Haus- und Familienarbeit bezeichnet häusliches und familienbezogenes Arbeiten für sich selbst, für im Haushalt lebende Kinder und Angehörige einschließlich Partner bzw. Partnerin und ggf. für Dritte. Haus- und Familienarbeit gehört zum Bereich der Care-Arbeit. mini|Mutter mit Tochter während der Hausarbeit
Hausarbeit ist ein Oberbegriff für alle häuslichen Arbeiten: Arbeiten zur Erhaltung des Haushalts (Aufräumen, Putzen) und des zur Lebensführung benötigten Inventars (Wäsche waschen, Geschirr spülen, Fahrradreparaturen, Tapezieren); die Zubereitung von Mahlzeiten (Einkaufen, Kochen, Backen).
Familienarbeit wird oft im weiteren Sinne als Synonym für die Pflichten der Haus- und Familienarbeit verwendet; Familienarbeit im engeren Sinn bezeichnet die Beaufsichtigung, Versorgung und Erziehung von Kindern und Pflege von Angehörigen sowie den in diesem Zusammenhang anfallenden Anteil der Hausarbeit und allgemeiner auch die Planung und Organisation des Familienlebens im Hinblick auf den Alltag und Feste, den Freundes- und Bekanntenkreis, die Aufrechterhaltung der Kontakte zu Verwandten und die Mitwirkung in der Schule oder Gemeinde.
Begriffliches Unbezahlte „Haus- und Familienarbeit“ wird auch unter dem von „Reproduktion“ abgeleiteten Begriff (familiäre) Reproduktionsarbeit zusammengefasst – in Abgrenzung zur (bezahlten) Erwerbs- oder Produktionsarbeit, welche die finanzielle Versorgung durch Erwerbstätigkeit beinhaltet. Teilweise wird auch ein Ehrenamt zur (gesellschaftlichen) Reproduktionsarbeit gezählt. Abweichend wird oftmals der Begriff „Familienarbeit“ synonym zum Oberbegriff der familiären Reproduktionsarbeit verwendet; in Einzelfällen trifft das auch für den Begriff „Hausarbeit“ zu.A. Doris Baumgartner: Bundesamt für Statistik (BFS), 4/2005 - siehe: EinleitungAnja Steinbach: (PDF; 194 kB) bei: www.familienhandbuch.de
Die Familienarbeit und der Anteil der Hausarbeit, der über Routinetätigkeiten hinausgeht, wird auch als Familienmanagement bezeichnet. Bei der Verwendung dieses Ausdrucks steht auch die Notwendigkeit der Konsensbildung unter den Mitgliedern der Familie beispielsweise mittels Familienkonferenzen sowie der Prioritätensetzung, des Zeitmanagements und des Einsatzes finanzieller Mittel im Vordergrund. Meist ist dabei eine tatsächliche oder gewünschte Aufwertung der damit verbundenen Tätigkeiten impliziert – als Reaktion auf Probleme aus geschlechtsspezifischer Zu- bzw. Abweisung der Hausarbeit und die in androzentrischen Gesellschaften damit einhergehende geringere Bewertung der Reproduktions- als der Erwerbsarbeit. Gelegentlich wird Hausarbeit – defensiv, ironisch oder dem zeitgenössischen Primat der Erwerbsökonomie angepasst – als das Management des häuslichen Alltags bezeichnet. Der Ausdruck „Familienmanagerin“ wird teilweise als Euphemismus für „Hausfrau und Mutter“ angesehen. mini|Magazin für die Hausfrau (USA 1908)
„Hausarbeit“ ist zu unterscheiden von „Heimarbeit“, einer Form von Lohnarbeit mit Arbeitsplatz zu Hause.
Die Familienarbeit wird oft auch als Bezeichnung für soziale oder pädagogische Arbeit mit Familien verwendet, etwa in Form von „Kinder-, Jugend- und Familienarbeit“.
Darstellung Die häusliche Arbeitsteilung unterliegt in fast allen Gesellschaften stark asymmetrischen Geschlechterverhältnissen und wird überwiegend geschlechtsspezifisch zu- bzw. abgewiesen; das betrifft sowohl die Frage der Aufteilung zwischen Hausarbeit und Erwerbstätigkeit (diskutiert auch unter dem Begriff der Vereinbarkeit von Familie und Beruf) als auch – bei partnerschaftlicheren Arrangements der Hausarbeit – die Teilung zwischen verschiedenen Tätigkeitsfeldern innerhalb der Hausarbeit. So wird etwa Putzen, Waschen, Nähen, Pflegen oft als typisch weibliche Tätigkeit angesehen, während Reparatur- und Instandsetzungsarbeiten, Rasenmähen und Getränkeeinkauf männlich konnotiert sind. Hausfrauen (selten Hausmänner) sind Erwachsene, die sich – meist im Rahmen von Paarbeziehungen – der Hausarbeit widmen und damit keine Erwerbsarbeit kombinieren und dem Arbeitsmarkt bewusst nicht zur Verfügung stehen. Für Erwachsene, die sich – trotz weitgehender Unentbehrlichkeit von Hausarbeit – fast ausschließlich der Erwerbsarbeit widmen, mit dieser keine Hausarbeit kombinieren und dem Haushalt nicht zur Verfügung stehen, gibt es bisher keinen allgemein eingebürgerten entsprechenden Begriff.
