung in % 57,7 51,3 46,7 45,3 41,8 47,6

Bürgermeister Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Magistrats, dem in der Stadt Geisenheim neben dem Bürgermeister ehrenamtlich ein Erster Stadtrat und neun weitere Stadträte angehören.Gremien der Stadt Bürgermeister ist seit dem 1. November 2017 Christian Aßmann, der bis dahin Kämmereileiter der Stadtverwaltung war. Der Amtsvorgänger Frank Kilian wechselte bald nach Beginn seiner zweiten Amtszeit am 5. Juli 2017 als Landrat zum Rheingau-Taunus-Kreis. Somit musste die Wahl des neuen Bürgermeisters vorgezogen werden. Christian Aßmann erhielt am 8. Oktober 2017 in einer Stichwahl bei 50,6 Prozent Wahlbeteiligung 80,3 Prozent der Stimmen. Es folgte eine Wiederwahl ohne Gegenkandidaten im März 2023.Votemanager: Bürgermeisterwahl Hochschulstadt Geisenheim 2023

Amtszeiten der Bürgermeister 2017–2029 Christian AßmannWiesbadener Kurier, 23. November 2017: Geisenheims neuer Bürgermeister Christian Aßmann ist seit drei Wochen im Amt 2010–2017 Frank KilianWiesbadener Kurier vom 3. März 2016: 1992–2010 Manfred Federhen (1946–2025)Rheingau Echo vom 4. September 2025: Trauer um Altbürgermeister Manfred Federhen (* 15.08.1946; † 23.08.2025) 1980–1992 Reiner Klein (1934–2020)Rheingau Echo vom 7. Januar 2021: Motivator mit Humor und Bürgersinn. Ex-Bürgermeister Reiner Klein verstarb an Heiligabend 2020.

Ortsbeiräte Folgende Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher, nach Maßgabe der §§ 81 und 82 HGO und des Kommunalwahlgesetzes in der jeweils gültigen Fassung, gibt es im Gemeindegebiet: Ortsbezirk Talstadt (Im Wesentlichen das Gebiet der ehemaligen Stadt Geisenheim). Der Ortsbeirat besteht aus fünf Mitgliedern. Ortsbezirk Marienthal (Im Wesentlichen das Gebiet der ehemaligen Gemeinde Marienthal). Der Ortsbeirat besteht aus fünf Mitgliedern. Ortsbezirk Johannisberg (Im Wesentlichen das Gebiet der ehemaligen Gemeinde Johannisberg). Der Ortsbeirat besteht aus fünf Mitgliedern. Ortsbezirk Stephanshausen (Im Wesentlichen das Gebiet der ehemaligen Gemeinde Stephanshausen). Der Ortsbeirat besteht aus fünf Mitgliedern. Die Wahl der Ortsbeiräte erfolgt im Rahmen der Kommunalwahlen. Der Ortsbeirat wählt eines seiner Mitglieder zum Ortsvorsteher bzw. zur Ortsvorsteherin.

Ortsbeirat Talstadt Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 45,31 %. Dabei wurden gewählt: zwei Mitglieder der SPD, zwei Mitglieder der CDU und ein Mitglied der FDP. Der Ortsbeirat wählte Sabine Frank (CDU) zur Ortsvorsteherin.

Wappen rahmenlos|80px|Altes Wappen bis 1977 von Geisenheimrahmenlos|90px|Neues Wappen seit 1977 mit dem Stephanshäuser Drachen Der Stadt Geisenheim im Rheingau-Taunus-Kreis ist am 5. Oktober 1978 vom Hessischen Minister des Innern ein Wappen mit folgender Blasonierung genehmigt worden: In Silber zwei doppelgeschossige rote Türme, durch eine gedeckte Brücke verbunden; über der Brücke ein sechsspeichiges rotes Rad; unter der Brücke ein roter, feuerspeiender Drache, von einer Lanze durchbohrt.

Nach der Gebietsreform von 1972 wurde das Wappen der Stadt angepasst. Die beiden „alten“ Mainzer Räder wurden durch die Johannisberger Version des Mainzer Rades (oben) und durch den Stephanshausener Drachen (unten) ersetzt.

Städtepartnerschaften Die Stadt Geisenheim unterhält partnerschaftliche Beziehungen zu Szerencs in Ungarn, Puligny-Montrachet in Frankreich, Chauvigny in Frankreich und alternativtext=Fachwerkahsu mit Erker, Tor und Hinweistafel|mini|Pfefferzoll Haus, Zollstr. 21Trino in Italien. mini|Rathaus Geisenheim mini|Geisenheimer Lindeauf dem Lindenplatz mini|Rheingauer Dom in Geisenheim mini|Villa Monrepos mini|Ingelheimer Hof („Weingut Schloss Kosakenberg“)

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Am Pfefferzoll wurde von vorbeifahrenden Schiffern Zoll in Form des damals wertvollen Gewürzes verlangt. Das kleine Haus mit dem schönen Erker steht heute über 200 Meter vom Rhein entfernt im Südosten der Altstadt.

Geisenheimer Linde Direkt vor dem Rathaus steht auf dem Lindenplatz die geleitete Tanzlinde, ein Symbol der Stadt. Diese WinterlindeDie Linde in Geisenheim Wikisource. ist vermutlich 700 Jahre alt und wurde 1585 als Gerichtslinde erstmals erwähnt. In den 1970er Jahren wurde sie durch Krankheit ihrer oberen, zweiten Laubkrone beraubt. Im Juli findet das Lindenfest mit der Stunde der Heimat in den Straßen zwischen Dom und Rathaus statt.„Tanzlinde in Geisenheim“ im Baumregister bei www.baumkunde.de

Bauwerke Pfarrkirche Heilig Kreuz, genannt 'Rheingauer Dom', neugotische Doppelturmfassade aus dem 19. Jahrhundert, Langhaus und Chor aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts, bedeutende Grabmäler und reiche Innenausstattung, bekannte Stumm-Orgel aus dem 19. Jahrhundert Evangelische Kirche, Neuromanik, 1891–1897 nach Plänen des Architekten Ludwig Hofmann erbaut. Alte Werkshalle des Druckmaschinenherstellers Maschinenfabrik Johannisberg Geisenheim (MJG), bedeutendes Industriedenkmal der langjährigen Maschinenbau-Tradition in Geisenheim. Kronberger Hof, ehemaliger Adelshof aus der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts Eberbacher Hof, ehemaliger Wirtschaftshof des Klosters Eberbach und Elternhaus des Architekten Philipp Hoffmann