Teilweise werden die mit den zur Hausarbeit zählenden Tätigkeiten verbundenen Kenntnisse an einer Hauswirtschaftsschule vermittelt, überwiegend werden sie jedoch im Rahmen des Erwachsenwerdens durch Sozialisationsprozesse gelernt. Auch hier ist häufig eine Orientierung an traditionellen geschlechtsspezifischen Rollenmustern vorzufinden, so wird immer noch mit einer recht großen Selbstverständlichkeit vorausgesetzt, dass Mädchen sich an häuslichen Arbeiten beteiligen, während Jungen oft zu Arbeiten im Freien herangezogen werden.
In bäuerlichen Gesellschaften war die klare Trennung zwischen Erwerbsarbeit und Hausarbeit, wie sie in heutigen modernen Gesellschaften vorzufinden ist, weniger deutlich ausgeprägt. Auch dort wurde jedoch oft eine Trennung im Sinne von Frauenarbeit im Haus und fürs Kleinvieh und Männerarbeit auf dem Feld und fürs Großvieh vorgefunden.
Erwähnenswert ist beim Thema Hausarbeit schließlich die fortschreitende Vereinfachung und Erleichterung des häuslichen Alltags ab dem 20. Jahrhundert durch den zunehmenden Einsatz von Haushaltstechnik (so genannter 'weißer Ware'). Dem steht ein erhöhter Anspruch an die Hausarbeit entgegen, sodass sich die für Hausarbeit aufgewendete Zeit nur teilweise verringert bzw. in Deutschland seit den 60er Jahren beträchtlich erhöht hat
In den Industrieländern ist neben der technischen Rationalisierung der Hausarbeit zugleich eine zunehmende soziale Isolation der Hausarbeit zu beobachten.Rüdiger Peuckert: Familienformen im sozialen Wandel. VS Verlag für Sozialwissenschaften, 7. Auflage. 2008, ISBN 978-3-531-15721-4, S. 230
Eine als „Neue Hausarbeit“ bezeichnete Art der Haus- und Familienarbeit bezieht sich vor allem auf auch Vermittlungsleistungen gegenüber verschiedenen Institutionen, etwa Märkte, Banken, Versicherungen, Verkehrseinrichtungen, Gesundheits- und Bildungseinrichtungen. Interaktionen von Haushalten mit dienstleistungs- und güteranbietenden Institutionen tragen zur steigenden Komplexität der Lebensbedingungen bei.
Dass die Hausarbeit auch einen finanziellen Wert hat, ist im deutschen Schadensersatzrecht anerkannt (siehe Haushaltsführungsschaden). In die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung geht sie nicht ein: insbesondere auch dem Europäischen System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen (ESVG) liegt zwar ein sehr umfassenden Begriff von „Produktion“ zugrunde, der die gesamte Herstellung von Waren und das Erbringen von Dienstleistungen einschließlich ehrenamtlicher sowie illegal ausgeübter Arbeiten einbezieht, die privat in Haushalten geleistete Hausarbeit wird jedoch nicht erfasst. S. 37. Bezüglich der Nichteinbeziehung selbst verrichteter Hausarbeit werden internationale Konventionen genannt sowie das Fehlen eines eindeutigen Kriteriums, welcher Anteil der für den eigenen Haushalt geleisteten Arbeit als Haushaltsproduktion anzusehen sei.Alfred Stobbe: Volkswirtschaftliches Rechnungswesen, 8. Ausgabe, Springer, 1994, ISBN 3-540-57851-X, S. 383 ff.
Aufgabenbereiche Koordination In industrialisierten Ländern fallen im Bereich Haushalt und Familie vielfältige Aufgaben der Koordination an, insbesondere: Haushaltsplanung (Planung von Anschaffungen und Einkäufen, Mahlzeiten, Zeitplanung); Gestaltung der Aufgabenverteilung innerhalb der Familie beziehungsweise das Delegieren von Tätigkeiten an Dienstleister oder Hauspersonal; Administrative Arbeiten/Buchführung (Alltagsbürokratie).
Langfristige Planung bezüglich des Werdegangs und der Entwicklung der Kinder sind im Abschnitt Aufgaben in der Familie aufgeführt.
Für die Koordination der Haus- und Familienarbeit, die gerade in Haushalten mit mehreren Kindern kompliziert sein kann, ist eine Buchführung erforderlich, die oft auf informelle Weise geschieht, mit Hilfe vielfältiger Listen, Zettel und Hefte (abgerufen am 12. Oktober 2007) – etwa Kalendarien, ToDo-Listen, Menüplänen, Einkaufs- und Merkzetteln.
Koordinierung der Aufgabenverteilung mini|Mithilfe von Kindern im Haushalt
Sofern nicht kulturelle Vorgaben bestehen und ungefragt übernommen werden, ist es erforderlich, implizite oder explizite Vereinbarungen über die Haushaltspflichten unter den Eltern zu treffen sowie, dem Alter entsprechend, den Kindern. Die innerfamiliäre Arbeitsteilung der Erwachsenen ist dabei gegebenenfalls Gegenstand einer Aushandlung. Auch Art und Ausmaß der Tätigkeiten erfordern eine Abstimmung in der Partnerschaft, da sich die Erwartungen der Partner an den Wohn- und Einrichtungsstil, an den Standard der Ordnung im Haushalt und an den Erziehungsstil sich je nach familiärem, gesellschaftlichem und kulturellem Hintergrund sehr unterscheiden können. Es kann immer wieder eine Klärung individueller Vorlieben und eine Einigung auf einen angestrebten Lebensstil im Alltag und auf gemeinsame Maßstäbe (Art der Nutzung der Räume, Art und Strenge der Ordnung an bestimmten Stellen in der Wohnung, Verantwortlichkeiten) erforderlich werden; besonders deutlich wird dies in binationalen Partnerschaften.
Im Falle der Berufstätigkeit beider Partner, und insbesondere wenn ein weitgehend egalitäre Beziehung im Sinne eines Doppelversorgermodells angestrebt wird, ist zugleich das berufliche Engagement und die momentane Aufteilung von Aufgaben und Verantwortung in der Familie zu koordinieren.
Delegierung Einzelne Aufgaben des Haushalts werden in Industrienationen häufig an externe Dienstleister delegiert (siehe auch: Work-Life-Dienstleistungsbranche). Bei Delegierung von Aufgaben an Hauspersonal hingegen nehmen die dem Haushalt vorstehenden Personen Aufgaben eines Arbeitgebers wahr (etwa Aufgabenbeschreibung, Personalauswahl, Vertragsgestaltung, Anmeldung, Versicherung, Einweisung, Qualitätskontrolle und Gehaltsabrechnung).
Eine Delegation der Kinderbetreuung an eine Tagesbetreuungseinrichtung, an Gasteltern oder an Großeltern führt zu mehr Verknüpfungspunkten zur außerfamilialen Welt und trägt zu einer größeren Komplexität des familialen Lebens bei. S. 19. Wird auf mehrere Kinderbetreuungsressourcen zurückgegriffen, etwa sowohl auf Kindertageseinrichtungen als auch auf Tageseltern, so fällt Arbeit für ihre Koordination an. Eltern, die kein familiäres Unterstützungsnetz haben, müssen Brüche und Lücken selbst flexibel ausgleichen.
Alltagsbürokratie mini
Zu den Aufgaben im Haushalt fallen auch administrative Arbeiten bzw. Aufgaben der Buchführung u. ä. an, beispielsweise: Behördengänge (bspw. zur An- oder Ummeldung und ggf. zur Beantragung von Kinder- und Elterngeld u. ä. staatlichen Leistungen) und Bankgeschäfte erledigen (insbesondere Rechnungen begleichen und Kontoauszüge prüfen), Haushaltskasse kontrollieren bzw. Haushaltsbuch führen, laufende Verträge überprüfen und gegebenenfalls ändern oder kündigen, neue Anschaffungen planen, Schriftverkehr mit Versicherungen und anderen Vertragspartnern inklusive gesetzlicher oder privater Krankenversicherung führen. Dabei sind bestimmte Dokumente (u. a. renten- oder steuerrelevante Unterlagen über Einkünfte, Belege für die Steuererklärung, Rechnungen und Belege zu handwerklichen Arbeiten im Haus und am Grundstück, Versicherungspolicen, Zeugnisse und Nachweise über Ausbildungs-, Studien- und Arbeitszeiten) jahrelang und teils dauerhaft aufzubewahren. Laut einer BITKOM-Umfrage lagern Bundesbürger zuhause durchschnittlich sieben Aktenordner mit Verträgen und Rechnungen. Ein Teil der Dokumente kann alternativ hierzu in einem Dokumentenmanagementsystem gespeichert werden.
Die Unterstützung bei diesen Alltagsaufgaben ist ein Bestandteil der Altenpflege und spielt auch bei der Unterstützung und Integration von Migranten eine Rolle.